Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Mitfühlen und an Bedürfnissen orientieren statt Recht und Gerechtigkeit

2021-01-15

Nach langer Pause habe ich wieder bei Miki Kashtan reingeschaut. Ihre Artikelreihe Apart and Together hat inzwischen 10 Teile. Heute beziehe ich mich dabei auf den achten Teil Reengaging with the Full Range of Our Emotions.

Darin geht es darum, sich den schwierigen Gefühlen zuzuwenden. Miki geht davon aus, dass fast die gesamte menschliche Gesellschaft, jedenfalls die so genannte "Zivilisation", seit Jahrtausenden kollektiv traumatisiert ist. Und diese Traumatisierung vererbt sich von Generation zu Generation weiter.
Wie kommen wir da jemals wieder raus?

Miki meint in ihrem Artikel The Power of the Soft Qualities to Transform Patriarchy (& auch sonst), dass der erste Schritt ist, die Schrecken des Patriarchats zu betrauern. Wenn wir versuchen, es zu bekämpfen, haben wir schon verloren, weil das gerade der Modus des Patriarchats ist.

Kommen wir nun zu dem Absatz, der mich zum Bloggen unter dieser Überschrift angeregt hat. Zunächst noch ein anderer Absatz zum Einordnen:

Once accumulation starts, two things become necessary: a way to protect and control the accumulated resources, and a way to justify the dramatic shift from flow based on needs to the state we’ve been in since, where some few have more than they need while the many others struggle to live as the fruit of their labour is funnelled to the few.

Das übersetze ich mal (Danke DeepL):

Sobald die Akkumulation beginnt, werden zwei Dinge notwendig: ein Weg, die akkumulierten Ressourcen zu schützen und zu kontrollieren, und ein Weg, den dramatischen Wechsel von einem auf Bedürfnissen basierenden Fluss zu dem Zustand zu rechtfertigen, in dem wir uns seitdem befinden, in dem einige wenige mehr haben, als sie brauchen, während die vielen anderen darum kämpfen, zu leben, während die Früchte ihrer Arbeit zu den Wenigen fließen.

Zur Rechtfertigung der ungleichen Besitz- und Eigentumsverhältnisse dienen nun gerade Recht und Gerechtigkeit:

My conjecture is that the justifying story for massive inequality is the story that says that those who have more deserve it, as do those who have less. This notion is at the root of many other elements that carry potency to this day: fairness, justice and, later, equality and rights. What unites all of them is that they are not directly related to needs, and thus they constitute part of the tectonic shift from an orientation towards needs, which invites care and collaboration, to an orientation towards concepts, which invites rules and competition. This is how scarcity then leads to separation.

Wieder auf deutsch:

Meine Vermutung ist, dass die Rechtfertigungsgeschichte für massive Ungleichheit die Geschichte ist, die besagt, dass diejenigen, die mehr haben, es verdienen, ebenso wie diejenigen, die weniger haben. Diese Vorstellung ist die Wurzel vieler anderer Elemente, die bis heute wirksam sind: Fairness, Gerechtigkeit und, später, Gleichheit und Rechte. Was sie alle eint, ist, dass sie nicht direkt mit Bedürfnissen zu tun haben und somit Teil der tektonischen Verschiebung von einer Orientierung an Bedürfnissen, die zu Fürsorge und Zusammenarbeit einlädt, zu einer Orientierung an Konzepten, die zu Regeln und Wettbewerb einlädt. So führt Knappheit dann zur Trennung.

Nun habe ich ja gerade im letzten Blogbeitrag unsere Grundrechte hochgehalten als Bollwerk gegen die Willkür des Staates. Dabei bleibe ich auch. Allerdings geht die Sache eben viel tiefer.

Gegen das Konzept von Gerechtigkeit habe ich mich hier im Blog schon klar positioniert.

Und mit den Rechten ist es eben auch so eine Sache. Da habe ich als innerer Anarchist schon lange drüber nachgedacht; aus anarchistischer Sicht sind (Grund-) Rechte eine sehr zweischneidige Angelegenheit. Denn was ist ein Recht? Es benennt einen Anspruch gegenüber anderen Menschen. Wer setzt nun diesen Anspruch durch und wie? Im Zweifelsfall tut das der Staat mit seiner Staatsgewalt. Die Alternative Selbstjustiz ist auch nicht besser.

Das kann's doch nicht sein. Das ist nicht das Leben, wie Miki es beschreibt:

I can point to patriarchy, I can describe it, and I can speak of qualities that I associate with it. I don’t have a definition.

My primary way of understanding patriarchy is as a fundamental orientation to being and living that is at odds with life. Before saying much more about what this means, I first want to say what I mean by life. When I say ‘life’ here I am referring to something that is nearly beyond words; and I mean it, literally. Neither poetry nor science can give us a true understanding of what life is or where it came from. And yet we are in and of life. And so it was, some time ago, that when a friend asked me how I define life, and despite my disbelief that anyone would ask anyone else this question, the words emerged, effortlessly: ‘Life is the constant rearranging of everything in continual integration of all volitions.’

In this short, unexpected framing, I am attending to three dimensions: form, essenceand purpose. Intuitively and somewhat mystically, form comes first, though not exactly in the sense of time; essence is secondary; and purpose is last. In that sense of primacy that isn’t about time, I would say that the form of life is flow, which I see as the absolute baseline of what life is – what I earlier referred to as ‘constant rearranging of everything’. I would say that the essence of life is togetherness, interdependence or love – what I earlier referred to as ‘continual integration’. It is secondary in that the flow gives rise, so to speak, to entities that then come together. I would finally say that the purpose of life is choice – what I earlier referred to as ‘volition’. Choice as the expression and source of movement. Overall, I find simplicity in thinking of life as being about flow, togetherness and choice.

Übersetzt:

Ich kann auf das Patriarchat hinweisen, ich kann es beschreiben, und ich kann von Eigenschaften sprechen, die ich damit verbinde. Eine Definition habe ich nicht.

Ich verstehe das Patriarchat in erster Linie als eine grundsätzliche Ausrichtung des Seins und des Lebens, die im Widerspruch zum Leben steht. Bevor ich mehr darüber sage, was das bedeutet, möchte ich zuerst sagen, was ich mit Leben meine. Wenn ich hier "Leben" sage, beziehe ich mich auf etwas, das fast jenseits von Worten ist; und ich meine das wörtlich. Weder Poesie noch Wissenschaft können uns ein wahres Verständnis davon geben, was Leben ist oder woher es kommt. Und doch sind wir im und vom Leben. Und so kam es, dass, als mich vor einiger Zeit ein Freund fragte, wie ich das Leben definiere, und trotz meines Unglaubens, dass irgendjemand jemandem diese Frage stellen würde, mühelos die Worte auftauchten: "Leben ist die ständige Neuordnung von allem in kontinuierlicher Integration aller Willensäußerungen."

In dieser kurzen, unerwarteten Umrahmung kümmere ich mich um drei Dimensionen: Form, Essenz und Zweck. Intuitiv und etwas mystisch kommt die Form zuerst, wenn auch nicht genau im Sinne der Zeit; die Essenz ist zweitrangig; und der Zweck kommt zuletzt. In diesem Sinne des Vorrangs, bei dem es nicht um Zeit geht, würde ich sagen, dass die Form des Lebens der Fluss ist, den ich als die absolute Basis dessen betrachte, was Leben ist - das, was ich zuvor als "ständige Neuordnung von allem" bezeichnet habe. Ich würde sagen, dass die Essenz des Lebens die Zusammengehörigkeit, die gegenseitige Abhängigkeit oder die Liebe ist - was ich zuvor als "ständige Integration" bezeichnet habe. Es ist sekundär, dass der Fluss sozusagen Entitäten hervorbringt, die dann zusammenkommen. Schließlich würde ich sagen, dass der Zweck des Lebens die Wahl ist - das, was ich zuvor als "Wille" bezeichnet habe. Die Wahl als Ausdruck und Quelle der Bewegung. Insgesamt finde ich es einfach, das Leben als Fluss, Zusammengehörigkeit und Wahlmöglichkeit zu betrachten.

Da wollen wir doch wieder hin, zu diesem Fließen des Lebens, oder? Ich will es jedenfalls. Und ich kann es von meiner heutigen Position in der deutschen patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft nur vage erahnen. Dabei erahne ich auch gleich, wie viel es zu betrauern gibt.

Übrigens sind wir noch voll im patriarchalen Denken befangen, wenn wir glauben, dass wir das Patriarchat in wenigen Generationen ganz hinter uns lassen könnten. Wilhelm Reich hat dafür mehrere 1000 Jahre veranschlagt, & das erscheint mir auch realistisch.

Von diesem langen & schweren Weg handelt der eingangs erwähnte Artikel Reengaging with the Full Range of Our Emotions. Darin hat Miki auch den schönen und recht kurzen Text Vulnerability as a Spiritual Path ("Verwundbarkeit als spiritueller Pfad") verlinkt, mit dem ich diesen Beitrag beschließe.

Ach nein, ich ende mit den letzten beiden Sätzen aus Reengaging with the Full Range of Our Emotions:

And we vow to never be alone, to always reach for more support, as well as offer it to others who take similar paths. All of us are free, or none.

Auf deutsch:

Und wir geloben, nie allein zu sein, immer nach mehr Unterstützung zu greifen und sie auch anderen anzubieten, die ähnliche Wege gehen. Wir sind alle frei, oder niemand.

Aho!

Wehret den Anfängen

2021-01-15

Gestern sind an einem Tag drei Dinge passiert, die mir zeigen, dass die Demokratie-Simulation in Deutschland gerade abgestürzt ist.

Die Gründung einer neuen Partei wurde von der Polizei abgebrochen und geräumt. Das hat die Freie Linke veranlasst, alle demokratischen Kräfte zum Widerstand gegen diesen verlängerten und seit März fortgeführten Staatsstreich gemäß Art. 20 (4) GG aufzurufen. Über den Telegram-Kanal der Freien Linken wurde ich überhaupt auf dieses unerhörte Ereignis aufmerksam.

Das zweite Ereignis ist die Änderung des Bundeswahlgesetzes, die der Bundestag beschlossen hat.

Damit stellte der Bundestag fest, dass die Durchführung von Versammlungen für die Wahl der Wahlbewerber und der Vertreter für die Vertreterversammlungen zur Bundestagswahl 2021 zumindest teilweise unmöglich ist. 486 Abgeordnete stimmten für den Antrag, 72 dagegen, es gab 21 Enthaltungen.

Ereignis Nr. 3 hat auch mit Wahlen zu tun – die Landtagswahl in Thüringen wurde vom 25. April auf den 26. September verschoben.

Als die Wahl in Hong Kong unter dem Vorwand von Corona verschoben wurde, haben hier alle rumgeheult, das sei Diktatur. Hmm…

Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass Grundrechte Abwehrrechte gegen den Staat sind:

Viele betrachten die Grundrechte als etwas Selbstverständliches, das ihre persönliche Sphäre kaum berührt. Wie die geschichtliche Erfahrung zeigt, sind sie keineswegs selbstverständlich gewährleistet, und sie beeinflussen den Alltag des Einzelnen und das Zusammenleben aller in Staat und Gesellschaft. Grundrechte schützen den Freiheitsraum des Einzelnen vor Übergriffen der öffentlichen Gewalt, es sind Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat. Zugleich sind sie Grundlage der Wertordnung der Bundesrepublik Deutschland, sie gehören zum Kern der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes.

Das hat mich vorletztes Jahr dazu veranlasst, als Anarchist 70 Jahre Grundgesetz zu feiern.

Die Überschrift "Wehret den Anfängen" kommt zugegebenermaßen reichlich spät, denn angefangen hat es ja schon vor Monaten. Seither spitzt sich die Lage immer weiter zu, was schließlich auch zu meiner ersten näheren Begegnung mit Wasserwerfern führte.

Beim Schreiben dieses Beitrag hatte ich immer Daniele Gansers Vortrag über die verschiedenen Ängste in der Corona-Krise im Hinterkopf. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich hier sonderlich Panik schüre. Nach meinem Empfinden spreche ich eine sachliche Warnung aus. Wenn du das anders wahrnimmst, schreib gerne einen Kommentar.

Nachtrag vom 17.01.: Länder planen Zwangseinweisungen für Corona-Quarantänebrecher.

Bricht die Konsensrealität auseinander?

2021-01-11

Im April letzten Jahres schrieb ich schon mal, dass in der Coronakrise die Konsensrealität gerade massiv zusammenbricht. Diesen prozessorientierten Faden nehme ich im neuen Jahr noch mal auf, weil sich in meiner Wahrnehmung die Gräben in unserer Gesellschaft weiter vertieft haben.

Diese Gräben verlaufen zwischen Gruppen von Menschen, die die Welt unterschiedlich wahrnehmen.

In meinem Beitrag Die Corona-Krise ist eine Vertrauenskrise hatte ich es so dargestellt, dass wir in unserer erdumspannenden Weltgesellschaft alle in einem sehr großen Maße einander vertrauen müssen, damit das alles funktioniert. Im Moment sieht es so aus, dass das vielleicht nicht mehr klappt. Was dann?

Um einen anderen Gedanken aus dem Beitrag Konflikte entstehen an der Grenze zwischen Konsensrealität und Traumland aufzugreifen: Das Ganze wird überhaupt nur zu einem Problem, wenn wir an einer Konsensrealität festhalten. Wenn wir also daran festhalten, uns auf eine Realität zu einigen. In einer Situation wie jetzt, wo verschiedene Seiten einander "Fake News" vorwerfen, erzeugt das eine nahezu unerträgliche Spannung.

Es wäre nun leicht, auf den Konsens zu verzichten und uns ganz ins Traumland aufzulösen – jene Sphäre, die ich schon mal als "das Land von Grinsekatzen und verrückten Hutmachern, von Ekstase, Rausch und Wahn, wo Menschen und Tiere in Zungen reden, wo nichts ist wie es scheint" bezeichnete.

Wollen wir wirklich ausschließlich da leben? Und was würde passieren wenn nicht? Würden sich mehrere voneinander getrennte Konsensrealitäten entwickeln? So was wie Paralleluniversen?

Ich schrieb auch schon

Im Grunde erzeugt also die Konsensrealität alle Konflikte, indem sie versucht, neue Inhalte aus dem Traumland in ihren bisherigen Konsens zu integrieren, oder aber diese mit Gewalt auszuschließen ("es kann nicht sein, was nicht sein darf"). Bewusstseinserweiterung geht offenbar notwendigerweise mit großen Spannungen einher.

Um mit diesen Spannungen umzugehen, empfiehlt sich immer wieder Robert Anton Wilsons Rezept zum Ausbruch aus der Filterblase. Da kommen wir wohl nicht drum herum, das gehört offenbar zum kosmischen Spiel dazu.

Und es tut gut, uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir eigentlich keine Ahnung haben was hier läuft.

Wenn sich Edward Snowden und Alexei Nawalny beide gegen Zensur von Trump aussprechen, läuft etwas gewaltig schief

2021-01-10

Wir leben in interessanten Zeiten. Dabei ist das Jahr 2021 gerade mal erst 10 Tage jung.

Edward Snowden schreibt bei Twitter zur Sperrung von Donald Trumps Account bei Facebook:

Facebook officially silences the President of the United States. For better or worse, this will be remembered as a turning point in the battle for control over digital speech.

Und weiter:

I know a lot of folks in the comments read this are like "YAAAAS," which, like—I get it. But imagine for a moment a world that exists for more than the next 13 days, and this becomes a milestone that will endure.

Und Alexei Nawalny (ja, der bekannte russische Rechtspopulist) kritisiert mit den gleichen Argumenten Trumps Sperrung bei Twitter. Nawalny schreibt bei Twitter:

This precedent will be exploited by the enemies of freedom of speech around the world. In Russia as well. Every time when they need to silence someone, they will say: 'this is just common practice, even Trump got blocked on Twitter'.

Das sollte zu denken geben. Mal sehen, wie lange das 1984-Hörbuch noch bei YouTube zu hören sein wird

Wir erinnern uns, auch das Urheberrecht wird gerne als Zensur-Keule missbraucht.

Nachtrag: Fefe erkennt immerhin an diesem Punkt auch den Ernst der Lage:

Aber bedenkt mal bitte kurz, was das für ein Dammbruch ist, den die da gerade vollzogen haben. Vergleicht das mal mit der Abgeordneten-Immunität, die ja ursprünglich geschaffen wurde, damit die Regierung nicht gegen kritische Oppositionspolitiker vorgehen kann. Will sagen: Das hat ja schon einen Sinn, dass Politiker frei reden dürfen. Das ist nicht bloß ein Privileg aus Zeiten, in denen der Adel regiert hat.

Jetzt haben wir einen Präzedenzfall, dass man Politiker für ihre Äußerungen in sozialen Netzwerken dort sanktionieren lassen kann. Richter, Geschworene und Henker sind alle Big Tech.

Nachtrag vom 11.01.: Trotz Nawalnys Kommentar ist das Ganze auch für Russia Today eine Steilvorlage.

The significance of Silicon Valley’s involvement can not be overstated. Big Tech worked hand-in-glove with big government to de-person the president of the United States of America and prevent his supporters from organizing. […]

As the country’s most despicable journalists and pundits cheer for the unaccountable tech tyrants, budding dictators abroad are surely taking notes. Building relationships with the tech titans is the modern equivalent of seizing a television studio, and popular movements can be easily suppressed with their cooperation. If the world’s loudest and proudest democracy is doing it, why can’t they?

Weiterer Nachtrag vom 11.01.: Angela Merkel hat offenbar begriffen, dass es sie und ihre Regierung auch treffen könnte

„Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist von elementarer Bedeutung“, sagte Seibert weiter. Eingriffe könne es daher nur entlang der Gesetze und innerhalb des durch den Gesetzgeber definierten Rahmens geben und „nicht nach dem Beschluss der Unternehmensführung von Social-Media-Plattformen“, sagte Seibert. Deswegen sehe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) es als problematisch an, dass die Konten des US-Präsidenten dauerhaft gesperrt worden seien.

Und noch ein Nachtrag vom 11.01.: Bei neunetz.com gibt es eine differenzierte Analyse des Problems, Twitter und Trump und die Zukunft von Staatsoberhäuptern auf Netzwerken – mit dem Fazit, dass auf lange Sicht die Staaten den Plattformen Regulierungen für Accounts von Staatsoberhäuptern vorgeben werden. Interessant dabei ist diese Einschätzung:

Diese Unternehmen wollen diese Macht nicht. Sie wollen nicht ihr Staatsoberhaupt sperren. Sie wollen nicht als Kingmaker gesehen werden. In diesem Fall würde es nur harte Regulierung nach sich ziehen.

Derweil habe ich mich das erste Mal bei Breitbart umgesehen & dort einen Artikel gefunden, der eine lange Latte von offiziellen Stellungnahmen gegen die Sperrung von Trump in verschiedensten Ländern auflistet: France, Germany, Mexico, Australia Join International Outcry over Censorship of Donald Trump.

Nachtrag vom 12.01.: Der Telemedicus ordnet das Ganze als "alten Hut" ein.

“Einmalig”, ein “folgenreicher Tabubruch” und gar eine “Zeitenwende” – Kommentator*innen staunen über die Sperrung der Online-Konten von Donald Trump. Doch ist die politische Stummschaltung durch große Tech-Konzerne wirklich eine neue Entwicklung? Bereits seit Jahrzehnten ringen (auch) in Deutschland Politik und Gerichte mit der Online-Macht von Big Tech. Und die Erfahrung lehrt, dass es bisher auf drei Elemente ankam: zeitgemäße Regeln, deren konsequente Durchsetzung und – vor allem – politischen Opportunismus.

Weiterer Nachtrag vom 12.01.: Das war ganz an mir vorübergegangen – die Sperrung von Trumps Konten ist offensichtlich die Rache für seine Executive Order on Preventing Online Censorship vom 28. Mai 2020. Hier noch seine Anmerkungen dazu von damals. Ausschnitt aus der Executive Order:

In a country that has long cherished the freedom of expression, we cannot allow a limited number of online platforms to hand pick the speech that Americans may access and convey on the internet. This practice is fundamentally un-American and anti-democratic. When large, powerful social media companies censor opinions with which they disagree, they exercise a dangerous power. They cease functioning as passive bulletin boards, and ought to be viewed and treated as content creators.

Vor dem Hintergrund kann ich die Sperrungen nur als ein lautes "Ätsch!" gegenüber Trump deuten.

Die Blockchain lockt euch mit ihrem Versprechen von Anonymität in eine Falle

2021-01-6

Offenbar bin ich gerade in Debunking-Stimmung. Nach dem Thema Geldschöpfung wende ich mich als nächstes der Blockchain und den Kryptowährungen zu, die hier im Blog auch schon mehrfach Thema waren.

Liebe Libertäre und Anarchokapitalistinnen, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein: Die Blockchain- und Kryptowährungs-Industrie verarscht euch nach Strich und Faden. Sie versprechen euch nämlich, die Transaktionen in einer Blockchain seien anonym.

Grundsätzlich stimmt das zwar; in der Blockchain selber sind deine Transaktionen beispielsweise bei Bitcoin nur durch eine Bitcoin-Adresse gekennzeichnet, die z.B. so aussehen kann: 3GL1MMJvw99DbrzoPQYhu7H5Zv2S8ykvPy.
Nun kommt das große Aber: Sobald du deine Bitcoins oder sonstigen Kryptowährungen benutzt, um damit etwas zu kaufen, entsteht ein Risiko, dass deine Bitcoin-Adresse mit deiner Identität verknüpft wird. Denn was du kaufst, muss ja irgendwie zu dir kommen, nachdem deine Bitcoins zur Verkäuferin übertragen wurden.

Und jetzt kommt's: Sobald deine bisher anonyme Adresse in der Blockchain von wem auch immer deanonymisiert wurde, sind auf einen Schlag alle deine Transaktionen öffentlich. Denn genau so funktioniert ja eine Blockchain – neue Transaktionen werden an die Kette aller bisherigen Transaktionen angehängt.

Geht noch weiter: Wenn du dir nun denkst, dann achte ich eben ganz besonders gründlich darauf, dass meine Adresse nicht mit meiner Identität verknüpft wird, hast du immer noch nicht gewonnen. Denn sobald eine größere Akteurin in der Blockchain deanonymisiert wurde, kann sich alle Welt mit Big Data-Methoden auf die Blockchain stürzen und deren Transaktionen analysieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen dabei weitere Identitäten von Blockchain-Adressen zum Vorschein, und je mehr bekannt sind, um so leichter wird es, den Rest auch noch zu deanonymisieren.

Ihr könnt darauf wetten, dass NSA & Co. dafür eine eigene Abteilung haben.

Und ich erinnere noch mal an meinen Beitrag Die Blockchain als verteilter Big Brother.

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