Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Bhakdis Corona-Faktencheck

2020-07-4

Im aktuellen Buch Corona Fehlalarm? von Sucharit Bhakdi und seiner Frau habe ich einige aufschlussreiche Informationen gefunden, die ein ganz anderes Licht auf die Corona-"Pandemie" werfen. Im gleichen Verlag erschien im Jahr 2016 von den gleichen Autorinnen das Buch Schreckgespenst Infektionen. Mythen, Wahn und Wirklichkeit.

Wie schon an anderer Stelle im Blog erwähnt, halte ich Bhakdi für eine vertrauenswürdige Quelle in der Angelegenheit.

Vorneweg, wer lieber Videos schaut statt zu lesen, findet eine ganze Reihe davon in Bhakdis YouTube-Kanal.

Ich greife nur die Punkte heraus, die für mich selber besonders signifikant und neu sind. Das fängt an mit Belgien, wo ich mich schon länger gewundert hatte, warum ausgerechnet dort die Fallzahlen so hoch sind, und warum frau nirgends etwas darüber liest und hört. Nun, des Rätsels Lösung ist erschreckend einfach:

In Belgien erscheinen nicht nur jene Toten in der Statistik, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Sondern auch all jene, bei denen nur ein Verdacht besteht, es könnte einen Zusammenhang mit dem Virus geben.

Kannste dir nicht ausdenken so was!

Nächster Punkt aus dem Buch, was die Panikmache angeht:

Herr Drosten verbreitete sehr früh, dass asymptomatische Personen sehr ansteckend sein könnten. Die zentrale Studie, auf die er sich bezog (mit ihm als Co-Autor), berichtete, dass die chinesische Geschäftsfrau, die bei ihrem Besuch in Bayern Mitarbeiter eines Autozulieferers infiziert hatte, selbst keine Symptome hatte. Die Veröffentlichung halt weltweit für Aufsehen gesorgt und gleichzeitig zu einer großen Verunsicherung geführt. Ein Virus, das von Menschen verbreitet wird, die keine Symptome haben, lässt sich nur sehr schwer kontrollieren. Diese Furcht stellte eine treibende Kraft hinter vielen Extremmaßnahmen dar, die kurze Zeit später verhängt wurden – vom Besuchsverbot von Krankenhauspatienten bis hin zur Maskenpflicht.

Praktisch unbekannt geblieben ist dabei die Tatsache, dass der in dieser Schlüsselarbeit publizierte Befund sich als absolut unzutreffend herausgestellt hat. Im Nachhinein ergaben Recherchen, dass die Chinesin während ihres Aufenthaltes in Deutschland unter starken Beschwerden gelitten hat, diese waren jedoch nicht offensichtlich, weil sie schmerz- und fiebersenkende Mittel eingenommen hatte.

Was ist nun aber mit den in vielen Ländern offensichtlich überlasteten Gesundheitssystemen? Nun, diese Überlastung ist nicht Corona-spezifisch:

Als im Winter 2017/2018 eine wirklich schwere Grippe-Epidemie durch die Welt zog, kam es auch in den USA zu einer Überlastung der Krankenhäuser, zum Aufbau von Triage-Zelten, Operationen wurden abgesagt, Patienten abgewiesen. Alabama erklärte den Ausnahmezustand. Aber es hat keinen interessiert.

In Spanien kaum anders. Die Grippewelle 2017/2018 führte in ganz Spanien zum Kollaps der Krankenhäuser.

In Italien kaum anders. In Mailand und anderen Städten ging auf den Intensivstationen gar nichts mehr. Am Gesundheitssystem wird in Italien seit Jahren gespart, die Anzahl an Intensivbetten ist sehr viel geringer als in anderen Ländern Europas.

Das hatte ja auch die Anstalt letztens.

"Nicht schlimmer als eine Grippe" heisst also angesichts des Zustands der Gesundheitssysteme bei weitem nicht "harmlos".

Was hat es nun mit den schockierenden Bildern der Särge aus Bergamo auf sich, die vom Militär abtransportiert wurden? Dazu sagt der Vorsitzende des bayerischen Bestatterverbandes und Vizevorsitzende des deutschen Dachverbands, Ralf Michal, folgendes:

In Italien ist eine Feuerbestattung eher selten. Deshalb "waren die italienischen Bestatter überfordert, als im Zuge der Corona-Pandemie der Staat die Feuerbestattung anordnete", analysiert Michal. Dafür waren die Bestatter nicht vorbereitet. Es fehlten Krematorien und die komplette Infrastruktur. "Deshalb musste das Militär helfen. So lassen sich die Aufnahmen aus Bergamo erklären, die zeigen, wie Armeelaster Särge mit Corona-Verstorbenen abtransportieren helfen". In Deutschland hat die Urnenbestattung längst Tradition. "Bilder wie aus Italien wird es bei uns nicht geben", sagt der Fachmann.

Die Autorinnen verweisen im Buch mehrfach auf die Corona-Initiative Deutscher Mittelstand (Achtung, Link zu einem Google-Dokument!), die eine ganze Menge von Daten rund um Corona und die Folgen dort gesammelt und aufbereitet hat. Wie gesagt, klickt auf eigene Gefahr auf diesen Link, dort trackt euch Google.

Im Buch ist mir nun auch deutlicher geworden, was künstliche invasive Beatmung konkret bedeutet:

Invasive Beatmung bedeutet, dass der Patient in ein künstliches Koma gelegt wird, er ist nicht mehr ansprechbar, braucht eine Komplettversorgung auf der Intensivstation. Die Beatmungsmaschine drückt den Sauerstoff über einen Schlauch mit Überdruck in die Lunge. Über den Schlauch verschaffen sich nicht selten Bakterien Zutritt – und führen früher oder später zur tödlichen Lungenentzündung. Der Mediziner spricht von Krankenhausinfektionen. Das Risiko dafür steigt mit jedem Tag. Deshalb lernt der Mediziner auch, dass eine Beatmung zwar so lange wie nötig, aber immer nur so kurz wie möglich angewandt werden sollte.

Der Lungenfacharzt Thomas Voshaar findet drum auch: Es wird zu häufig intubiert und invasiv beatmet.

Bhakdi zitiert Scott Atlas von der Universität Stanford, der sich für die Strategie der Herdenimmunität ausspricht:

In fact, infected people without severe illness are the immediately available vehicle for establishing widespread immunity. By transmitting the virus to others in the low-risk group who then generate antibodies, they block the network of pathways toward the most vulnerable people, ultimately ending the threat. Extending whole-population isolation would directly prevent that widespread immunity from developing.

Spannend fand ich noch den Hinweis auf Empfehlungen der WHO zu Maßnahmen bei Grippe-Epidemien von Oktober 2019, Non-pharmaceutical public health measures for mitigating the risk and impact of epidemic and pandemic influenza, in denen sie den meisten Maßnahmen (die jetzt in der Corona-"Pandemie" umgesetzt wurden) schwache bis gar keine Evidenz bescheinigen.

Warum eine Impfung gegen Coronaviren (im Allgemeinen, nicht nur gegen SARS-CoV-2) medizinisch nicht sinnvoll ist, erklärt Dave Brych in einem seiner Videos, das im Wesentlichen auf dem Buch "Corona Fehlalarm?" basiert. Dazu müsst ihr wissen, dass Bhakdi durchaus kein pauschaler Impfgegner ist. In seinem ersten Buch Schreckgespenst Infektionen differenziert er, welche Impfungen er für wirksam hält und welche für medizinischen Unfug.

Oh, zum Ende des Buches hin gibt es noch ein interessantes Detail: Kein Geringerer als Christian Drosten hat im Dezember 2009 "vor einer Unterschätzung des Risikos der Schweinegrippe gewarnt" – als diese schon längst wieder am Abebben war. Wir erinnern uns, die Schweinegrippe war ein hoffnungslos aufgeblasenes Gefährdungsszenario, an dem vor allem einzelne Pharmakonzerne verdient haben.

Ach ja, weil's so schön ist, verlinke ich an dieser Stelle den "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"-Tweet des Bundesgesundheitsministeriums.

Auch interessant: Noch am 30. Januar hat der Bayerische Rundfunk diejenigen, die Corona für gefährlich halten, als Verschwörungstheoretiker und Populisten bezeichnet! So schnell kann sich der Wind drehen…

Der Virologe Pablo Goldschmidt sagt in einem Interview mit der argentinischen Zeitschrift Infobae:

Wir sind alle eingesperrt. In Nizza gibt es Drohnen, die den Menschen von der Luft aus Bußgelder aufbrummen. Wie weit ist es mit dieser Überwachung gekommen. Man muss jetzt Hannah Arendt lesen und sehr genau die damaligen Ursprüngen des Totalitarismus anschauen. Wenn man der Bevölkerung Angst macht, kann man alles mit ihr machen.

Übrigens hängt in Berlin an etlichen Stellen ein Plakat für die aktuelle Hannah-Arendt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum mit dem Spruch "Niemand hat das Recht zu gehorchen".

So weit zum Buch. Abschließend bette ich noch das Video der "Pressekonferenz" (die sich allerdings durch einen eklatanten Mangel an Presse auszeichnet) zur Gründung der Stiftung Corona-Ausschuss ein, die die Folgen des Lockdown auswerten will:

Bhakdi wird mit vielen anderen an diesem außerparlamentarischen Untersuchungsausschuss beteiligt sein.

Von heute an benutze ich die weibliche Form

2020-06-13

Dieser Artikel in der Republik über gendergerechte Sprache hat mich dazu inspiriert, fortan hier im Blog & anderswo die weibliche Form zu benutzen, das generische Femininum.

Der Grund, warum ich nicht die politisch noch korrektere Form à la "Agent:innen" benutze, ist, dass ich das vor allem als bewusstseinserweiternde Übung für mich selbst mache. Und wenn ich mich als "Agentin Timo" bezeichne, hat das eine stärkere Wirkung auf mich. "Agent:innen" sind in meiner Vorstellung eher geschlechtslos als dass sie unterschiedliche Geschlechter haben.

Ihr seid damit automatisch & zwangsläufig auch Versuchskaninchen…

Umfangreiches Forschungs­material für mehrere Sprachen – auch für das Deutsche – und mit verschiedenen Methoden zeigt aber konsistent: Wir Menschen denken seltener an Frauen, wenn wir generisch maskuline Formen hören. Bei Lesern, Patienten, Wissenschaftlern denken wir zunächst an Männer.

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Deshalb:

Nennt die Sprache Frauen mit, nehmen wir sie mental mit wahr. Auch der Bund hält in einem Leitfaden zum Sprachgebrauch fest: «Mit geschlechter­gerechten Formulierungen werden Frauen […] sprachlich sichtbar, sie treten in Erscheinung und rücken ins Bewusstsein. […] Denn Sprache und gesellschaftliche Wirklich­keit sind nicht voneinander zu trennen.»

Wenn ich fortan z.B. von Marktteilnehmerinnen schreibe, sind Männer natürlich mit gemeint. ;-)

Und ich werde statt "man" nun auch konsequent "frau" schreiben, auch wenn das manchen albern erscheinen mag. Lest den Republik-Artikel & ggf. auch die darin verlinkten Studien; danach sprechen wir uns wieder.

Meine Gemeinschaft wechselt von WhatsApp zu Signal

2020-06-7

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Meine Gemeinschaft ist jetzt tatsächlich mit der internen Kommunikation von WhatsApp zu Signal gewechselt!

Signal-Logo

Mein erster Versuch mit Wire war ja kläglich gescheitert, dann war WhatsApp der Anlass, mir ein Smartphone schenken zu lassen ;-).

Dann hatte ich einen erneuten Versuch mit Nextcloud Talk gestartet, der allerdings auch im Sande verlief, vor allem weil Nextcloud Talk bei All-Inkl wohl eher suboptimal ist.

Den Ausschlag für den Wechsel haben übrigens die externen Masseur:innen gegeben, mit denen unser Massageteam eine Signal-Gruppe eingerichtet hat.

Mit dem Wechsel zu Signal ist nun mein persönlicher Messenger-Salat ein kleines aber wesentliches Stück ausgedünnt. Tschakka!

Vorher habe ich natürlich noch meinen WhatsApp-Chatverlauf gesichert, denn was man hat, das hat man.
Stellt sich raus, was man hat, das hat man noch lange nicht – es gibt nämlich seitens Facebook/WhatsApp keine Möglichkeit, den gesamten Chatverlauf in einem für Menschen lesbaren Format herunterzuladen. Die Account-Info habe ich auch angefordert, aber:

Bitte beachte, dass der Bericht keine deiner Nachrichten enthält.

Das bringt mich in dieser Hinsicht also nicht weiter. Nach einer längeren Odyssee über den WhatsApp Viewer und den dort verlinkten Forenthread sowie den wiederum darin verlinkten Forenthread zum Extrahieren des WhatsApp-Backups aus dem Google Drive bin ich nun endlich beim WhatsApp Parser Toolset gelandet, mit dem mir zumindest der Download des Backups aus dem Google Drive gelungen ist.

Damit habe ich zwar schon mal alle Mediendateien versammelt, der eigentliche Chatverlauf ist allerdings verschlüsselt und nützt mir so noch nichts. Deshalb bin ich im Zuge dessen so tief wie noch nie in mein Android-Smartphone eingetaucht – per USB Debug Mode. Das nötige Tool findet sich im oben verlinkten ersten Forenthread nebst Anleitung es zu benutzen.

Leider tut das in meinem Fall nicht so wie es soll, weil ich WhatsApp Business statt des normalen WhatsApp benutze.

Unfassbar, wie schwer dieser Scheissverein von Facebook es einem macht, die eigenen Daten aus WhatsApp rauszukriegen. Die meisten Leute hätten schon nach der Account-Info aufgegeben.

Übrigens, diese "Account-Info" ist ein Witz, das sind mit Sicherheit nicht alle personenbezogenen Daten, die die von mir gespeichert haben. Mal sehen, vielleicht wende ich in diesem Fall das erste Mal den freundlichen Folterfragebogen der c't an. Stellt sich nur die Frage, wo schicke ich ihn hin? Laut Impressum ist die WhatsApp Ireland Limited in Dublin zuständig. Der Mutterkonzern Facebook sitzt in Europa ebenfalls in Dublin. Nun, schaun mer mal.

Hier hat jemand seine diversen Selbstauskunft-Versuche bei verschiedenen Unternehmen und Institutionen dokumentiert; für mich besonders interessant ist natürlich sein Tagebuch der WhatsApp-Selbstauskunft. Es ist ein harter Kampf…

Nachtrag: WhatsApp ist damit ein Beispiel dafür, dass man Kryptographie auch dafür missbrauchen kann, Nutzern ihre eigenen Daten vorzuenthalten. Signal geht den entgegengesetzten Weg.

Es gibt kein bedingungsloses Grundeinkommen

2020-05-18

Beim Foucault-Lesen (siehe auch Gouvernementalität in der Corona-Pandemie) wurde mir klar, dass ich hier im Blog, was das "Bedingungslose Grundeinkommen" angeht, echt lange um den heißen Brei herum geschrieben habe.

Foucault bringt das Dilemma des Liberalismus so auf den Punkt:

Die neue Regierungskunst stellt sich also als Manager der Freiheit dar, und zwar nicht im Sinne des Imperativs: "Sei frei", was den unmittelbaren Widerspruch zur Folge hätte, die dieser Imperativ in sich trägt. Es ist nicht das "Sei frei", was der Liberalismus formuliert, sondern einfach Folgendes: "Ich werde dir die Möglichkeit zur Freiheit bereitstellen. Ich werde es so einrichten, dass du frei bist, frei zu sein." Wenn dieser Liberalismus nicht sosehr der Imperativ der Freiheit, sondern die Einrichtung und Organisation der Bedingungen ist, unter denen man frei sein kann, dann wird im selben Zug im Zentrum dieser liberalen Praxis ein problematisches, ständig wechselndes Verhältnis zwischen der Produktion der Freiheit und dem hergestellt, was, indem es sie herstellt, sie auch zu begrenzen und zu zerstören droht. […] Mit einer Hand muss die Freiheit hergestellt werden, aber dieselbe Handlung impliziert, dass man mit der anderen Einschränkungen, Zwänge, auf Drohungen gestützte Verpflichtungen usw. einführt.

Das ist genau das Dilemma, welches auch das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) mit sich bringt. Das Netzwerk Grundeinkommen definiert ein BGE so:

  • Existenz sichernd und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichend,
  • auf das ein individueller Rechtsanspruch besteht,
  • ohne Bedürftigkeitsprüfung
  • ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen

Wir "zivilisierten" Menschen wachsen so selbstverständlich in Staaten auf, dass wir die Existenz eines solchen Staates kaum wahrnehmen, so wie ein Fisch im Meer das Meer kaum wahrnimmt und daher einfach als gegeben voraussetzt. Dadurch übersehen wir in dieser Definition leicht den Knackpunkt ein individueller Rechtsanspruch. Denn wer kann diesen Rechtsanspruch garantieren? Natürlich nur der Staat (oder eine äquivalente gesellschaftliche Einrichtung). Das ist also in jedem Fall eine Bedingung, damit das Ganze funktionieren kann, und – schwups – ist es eben nicht mehr bedingungslos.

Kommen wir da vielleicht durch das in meinem Blog schon mehrfach erwähnte Freiwillige Bedingungslose Grundeinkommen (FBGE) raus? Nein, denn auch dabei ist das Wort "bedingungslos" fehl am Platz.
Wie funktioniert so ein FBGE? Eine Gruppe von Menschen tut sich zusammen und schmeisst freiwillig Geld in einen gemeinsamen Topf, aus dem dann das FBGE ausgezahlt wird. Die Bedingung dafür ist natürlich, dass alle Beteiligten auch genügend Geld haben (und weiterhin bereit sind!), um den Topf damit immer wieder zu füllen.

Halten wir also fest:
Es gibt kein bedingungsloses Grundeinkommen. Grundeinkommen ist möglich, aber immer unter irgendwelchen Bedingungen.

Jetzt ist es raus. Übrigens ist auch das von mir immer wieder als Alternative gepriesene Gemeinschaffen eine Sache von Bedingungen, denn dabei geht es ja darum, dass eine Gruppe von Menschen sich zusammentut, um einen Ort oder irgendwelche Sachen zu pflegnutzen, und diese Gruppe von Menschen vereinbart dafür Regeln untereinander, an die sich dann alle halten sollen. Auch da haben wir also immer irgendwelche Bedingungen.

Ich schließe mit dem hier im Blog schon mal zitierten Zen-Spruch

Alles hängt von Bedingungen ab,
und keine Selbstheit wohnt den Dingen inne.

So ist das nun mal in dieser Welt der Erscheinungen. Ohne Bedingungen ginge hier schliesslich alles drunter & drüber. ;-)

Gouvernementalität in Zeiten der Corona-Pandemie

2020-05-13

Ich bin seit einigen Wochen dabei, die Vorlesungen zur Geschichte der Gouvernementalität von Michel Foucault zu verschlingen. Den ersten Band habe ich durch, den 2. gerade angefangen. Dieser handelt vor allem vom Liberalismus und seinen modernen Varianten.

Das Bundesinnenministerium ist momentan ein sehr dankbarer Untersuchungsgegenstand in Sachen Gouvernementalität, wie ich ja schon im Beitrag Dem Staat vertrauen? erwähnte.

Da haben wir auf der einen Seite das interne Strategiepapier des Innenministerium ganz auf der Linie der Staatsräson und das von einem einzelnen Mitarbeiter an die Presse getragene Papier auf der anderen Seite als liberales Gegenbeispiel.

In der einleitenden Vorlesung sagt Foucault

Das ganze Problem der kritischen gouvernementalen Vernunft wird sich um die Frage drehen, wie man es anstellt, nicht zu viel zu regieren.

Der einzelne Mitarbeiter ist offensichtlich der Ansicht, dass unsere Regierung in der Coronakrise zu viel regiert. Der offizielle Standpunkt des Innenministeriums geht nach dem internen Papier von "einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahre 2020 – für Deutschland allein" aus, weshalb das Innenministerium findet, man kann gar nicht genug regieren in dieser Krise.

Dabei stützen sich beide Seiten auf (medizinische und andere) Experten – ein wesentliches Kennzeichen der kritischen gouvernementalen Vernunft nach Foucault:

Was in Frage steht und was alles dies erklärt, ist die Tatsache, dass die Regierung in dem Augenblick, in dem sie diese Naturgesetze verletzt, sie ganz einfach missachtet. Sie missachtet sie, weil sie von ihrer Existenz nicht weiss, ihre Mechanismen und Wirkungen nicht kennt. Mit anderen Worten, die Regierungen können sich täuschen. Und das größte Übel einer Regierung, das, was sie zu einer schlechten macht, besteht nicht darin, dass der Fürst schlecht ist, sondern dass er unwissend ist.

In einen Satz zusammengefasst:

Eine Regierung weiss nie genug, so dass sie Gefahr läuft, stets zuviel zu regieren, oder auch: Eine Regierung weiss nie gut genug, wie man gerade ausreichend regieren soll.

Nachtrag vom 20.05.: Die Vorlesung vom 24. Januar 1979 liefert weitere Hinweise zur aktuellen Situation:

Man kann sagen, dass die Devise des Liberalismus ist, "gefährlich zu leben". "Gefährlich zu leben", das bedeutet, dass die Individuen fortwährend in eine Gefahrensituation gebracht werden oder dass sie vielmehr darauf konditioniert werden, ihre Situation, ihr Leben, ihre Gegenwart, ihre Zukunft usw. als Träger von Gefahren zu erleben. […] Überall sieht man diese Aufstachelung der Angst vor der Gefahr, die gewissermaßen die Bedingung, das psychologische und innere kulturelle Korrelat des Liberalismus ist. Es gibt keinen Liberalismus ohne die Kultur der Gefahr.
Die zweite Konsequenz dieses Liberalismus und dieser liberalen Regierungskunst ist natürlich die gewaltige Ausweitung von Verfahren der Kontrolle, der Beschränkung, des Zwangs, die das Gegenstück und Gegengewicht der Freiheiten bilden.

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