Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Wandel-IT-Konferenz in Kassel und GEN-Netzwerktreffen am Windberg

2019-07-12

Im Beitrag über den Messenger-Salat habe ich so nebenbei das Wandelbündnis erwähnt. Das sollte ich wohl etwas weiter ausführen, damit ihr wisst, wie ich dazu gekommen bin.
Der Auslöser war, dass ich angefangen habe, mich mit IT-Menschen aus anderen Gemeinschaften über Kundenmanagementsysteme (CRM/ERP) auszutauschen. Über Felix aus Sieben Linden wurde ich dann auf das Wandelbündnis aufmerksam, mein Einstieg war die Wandel-IT-Konferenz in Kassel am ersten Mai-Wochenende.
Was da los war, könnt ihr im Erlebnisbericht beim green net project lesen.

Ein paar Wochen war ich dann (mit Ella) beim Frühjahrs-Netzwerktreffen von GEN Deutschland in der Gemeinschaft am Windberg bei Erfurt in Thüringen. Auch dort gab es u.a. ein Treffen der Gemeinschafts-ITler, wo wir das Project Janet ins Leben gerufen haben.

Hinter der Abkürzung GEN verbirgt sich das Global Ecovillage Network, ein internationaler Verbund von Gemeinschaften. Der GEN Deutschland e.V. ist dabei noch recht jung, deutlich länger gibt es schon GEN Europe.

Ich habe es sehr genossen, endlich wieder Netze zu weben. Und ihr wisst jetzt auch, wo ich mich in der ersten Jahreshälfte so rumgetrieben habe.

Übrigens habe ich beim GEN-Netzwerktreffen mit Erstaunen erfahren, dass es eine Gemeinschaft mitten in Gießen gibt: DOMINO - Dorf mit neuer Orientierung.

Viele Wandelbewegte waren nach dem GEN-Netzwerktreffen noch beim Makers4humanity-Lab, ich allerdings nicht. Mir liegt vor allem die Vernetzung der ITler in der Wandelszene & die Vernetzung der Gemeinschaften am Herzen.

Oracle selber empfiehlt die Deinstallation von Java

2019-07-11

… jedenfalls wenn man es schon länger nicht mehr benutzt hat:
Entfernen Sie nicht verwendete Java-Versionen
Dem habe ich nichts hinzuzufügen. ;-) more

Der Messenger-Salat

2019-07-11

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich mich von Wire wieder verabschiedet. Im dortigen Beitrag schrieb ich

Das Hauptproblem ist der Lock-In-Effekt schon vorhandener Messenger, die Leute haben einfach keinen Bock, sich noch einen fünften Messenger nur für mich zu installieren.

und das will ich in diesem Beitrag noch weiter ausführen. Inzwischen habe ich nämlich ein altes Android-Smartphone ohne SIM-Karte, damit ich meinen eigenen Zugang zur gemeinschafts-eigenen WhatsApp-Gruppe habe. Das betrachte ich natürlich nur als Übergangslösung, denn von WhatsApp will ich möglichst schnell weg.

Nun, wo ich also ein Smartphone habe, probiere ich damit auch alles Mögliche aus, was dazu geführt hat, dass ich inzwischen 8 (in Worten: acht!) verschiedene Messenger drauf habe:

  • Mit WhatsApp fing es wie gesagt an, das benutze ich über WhatsApp Business mit einer Festnetznummer, die außerhalb der Gemeinschaft niemand kennt. Es hat also keinen Zweck, mich darüber kontaktieren zu wollen. ;-)
  • Dann benutze ich im Rahmen des Wandelbündnisses auch auf dem Smartphone FairChat, einen Ableger von RocketChat. Da geht der Salat schon los, denn RocketChat ist offenbar eine komplette Eigenentwicklung und mit keinem anderen Messenger kompatibel.
  • Wie schon im Wire-Beitrag erwähnt, habe ich angefangen, die Gemeinschaft an Nextcloud Talk zu gewöhnen, was ich mir aus diesem Grund auch auf dem Smartphone installiert habe. Dabei erwies es sich, dass die Smartphone-Apps davon ohnehin besser funktionieren als der Webclient. Allerdings gilt auch hier: Nextcloud Talk basiert auf Spreed.ME, was wiederum ein anderes Protokoll nutzt, nämlich WebRTC. Der Fokus von Nextcloud Talk liegt auf Videokonferenzen, die wir in der Gemeinschaft allerdings kaum brauchen. Als vollwertiger Ersatz von WhatsApp taugt es jedenfalls derzeit nur bedingt.
  • Aus historischen Gründen benutze ich auch immer noch Skype, in erster Linie um mit meiner Freundin zu kommunizieren, außerdem nutzt es auch einer in der Gemeinschaft intensiv. Das ist natürlich eigentlich kein Zustand…
  • Dann habe ich mir gedacht, wenn ich schon ein Smartphone habe, probier ich doch auch mal Signal aus. Dieser Messenger ist vor allem unter Nerds verbreitet, & auch er hat das Problem: man kann mit dem Signal-Client nur Signal benutzen, ist also auf das dazugehörige Netzwerk festgelegt.
  • Gleiches gilt für Telegram, das ich dann im F-Droid-Store gefunden habe und einfach mal ausprobiert. Dabei habe ich erstaunlich viele Freunde & Bekannte wiedergefunden.
  • Im Rahmen des Project Janet, wie wir die Vernetzung der IT-Leute aus der Gemeinschaftsszene genannt haben, haben wir eine Jabber-/XMPP-Gruppe gegründet. Dafür habe ich mir auf dem Smartphone Conversations installiert, was ich ziemlich cool finde. Und mein sechs Jahre alter Jabber-Account kommt endlich mal zum Einsatz. Mike Kuketz ist regelrecht begeistert von Conversations. Im F-Droid-Store gibt's die aktuelle Version kostenlos, iPhone-Benutzer müssen allerdings draußen bleiben.
  • Schliesslich habe ich mir noch den Facebook Messenger installiert. Nanu, fragt ihr euch jetzt, da bin ich doch längst nicht mehr!? Stimmt, allerdings nutze ich den Diamond Lotus-Gemeinschafts-Account mit.

So sieht es also derzeit auf meinem Smartphone aus. Ein ganz schöner Salat.

Und der geht weiter auf meinem Rechner, denn natürlich hätte ich am liebsten den gleichen Messenger-Zugang am Rechner unabhängig vom Smartphone. Bei WhatsApp gibt es zwar WhatsApp Web, das funktioniert aber nur solange das Smartphone mit dem Netz verbunden ist.
Das ist bei Signal anders, der Desktop-Client funktioniert nach einmaligem Autorisieren auch, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist.
Bei Telegram kann ich sogar ein Plugin für Pidgin nutzen. Pidgin ist schon durch den Project Janet-Chat wieder zu neuem Leben erwacht, mit Telegram also erst recht. Für Signal existiert zwar ein Pidgin-/Purple-Plugin, das ist aber wohl ziemlich rudimentär, weshalb ich es gar nicht erst ausprobiert habe. Und das RocketChat-Plugin müsste ich unter Gentoo manuell bauen, worauf ich keinen Bock habe.

Übrigens habe ich mich ja nach meinem ersten Facebook-Ausstieg u.a. auch bei Friendica angemeldet, das war aber im Wesentlichen eine Totgeburt. Nix los da, oder jedenfalls ist niemand von meinen Freunden & Bekannten dort unterwegs.

Nun haben wir also den Salat. Ein großer Teil davon besteht in dem, was Mike Kuketz so zusammenfasst:

In Wirklichkeit erleben wir gerade eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur Messenger betrifft. Wir leben in einer Welt der Walled Gardens, die weiter und weiter ausgebaut werden. Hierbei übernehmen Unternehmen die Kontrolle über die Software, über den Inhalt bis hin zu den Metadaten. Kurz: Die Kontrolle über den Nutzer selbst wird angestrebt. Beispiele dafür gibt es zur Genüge: Facebook, WhatsApp und Co. Im Kern widersprechen diese Dienste dem Gedanken von einem freien und offenen Internet.

Das Hauptproblem, das neben WhatsApp und Facebook auch Signal und Telegram teilen, ist die Zentralisierung (vgl. auch meine Kritik an DNS over HTTPS):

Werfen wir doch mal einen Blick auf die marktbeherrschenden Messenger: Es gibt einen Server bzw. Server-Cluster an die sich jeder Teilnehmer anmelden muss. Letztendlich liegt die Kontrolle über den gesamten Dienst und seine zukünftige Ausrichtung allein in der Verantwortung des jeweiligen Dienstleisters. Ob zukünftig Werbung bei der Nutzung eingeblendet wird oder die Metadaten zu Marketingzwecken benutzt werden, über all das entscheidet der Anbieter selbst. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist zu viel Macht in den Händen von wenigen.

Deshalb ist Conversations ein ziemlich cooler Messenger, weil er dir nämlich die Wahl lässt, auf welchem Server du dich anmeldest oder sogar deinen eigenen betreibst. Ein beliebtes Feature von WhatsApp kann er übrigens auch: Sprachnachrichten.

Nachtrag: Thunderbird kann übrigens auch XMPP.

Libra: Facebook will noch mehr Welt zu Geld machen

2019-07-2

Die Ankündigung der globalen Kryptowährung Libra, die maßgeblich von Facebook entwickelt wird, hat mich so aus dem Kalten erwischt, dass ich erst jetzt eine Stellungnahme veröffentliche.

Zunächst für Uninformierte, die hinter Libra einen übermäßigen Energieverbrauch wie bei Bitcoin & Co. vermuten: Nein, Libra wird nur überschaubar wenig Energie verbrauchen, denn es verwendet kein Proof of Work, sondern zunächst die Zustimmung der Organisationen in der Libra Association, später dann Proof of Stake.

Gerade letzteres finde ich sogar ganz sympathisch, der Beginn der Umstellung auf genehmigungsfreien Betrieb ist spätestens in 5 Jahren geplant:

Diese Unterscheidung ist nicht nur aus technischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig: Genehmigungsfreie Systeme stellen geringe Hindernisse an Teilnahme und Innovation, widerstehen Zensurattacken und fördern einen gesunden Wettbewerb zwischen Infrastrukturanbietern (z. B. wer am Konsens teilnehmen kann) sowie Entwicklern von Anwendungen, die das Netzwerk nutzen. Da niemand andere Teilnehmer vom Markt ausschließen oder deren Transaktionen zensieren kann, können bei einem genehmigungsfreien System die Nutzer stärker darauf vertrauen, dass keine einzelne Partei einseitig die Regeln des Netzwerks zu ihrem Vorteil ändern kann. Im Grunde bedeutet ein genehmigungsfreies System, dass eine unwiderrufliche Entscheidung getroffen wurde, ein offenes Netzwerk zu betreiben, bei dem Änderungen nur implementiert werden können, wenn eine Mehrheit der Teilnehmer zustimmt.

Die Libra Association hat sich sogar direkt in ihre Statuten geschrieben, dass sie sich selbst perspektivisch überflüssig machen will:

Ein wichtiges Ziel der Libra Association ist eine im Laufe der Zeit zunehmende Dezentralisierung. Durch diese Dezentralisierung werden die Zugangshindernisse bei der Nutzung des Netzwerks sowie der Entwicklung möglichst geringgehalten, und das Libra-Ökosystem wird langfristig widerstandsfähiger. Wie oben beschrieben wird die Association eine Methode zur Umstellung auf genehmigungsfreie Verwaltung und Konsens im Libra- Netzwerk entwickeln. Das Ziel der Association ist es, innerhalb von fünf Jahren mit dieser Umstellung zu beginnen. Damit wird allmählich die Abhängigkeit von den Gründungsmitgliedern reduziert. Ebenso wird die Association versuchen, sich selbst als Verwaltungsorgan der Libra-Reserve weitestgehend überflüssig zu machen.

Damit endet meine Sympathie allerdings schon.

Der Kritikpunkt "das ist von Facebook" ist dabei für mich nebensächlich; zum einen, weil die Libra Association gezielt so gestrickt ist, dass Facebook dort keine besondere Rolle neben den anderen Partnern hat. Zum anderen ist es ja klar, dass Facebook ein wirtschaftliches Interesse an Libra hat durch die Integration in Facebook und WhatsApp – und damit kommen wir zu meinem eigentlichen Kritikpunkt, der sich in der Überschrift findet. Im Whitepaper steht, welches Ziel Libra verfolgt:

1,7 Mrd. Erwachsene weltweit sind nach wie vor vom Finanzsystem ausgeschlossen, haben also keinen Zugang zu einer herkömmlichen Bank, obwohl zwei Drittel von ihnen ein Mobiltelefon mit Internetzugang besitzen.

Darum geht es bei Libra – 1,13 bis 1,7 Milliarden zusätzliche Menschen ins globale Finanzsystem einzubinden, die bisher noch davon verschont geblieben sind (und das sind nur die Erwachsenen; Kinder & Jugendliche erwähnen sie wohlweislich nicht, obwohl sie es mit Sicherheit auch auf diese abgesehen haben). Und das ist das genaue Gegenteil von dem, was ich mit Charles Eisenstein anstrebe:

In der Zwischenzeit, bevor das gegenwärtige System zusammenbricht, wird alles, was wir tun, um eine natürliche oder soziale Ressource vor ihrer Umwandlung in Geld zu bewahren, sowohl den Kollaps beschleunigen als auch seine Härte abmildern. […]

Wir können uns an der bewussten, zweckmäßigen Geldvernichtung beteiligen, statt bei der unbewussten Geldvernichtung mitzumachen, die in einer kollabierenden Wirtschaft passiert. Wenn Sie noch Geld zu investieren haben, investieren Sie es in Unternehmungen, die explizit eine Gemeinschaft aufbauen, die Natur schützen und kulturelle Commons bewahren. Erwarten Sie eine finanzielle Null- oder Negativrendite für Ihre Investition – das ist ein gutes Zeichen dafür, dass Sie nicht unbeabsichtigt noch mehr Bereiche dieser Welt in Geld umwandeln. Ob Sie Geld zu investieren haben oder nicht, Sie können auch das zurückfordern, was ausverkauft wurde, indem Sie Schritte heraus aus der Geldökonomie unternehmen.

Insofern stimmt mich Facebooks Libra-Initiative sehr traurig, denn sie dürfte den Zusammenbruch der Megamaschine noch weiter hinauszögern & damit die Fallhöhe noch mal deutlich erhöhen.

Und es gilt natürlich auch für Libra, was ich in Vertrauen vs. Blockchain schrieb:
Die Blockchain-Technologie wurde entwickelt, um Vertrauen zwischen Menschen überflüssig zu machen.

Schliesslich, wenn sie schon eine Kryptowährung durch andere Werte decken, dann könnten sie doch statt mit schnöden bestehenden Landeswährungen "unsere Währung mit Öl decken, das noch in der Erde lagert, mit Gold, das noch unter dem Berg liegt, und mit unberührten Wäldern". Auch das werden sie wohl leider nicht tun…

Nachtrag vom 16.07.: Norbert Häring schreibt gegen Libra – Der Weg zur totalitären Silicon-Valley-Weltwährung.

Nachtrag vom 18.07.: Facebook sagt Schweizer Standards zu – und überrumpelt damit die Datenschützer in Bern.

Sesshaftwerdung als erster Clusterfuck der Menschheitsgeschichte

2019-06-17

Kaum hatte ich den Begriff entdeckt, habe ich mir auch schon das Clusterfuck-Buch bestellt. Sehr erhellend! Ich habe bisher nur wenig darin gelesen & erst mal beim zweiten Kapitel "Die Geister, die ich rief" angehalten. Denn darin fällt der Satz

Die Sesshaftwerdung kann für sich reklamieren, der erste veritable Clusterfuck der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein.

Diesen Beitrag schreibe ich auch zum Verkaufsstart der deutschen Übersetzung von James C. Scotts Buch "Against The Grain", das ich hier im Blog schon mal angekündigt hatte. Das habe ich übrigens immer noch nicht angefangen zu lesen, obwohl sich die Gründe dafür mehren.

Ein weiterer Grund ist nämlich Sergius Golowin, dessen Buch Das Reich des Schamanen: Der Eurasische Weg der Weisheit ich gerade lese. Darin beschreibt er, wie die Fahrenden Völker des Ostens die europäische Kultur immer wieder neu befruchtet haben. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mongolen, die Hunnen und die Tataren (im Altertum sprach man auch von den Skythen).

Insofern knüpft dieser Beitrag auch an meine Wurzeln im Osten an, und er erweitert mein Heimatgefühl über Europa hinaus auf ganz Eurasien.

Zu Golowin empfehle ich auch den Artikel in Lucy's Rausch, Sergius Golowin: Der Magier im Aaretal.

Zurück zum Clusterfuck-Buch:

Die Geschichte des Fortschritts lässt sich als Hamsterrad erzählen, oder besser noch als von M. C. Escher gezeichnete Wendeltreppe gebrochener Versprechen und enttäuschter Erwartungen: "upward disappointment". Es geht zwar voran, objektiv auch durchaus bergauf, aber subjektiv kommen wir nie irgendwo an, wo das Leben wirklich einfacher, leichter und glücklicher wird.

Das liest sich mal wieder gänzlich anders als Ken Wilber

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