Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Meine Reise ins Mysterium Geld

2015-09-27

Die Überschrift spielt auf das Buch Mysterium Geld von Bernard Lietaer an, das ich gerade durchgelesen habe. Es bildet die bisherige Krönung meiner Reise in die Welt des Geldes, deshalb ganz am Ende dieses Beitrags mehr darüber.
Das Buch nehme ich zum Anlass, aufzulisten, wo und wie ich in meinem Leben schon überall bewusst mit Geld in Kontakt gekommen bin, und welche verschiedenen Aspekte des Geldes ich schon berührt habe. Da kommt eine ganze Menge zusammen, vieles davon hier im Blog dokumentiert.

Noch bevor ich das Geld an sich im Fokus hatte, wurde ich bereits in der Schulzeit von Daniel Yergin in seinem dicken Buch "Der Preis - Die Jagd nach Öl, Geld und Macht" darauf aufmerksam, welche zentrale Rolle sowohl für die Weltpolitik als auch für unser aller tägliches Leben die Wirtschaft und damit das Geld spielt.

Die Initialzündung kam dann in Bielefeld, wo ich durch das Buch Der Kapitalismus - ein System, das funktioniert von Paul C. Martin (PCM) auf den Debitismus aufmerksam wurde. Wie der Name schon sagt, betrachtet dieser unser Wirtschaftssystem als angetrieben von Schuldverhältnissen und nicht als Tauschwirtschaft.

Das schärfte meinen Blick dafür, "herrschende Meinungen" über Geld kritisch zu hinterfragen. Das tat ich über mehrere Jahre hinweg auch in der Mailingliste NewMoney, durch die ich sehr viel über Geld gelernt habe. Ich hinterfragte dabei auch den Debitismus, der zwar wichtige vom Mainstream ignorierte Tatsachen betont, aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss sind die Gold bugs, also die Verfechter eine goldgedeckten Währung, mit den Goldseiten als deutschem Sprachrohr. Dennoch erfährt man dort immer wieder Hintergründe, über die sich andere Medien ausschweigen. Gleiches gilt für das Gelbe Forum (ehemals Elliot-Waves-Forum), in dem u.a. Paul C. Martin unter dem Pseudonym dottore schreibt. Eine gute Zusammenfassung liefert die Aufsatzsammlung Umbruch in ökonomischer Theorie und Wirklichkeit.

Sehr tiefe Einblicke lieferte mir weiterhin der Text Vexierbild Geld von Richard Weinrich, den es nur noch im Internet Archive abzurufen gibt.

In diese Zeit fiel auch meine etwa ein Jahr dauernde Mitgliedschaft bei der BüSo (Bürgerrechtsbewegung Solidarität), dem deutschen Ableger der LaRouche-Bewegung in den USA. Gerade durch die Anschläge vom 11. September 2001 war ich voll von der BüSo gepackt. Diese Phase habe ich längst hinter mir gelassen, kann jetzt im Rückblick sagen, dass LaRouche & die BüSo nicht nur Quatsch erzählen, sondern auch manches, das Hand und Fuß hat. Ihren Anspruch, alle Probleme der Welt mit Industrialisierung zu lösen, teile ich nicht (da habe ich damals schon immer mit gehadert). In Spiral Dynamics-Sprache ist das knallorange. Ihre Kritik am derzeitigen Finanzsystem (die ich mal salopp auf "Geld kann man nicht essen" reduziere) teile ich allerdings. Das war auch einer der Hauptgründe für mich damals, da mitzumachen.

Während meiner BüSo-Zeit habe ich übrigens auch den Anarchismus und überhaupt klassisch linke Politikansätze kennengelernt, was immer wieder für Reibungen sorgte. ;-) Ich habe damals z.B. angefangen Karl Marx zu lesen, zuerst die Ökonomisch-Philosophischen Manuskripte, in denen m.E. der Geist des Kommunismus viel schöner zum Ausdruck kommt als in seinen späteren Schriften. So zeichnet sich der Kommunismus ja dadurch aus, dass Geld und damit Austausch-Beziehungen unnötig werden. Dennoch habe ich mich dann auch durch den ersten Band des Kapitals gearbeitet. Das war für mich vor allem ein erschütternder Einblick in die realen Verhältnisse des Frühkapitalismus in England, wo Marx ja seinerzeit lebte. Dass die Theorie des Mehrwerts daran krankt, Geld einfach als irgendwie gegeben anzunehmen, wusste ich schon von Paul C. Martin.

Geldpraktisch habe ich in dieser Zeit ebenfalls eine erste große Wende erlebt, ich hatte nämlich meine damaligen Ersparnisse ursprünglich in ein Silberdepot investiert, war also selbst ein "Silverbug". Bei einem Camp im ZEGG habe ich dann beschlossen, dieses Silberdepot aufzulösen und das Geld statt dessen dem ZEGG als Darlehen zu geben. Damit habe ich statt in tote Materie in Menschen investiert, denen ich vertraue. Außerdem lernte ich die GLS-Bank kennen, bei der ich seither mein Girokonto habe.

Zurück zu den Büchern: Durch Wolfgang Bergers Buch Business Reframing wurde ich erstmals auf den direkten Zusammenhang von Geld und Verantwortung aufmerksam, und wie unser heutiges Geldsystem diesen systematisch aufhebt. Das war noch bevor Wolfgang Berger anfing, sich für Fließendes Geld stark zu machen. So fordert er in Business Reframing z.B., dass alle Großinvestitionen versichert werden müssen, um nicht wie üblich die Risiken zu vergesellschaften, während die Erträge aus den Investitionen privatisiert werden.

Ein weiteres Buch, aus dem ich viel gelernt habe, ist Der Mythos vom Geld - Die Geschichte der Macht von Stephen Zarlenga (Zusammenfassung in der Metapedia). Zarlenga betreibt in den USA das American Monetary Institute und hebt vor allem darauf ab, dass das Geldsystem unter demokratischer Kontrolle stehen muss. Historisch brisant ist für mich vor allem die Information, dass über viele Jahrhunderte hinweg das Wertverhältnis von Gold und Silber im Westen (sprich Europa) und im Osten (Indien, China usw.) extrem unterschiedlich war, im Westen bei etwa 1:12, im Osten bei 1:6 (die Zahlen habe ich aus dem Gedächtnis rekonstruiert, Angabe deshalb ohne Gewähr). Die Völker, die den Handel zwischen West und Ost kontrollierten (die Phönizier, der Templerorden, der auch das europäische Banksystem mit aufgebaut hat, später die Venezianer), behielten das als Geheimnis für sich und schlugen riesige Profite daraus.

Nun geht es weiter mit alten Blogbeiträgen:
Wer nicht gerne Sachbücher liest, kann sich alternativ mit dem Roman Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach weiterbilden, der da auch tiefe Einblicke gibt. Übrigens nach Business Reframing das zweite Buch, das die Internalisierung von Kosten betont, die im heutigen System nicht berücksichtigt werden.

Als ich dann auf meiner Gemeinschaftsreise die Schenker kennen lernte, war das meine erste Begegnung mit Menschen, die versuchen ganz ohne Geld zu leben. Das war für mich damals nur als Möglichkeit interessant, ich selber wollte und will statt dessen noch tiefer in die Welt des Geldes eintauchen.

Daher wurde ich zwischenzeitlich Genossenschaftsmitglied bei der GLS-Bank, was mich auch nach Bochum führte. Dort erlebte ich das erste Mal Götz Werner live auf der Bühne, es war mein erster Kontakt mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wesentlich war für mich damals der Gedanke, Arbeit und Einkommen voneinander zu entkoppeln, und das ist er immer noch.

Erste persönliche Kontakte mit Menschen, die anders wirtschaften (wollen), habe ich auf der Tagung "Profit und Spiritualität - Ein Widerspruch!?" geknüpft und auch inhaltlich noch einiges gelernt.

Mit der Kommune Waltershausen habe ich auf meiner Gemeinschaftsreise die für mich erste Gemeinschaft mit gemeinsamer Ökonomie kennen gelernt. Dort erfuhr ich sowohl von den Leuten in der Gemeinschaft als auch im KommuneBuch, dass gemeinsames Wirtschaften eine große Herausforderung für alle Beteiligten ist und dabei vieles in Bezug auf Geld sichtbar macht, was sonst verborgen bleibt. Ein großes Thema dabei ist die Bewertung von Arbeit: zählt die Arbeit in der Kommune, die kein Geld einbringt, genauso wie Arbeit für Geld? In der umgebenden Gesellschaft leisten meist Frauen die unbezahlte Sorgearbeit, ohne die das Geldverdienen der Männer gar nicht möglich wäre. Das kommt in einer gemeinsamen Ökonomie gnadenlos auf den Tisch.

Weiter geht's mit den Alternativen Genossenschaftstagen, wo ich fleißig genetzwerkt habe und über die reine Rechtsform hinaus den Geist von Genossenschaft kennen gelernt habe.

Christoph Spehrs Buch Gleicher als andere schlug bei mir ein wie eine Bombe und führte zu Aussagen wie dieser:

Diese Definition von linker Politik ist die erste, hinter der ich voll stehen kann. Von heute an bezeichne ich mich offen als linksradikal & kann auch genau erklären was ich damit meine.

Um Geld geht es darin eher am Rande (was ich bemängele), mir blieb vor allem das "Putzfrauen-Dilemma" hängen:

Das "Putzfrauen-Dilemma", das vorgeschoben wird um das "Putzfrauen-Prinzip" durchzusetzen ("Du musst weniger kosten als ich. Und: Du musst akzeptieren, dass ich den Preis festsetze, so dass du weniger kostest als ich. Und zwar deutlich weniger."), zeigt unsere persönliche Verstrickung in das allumfassende Herrschafts-System.

Unter dem Titel Meilensteine der Wirtschaftswissenschaft rezensiere ich eine interessante Kombination zweier wirtschaftswissenschaftlicher Artikel. Ich hätte vielleicht dazuschreiben sollen, dass ich im allgemeinen nicht viel von Hans-Werner Sinn halte.

Der nächste alternative Wirtschafts-Kongress war die Oikos-Konferenz in St. Gallen. Dort habe ich Bernard Lietaer das erste Mal persönlich kennen gelernt. Er stellte zum einen seinen Entwurf einer globalen Reservewährung Terra vor und sprach außerdem über die Unzulänglichkeiten unseres derzeitigen Geldsystems, nämlich vor allem dass dieses kurzfristiges Handeln belohnt und langfristiges Handeln bestraft. Das illustrierte er am Beispiel eines Waldes. In einem Geldsystem mit positivem Zins lohnt es sich finanziell, den Wald abzuholzen und Bäume zu pflanzen, die schnell wachsen. Der deutsche Begriff Nachhaltigkeit entstand dem gegenüber in der Forstwirtschaft und beschreibt den Grundsatz, nicht mehr Holz aus einem Wald zu entnehmen, als dort natürlich nachwächst. In unserem Geldsystem lohnt sich diese Nachhaltigkeit allerdings nicht.
Ganz anders sieht es aus bei einem Geld mit negativem Zins ("Umlaufsicherungsgebühr", Demurrage). Je langfristiger eine Unternehmung in der Realwirtschaft angelegt ist, um so mehr lohnt sich diese auch finanziell.

Den nächsten Kongress kurz danach habe ich im Blog gar nicht erwähnt: Der neue Geist in der Wirtschaft in der Akademie Heiligenfeld. Dort war Lietaer auch dabei, außerdem Frithjof Bergmann, von dessen Neue Arbeit - Neue Kultur ich hellauf begeistert war. Auch bei ihm kommt Geld explizit fast gar nicht vor. Sein Konzept der High Tech-Eigenproduktion macht Geld allerdings zunehmend unwichtig.

Jetzt wird es wieder persönlich, ich kam nämlich in meine erste private Finanzkrise.

Die hielt mich nicht davon ab, weiter auf Kongresse zu fahren, der nächste war dann im Herbst die Konferenz Aufschwung für den Lassaner Winkel, wo ich Frithjof Bergmann wiedertraf. Am Erhellendsten war dort für mich allerdings Heide Göttner-Abendroth, die mir das erste Mal die Möglichkeit einer Schenkökonomie zeigte. Sie und Margrit Kennedy machten damals auch den patriarchalen Charakter unseres Geldsystems deutlich.

Der nächste Beitrag zeigt rückwirkend, dass PCM da echt einen guten Riecher gehabt hat, er wies nämlich schon im November 2006 auf die Blase der Kreditderivate hin. Eine der Firmen, die im Zuge der Subprime-Krise de facto notverstaatlicht wurden, war AIG – wegen der geplatzten Kreditversicherungen.

Anlässlich des nächsten Kongresses Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus (der übrigens gerade eine Neuauflage erlebt hat) kam ich voll auf Schenkökonomie.

In diese Zeit fällt auch meine intensive Beschäftigung mit Oekonux, dem keimform-Blog und unverdient.

Mit der Gründung von PC ab 50 begann dann meine bisher intensivste praktische Beschäftigung mit dem Thema Geld. Als Selbstständiger ist man damit natürlich dauernd konfrontiert. Für mich war besonders erhellend, dass ich schnell anfing in Stundensätzen zu denken ("Zeit ist Geld"). Also wenn ich die Wahl hatte, etwas selber zu machen oder jemand anderes dafür zu bezahlen, rechnete ich mir aus, wie viel Geld ich mit PC-Service in dieser Zeit einnehmen könnte. Das führte z.B. dazu, dass ich mein Fahrrad fortan nicht mehr selber reparierte, sondern das in der Werkstatt machen liess.
Auf die Art verstärkt das Geldsystem die bereits vorhandene Arbeitsteilung noch. Und ich verstand am eigenen Leib Götz Werners Definition "Wirtschaft ist das Füreinander leisten".

Im August 2007 entdeckte ich den kurzen Zeichentrickfilm Wie funktioniert Geld? und war ganz begeistert davon, vor allem um andere Leute auf die Problematik des Geldsystems aufmerksam zu machen. Ich legte damals sogar eine YouTube-Playliste mit den drei Folgen an.

Den Beitrag Eine neue Kultur betrachtete ich lange Zeit als die Quintessenz meines Blogs und auch meines Engagements in der Welt, meine Vision einer lebenswerten Welt für alle. Damals hatte ich mich mehr nach innen zurückgezogen, was sich in dieser Stelle äußert:

Ich finde es schwer, mich innerlich von den vielen Zwängen, die unser Geld- & Wirtschaftssystem & unsere Kultur den Einzelnen auferlegt, zu befreien. Dabei ist es "nur" ein Gedankensprung. Die äusseren Umstände sind so wie sie sind, ich kann sie auf ganz unterschiedliche Weisen betrachten. Im Moment erscheint mir am wichtigsten klarzukriegen, dass ich mich den äusseren Umständen anpassen & gleichzeitig das tun kann, was ich wirklich wirklich will. Denn nur wenn ich das beides verbinden kann, gelingt mir der Übergang in die neue Kultur.

Die nächste persönliche Finanzkrise führte zu dem Beitrag Die Fülle ist kein Schlaraffenland. Damals habe ich erst durch die Krise meinen Arsch wieder hochgekriegt. Die Menschheit ist da auch gerade dabei. ;-)

Zum Jahreswechsel habe ich für mich das reich sein umdefiniert: statt viel zu haben, viel zu geben – wieder ein Schritt in Richtung Schenkökonomie.

Mit dem Alnatura-Gründer Götz Rehn lernte ich beim SMILE-Gespräch einen weiteren echten Unternehmer kennen und bei der Gelegenheit die Wertbildungsrechung, die bei dm entwickelt wurde und auch von Alnatura eingesetzt wird.

Anfang 2008 habe ich mich dann wieder mit dem Schlaraffenland ausgesöhnt. :)

Derweil tobte in der weiten Welt die Finanzkrise, die in den USA zum Paulson-Putsch führte. In diesem Beitrag habe ich das erste Mal verschiedene alternative Ansätze aufgelistet. In dieser Zeit sah ich schon sehr verfrüht das Ende des Fiatgeldes herannahen, das ich seinerzeit noch für das Grundübel hielt.

Jedenfalls führte die Finanzkrise dazu, dass ich mich weitergebildet und z.B. den Baltic Dry Index als Indikator für die Entwicklung des Welthandels entdeckt habe.

Und mir wurde noch mal deutlicher, wie wichtig gerade in äußeren Krisen die Kraft von innen ist, siehe Die Kraft des Ja in der Finanzkrise. Wenn wir uns von Zahlen nicht verwirren lassen, weitet sich die Perspektive.

Derweil versuchen es die Herrschenden mit mehr desselben als "Problemlösung", wie ich im Beitrag G20 beschließen globale Hyperinflation beschreibe.

Seinerzeit war ich ganz begeistert von Joseph Hubers Konzept des Vollgeldes, was ich inzwischen nicht mehr bin. Öffentliche Kontrolle über die Geldschöpfung finde ich allerdings nach wie vor erstrebenswert, nur eben in anderer Form.

Als mir Franz Hörmann das erste Mal über den Weg lief, erkannte ich noch gar nicht seinen einmaligen Beitrag zum Thema Geldsystem, dazu später mehr.

Im Jahr 2012 wagte ich ein neues praktisches Experiment, nämlich den kurzzeitigen Einstieg ins Network Marketing in Gestalt der Firma LR Health & Beauty Systems: Ich breche meine Regeln. So richtig in Fahrt kam das nie, ich spürte sehr bald, dass Network Marketing meinen zentralen Werten völlig widerspricht. Es macht nämlich potentiell alle Menschen zu Geschäftspartnern (statt zu Freunden, Lehrern, Begleitern, ...) und führt dazu, in allen Bereichen des Lebens nur noch in Kategorien von Geld zu denken. Auch das was in diesem Umfeld "Erfolg" genannt wird, erscheint mir ziemlich hohl.

Wieder auf der globalen Ebene habe ich einen 7-Punkte-Plan zur Überwindung der Krise formuliert: Der Weg aus der Krise. Darin erwähne ich das erste Mal die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), die ich für einen wichtigen Baustein einer anderen Wirtschaft halte, wenn auch nicht für allein glücklich machend. Im Beitrag Gemeinwohl-Ökonomie und Potentialentfaltung beschreibe ich die GWÖ genauer & nenne auch einen Punkt, in dem ich mit Christian Felber nicht konform gehe, er lehnt nämlich ein Bedingungsloses Grundeinkommen ab, obwohl das perfekt mit einer GWÖ zusammen ginge. Ich war seither mehrmals bei der Gruppe in Halle, die allerdings inzwischen wieder eingeschlafen ist.

Der nächste große Vordenker nicht nur in Sachen Geld und Wirtschaft, sondern sehr umfassend, ist Otto Scharmer, den ich durch seinen Vortrag Kapitalismus 3.0 entdeckt habe.

Im Jahr 2013 kam das Thema Steuerflucht durch die Offshore-Leaks auf die Tagesordnung, was mich zu dem Beitrag Steuern und Zinsen sind die Folgen von Herrschaft inspirierte. Dort tauchte hier im Blog auch das erste Mal David Graeber auf, dessen Buch ich damals gelesen hatte. Der Beitrag zeigt auch, wie wirklichkeitsfremd die neoklassische Wirtschaftstheorie ist, indem sie Machtfragen völlig ausblendet.

Den nächsten Mosaikstein liefert Alfie Kohn, der ein ganzes Buch über Konkurrenz geschrieben hat. Darin erläutert er gleich zu Beginn, dass allein die Logik von Konkurrenz ("Es kann nur einen geben") Mangel erzeugt, selbst wenn eigentlich für alle genug da ist. Genauso funktioniert unser derzeitiges Geldsystem.

Im nächsten Beitrag Zwangsweise umverteilen? Nein Danke! führe ich noch mal aus, warum ich gegen staatlich verordnete Umverteilungsmaßnahmen bin und weise gleichzeitig auf die Umverteilung von unten nach oben hin, die im derzeitigen Geldsystem fest eingebaut ist.

Wie auch Charles Eisenstein halte ich die Illusion des Getrenntseins für die Grundlage unseres bestehenden Geld- und Wirtschaftssystems. Der Beitrag ist stark von Käptn Peng inspiriert.

Erst im Mai 2013 wurde mir klar, was für einen fundierten Beitrag Franz Hörmann mit seinem Konzept des Informationsgeldes liefert, ein wahrhaftig großer Wurf. Mehr über ihn findet man auf diversen Webseiten.

Einer, der nicht viel von Hörmann hält und von dem ich dennoch viel gelernt habe, ist Renée Menéndez. Dank ihm habe ich u.a. erkannt: Vollgeld ist voll daneben. Dieser Beitrag entwickelte sich zu Teil 1 einer dreiteiligen Reihe "Gefährliches Halbwissen", dessen 2. Teil sich mit dem Mythos der Geldschöpfung aus dem Nichts befasst. Der dritte Teil nimmt die Behauptung auseinander, das Geld für den vom Schuldner zu leistenden Zins sei im Gesamtsystem nie vorhanden. Das war ja in Form des Buches von PCM mein Einstieg in die ganze Geldthematik. Mein Fazit lautet nun: Der Zins ist nicht das Problem, sondern seine Garantie. Der Fachbegriff dafür lautet risikofreier Zinssatz. Wäre der Zins ausschließlich eine Risikoprämie, würden sich Zinseinnahmen und Kreditausfälle langfristig wegmitteln. Zu diesem dritten Beitrag trugen auch maßgeblich die Geldsystempiraten bei, eine äußerst seltene Spezies: Politiker, die ernsthaft unser Geldsystem verstehen wollen.

Im Zuge dieses Lernprozesses hatte ich auch die Volkswirtschaftliche Saldenmechanik von Wolfgang Stützel entdeckt, ein absolut essentielles Werkzeug, um Wirtschaft zu verstehen. Der Beitrag stellt auch Jörg Buschbecks Variante der Monetative vor, die er in seinem Blog Guthabenkrise beschreibt und teilweise weiterentwickelt.

Eine Möglichkeit, ein Grundeinkommen ohne (staatlichen) Zwang zu organisieren, bietet das Freiwillige bedingungslose Grundeinkommen.

Über die Saldenmechanik bin ich auf Heiner Flassbeck aufmerksam geworden, der einen Vortrag über den Faktor Macht in der Wirtschaft gehalten hat. Diesen Faktor habe ich ja schon von Anfang an durch PCM auf dem Schirm.

Der Beitrag Eigentum als Instrument von "Teile und herrsche" setzt sich mit den Voluntaristen auseinander, die eine ziemlich krude Vorstellung von Wirtschaft haben und eine freie Gesellschaft allein auf dem Konzept von Eigentum aufbauen wollen.

Dann habe ich ja im Oktobe 2013 angefangen, noch einmal zu studieren, und zwar Wirtschaftswissenschaften (WiWi) an der Uni Leipzig. In diesem Studium bekomme ich live und in Farbe mit, wohin die neoklassische Wirtschaftstheorie im Denken und Handeln führt, und habe daher im Blog ein Tag Neoklassik eingeführt.

In dieser Zeit habe ich große Schritte der Bewusstseinserweiterung gemacht, was mich auch über Geld noch mal neu und anders nachdenken ließ. Dabei fand ich z.B. Zusammenhänge wie die Geldschöpfung als Quantenfluktuation.

Der nächste Mensch mit hochinteressanten Einsichten in das Thema Geld ist Karl-Heinz Brodbeck, der eine buddhistische Wirtschaftsethik vertritt. Neben der Ethik stellt er auch die Erkenntnismöglichkeiten von Wirtschaftstheorie in Frage, wie ich im Beitrag Warum die Wirtschaftswissenschaft keine Prognosen abgeben kann ausführe.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bewusstseinsraketentreibstoffs war für mich damals Robert Anton Wilson. In seinem Buch "Der neue Prometheus", engl. "Prometheus Rising" geht er auch auf Geld ein im Zusammenhang mit dem ersten neuronalen Schaltkreis:

In dem Masse, in dem die Zivilisation fortschreitet, löst sich die Rudelbindung (der Stamm, die erweiterte Familie) auf. Das ist die Wurzel der weithin diagnostizierten «Anomie», «Entfremdung» oder «Existenzangst», über die sich viele Sozialkritiker schon ausgiebig geäussert haben. Die Konditionierung der Bio-Überlebensbindung an den Gen-Pool ist ganz einfach durch eine Bio-Überlebensbindung an merkwürdige kleine Papierfetzen ersetzt worden, die wir «Geld» nennen.
Mit andern Worten, ein Mann oder eine Frau von heute suchen Bio-Überlebenssicherheit nicht mehr im Gen-Pool, im Rudel, in der erweiterten Familie. Ihr Bio-Überleben hängt davon ab, wieviele von diesen Papierfetzen sie zusammenraffen können. «Man kann nicht leben ohne Geld», rief das Living Theatre immer und in der Tat; sobald die Scheine knapp werden, macht sich akute Bio-Überlebensangst breit.
Stellen Sie sich einmal so intensiv wie möglich vor, was Sie empfinden und was Sie machen würden, wenn Ihre Quellen zu Bio-Überlebens-Scheinen (Geld) morgen versiegten, und zwar alle auf einmal. Genauso fühlen sich Stammesmitglieder, wenn sie plötzlich von ihrem Stamm getrennt werden, und deshalb waren Exil oder gar Verbannung auch Strafen, die fast während der ganzen Geschichte der Menschheit so abschreckend wirkten, dass sie durchaus dazu geeignet waren, Stammeskonformität zu erzwingen. Noch zu Shakespeares Zeiten war das Exil eine akute Bedrohung. «Verbannt!» ruft Romeo. «Verdammte sprechen in der Hölle dies Wort mit Heulen aus!»
In der traditionellen Gesellschaft bedeutete die Zugehörigkeit zum Stamm das Optimum an Bio-Sicherheit; Exil wurde mit Terror gleichgesetzt und konnte den Tod bedeuten. In der modernen Gesellschaft wird Bio-Sicherheit mit Geld erkauft und ihr Ausbleiben oder auch das Wegnehmen von Geld ist eine der grössten Bedrohungen unserer Gesellschaftssysteme.

Auch hier zeigt sich wieder, dass Geld untrennbar mit Macht verbunden ist.

Aus einer ganz anderen Richtung entwirft Christian Siefkes in seinem Artikel Voraussetzungen für allgemeine bedürfnisorientierte Re/produktion, worauf sich eine nicht-kapitalistische Wirtschaft gründen kann, nämlich die Bedürfnisse der Menschen. Es steht ja in jedem VWL-Lehrbuch, dass der Zweck des Wirtschaftens die Befriedigung der Bedürfnisse sei, heraus kommt aber das völlige Gegenteil.

Inspiriert durch Karl-Heinz Brodbeck habe ich im Beitrag Fiat Money: Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten die Geldschöpfung als Quantenfluktuation weiter gedacht. Im Zentrum liegt dabei die Erkenntnis, dass es sich bei Geld ausschließlich um eine soziale Vereinbarung der Menschen und nicht um ein Ding handelt.

Mein langfristiges Ziel ist nach wie vor, das Geld irgendwann insgesamt abzuschaffen (sehr wahrscheinlich nicht mehr während meiner Lebenszeit). Im Beitrag Erst die Konkurrenz abschaffen, dann das Gegenleistungsprinzip und am Ende das Geld komme ich allerdings zu dem Schluss, dass davor andere Schritte getan werden müssen.

Im April 2014 habe ich schliesslich Charles Eisensteins Sacred Economics (Ökonomie der Verbundenheit) entdeckt, was ganz viel von dem enthält und zusammenfasst, was ich mir über die Jahre erarbeitet habe. Dabei hat Charles das Buch schon 2011 geschrieben, ich muss ziemlich blind durch die Welt gelaufen sein...

Im Beitrag Die Opportunitätskosten des Opportunitätskostenkalküls setze ich mich das erste Mal ausführlich kritisch mit Inhalten des WiWi-Studiums auseinander.

Der nächste Beitrag Ein empathieförderliches Geldsystem ist inspiriert von Andreas Weber, dessen Buch Biokapital ich zuerst gelesen hatte, obwohl es erst nach "Alles fühlt" entstanden ist. Darin beschreibt er ähnlich wie Charles Eisenstein Maßnahmen, um bisher nicht berücksichtigte Kosten zu internalisieren. Und da ich im Blogartikel eine Szene aus Momo zeige, fällt mir in dem Zusammenhang ein, dass das natürlich (wie überhaupt Michael Ende) ein in meinem Leben schon sehr früher Wegbegleiter auf der Reise ins Mysterium Geld war, wenn auch lange unbewusst.

Wieder im Bereich der Saldenmechanik bewegt sich Was ist eigentlich Altersvorsorge?, dieser Beitrag befasst sich dabei auch mit dem Grundthema dieses Blogs Vertrauen.

Im Beitrag In the long run, we will all be reborn into this world befasse ich mich mit den Auswirkungen von Reinkarnationsglauben auf nachhaltiges Verhalten in einer Gesellschaft.

Es folgt eine ziemlich vernichtende Kritik der neoklassischen Wirtschaftstheorie: Die Neoklassik basiert auf einer Tautologie und ist damit unwissenschaftlich. Darin erwähne ich auch ein weiteres sehr lesenswertes Buch: Die blinden Flecken der Ökonomie von Bernd Senf. Es fasst die wesentlichen Theorieansätze in der Volkswirtschaftslehre zusammen und zeigt jeweils deren blinde Flecken.

In der Zwischenzeit las ich bei Charles Eisenstein weiter, was mich u.a. zu diesem Ergebnis brachte: Geld abschaffen in weite Ferne verschoben. Nur weil wir das Werkzeug falsch benutzen, heisst das eben noch lange nicht, dass es nichts taugt. :)

Die nächste Erkenntnis aus Sacred Economics rührt daher, die Menschheit als organisches Ganzes, sozusagen als ein Lebewesen zu betrachten, dessen Stoffwechsel dann quasi die Wirtschaft bildet. Aus diesem Blickwinkel bedeutet (Wirtschafts-) Wachstum, dass das Lebewesen Menschheit immer noch nicht erwachsen ist: Postwachstum - es ist Zeit, er-wachsen zu werden. Mit dem Thema (Ent-) Wachstum beschäftigte sich eine ganze Konferenz, die Degrowth, die dieses Jahr praktischerweise an der Uni Leipzig stattfand. Ein Aspekt kam darin allerdings nicht vor, was mit einem tief liegenden Tabu zusammenhängt: Jedes Wachstum endet spätestens mit dem Tod. Das weiter denkend, bin ich zu der Bezeichnung Sterbendes Geld für Freigeld gekommen – durchaus kontrovers, wie sich in den Kommentaren zeigt.

Eine von Charles Eisensteins Hauptaussagen habe ich so formuliert: Wenn die Wirtschaft wächst, wird alles knapper.

In seinem Eintreten für eine Schenkökonomie ist er wirklich radikal: Reiche, verschenkt euren Reichtum und ihr werdet reich bleiben.

Aus einer etwas anderen Perspektive schreibe ich über Investieren in gesättigten Märkten, wiederum Eisenstein-inspiriert.

Die folgende Idee ist ganz auf meinem eigenen Mist gewachsen und sie gefällt mir immer noch, weil sie so genial einfach ist und dabei durchschlagende Effekte hat: Zentralbank als Bürgergenossenschaft. Dieses Modell geht weit über "demokratische Kontrolle" hinaus, weil wirklich alle BürgerInnen MiteigentümerInnen der Zentralbank werden.

Im Beitrag "Schulden muss man doch zurückzahlen" gehe ich das erste Mal ausführlich auf David Graeber ein, aus aktuellem Anlass der Griechenland-Krise und dem Verhalten der deutschen Politiker, allen voran Wolfgang Schäuble. Auch der gute alte PCM kommt prominent zu Wort, und Charles Eisenstein ebenfalls. Ganz am Ende verweise ich auf zwei neu entdeckte Personen, mit denen ich mich noch nicht näher befasst habe: Nigel Dodd und Christoph Türcke.

Der Beitrag Geschenke für den Iromeister kündigt sozusagen meinen Einstieg in die Online-Schenkökonomie an, ich habe nämlich einen Paypal-Spendenbutton im Blog eingebunden.

Im Beitrag Wir sind nicht zu viele - Wir sind nur zu blöd! erläutere ich, warum im derzeitigen Geldsystem eine Kreislaufwirtschaft à la Cradle to Cradle nur schwer in Gang kommen kann, da sie zentralen Grundsätzen dieses Geldsystems (konkret dem Anreiz, Geld zu horten) widerspricht.

Noch gar nicht im Blog erwähnt habe ich bisher das Buch Soll und Haben von Jane Gleeson-White, das die Ökonomie der Verbundenheit gut ergänzt. Sie arbeitet darin heraus, welche herausragende Rolle die doppelte Buchführung für die Entwicklung des Kapitalismus gespielt hat.

Uff, das waren die bisherigen Stationen meiner Reise. Da kann ich mich mit Fug und Recht als Geld-Experten bezeichnen.

Und die vorerst letzte Station, ich möchte sagen die vorläufige Krönung, war nun das Buch "Mysterium Geld" von Bernard Lietaer (siehe oben). Er zeigt darin eine archetypische Tiefenschicht von Geldsystemen, die mir auf meiner ganzen Reise bis dahin noch nicht bewusst war. Das Buch wollte ich über viele Jahre hinweg immer wieder mal lesen, habe es jedes Mal doch nicht getan, erst jetzt. Diese Reihenfolge kommt mir sehr stimmig vor, ich habe viele Schichten oberhalb der Archetypen sehr gründlich untersucht. Deshalb kann ich jetzt mit dem Mysterium Geld viel mehr anfangen, als noch vor einigen Jahren möglich gewesen wäre.
Eine Zusammenfassung des Buches auf 7 Seiten liefert Geld und der weibliche Archetyp, ebenso das Interview mit Lietaer unter dem gleichen Titel Mysterium Geld. Weiterhin habe ich Vortragsfolien von Lietaer gefunden, ebenfalls unter dem Titel Mysterium Geld.
Mit am stärksten beeindruckt hat mich, dass die Schwarze Madonna, die vor allem im Hochmittelalter zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert sich in Europa ausbreitete, eine direkte Verbindung zur altägyptischen Isis hat. Beide sieht er als Verkörperungen des Archetyps der Großen Mutter. Lietaer arbeitet drei Gemeinsamkeiten des europäischen Hochmittelalters und einem Zeitraum von etwa 1.500 Jahren ägyptischer Geschichte heraus:

  • die allgemeine Verehrung der Großen Mutter
  • eine (zusätzliche bzw. komplementäre!) Währung mit Demurrage bzw. Umlaufsicherungsgebühr (er spricht von einer Yin-Währung)
  • allgemeiner Wohlstand auch der "kleinen Leute"

Den allgemeinen Wohlstand führt er auf die Verwendung der Yin-Währung zurück, die einen ausgleichenden Effekt hat. Dazu passt auch, dass die Große Mutter als Archetyp die Fülle verkörpert. Entsprechend wird sie oft mit sehr fülligem Körper dargestellt.

In diesem Punkt denkt Lietaer noch umfassender als Eisenstein. Er erkennt an, dass sowohl Yin- wie Yang-Währungen gebraucht werden. Yang-Währungen zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

Wenn der weibliche Archetyp unterdrückt wird, entstehen Währungen, die als Tauschmittel und zur Wertaufbewahrung dienen. Ursprünglich bestanden diese Währungen aus seltenen und kostbaren Gütern aller Art. In der westlichen Kultur entwickelten sich daraus Gold- und Silbermünzen und schliesslich unsere zentral kontrollierten Landeswährungen. Die Gemeinsamkeit dieser Währungssysteme besteht darin, dass sie die Anhäufung von Geld durch eine relativ kleine Elite fördern. Dies hat den Effekt, dass das verfügbare Tauschmittel für einen bedeutenden Teil der Gesellschaft begrenzt bleibt.

Diese Effekte bemerkt und kritisiert auch Eisenstein.
Nun wird es interessant:

Im Gegensatz dazu entstanden in den wenigen Fällen, in denen das Weibliche von einer "fortschrittlichen" Gesellschaft geehrt wurde, zwei komplementäre Währungssysteme: eine "Fern-" und eine "lokale" Währung. Die lokale Währung hatte die ungewöhnliche Eigenschaft, dass sie – obwohl sie nicht inflationären Tendenzen unterworfen war – ein Attribut aufwies, das ihr Horten verhinderte. Kurz gesagt fungierte sie als reines Zahlungs- und Tauschmittel, sie war kein Mittel zur Wertaufbewahrung. Dadurch zirkulierte das Tauschmittel ungehindert auf allen Gesellschaftsebenen und war selbst für die Angehörigen der untersten Schichten verfügbar.

Wie mir scheint, will Eisenstein (wie auch die gesamte Freiwirtschaftsbewegung) die derzeit vorherrschende Yang-Währung in eine Yin-Währung umwandeln, wodurch der Yang-Aspekt im Geldsystem verschwände. Da sehe ich mit Lietaer spätere Rückschläge vorprogrammiert.
Wenn es, ganz im Sinne C.G. Jungs, um Individuation, also Ganzwerdung geht, brauchen wir alle Anteile, auch und gerade im Geldsystem.

Zu den Wirkungen einer Yang-Währung zählen Risikobereitschaft und Forschergeist, Interesse an Neuem. Yin-Währungen sind in einem guten Sinne konservativ, sie bewahren die Grundlagen des Lebens. Die Langfristperspektive der Yin-Währungen können wir in Europa an den Hunderten von Kathedralen bestaunen. Lietaer schreibt dazu:

Mich fasziniert an den Kathedralen jedoch vor allem, dass sie für die "Ewigkeit" gebaut wurden und der Gemeinde langfristig beständige Einnahmen garantieren sollten. Damit schuf man für Sie und Ihre Vorfahren in 13 Generationen Wohlstand! Der Beweis ist einfach, denn es funktioniert heute noch. In Chartres z.B. leben die meisten Geschäfte der Stadt immer noch von den Touristen, die die Kathedrale auch neun Jahrhunderte nach Baubeginn besuchen.

Die ägyptische Yin-Währung brachte Bauwerke hervor, die für die Stadt Gizeh und ganz Ägypten schon mehrere Jahrtausende lang für Einnahmen sorgen.

Um noch mal auf den weiblichen Archetyp der Großen Mutter zu kommen: dass derzeit zwei Schlüsselpositionen des Weltfinanzsystems mit Frauen besetzt sind (Janet Yellen bei der Fed und Christine Lagarde beim IWF), ändert für sich noch nichts an der archetypischen Konstellation, solange sie das Spiel einfach mitspielen.

Ich schließe mit einem Absatz aus dem Buch über die drei großen Tabus Sex, Tod und Geld:

In Gesellschaften, in denen das Weibliche nicht unterdrückt wurde, unterlagen, Sex, Tod und Geld auch keinem Tabu, wie es in der modernen Welt der Fall ist. Wurde das Weibliche dagegen niedergehalten, verschwanden diese Themen aus dem Blickfeld. Wie Jung es ausdrückte, erscheint in unserem Leben als Schicksal, was wir nicht ins Bewusstsein rufen können. Daher sind wir in unserer Welt "vom Schicksal dazu verdammt", dass unser Dasein von Emotionen gesteuert wird, die um diese drei Themen kreisen. Bezeichnenderweise handelt es sich bei Sex, Tod und Geld um die drei Hauptattribute eines einzigen Archetyps: der "Großen Mutter". Sie wurde in der westlichen Geschichte jahrtausendelang unterdrückt.

Da zeigt sich auch ein Zusammenhang mit Tod und Apokalypse als Geisterrollen. Auf apokalyptisches Geschehen geht Lietaer in Gestalt der immer wiederkehrenden Finanzkrisen ein. Ökonomen können sich nicht erklären, wie auf den ach so rationalen Finanzmärkten solche irrationalen Massenhysterien entstehen. Ein klarer Fall von Geisterrolle: das Irrationale in der Wirtschaft. Lietaer bringt es zusammen mit dem Gegensatzpaar von Apollon und Dionysos aus der griechischen Mythologie, wobei die heutige Wirtschaftstheorie sich ausschliesslich auf die apollinische Rationalität stützt.

Wie groß das Tabu ist, zeigt sich übrigens auch darin, dass Bernard Lietaer bis heute noch keinen Verlag gefunden hat, der dieses Buch auf Englisch herausbringen will. Viele andere seiner Bücher sind auf Englisch erhältlich. Auch auf Deutsch wird es nicht mehr aufgelegt, weshalb man es nur noch gebraucht bekommt.

Nachtrag vom 17.10.2016: Ich sollte wohl an dieser Stelle erwähnen, dass ich am 22. August mein finanzielles Coming out hatte. Außerdem habe ich das Thema der drei großen Tabus Sex, Geld und Tod längst in einem eigenen Beitrag ausgeführt.

Nachtrag vom 18.11.2016: Heute habe ich eine Ahnung von den Möglichkeiten monetärer Magie bekommen.

Nachtrag vom 08.01.2017: Bisher reichte meine Beschäftigung mit den Wurzeln des Geldes etwa 5.000 Jahre zurück, seit ich Christoph Türcke gelesen habe, geht es nun bis in die Altsteinzeit – sehr erhellend.

Nachtrag vom 02.03.2017: Irgendwie habe ich in meiner Auflistung ganz vergessen, dass ich mich in meiner Bielefelder Zeit auch schon mit Oekonux und Wertkritik à la Robert Kurz beschäftigt hatte.

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