Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

SPD und CETA, jetzt alle im Chor singen

2016-09-20

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Wer hat uns verraten, wer hat uns verkauft?
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Die haben uns verraten! Und die haben uns auch verkauft!

Höher, schneller und weiter

2016-09-15

Am Rande hatte ich von ihm schon mal gehört, jetzt habe ich mich ausgiebiger mit Hartmut Rosa und seinem Schwerpunktthema beschäftigt, der sozialen Beschleunigung. Damit gehört dieser Beitrag auch in die Hamsterrad-Reihe. In der kam Rosa übrigens an einer Stelle schon mal vor.

Lassen wir ihn zunächst selbst zu Wort kommen:

In der Langfassung dieses Videos erklärt er noch die heute vorherrschenden Strategien, mit der Beschleunigung umzugehen: die Surfer und die Drifter.

Beim Institut zur sozialen Therapie der Eilkrankheit könnt ihr ein Interview mit Hartmut Rosa in SZ Wissen lesen. Darin beschreibt er, was wohl den allermeisten sehr bekannt vorkommt:

Es geht eher um den Eindruck, wir kommen nicht mit dem hinterher, was wir erledigen müssen. Ein einfacher Test: Haben Sie sich genug um Ihre Rente gekümmert, um die Fitness, um den Handy- oder Stromtarif, die Steuererklärung, die Eltern, die Abgeltungssteuer, die Kinder, um die Freunde, die Hardware, die Software, den Garten, den Urlaub?
Die Listen dessen, was man glaubt, tun zu müssen, verlängern sich. Durch die Ausdifferenzierung der Sozialwelt in immer mehr Teilbereiche, die wir gleichzeitig bedienen müssen, kommt das einzelne Subjekt, das alle Fäden unter Kontrolle halten soll, in Bedrängnis. Ihm läuft die Welt davon.

Ich für mein Teil finde mich in dieser Beschreibung wieder, wie ihr z.B. im Beitrag Offene Enden nachlesen könnt. Auch mein noch nicht ganz ausgestandener Kampf mit dem KDE Plasma 5-Update bestätigt Rosas Beobachtungen.

Und es ist auch das, was mich hier im Diamond Lotus immer wieder unwohl fühlen lässt: der Beschleunigungsdruck der kapitalistischen Umwelt, dem sich manche in der Gemeinschaft bereit sind zu beugen (angesichts von Finanzamt, Vermieter usw.), andere (wie ich) weniger. Nur wissen diese anderen nicht wirklich, wie sie sonst damit umgehen sollen. Wie können wir nicht einfach mitmachen, ohne uns damit automatisch aufs Abstellgleis zu manövrieren? Oder sollte die Reise vielleicht gerade dort hingehen?

Rosa weist jedenfalls darauf hin, wie verheerend sich die soziale Beschleunigung auf alte Menschen auswirkt:

Alte Menschen sind heute diejenigen, die sich nicht in die Stadt trauen, weil sie nicht wissen, wie der Fahrkartenautomat funktioniert. Alter wird entwertet, weil Erfahrung entwertet wird. Es gibt nicht mehr den weisen Alten, der weiß, wie die Dinge laufen. Man hat die Welt nie ausgeschöpft und kann deshalb nicht mehr lebenssatt sterben.

Auf die Frage " Auch die Millionen Musiktitel im Internet machen nicht glücklich?" antwortet er:

Je leichter verfügbar Güter werden, umso geringer scheint das Glücksmoment zu sein. Ein Musikstück macht mich glücklich, wenn ich mich so intensiv mit ihm beschäftige, dass es zu einem Teil meiner Identität wird und mich zu neuen Erfahrungshorizonten führt.

Sein Fazit des Interviews gefällt mir sehr:

Wir sollten uns weiterhin die Frage stellen: Was ist eigentlich ein gutes Leben? Wenn wir einfach nur versuchen, uns an irgendwelche Entwicklungen anzupassen, verraten wir das Projekt der Moderne. Die Moderne ist angetreten, damit uns niemand vorschreiben kann, wie wir leben sollen – weder Kirche, König noch Natur.
Jetzt einfach achselzuckend zu sagen, wir haben gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt, die wir nicht mehr steuern können und müssen deren Vorschriften akzeptieren, das finde ich einen unerträglichen Fatalismus.

Natürlich ist bei der Beschleunigung die Megamaschine am Werk, bzw. der megatechnische Pharao, über den Johannes Heimrath schreibt:

Vorwärts, von Innovation zu Innovation peitscht uns der Pharao in wuchernde Rebound-Effekte hinein!

In der Buchbesprechung in der Zeit (sic!) aus dem Jahr 2006 mit der Überschrift Atemlos findet sich noch ein wesentlicher Punkt:

Das Urtrauma der Moderne sei die Panik vor dem größten aller "Optionenvernichter", dem Tod, und indem sie unter faustischem Zwang alle Möglichkeiten maximal ausschöpfe, schaffe die Moderne sich einen säkularen Ewigkeitsersatz. Dies allerdings vergeblich.

Aus dieser Perspektive stellt sich übrigens der Krieg als massiver Todes-Beschleuniger dar.

In meinem Beitrag zur Aufmerksamkeitsökonomie geht es darum, wie vor allem Smartphones einerseits unsere Aufmerksamkeit binden und andererseits unser Leben beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die soziale Beschleunigung als ein immer schnelleres Hin- und Herwechseln unserer Aufmerksamkeit beschreiben.

Dem wirkt z.B. Vipassana radikal entgegen.

Andere, die sich dem Entschleunigen widmen, sind z.B. der Verein zur Verzögerung der Zeit und die Slow Food-Bewegung. Beim Konzeptwerk Neue Ökonomie ist im Rahmen des Zeitwohlstand-Projektes das gleichnamige Buch entstanden, in dem auch ein Beitrag von Hartmut Rosa vertreten ist.

Neben Hartmut Rosa hatte auch Peter Kafka sich intensiv mit der Beschleunigung auseinandergesetzt, z.B. in seinem Aufsatz Wohin rennen wir eigentlich? Er geht dabei über das Soziale hinaus und betrachtet die gesamte Evolution der Erde.

Zurück zu Rosa: in der Buchbesprechung von 2006 heisst es:

Zweifellos kommt der kapitalistischen Wirtschaftsform dabei eine Schlüsselrolle zu, denn sie verwandelt Zeit in Geld. Anders gesagt: Im Kapitalismus greifen Wachstums- und Beschleunigungszwang ineinander. Was wir in der Produktion an Zeit gewinnen, müssen wir im Konsum wieder ausgegeben – das gesteigerte Produktionstempo hat "ökonomisch zwingend" eine "Erhöhung der Konsumtionsakte zur Folge". Weil der Bedarf weitgehend gedeckt und der Markt gesättigt ist, dreht die Produktion leer und wird zum Selbstzweck. Die ethischen Ziele des Wirtschaftens gehen verloren, eine erpresserische Sachzwanglogik tritt an ihre Stelle. Wir produzieren für die Produktion, während uns die gesparte Zeit als Arbeitslosigkeit heimgezahlt wird.

Das war nicht erst im Kapitalismus so, sondern seit Anbeginn des Geldes. Geld ist ein Mittel, um Zeit zu überbrücken. Insofern wirkt es zwangsläufig auf unser Zeitempfinden ein und darauf, wie wir mit unserer Zeit umgehen.

Das Prinzip der Konkurrenz hängt damit eng zusammen und bildet auch einen starken Motor für die soziale Beschleunigung, denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dass sich Wettbewerb und Gleichgewicht ausschließen, hatte ich ja schon letztes Jahr geschrieben.

Ich gehe also nach wie vor davon aus, dass das Geld dieser sozialen Beschleunigung zugrunde liegt, & dass das "schneller" nur einen Teilbereich des umfassenderen "mehr" bildet. Dafür spricht z.B. auch das gleichnamige Buch Mehr! Philosophie des Geldes von Christoph Türcke, das ich derzeit häppchenweise lese. Dazu gibt es auf jeden Fall noch einen Beitrag, bis dahin schau doch mal in das Interview auf der Buchmesse 2015 rein.

So wie unsere (Lebens-) Zeit immer knapper zu werden scheint, hat Charles Eisenstein ja festgestellt: Wenn die Wirtschaft wächst, wird alles knapper.

Deshalb wiederhole ich denn auch noch mal sein wunderbares Zitat über wahren Reichtum:

Zeit ist Leben. Wahrhaft reich zu sein heißt, über unsere Zeit selbst verfügen zu können.

Dem Känguru lasse ich heute mal nur das vorletzte Wort:

Denn mit TAPETE (siehe Charles Eisenstein über die Megamaschine) rufe ich hiermit zum Generalstreik auf:

Nachtrag: Ich fühle mich übrigens darin bestätigt, um Methoden wie Getting Things Done konsequent einen Bogen gemacht zu haben. Dabei handelt es sich nur um Versuche, sein Leben effizienter zu beschleunigen. Da lobe ich mir doch Heinrich Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral. Ah, apropos:

Nachtrag vom 20.09.: Vergleiche auch in diesem Zusammenhang Jon Rappoports Artikel über das Stimulus-response Empire.

Wellness vs. Solidarität

2016-08-24

Eben habe ich die britische Feministin Laurie Penny entdeckt, über ihren sehr lesenswerten Artikel Die Wohlfühl-Lüge.

Die Wohlfühl-Ideologie ist ein Symptom einer breiteren politischen Krankheit. Die Bürden von Arbeit und Arbeitslosigkeit, die Kolonialisierung aller öffentlichen Flächen durch privates Geld, der prekäre Alltag und die wachsende Unmöglichkeit, sich in Gemeinschaften zu organisieren, führt dazu, dass jeder für sich versucht, zu überleben.
Wir sollen glauben, dass Arbeit allein unser Leben verbessern kann. Chris Maisano argumentiert, dass "individualistische und therapeutische Antworten auf die Probleme unserer Zeit nicht schwer zu begreifen sind. Aber nur wenn wir Gemeinschaften bilden, vertrauen wir wieder in unsere kollektiven Fähigkeiten, die Welt verändern zu können".
Die Wellness-Ideologie begegnet diesem sozialen Wandel in zwei wesentlichen Punkten. Erstens überzeugt sie uns davon, dass es kein wirtschaftliches Problem ist, wenn wir krank, traurig und erschöpft sind. Es gibt so gesehen keine strukturelle Ungleichheit. Individuen haben sich falsch angepasst, und das erfordert eine individuelle Antwort. Wenn du dich miserabel oder verärgert fühlst, weil dein Leben ein ständiger Kampf gegen Armut und Vorurteile ist, dann bist du das Problem. Die Gesellschaft ist nicht verrückt oder kaputt: Du bist es.

Und an späterer Stelle:

Das Problem mit der Selbstliebe, wie wir sie gerade verstehen, ist, dass wir Liebe an sich zu einfach definieren, mit Herzchen und Blumen, Fantasie und rituellem Konsum. Die Moderne macht uns zu betrübten, ein bisschen gruseligen Teenagern, die sich selbst sagen, wie besonders und perfekt sie sind. Das ist genauso wenig Selbstliebe wie die Liebe jener Typen, die auf der Straße lauthals Frauenhintern loben.
Die härtere, langweiligere Art der Selbstsorge besteht aus täglichen, unmöglichen Mühen, aufzustehen und durch das Leben zu kommen, in einer Welt, die dich lieber niedergebückt und angepasst sieht. Eine Welt, deren grausame Logik es will, dass du keine strukturellen Probleme siehst, sondern nur Probleme bei dir selbst, oder bei den viel marginalisierteren und verletzlicheren Leuten. Echte Liebe, die Art, die heilt und bleibt, ist kein Gefühl, sondern ein Verb, eine Handlung. Es geht darum, was du für andere tust – über Tage, Wochen und Jahre. Es ist die Art der Liebe, die wir uns am wenigsten zugestehen, gerade in der politischen Linken.

Dazu passt auch das Interview im Spiegel mit Holger Nachtwey über die Angst vor dem Abstieg im Kapitalismus, "Lauter kleine Narzissten, auf Wettbewerb getrimmt". Und McKinsey hat in einer Studie ermittelt, dass seit den letzten 10 Jahren immer mehr Menschen ärmer als ihre Eltern werden.

Der Trend geht also deutlich in Richtung noch krasserer Kampf jedeR gegen jedeN. Wellness bestärkt diesen Trend, Solidarität würde dagegen helfen.

Das beschäftigt mich, seit ich ins Diamond Lotus eingezogen bin, immer wieder. Denn ich will hier nicht die Megamaschine mit Wellness-Angeboten ölen, sondern auch im Tantra-Institut ihr Sand ins Getriebe streuen. Wie, das ist allerdings dabei die große & für mich bisher ungelöste Frage.
Ausformuliert lautet diese Frage Wie geht Tantra ohne Geld? oder mindestens wie geht Tantra solidarisch?

Tantra als Business widerspricht jedenfalls ganz klar der Grundidee, was wiederum nicht heisst, dass da kein Geld fliessen darf. Das ist schon OK & darf gerne dazu gehören, so wie alles dazu gehört. Wir leben global in einer Gesellschaft, die die Verfügungsgewalt über Vermögen krass ungleichmäßig verteilt und dabei sogar noch von unten nach oben umverteilt. Als Tantriker kann & will ich dabei nicht nur nicht mitmachen, sondern dem entgegenwirken. Denn wenn Tantra eines ist, dann ein Weg der Befreiung.

Ich beende diesen Beitrag deshalb mit der Atari Teenage Riot-Version von Kids Are United:

Und ein Klassiker von den Scherben hintendran:

Es muss hoffentlich hierzulande nicht erst so kommen wie in Griechenland, wo solidarische Kliniken und andere Einrichtungen aus der akuten Not entstanden sind.

Nachtrag vom 31.08.: Wellness kann den Bezug zum Boden, auf dem wir leben & der uns mit allem Lebensnotwendigen versorgt, nicht ersetzen.

Nachtrag vom 02.09.: Schon seit einer Weile sage ich immer ganz gerne

Wir sind nicht auf diesen Planeten gekommen, um es bequem zu haben.

Mein finanzielles Coming out

2016-08-22

Im Beitrag über die drei großen Tabus Sex, Geld und Tod hatte ich ja geschrieben, dass auch ich mir von der finanziellen Transparenz von Fairmondo noch eine Scheibe abschneiden kann. Das tue ich hiermit, wenn auch nicht in Form eines Lesezugriffs auf meine Konten, aber in Form einer Aufstellung meiner Investitionen bzw. Geschenke, die ich aus dem Erbe meiner Mutter (und indirekt damit auch meines Vaters, der im Wesentlichen dieses Vermögen durch genügsames Leben von seinem Lehrergehalt und Aktienspekulation erwirtschaftet hat) tätigen konnte. Und schon durch das Aussprechen dessen, was in Klammern steht, breche ich ein (familiäres & auch gesellschaftliches) Tabu.

Übrigens habe ich das Veröffentlichen dieses Beitrags mehrere Monate vor mir her geschoben…

Ein Teil dieses Erbes ist ein Sparkassenbrief über 50.000 €, den ich beschlossen habe zu behalten bis er im Oktober 2019 ausläuft, er ist nämlich beidseitig unkündbar. Was ich dann damit machen werde, weiss ich noch nicht; ich weiss auch nicht ansatzweise wie in drei Jahren die Welt aussehen wird. Die Zinsen in Höhe von gut 1,8 % jährlich bekommt ab diesem Jahr aber die Bewegungsstiftung (s.u.).

Außerdem habe ich aktuell noch 30.000 € auf einem Sparkonto bei der GLS-Bank, wo ich keine Zinsen bekomme, die Bank aber kurzfristige Kredite vergeben kann. Das Sparkonto hat eine Kündigungsfrist von 3 Monaten & man kann monatlich bis zu 2.000 € auf das Girokonto übertragen, was ich in den letzten Monaten jeweils getan habe. Auf meinem Girokonto befinden sich aktuell (Stichtag 22.08.2016) 860,73 €.

Seit ich in Berlin lebe, z.T. auch schon seit letztem Jahr, lebe ich im Wesentlichen von diesem Erbe. Meine Mutter (& indirekt mein Vater) hat mich damit für mehrere Jahre von den Zwängen der Megamaschine freigekauft. Als mir das so richtig klar wurde, habe ich für mich beschlossen:

Jetzt gilt es, aus diesen Jahren das schönste Kunstwerk zu machen, zu dem ich imstande bin.

Was ich nun aufliste, betrachte ich nicht als eine Liste davon, was ich alles tolles mit meinem Geld bewirke. Denn dieses Geld habe ich geschenkt bekommen, ich habe nichts, aber auch absolut gar nichts selber dafür getan, es kam ganz unverdient. Deshalb habe ich auch nicht vor, es zu behalten. Es gehört uns allen. Und weil es allen gehört, sollen auch alle wissen, was ich damit mache.

Und an dieser Stelle sage ich meinen Eltern für dieses Geschenk von Herzen Danke!

Ich bin letztes Jahr Mitglied bei drei Genossenschaften geworden:

Diese Investitionen sind Gelder, die ich bei Bedarf, allerdings mit einer Kündigungsfrist zwischen 1 & 5 Jahren, wieder bekommen kann (es sei denn ich finde jemand, der diese Anteile übernimmt, dann geht es kurzfristig). Dabei sind es bis auf die GLS alles Investitionen im Sinne der Ökonomie der Verbundenheit, denn ich verwende das Geld, um die Sphäre des Geldes insgesamt zu verkleinern. Und bei der Generalversammlung der GLS-Bank habe ich gegen die Auszahlung einer Dividende gestimmt.

Das Mietshäuser Syndikat liegt mir dabei besonders am Herzen, & auch Fabian Scheidler schreibt in Das Ende der Megamaschine:

Globale Immobilienfonds wie Cerberus – der Name bezeichnet in der griechischen Mythologie den Höllenhund – besitzen Hunderttausende von Wohnungen. In vielen Großstädten müssen Menschen inzwischen die Hälfte ihres Einkommens für Mieten ausgeben, sie schuften letztlich wie Leibeigene dafür, das return on investment der Fonds zu erwirtschaften. Für einen Ausstieg aus dem absurden Hamsterrad von Lohnarbeit und Akkumulation ist es daher von entscheidender Bedeutung, das Wohnen aus der Geldverwertungsmaschine herauszulösen und in die Hände der Bewohner selbst zu bringen. Wo das gelingt, wird auf Dauer enorm viel Zeit und Energie von Menschen frei, die sich nun anderen Aufgaben widmen können als die Cerberusse dieser Welt zu füttern.

Ein alternatives Modell, Wohnraum dauerhaft dem Markt zu entziehen, verfolgt die Stiftung Trias. Mir gefällt allerdings die gemeinschaftliche Konstruktion des Syndikats besser, denn faktisch konzentriert sich in der Stiftung Trias viel Macht.

Alles was ich im folgenden aufliste, fällt in die Kategorie Reiche, verschenkt euren Reichtum und ihr werdet reich bleiben, das habe ich wirklich verschenkt bzw. gestiftet:

  • im Jahr 2014 habe ich mit 300 € die Degrowth-Konferenz in Leipzig gecrowdfundet
  • ebenfalls per Crowdfunding habe ich 2014 der Aktion Mein Grundeinkommen 1.000 € geschenkt
  • Im Januar 2015 & 2016 habe ich dem ZEGG jeweils 1.000 € geschenkt, davon jeweils 500 € für den Stipendienfonds, um gezielt eine solidarische Ökonomie zu unterstützen
  • dem Vipassana-Zentrum in Triebel habe ich 1.000 € geschenkt, siehe meinen Bericht vom Vipassana-Kurs
  • dem Mönch Panyasara, bei dem ich meinen ersten Vipassana-Kurs gemacht hatte, habe ich 2.000 € geschenkt
  • im Mai letzten Jahres bin ich Lebenszeit-Mitglied beim Mellifera e.V. geworden mit 3.000 €, das kann man dort schon ab 1.500 €. Hintergrund dafür ist u.a., dass mein Opa mütterlicherseits über 40 Jahre lang geimkert hat und ich damit in gewisser Weise sein Erbe antrete
  • Über den Kriegsenkel e.V. habe ich das Buchprojekt Ein deutsches Leben mit 800 € unterstützt
  • Im Juli bin ich mit 7.500 € 5.000 € Stifter bei der Bewegungsstiftung geworden + 2.500 € Spende, diese bekommt außerdem ab diesem Jahr die Zinsen des oben erwähnten Sparkassenbriefs
  • an Mellifera habe ich noch mal 800 € gespendet für die Entwicklung eines neuen Logos für Bienen machen Schule
  • Neben "Mein Grundeinkommen" habe ich bei Startnext noch einige andere Projekte mit kleineren Beiträgen unterstützt, die findet ihr in meinem Profil bei Startnext aufgelistet (ohne die genauen Beträge)
  • auch bei der Visionbakery findet ihr meine dort unterstützen Projekte, bisher ist das nur die Degrowth-Konferenz

Bei der derzeitigen Zinssituation kann die Bewegungsstiftung Spenden eher gebrauchen als größere Zustiftungen. 5.000 € sind aber das Minimum, um als Stifter dort mit einzusteigen.

Abgesehen vom Geld verschenke ich bestimmte Bücher und Filme.

Bitte bezeichnet mich nicht als Philanthropen, das betrachte ich nämlich als ein Schimpfwort. Skin singt es in ihrem Lied mit Skunk Anansie ganz klar: I don't want your charity keeping me down.

Statt Almosen zu geben, tue ich alles was in meiner Macht steht, um die Umverteilung von unten nach oben zu beenden und am besten umzudrehen. Gleichzeitig schenke ich, weil das zum Guten Leben dazugehört und ich damit hier und jetzt schon im Geist des Schenkens lebe, ganz unabhängig von politischen Kämpfen.

Deshalb will ich zur Bewegungsstiftung noch mehr sagen, denn diese hat mich vor allen anderen Stiftungen angezogen. Dort entscheiden nämlich nicht allein die StifterInnen, wer zu welchem Zweck wie viel Geld bekommen soll, sondern die AktivistInnen der geförderten Projekte entscheiden über die Geldvergabe der Stiftung mit (mehr darüber in der Broschüre Den Wandel gestalten). Damit betreibt die Bewegungsstiftung keine undursichtige Wohltätigkeit wie die meisten anderen Stiftungen. Exemplarisch ist dabei in Deutschland die Bertelsmann-Stiftung zu nennen. Auch Warren Buffets Sohn Peter haut in die gleiche Kerbe, wenn er vom Charitable-Industrial Complex spricht. Aus dem Umfeld der Bewegungsstiftung ist u.a. die Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe entstanden, für die ich hier im Blog Gerhard Schröder werben lasse.
Bei der Bewegungsstiftung gibst du als StifterIn also tatsächlich ein gutes Stück aus der Hand, was mit deinem Geld geschieht. Und genau da geht die Reise hin, zur Schenkwirtschaft. Ich hatte schon im Beitrag Wenn du dein Bewusstsein erweiterst, kannst du nur gewinnen geschrieben:

Um wirklich in der Fülle zu leben, müssen wir daher etwas loslassen: eben diese Illusion, ein abgetrenntes Wesen zu sein.

Dass ich so viele unterschiedliche Initiativen unterstütze, sieht auf den ersten Blick so aus, als würde ich mich verzetteln. Fabian Scheidler bestätigt mich jedoch darin im Schlusskapitel des Ausstiegs aus der Megamaschine, wo er unter der Überschrift Revolution ohne Masterplan schreibt:

Der Ausstieg aus der Großen Maschine bedeutet eben auch einen Abschied vom universalistischen Denken, das – von der christlichen Mission bie hin zum Projekt des Weltkommunismus – den Anspruch auf die eine Wahrheit und die eine Vernunft erhoben hat. Das Fehlen eines Masterplans nach diesem Muster ist kein Manko, sondern ein Lernfortschritt aus den Desastern der vergangenen Jahrhunderte.

Als ein weiteres Stück Transparenz erzähle ich den Moment, in dem ich das erste Mal bewusst entschieden habe, mit meinem Geld für das größere Ganze wirksam zu werden. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, es war in einem Fundraising bei einem ZEGG-Sommercamp vor über einem Jahrzehnt. Seinerzeit hatte ich mein Erspartes in einem Silberdepot bei Siegfried Weigl angelegt, noch geprägt von Paul C. Martin und den Goldseiten. Damals rechnete ich mit einem baldigen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems und wollte (nur!) mich persönlich durch den "Sachwert" Silber absichern. Bei diesem Fundraising nun entschied ich mich, statt einem abstrakten, seelenlosen Metall lieber der Gemeinschaft von Menschen im ZEGG vertrauen, und löste konkret mein Silberdepot (mit Verlust) auf, um es in ein Darlehen für das ZEGG umzuwandeln. Zahlenmäßig waren das damals irgendwas zwischen 3- & 5.000 €, genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Von dem Vermögen meines Vaters ahnte ich damals noch nichts. Er hatte mir allerdings mein Informatikstudium so großzügig finanziert, dass ich durch meine eigene genügsame Lebensweise mir so viel Geld ansparen konnte (z.T. auch schon während des Zivildienstes durch meinen Zivi-Sold).

Es war auch ein langer Weg, bis ich heute selber Geschenke mit weit geöffnetem Herzen annehmen und mich darüber freuen kann. Vor gut 10 Jahren schrieb ich z.B. noch über Dankbarkeit: "es fällt mir unheimlich schwer, dankbar zu sein".
Und gerade jetzt wo ich doch "reich" bin, sollte ich da kein schlechtes Gewissen haben, wenn mir jemand noch zusätzlich zu meinem längst vorhandenen Reichtum etwas schenkt?
Dieses Denken kommt immer noch aus der Illusion des Getrenntseins und damit aus dem Mangel. Die Fülle besteht doch gerade darin, dass mehr als genug für alle da ist! Deshalb kann und darf ich auch feiern, Geschenke zu bekommen. Außerdem spornt mich das an, auch meinerseits noch mehr von der Fülle weiterzugeben.

Zum Abschluss erinnere ich nicht zuletzt mich selber daran, dass ich als Agent des kosmischen Bewusstseins einer von ganz ganz vielen bin & deshalb nicht alles alleine machen & somit auch nicht alles finanzieren muss (was ich ja auch gar nicht könnte). Es gibt noch ganz viele andere da draußen, die mehr oder weniger zu verschenken haben & oft genug gar nicht wissen, wohin damit. Deshalb finde ich z.B. Crowdfunding eine geniale Erfindung. Die GLS Treuhand hat letztes Jahr zusätzlich zu den diversen schon vorhandenen Plattformen die Gemeinschaftscrowd nur für gemeinnützige Projekte gestartet. Etwas ähnliches gibt es in Gestalt der Spendenplattform betterplace.org schon länger. Und gerade vor ein paar Tagen erst wurde ich auf die in Entwicklung befindliche Plattform yunity aufmerksam, die Schenken und Teilen ohne Geld ermöglichen will und damit, wie mir scheint, die Idee eines Universellen Stigmergischen Allokationsystems in die Tat umsetzt. Vielleicht liegt das Abschaffen des Geldes doch gar nicht mehr in so weiter Ferne wie ich dachte…

Neu, jetzt noch besser! Kapitalistische Tendenzen im Open Source-Bereich

2016-08-6

Draußen schüttet's, eigentlich also ideales Wetter für Computertätigkeiten. Mein Rechner ist allerdings durch Updates blockiert. Zum Rumranten reicht es noch. ;-)
Ich arbeite mich nämlich gerade durch die Anleitung zum Upgrade auf KDE Plasma 5. Und das daaauert. Und es funktioniert natürlich nicht auf Anhieb alles, sondern es gibt immer wieder virtuelle Steine aus dem Weg zu räumen (und jetzt rechnet mal von meinem persönlichen Aufwand hoch auf alle, die sich damit herumschlagen müssen!).

Nun frage ich mich, wozu überhaupt der Aufwand. KDE 4 lief doch stabil & einwandfrei. Aber nein, es müssen neue Features her.

Das kennt man üblicherweise von kommerziellen Software-Anbietern. Die machen ihre geplante Obsoleszenz ganz öffentlich, siehe z.B. Microsofts Support Lifecycle. Ich spreche hier ganz bewusst von geplanter Obsoleszenz, denn Software wird ja im Prinzip nie schlecht und geht auch nicht kaputt. Eher ist sie von vornherein schon kaputt, d.h. voller Bugs.
Auch bei kommerzieller Software finde ich den Update-Zwang nicht in Ordnung, aber nachvollziehbar. Immerhin wollen die ständig was verkaufen, & dafür brauchen sie eben ständig Updates und Upgrades.

Open Source-Projekte haben das eigentlich nicht nötig, denn sie wollen und müssen nichts verkaufen. Nichts und niemand hält das KDE-Projekt deshalb davon ab, ihre Desktopumgebung an einem bestimmten Punkt für fertig zu erklären und von da an nur noch Bugs zu fixen. Donald Knuth hat das mit TeX vorgemacht.

Nun werden viele Open Source-Projekte von kommerziellen Firmen betrieben, die rund um die von ihnen entwickelte Software Geld verdienen wollen (z.B. Red Hat, SuSE, Intel, IBM u.v.a.). Und KDE basiert auf der Bibliothek Qt, die von einem solchen Unternehmen entwickelt wird.
Dennoch wäre es wahrscheinlich viel weniger Aufwand gewesen, KDE 4 an Qt 5 anzupassen.

Aber nein, es muss ja auch vom Open Source-Projekt mal wieder alles neu gemacht werden (Kenner wissen, dass die Überschrift auf ein Kapitel aus den Känguru-Chroniken anspielt). Da scheint sich auch bei Open Source-Softwareentwicklern das Hamsterrad als mentale Infrastruktur fest etabliert zu haben.

Dabei könnten wir doch diese genialen Produktionsmittel dafür verwenden, uns ein gutes Leben mit weniger Update-Aufwand zu machen (siehe Oekonux). Seufz.

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