Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Wieder bei Facebook - für das Hautgeflüster-Crowdfunding

2017-02-21

Wer hätte das gedacht? Seit heute bin ich wieder bei Facebook & habe nicht mal ein schlechtes Gewissen. ;-)
Im September 2015 hatte ich mich dort verabschiedet; nun starte ich mit Saranam zusammen das Crowdfunding für sein Hautgeflüster-Buch, & um das besser unterstützen zu können, habe ich mich nun temporär bei Facebook angemeldet. Es gibt seit heute auch eine Facebook-Seite für Hautgeflüster.

Am Samstag war ich übrigens bei der wunderschönen Midissage der Ausstellung von Saranam & Suriya, was mich noch mal mehr davon überzeugt hat, dass es sich lohnt, dieses Projekt zu unterstützen.

Nachtrag vom 22.02.: Die sind wohl bei Facebook immer noch sauer, dass ich sie seinerzeit so radikal mit Ansage verlassen habe. Jedenfalls bin ich kurze Zeit nachdem ich mich angemeldet hatte jetzt erst mal gesperrt & musste einen Scan meines Ausweises hochladen. Mal sehen wie das weitergeht.

Ich bleibe also skeptisch & finde folgende Sätze aus dem Artikel "BlackRock-Kapitalismus" im Hintergrund 1/2017 eine sehr treffende Zusammenfassung:

Die Social Media-Ökonomie, hier mit Facebook an der Spitze, fördert ein menschliches Verhalten, das von individualistischen Sofortreaktionen auf extrem verkürzte Emotionsimpulse geprägt ist. Die massenhafte Verhaltenssteuerung ist hochgradig automatisiert und unterhöhlt demokratische Haltungen und Verfahren.

Mein erster Workshop im Diamond Lotus

2017-02-7

Diesen Sommer gibt es eine Premiere: Ich werde mit Saranam das erste Mal einen Workshop hier im Diamond Lotus anbieten. Wir veranstalten vom 5. bis zum 9. Juli zusammen den Männerworkshop Shivas Tanz, was insofern einen Kreis schließt, als ich selbst vor ungefähr sieben Jahren ebenfalls in einem Männerworkshop das erste Mal überhaupt im Diamond Lotus war. Seitdem hat kein reines Männer-Seminar mehr hier stattgefunden.

Wenn Du mich also mal ganz anders als sonst erleben willst, ist das DIE Chance! Ich bin natürlich selber schon ganz dolle gespannt wie das wohl wird. Es werden auf jeden Fall meine prozessorientierten Fähigkeiten gründlich auf die Probe gestellt. Und ich werde sicherlich als makelloser Krieger gefordert sein. Dazu gehört auch, dass ich gerade in der Runde der Männer weich und berührbar bleiben will.

Saranam ist übrigens im Moment noch mit ganz anderem beschäftigt, es läuft ja seit zwei Wochen die Ausstellung zusammen mit Suriya in der Villa Kult, und am 18. Februar soll das Crowdfunding für sein Buch Hautgeflüster starten, das er im Selbstverlag herausgeben will.

Zurück zu den Männern. Ich finde Der Weg des wahren Mannes von David Deida nach wie vor das beste Männerbuch, das ich kenne. In der Einleitung schreibt er:

Es ist an der Zeit, über das platte Macho-Ideal – nur Rückgrat und kein Herz – hinauszugehen. Es ist auch an der Zeit, das Ideal des sensiblen und mitfühlenden Waschlappens – nur Herz und kein Rückgrat – hinter sich zu lassen. Herz und Rückgrat müssen sich in einem Mann vereinen und dann transzendiert werden, um den vollsten Ausdruck der Liebe und des Bewusstseins zu erlauben. Das verlangt eine tiefe Entspannung in die unendliche Offenheit dieses gegenwärtigen Augenblicks. Und es verlangt eine neue Art von Mut.

Das fasst ganz gut zusammen, worum es auch in unserem Workshop gehen soll.

Und auch wenn wir im Workshop als Männer unter uns bleiben werden, bilden wir insgesamt nur eine Hälfte der Menschheit. Deshalb verweise ich hier noch mal auf den wunderbaren Text Warum es weise ist, eine Frau zu verehren.

Solidarisch mit anderen Männern zusammen zu sein, uns gegenseitig zu fordern und zu fördern statt gegeneinander zu konkurrieren, betrachte ich als Weltarbeit. Übrigens werde ich ja vor dem Männerseminar bei Worldwork in Griechenland gewesen sein und bestimmt auch von dort noch neue Impulse mitbringen.

Neue Website des Netzwerks Prozessorientierte Psychologie

2017-02-6

Die Website des Netzwerks Prozessorientierte Psychologie ist offenbar irgendwann im letzten Jahr neu aufgesetzt worden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auch inhaltlich ist sie umfangreicher geworden. So findet sich z.B. eine prägnante Beschreibung, wie eine prozessorientierte Sitzung im Groben abläuft:

In der Prozessarbeit orientiert sich der Verlauf eines Prozesses immer an einer konkreten Fragestellung. Im Folgenden wird ein häufiger Verlauf bezogen auf eine Person dargestellt. Gleiches ist auch denkbar für Gruppen oder Institutionen:

Prozessarbeit unterscheidet zwischen Wahrnehmungsinhalten, die eine Person als mit ihrer eigenen Identität übereinstimmend erlebt, und Wahrnehmungsinhalten, die sie als fern von der eigenen Identität erlebt. Diese identitätsfernen Erlebnisse erscheinen u.a. in Träumen, Körpersymptomen, Problemen oder Konflikten und entziehen sich der eigenen Kontrolle. Beide Identitäten sind oft stark voneinander abgegrenzt.

Manchmal geht es in der Prozessarbeit darum, den identitätsnahen Anteil einer Person zu stärken und die Grenze zu stabilisieren. Häufiger liegt der Fokus jedoch auf den identitätsfernen Wahrnehmungen, da sie Informationen zur Lösung des Problems enthalten.

Mit verschiedenen therapeutischen Techniken kann es gelingen, die Grenze genauer zu erforschen, sowie das Erleben dieses identitätsfernen Anteils zu vervollständigen. Prozessarbeit gibt Raum und Unterstützung, die Informationen zu entfalten und näher an das eigene Bewusstsein zu bringen. Nach dem Kontakt und der Auseinandersetzung mit den Inhalten kann die Erfahrung in den Alltag integriert werden. Daraus eröffnen sich häufig neue, erweiterte eigene Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten.

Den identitätsnahen Anteil nennen wir Prozessarbeiter den Primärprozess, identitätsferne Anteile entsprechend Sekundärprozesse. Das hatte ich in meinem Beitrag über Worldwork in Warschau schon in meinen Worten beschrieben.
Ergänzend verlinke ich noch mal den tollen Text über prozessorientierte Psychologie in der Oya.

Wer Prozessarbeit in einem Seminar mal ausprobieren will, findet Angebote im deutschsprachigen Raum im Kurskalender. Bei der Gelegenheit erinnere ich an die große internationale Worldwork-Veranstaltung, die dieses Jahr Ende April in Griechenland stattfindet.

Und schließlich findet ihr auf der Seite auch das Netzwerk prozessorientiert arbeitender Menschen. Ich strebe an, dort auch irgendwann vertreten zu sein. Dazu brauche ich nach meiner abgeschlossenen Basisausbildung jetzt vor allem viel praktisches Üben. more

Antivirus-Software = Schlangenöl

2017-02-4

Fefe schreibt ja schon seit Jahrzehnten gegen die "Antivirus"- und "Internet Security"-Branche als Schlangenöl-Verkäufer an.
Während meiner Zeit mit PC ab 50 hatte ich immer die Position vertreten, dass unbedarfte Laien ohne Antivirus noch schlechter dran seien als mit. Dabei hatte ich von Anfang an schon von den so genannten "Internet Security"-Paketen abgeraten, weil die darin integrierten Personal Firewalls mehr Schaden als Nutzen stiften.

Diese Ansicht kann ich spätestens seit Hanno Böcks umfangreichem Artikel Antivirensoftware: Die Schlangenöl-Branche nicht mehr aufrecht erhalten. Damit zeigt sich, dass ich mich irgendwo in der Mitte zwischen unbedarftem Anwender und Sicherheitsexperten bewege, denn z.B. die nach Einschätzung von Sicherheitsexperten wichtigste Maßnahme propagiere ich auch von Anfang an, nämlich immer brav die neuesten (Sicherheits-) Updates zu installieren. Das kommt z.B. prominent in meinem Vortrag Was ist eigentlich eine Sicherheitslücke? vor.

Was ich seinerzeit über Personal Firewalls schrieb, gilt ganz genauso auch für Antivirus:

Drittens ist eine Personal Firewall auch ein Programm, das Sicherheitslücken haben kann und oft genug auch hat. Ironie des Schicksals: Am Ende fangen Sie sich einen Trojaner also genau durch die "Sicherheitssoftware" ein, die Sie doch eigentlich schützen sollte.

Ein ehemaliger Mozilla-Entwickler findet übrigens, dass der Windows Defender die Ausnahme von dieser Regel ist und befindet sich damit offenbar in guter Gesellschaft vieler Sicherheits-Experten.

Google hat schon 2015 die sehr unterschiedliche Beurteilung von Maßnahmen zur Online-Computersicherheit von Laien auf der einen und Sicherheitsexperten auf der anderen beschrieben, zusammengefasst in dieser Gegenüberstellung:

Die von Sicherheitsexperten an 3. Stelle genannte 2-Faktor-Authentifizierung finde ich im Allgemeinen auch sinnvoll. Wenn der zweite Faktor allerdings ein Smartphone ist, halte ich das Ganze eher für einen sicherheitstechnischen Rückschritt. Smartcards oder Security-Tokens, die ausschließlich die Funktion des 2. Faktors erfüllen und kein kompletter Computer mit entsprechender Angriffsfläche sind, erhöhen auf jeden Fall die Sicherheit gegenüber Benutzernamen und Passwort.

Der Google Chrome-Entwickler Justin Schuh schreibt in seinem Blog sehr ausführlich und grundsätzlich über das Thema: Stop Buying Bad Security Prescriptions. Dabei weist er vor allem darauf hin, dass Schlangenöl erst ganz am Ende des Lebenszyklus eines (IT-) Systems ansetzt; also dann, wenn das Kind im Zweifelsfall schon längst in den Brunnen gefallen ist. Vorsorgen ist eben auch in der IT besser als heilen.

Was kann man also konkret tun? Sich an die Liste von Malte Wetz Wie man sich im Internet vor Infektionen schützt halten. Ja, das ist mit Aufwand verbunden. Sicherheit ist immer mit Aufwand verbunden.
Die Anleitung bleib-Virenfrei ist bis auf den Punkt 5 "Antivirenprogramm einsetzen" auch brauchbar.

Wenn das System mit allen Updates versorgt ist, folgt dann die Deinstallation des Schlangenöls. ESET pflegt dafür freundlicherweise eine Liste mit Links zu so gut wie allen Deinstallations-Tools der Hersteller. Das passende Tool sollte man auf jeden Fall am Schluss noch mal drüberlaufen lassen, weil die Deinstallations-Routinen in aller Regel unsauber programmiert sind. Ich habe schon erlebt, dass ein Windows-Rechner nach Deinstallation eines Internet Security-Pakets gar nicht mehr ins Netz kam.
Ob man danach den Windows Defender aktiviert oder ihn ausgeschaltet lässt, da bin ich leidenschaftslos. Schaden kann es jedenfalls wohl nicht.

Auf der PC ab 50-Webseite, die ich ja eigentlich nicht mehr pflege, werde ich die Aufrufe zum Kauf von Schlangenöl mit einer Warnung nebst Link auf diesen Beitrag versehen und die entsprechenden Affiliate-Programme kündigen. Ich habe mir schon genug die Hände schmutzig gemacht, indem ich am Schlangenöl auch noch mitverdient habe. Asche über mein Haupt!

Unter Windows ist das Enhanced Mitigation Experience Toolkit auch eine sehr sinnvolle Maßnahme – vorausgesetzt man weiß es zu bedienen. Dabei hilft der EMET User Guide. Laut Will Dorman kann man damit Windows 7 sicherer als Windows 10 machen.

Das Thema Passwörter handle ich persönlich über ein (lokal installiertes!) Passwort-Safe-Programm ab, siehe Sichere Passwörter sicher verwalten.

Blöd ist dabei nur, dass die Banken sich aus der Haftung zu stehlen versuchen, wenn man kein Schlangenöl auf seinem Rechner installiert hat und sich trotzdem noch einen Banking-Trojaner einfängt. In einer Pressemitteilung des Deutschen Bankenverbandes heißt es:

Als Online-Banking-Kunde müssen Sie gewisse Sorgfaltspflichten einhalten: Installieren Sie einen Virenscanner und eine Firewall.

Alle anderen Hinweise des Bankenverbandes sind wieder sinnvoll. Man müsste es in so einem Fall drauf ankommen lassen, und wenn die Bank sich weigert, das Geld zurück zu erstatten, im Gerichtsverfahren Fefe als Gutachter bestellen. Das macht er in dem Fall bestimmt sogar unentgeltlich. ;-)

Auch das BSI steckt offensichtlich mit der Industrie unter einer Decke, denn es empfiehlt unter der Bezeichnung "Schutzprogramme" die Installation verschiedener Schlangenöl-Produkte.

Und vielleicht sollte ich im Firefox zusätzlich zum Werbeblocker uBlock Origin endlich auch mal NoScript installieren, und in Chromium entsprechend ScriptSafe. Alternativ könnte ich auch uMatrix vom Entwickler von uBlock Origin benutzen. Die Entscheidung darüber fällt gar nicht so leicht, manche empfehlen uMatrix statt uBlock und NoScript, andere finden, dass NoScript mehr Rechenleistung beansprucht, das Tor-Projekt ist bei NoScript geblieben. uMatrix scheint deutlich komplexer als NoScript zu sein, so dass manche sich wieder davon abgewendet haben. Immer diese Entscheidungen…

Nachtrag vom 07.02.: Ich habe jetzt mal unter Windows 7 das Schlangenöl deinstalliert und den Defender aktiviert. Damit Windows einen nicht weiter nervt, muss man noch im Wartungscenter die "Meldungen zu Virenschutz deaktivieren", bis einschließlich Windows 7 betrachtet Microsoft den eigenen Defender offenbar nicht als Virenschutz:

Meldungen zu Virenschutz deaktivieren

Nachtrag vom 08.02.: Du denkst, eine Webseite über HTTPS aufzurufen sei sicher? Nicht, wenn sich dein "Sicherheitsprodukt" dazwischenschaltet. So was nennt man in Fachkreisen Man-in-the-Middle-Angriff.

Nachtrag vom 13.02.: Aktuelles Paper zu letzterem Thema: The Security Impact of HTTPS Interception.

Wie die Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle gelungen ist

2017-01-28

Am Donnerstag hat sich das erste Mal die von mir gegründete Kriegsenkelgruppe in Leipzig ohne mich getroffen. Wie mir zu Ohren kam, waren acht Personen beim Treffen dabei. Ich selber konnte derweil das erste Mal hier in Berlin zum ShaDo, dem Schamanischen Donnerstag, gehen.

Als Synchronizität erreichte mich just am Donnerstag auch eine Mail von der WASt, dass die Auskunft zu meinem einen Großvater an meine alte Leipziger Adresse unzustellbar zurückgekommen ist. Nun erwarte ich mit Spannung Post.

Schon am 19.12.2016 hatte ich einen Text darüber geschrieben, wie die Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle gelungen ist. Es war auch ein Projekt im Rahmen meiner Ausbildung in Prozessorientierter Psychologie, das nun abgeschlossen ist. Für mich ist es eine neue Erfahrung, etwas aufzubauen und dann in die Welt zu entlassen, während ich mich selber ganz davon zurückziehe.

Den Kontakt zur Gruppe findet ihr unter www.kriegsenkel-le.de.

Wer es eilig hat, kann direkt zum Fazit springen, für alle anderen geht es hier weiter:

Wie die Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle gelungen ist

Nach nunmehr anderthalb Jahren habe ich im Dezember 2016 die Leitung der Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle abgegeben, nachdem ich das Ganze ab Februar schon von Berlin aus organisiert hatte. Da geht für mich eine Ära zu Ende, bei der Gruppe bin ich zuversichtlich, dass sie nun auch ohne mein Zutun weiterläuft. Es war aber echt ein Weg, bis ich das jetzt sagen kann. Es hat durchaus Krisen gegeben, wo ich mir da überhaupt nicht sicher war.
Das ging nur, weil viele andere mitgewirkt haben. Dennoch empfinde ich mich als so etwas wie den Kristallisationspunkt der Gruppe. Nachdem es anfangs ungewiss war, ob sich wirklich eine stabile Gruppe entwickeln würde, ist dies nun geschehen.

Gründungsimpuls

Ich fange mal an mit dem ursprünglichen Impuls, diese Gruppe zu gründen. Das entstand seinerzeit in der Facebook-Gruppe Kriegsenkel, in die ich gekommen war, nachdem ich selber auf das Thema gestoßen war; wie so viele durch die Bücher von Sabine Bode. Dann hatte ich mich in besagter Facebook-Gruppe mit den vielen Leuten, die auch 2014 da schon drin waren, über vieles ausgetauscht, und dann aber gemerkt, auf Dauer fehlt mir da was, nur so virtuell sich Textbotschaften hin- und her zu schicken.
Ich habe dann einen Aufruf gestartet, ob es denn nicht andere Leute in der Facebook-Gruppe gibt, die auch aus Leipzig und Umgebung kommen, und dass ich selber einfach Lust habe, mich mit Leuten mal persönlich zu treffen. Da war noch gar nicht eine regelmäßige Gruppe die Idee, sondern überhaupt mal ein persönliches Treffen.
Es entstand aber bald die Idee, sich auch regelmäßig zu treffen. Weil sich auch zwei Hallenserinnen darauf gemeldet hatten, kündigte ich die Gruppe von vornherein als „Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle“ an und nicht nur als reine Leipziger Kriegsenkelgruppe. (Für alle Ortsfremden: Leipzig und Halle liegen etwa eine Dreiviertelstunde mit dem Auto auseinander.)

Dann ergab es sich, dass auf der Leipziger Buchmesse 2015 gerade das Buch „Nebelkinder“ vorgestellt wurde, das zur Buchmesse erschienen ist. Es fand eine Lesung statt mit mehreren Autorinnen und den beiden Herausgebern (Joachim Süß und Michael Schneider), die auch Vorstände des Kriegsenkel e.V. sind. Michael Schneider erklärte sich bereit, Anfragen von InteressentInnen in Leipzig und Halle an mich weiterzuleiten. Auf der Webseite www.kriegsenkel.de war ich bis Dezember 2016 als Ansprechpartner für die Leipziger Gruppe angegeben.
Bei dieser Lesung habe ich das erste Mal öffentlich bekannt gegeben, dass ich vorhabe, so eine Gruppe zu gründen. Eine der bis heute regelmäßigen Teilnehmerinnen, die sich auch schon bei Facebook gemeldet hatte, habe ich dort das erste Mal getroffen. Und eine der Autorinnen des Buches lebt in Halle, sie habe ich damals gleich in meine E-Mail-Liste aufgenommen.

Erste Treffen

Das war im März, und dann hat es doch noch bis zum Juni 2015 gedauert, bis das erste Treffen der Gruppe stattfand. Das haben wir seinerzeit in einem Café gemacht, wir waren immerhin sechs Leute, die sich größtenteils über Facebook gefunden hatten.
Wir fingen gleich beim ersten Treffen an, nach anderen Räumlichkeiten zu suchen, weil sich ein öffentliches Café nicht gut eignet für eine Gruppe, in der es doch auch um intime Themen geht. Später im Jahr ergab es sich dann, dass wir uns in den Praxisräumen eines befreundeten Therapeuten treffen konnten.
Die ersten Male haben wir die Termine, weil es nur so wenige InteressentInnen überhaupt waren, per Doodle festgelegt, damit von den wenigen möglichst viele jeweils kommen konnten.

In der Zwischenzeit war ich mit einer anderen aus der Gruppe auch mal in Berlin beim dortigen Gesprächscafé und haben uns da inspirieren lassen. Beim zweiten Treffen haben wir gleich schon über die Struktur der Gruppe gesprochen: wie soll das so stattfinden, soll es eine Moderation geben oder nicht (wir haben gesagt Ja), usw. Ich fand es bemerkenswert, dieser Impuls kam gar nicht so sehr von mir, sondern von anderen aus der Gruppe, sich darüber schon mal klar zu werden, gleich beim zweiten Treffen. Es wurde dazu sogar ein Protokoll angefertigt. Es kam da auch schon zur Sprache, wie weit das Anliegen unserer Gruppe reichen soll. Die vier Anwesenden waren sich alle einig, wir wollen jetzt nicht nur im eigenen Saft schmoren und uns gegenseitig unser Leid klagen, sondern auch gucken, was machen wir denn jetzt hier und heute mit unserem Erbe, Kriegsenkel zu sein?
Zu der Zeit ging es ja gerade frisch los mit den Flüchtlingen, die nach Deutschland kamen, Pegida, AfD, das waren aktuelle Themen, wo wir auch einen Zusammenhang mit dem unverarbeiteten Trauma des Krieges sehen. Deshalb haben wir schon bei diesem zweiten Treffen gesagt, wir wollen perspektivisch auch in die Gesellschaft hinein wirken als Kriegsenkelgruppe.

Krise

Den Sommer über ging es weiter mit Treffen, die wir jeweils per Doodle organisierten. Im August kam das Treffen gar nicht zustande. Im November waren wir sogar nur zu dritt, und da habe ich schon eine Krise gekriegt: es werden ja immer weniger, löst sich die Gruppe wieder auf, bevor sie sich überhaupt so richtig gebildet hat?

Jetzt erst recht!

Mit den Anwesenden haben wir aber beschlossen, dass wir mehr Werbung machen und die Gruppe über verschiedene Kanäle noch bekannter machen wollen; z.B. über eine regelmäßige Kleinanzeige im Leipziger Stadtmagazin. Wir legten auch einen regelmäßigen Termin fest, der sich leicht weitergeben lässt. Es hat sich danach noch etwas ergeben, ich hatte wegen einer regelmäßigen Terminanzeige beim regionalen Esoterik-Magazin „einfach JA“ angefragt, und dann kam von der Herausgeberin zurück, dass für die Ausgabe April/Mai 2016 genau unser Thema als Titelthema („Alles will gesehen und gewürdigt werden. Über die subtilen Wunden von Krieg und 3. Reich und deren Heilung“) geplant ist und ob wir denn nicht einen Artikel schreiben wollen. Da haben wir natürlich Ja gesagt und das Treffen im Januar diesem Artikel gewidmet. Da haben wir darüber gesprochen, was wir den Leuten erzählen wollen, was hier passiert, worum es hier geht. Eine Teilnehmerin hat das zusammengetragen und dann als Artikel verfasst.
Dazu hat auch noch einer aus der Gruppe einen persönlichen Artikel drin gehabt, wo er darüber schreibt, wie er die Kriegsvergangenheit seiner Familie musikalisch verarbeitet. So standen also gleich zwei Artikel im Zusammenhang mit der Gruppe in dieser Zeitschrift. Das hat schon viel bewirkt, es haben sich im Laufe des nächsten Jahres ab dem Erscheinen im April einige Menschen gemeldet und sind zur Gruppe gestoßen.

Noch mal ein Sprung zurück in den Herbst 2015: Ich selber habe in dieser Krisenzeit das Buch „Kriebserbe in der Seele – Was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft“ von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer gelesen und finde es ziemlich gut, weil es praktische Tipps gibt, wie Kriegsenkel mit diesem Erbe gut umgehen können. Deshalb habe ich mich daran gemacht, eine Lesung aus diesem Buch in Leipzig zu organisieren. Die Autoren sind immer fleißig dabei und reisen herum, um Lesungen zu halten, um das Thema voranzubringen. Die Lesung hat schließlich auch stattgefunden am 5. April 2016, gut 40 Leute kamen in die Buchhandlung, wo zwei Jahre zuvor auch schon Sabine Bode gelesen hatte. Das hat auch noch mal viele Menschen auf die Existenz der Gruppe aufmerksam gemacht.

Im Februar bin ich von Leipzig nach Berlin gezogen, habe aber gleich angesagt, dass ich das Jahr 2016 über auch von Berlin aus die Gruppentreffen organisieren werde. So konnte ich für Kontinuität sorgen, gleichzeitig war allen Beteiligten bewusst, dass bis zum Jahresende neue Zuständigkeiten gefunden werden müssen. Durch die lange Vorlaufzeit hat das gut geklappt.

Beim Treffen im März war eine neue Teilnehmerin aus Halle da, die gleich anbot, uns auch mal bei ihr zuhause in Halle zu empfangen.
Das taten wir dann im Mai, denn im April fanden wir es kurz nach der Lesung und mit der gerade erschienenen Zeitschrift mit unserem Artikel sinnvoller, uns erst mal wie gewohnt in Leipzig zu treffen. In Halle waren wir insgesamt zu acht, neben der Gastgeberin waren zwei weitere Hallenserinnen das erste Mal dabei.

Der bisherige Teilnehmerrekord bei einem Treffen war im Juni, da waren wir zu zehnt, davon sechs neue. Eine der Neuen lenkte mehrere Male das Gespräch dahin, wie es uns gerade Anwesenden heute mit unserem Erbe der Kriegsvergangenheit geht und wie uns damit ein gutes Leben gelingen kann.
Die verschiedenen Werbemaßnahmen hatten offenbar gegriffen, ich konnte mich entspannen.

Bei einer Lesung von Sabine Bode Anfang September in Leipzig haben sich noch mal 7 Personen in die E-Mail-Liste eingetragen, die Stand 19.12.2016 45 Leute umfasst.

Beim Treffen im Oktober haben wir auf meine Initiative hin die meisten meiner Aufgaben innerhalb der Gruppe verteilt, so dass ich im Dezember guten Gewissens den Staffelstab weitergeben konnte.

Im November war ein Journalist der evangelischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ beim Treffen, der einen wirklich tollen Artikel darüber verfasst hat.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann ich sagen, dass folgende Faktoren vor allem zum Gelingen der Gruppe beigetragen habe:

  • mindestens eine Person, die sich voll reinhängt und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt
  • Kontakte zu Leuten aus der „Szene“ (Kriegsenkel e.V., AutorInnen einschlägiger Bücher)
  • an die Öffentlichkeit gehen, sich an Medien wenden
  • die Facebook-Gruppe war eine gute Ausgangsgrundlage

Inwieweit der Wille, auch nach außen wirksam zu werden, zum Gelingen der Gruppe beigetragen hat, kann ich nicht einschätzen. Ich habe ihn jedenfalls immer wieder als kraftvoll erlebt.

Teilnehmerstimmen

Zum Abschluss noch ein paar Stimmen von TeilnehmerInnen:

„Ich bin auf die Gruppe aufmerksam geworden bei meinen Recherchen zum Thema Kriegsenkel. So ganz genau kann ich nicht sagen was mich dazu inspiriert hat. Es spielen einige Faktoren zusammen. Zum einen die Familiengeschichte vor allem meiner Mutter, diese Suche, die mich in den Weiten des Internets irgendwann auf den Begriff Kriegsenkel aufmerksam machte. Da wurde mir erst mal bewusst, dass ich nicht allein damit bin. Der e.V. war mir schon untergekommen, aber ich hab erst in diesem Jahr noch mal genauer nachgesehen und festgestellt, dass es in Leipzig diese Gruppe gibt. Was genau mich veranlasst hat, mich an Dich zu wenden kann ich nicht sagen. Neugier? Interesse?
Ich finde es spannend, die Lebensgeschichten so unterschiedlicher Menschen zu hören und oft genug verblüffende Ähnlichkeiten im Erleben oder im Fühlen zu erfahren.
Was veranlasst mich, dabei zu bleiben? Die Brisanz des Themas. Ich habe auch in meiner Arbeit festgestellt, dass noch viel zu wenig darüber nachgedacht wird, woher bestimmte Verhaltensweisen kommen. Meine Klienten sind oft überrascht wenn ich sie frage, was ihre Eltern im Krieg erlebt haben, woher sie kommen usw. Die Verstrickungen in der Familie sind mir bereits beim Familienstellen sehr deutlich begegnet. Umso mehr weiß ich, wie wichtig es ist, sie zu (er)lösen.Damit wir sie nicht weitergeben an die nächste Generation. Es darf auch vorbei sein. Und wir brauchen nichts zu tragen was nicht zu uns gehört.
Zum dabei bleiben gehört auch die angenehme Atmosphäre, die herzliche Aufnahme in die Gruppe und die interessante Mischung.“

„Ich erinnere mich gar nicht mehr genau wie das anfing: Ich erinnere nur, dass wir am Anfang beide an dem Thema dran waren.
Ich selber war mit dem Thema schon schwanger und wurde durch die Sabine Bode Lesung im Mai 2015 zusätzlich infiziert.
Die bisherigen Treffen, an denen ich teilnehmen konnte, waren für mich eine sehr wichtige Bereicherung, besonders der persönliche Austausch und der innere und äußere Raum, mich mit Leuten auszutauschen, die ähnlich wie ich, sensibel für die Spätfolgen der NS-Zeit sind. Besonders wertschätzen möchte ich dabei auch das „Nicht-Werten“ und die gute Atmosphäre in der Gruppe.“

„was mich zur Gruppe gebracht hat: Ein Hinweis meiner Schwägerin und dann eine schnelle Suche im Internet.
Was mich hält: Das Gefühl, dass auch für andere dort aufgrund der familiären Situation der Zweite Weltkrieg nicht einfach „lang her“ ist.“

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