Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Meme Wars im Linux Kernel

2018-09-22

Den Begrifff "Meme Wars" hatte ich schon mal hier im Titel, im Beitrag Meme Wars am Beispiel Fefe vs. Feminismus. Dort habe ich auch aus meiner eigenen Erfahrung die Spiral Dynamics-Meme Purpur bis Grün beschrieben.

Jetzt gerade tobt ein Kulturkampf um einen neuen Code of Conduct für den Linux Kernel.

In einer Mail an einen Freund schickte ich den Link zur erklärenden Mail von Linus Torvalds unter der Überschrift "Linux wird grün". Das scheint mir inzwischen etwas verkürzt, im Kern allerdings zuzutreffen.

Ich will gar nicht viel selber dazu schreiben, sondern vor allem verlinken, wobei Fefes Blog den Ausgangspunkt bildet.

Viele EntwicklerInnen, darunter auch Fefe, fürchten, dass nun Social Justice Warriors die Linux-Kernel-Entwicklung feindlich übernehmen und mittelfristig die Codequalität senken. Fefe zur Codequalität:

Ich finde es an der Stelle übrigens brandgefährlich, Leute zur Selbstverwirklichung Code beisteuern zu lassen. Wir reden hier vom Linux-Kernel, der ist in Telefonen drin, mit denen man im Notfall zuverlässig die Feuerwehr rufen können muss. Der ist in Steuerungen für Kraftwerke drin, und in selbstfahrenden Autos. Da hängen Menschenleben von ab. Nein, da darfst du nicht an die Wand pinkeln, weil das toll in deinem Lebenslauf aussehen würde. Man hätte euch auch nicht bei der Brücke in Genua mitfrickeln lassen, weil ihr ein marginalisiertes Einhorn seid, mit dem alle Mitleid haben. Habt mal ein bisschen Respekt vor Code! Wir kriegen es schon mit ausgewiesenen und erfahrenen Experten nicht zuverlässig hin, sauberen und sicheren Code zu schreiben! Das ist kein Kunstwerk, das ist ein Stück Infrastruktur, von dem wir hier reden!

Und noch mal Fefe:

In der Geschichte von Linux ist NOCH NIE jemandes Code nicht genommen worden, weil der Einsender $IRGENDWAS war. Entscheidend ist der Code. Wenn den ein Hund einreicht, aber der Code gut ist, wird er genommen. Genaugenommen ist Code im Internet einsenden DIE EINE GELEGENHEIT im Leben, wo die Person des Einreichers keine Rolle spielt. Linus kann deine Haarfarbe gar nicht sehen, wenn du was einreichst. Ich weiß aus 1. Hand, dass im Linux-Kernel Code von blauhaarigen Schneeflocken eingeflossen ist. Warum auch nicht? Völlig absurd, da auf die Haarfarbe zu gucken.

So und wer bleibt jetzt übrig, der Code in den Kernel reinbrechstangen will, aber an Linus nicht vorbeigekommen ist? Na die, deren Code nicht gut genug war. Und DAS ist ein Grund zur Sorge.

Fefe liefert auch einen wichtigen Kontext der Debatte, warum Linus überhaupt in vielen Fällen erst so ausfällig wurde:

Linus entgleiste in der Vergangenheit nie jemandem direkt ins Gesicht, sondern er fährt eine mehr oder weniger kontrollierte Eskalationsstrategie gegen Leute, die wieder und wieder ankommen und ihm Mist einreichen. Wer das nicht gut findet, soll mir mal bitte sagen, wie Linus sonst reagieren soll. Wir reden hier auch von Leuten, die dafür bezahlt werden, Code für Linux zu schreiben. In diesem Fall von Redhat, in dem anderen bekannten Fall waren das die Security-Leute von Google, die lauter Patches eingereicht haben, die den Kernel platzen lassen, wenn sie Speicherkorruption diagnostizieren. Ich bin in der Debatte auf Seiten der Google-Leute, aber ich bin nicht der Kernel-Maintainer. Wenn Linus das nicht mag, dann ist das seine Entscheidung. Google kann ja einen Fork betreiben (tun sie ja auch). Google wollte aber die Wartung für ihren Kram dem Upstream-Kernel überhelfen. Und dann müssen sie sich halt auch an die Regeln dort halten. Ganz einfach. Aber das Problem ist halt, wenn die dafür bezahlt werden, das zu tun, dass die dann auch nicht weggehen, wenn Linus seine normale Strategie fährt und sie kritisiert. Die haben von ihrem Boss halt andere Vorgaben und tun, wofür sie bezahlt werden. Ich sehe da keinen guten Ausweg. Linus könnte öffentlich Google anpinkeln. Oder erkönnte Mails von den Leuten filtern. Oder sie ignorieren. Ist alles noch schlechter, finde ich. Als mal Butter bei die Fische. Was hätte Linus besser tun sollen?

Mehr Hintergrund bei Fefe.

Ich gehöre übrigens zu denen, die Fefes Erklärung, was Schneeflocken und Bronies sind, brauchten. ;-) Vgl. auch die weiterführende Erklärung zur Schneeflocke.

In integraler Terminologie stellt sich die Frage, ob die Linux-Community von Orange zu gesundem Grün evolviert, oder ob sich das Mean Green Meme breit macht. Letzteres sieht aus Fefes Sicht so aus (auch wenn er es nicht so nennen würde, da er offensichtlich mit Integraler Theorie noch nicht in Berührung gekommen ist):

Ich persönlich betrachte Kritik an meiner Arbeit nicht als negativ, im Gegenteil. Von Lob lernt man nichts. Mein Ziel ist, zu lernen. Daher ist ehrliche Kritik das viel größere Lob, besonders wenn man ihr anmerkt, dass derjenige sich mit meiner Arbeit auseinandergesetzt hat, als irgendein rituelles Hohl-Lob. Aus meiner Sicht machen sich Leute, die bei Kritik nur darüber nachdenken, wie ungerecht sie behandelt werden, ihre Wachstumsmöglichkeiten kaputt, und ich würde alleine deshalb lieber jemand kritikfähigen einstellen. Nicht nur ihre eigenen Wachstumschancen, die des ganzen Teams.

Ich habe einige so Zuckerwatte-Teams erlebt. Eine häufige Gemeinsamkeit ist, dass die aus Furcht vor Kritik auch externe Vergleiche scheuen, und dann in einer Blase vor sich hin arbeiten, sich gar nicht dessen bewusst seiend, dass sich die Welt seit ihren Berufanfangs weitergedreht hat, und es inzwischen bessere Verfahren gibt.

Insofern wäre mein auszuräumendes Problem auch nicht damit, ob es da jetzt Diversität und Inklusion gibt, sondern ob man sich radikale Kritik und Kritikfähigkeit aufrecht erhalten hat. Und das sehe ich halt bei keiner der üblichen Inklusions-Initiativen gegeben, eher im Gegenteil.

Ausgelöst hat das Ganze das Magazin New Yorker. Und It's FOSS liefert weitere Hintergründe vor allem zu der Person, die den Code of Conduct formuliert hat: Coraline Ada Ehmke. Die hat schon mal bei einem Open Source-Projekt, an dem sie überhaupt nicht beteiligt war, versucht, einen der Hauptentwickler per Code of Conduct rauszuekeln.
Generell wehrt sich die Community dagegen, politisiert zu werden.

Es lohnt sich, diesen Thread der Linux Kernel Mailing List (LKML) und vermutlich auch andere zum Thema zu lesen.

Übrigens, das deutsche Wort für Code of Conduct heisst Verhaltenskodex.

Diese Codes of Conduct sind auch bei anderen Open Source-Projekten kontrovers, so bei LLVM und bei FreeBSD. Bei Python hingegen ging die Einführung eines Verhaltenskodex offenbar ohne Streit über die Bühne.

Nachtrag vom 23.09.: Ich empfehle explizit noch mal die Mail in der LKML von Willy Tarreau, weil sie die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und den USA deutlich macht:

In some eastern Europe countries someone would naturally say "you're completely wrong" without any mean intent. In western Europe, people would instead say "I disagree with you" and in the US they will say "let me think about it". All of these mean the same thing when they speak to people of the same culture, but are taken as very slick or even hypocrit sayings when going from one direction, or as abusive when going the other direction. […]

I would not be surprised if most of the people having issues with the CoC were mostly european and if the people who feel protected by it are mostly US-based (please note that I'm saying "mostly", I'm not cutting the world between two sides). It's just that the document tries to address ones' sensitivity at the expense of the ability to use natural ways to express oneself for other ones, and some can feel a bit censored.

Als Kontext ein Bericht aus erster Hand über das, was in den US-amerikanischen Unis so abgeht (der Autor war vor 30 Jahren und kürzlich dann noch mal in Harvard und beschreibt die gravierenden Unterschiede): Diversität zählt mehr als Wahrheit: Wie sich die Akademie ins intellektuelle Abseits manövriert.

Das Ganze fing m.E. mit dem Konzept der Politischen Korrektheit (PC) in den 80er Jahren an. Seit dieser Zeit etablierte sich vor allem in den USA und dort vor allem im akademischen Bereich eine Sprachpolizei, die offensichtlich immer weiter um sich greift.
Oh, und wie ich feststelle, erwähnt der Wikipedia-Artikel zur Politischen Korrektheit auch die Generation Snowflake.

Selbst die American Civil Liberties Union (ACLU), die sich seit ihrer Gründung 1920 den Kampf für die allgemeinen Bürgerrechte in den USA und dabei ganz besonders das Recht auf freie Meinungsäußerung auf die Fahnen geschrieben hatte, scheint von dieser grundsätzlichen Haltung abzurücken (siehe dazu auch die Auseinandersetzung innerhalb der ACLU um eine Unterstützung der US-Waffenlobby NRA). Wie Fefe dazu zutreffend schreibt:

Wenn man relativiert, in welchen Fällen Grundrechte verteidigt werden, sind es halt keine Grundrechte mehr. Sondern eher so temporäre Leihgaben des Königs, der es sich jederzeit anders überlegen kann.

Das erinnert mich an dieser Stelle an meinen Beitrag Ein Herz für Nazis. Die Behauptung "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" teile ich so pauschal nicht. Es gilt nämlich zu unterscheiden zwischen Faschismus als Meinung und tatsächlichem faschistischem Handeln. Jemanden, der eine faschistische Meinung äußert, diese Meinungsäußerung zu verbieten, ist seinerseits bereits faschistisches Handeln. Wenn hingegen jemand einen Menschen mit Kippa verprügelt oder eine Flüchtlingsunterkunft anzündet, dann ist das auch faschistisches Handeln und mit allen Mitteln eines Rechtsstaats zu stoppen.

Ich fürchte bei dieser ganzen Entwicklung ernsthaft um die Unschuldsvermutung (übrigens schon mindestens seit 2016), einem ganz wichtigen Bollwerk gegen jeglichen Faschismus.

Übrigens habe ich gerade, fast 20 Jahre nach der ersten Empfehlung durch meine Bielefelder Anarcho-Freunde, The Dispossessed von Ursula K. Le Guin gelesen und fühlte mich an manchen Stellen fatal an das Klima an den US-Universitäten erinnert. Sie beschreibt in diesem Roman, wie die anarchistische Gesellschaft auf dem Planeten Anarres durch eine mehr oder weniger subtile soziale Kontrolle die ursprüngliche Idee einer "permanenten Revolution" konterkariert.

Ein Regenbogenkrieger holt sich selbstverständlich Unterstützung

2018-08-12

Um diesen Titel zu erklären, muss ich ausholen. Ausgangspunkt ist, dass ich vor einigen Wochen Miki Kashtan entdeckt habe, die die Gewaltfreie Kommunikation mit Schenkökonomie verbindet. Dabei geht sie in einem Interview sogar so weit zu sagen

I don’t fully believe that we can have a truly nonviolent society for as long as we have money. This is because money can be accumulated, and I see accumulation as antithetical to nonviolence which, to be fully realised, necessitates allocation of resources based on needs. Money and exchange interfere with that.

Sie geht also davon aus, dass im Geld (zumindest so wie es im derzeitigen Geldsystem beschaffen ist) ein Element von Gewalt steckt. Das sehe ich bekanntlich ähnlich.

Was sie über Geld & Schenken zu sagen hat, ist allerdings (mindestens) einen eigenen Beitrag wert. An dieser Stelle geht es mir um ihre Grundhaltung zum Leben, die in den Core Commitments besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Auf der Seite gibt es eine deutsche Übersetzung (Achtung, Link führt zu Dropbox!), bei Pioneers of Change habe ich eine weitere gefunden. Auch davon gibt es eine PDF-Version zum Ausdrucken.

Was daran besonders hervorsticht: Wenn ich es mal nicht alleine hinkriege, hole ich mir selbstverständlich Unterstützung. Das geht für mich darüber hinaus, dass Martin Kirchner von Pioneers of Change schreibt "Zentral ist für Miki, dass wir für das Leben der Commitments und das „Dranbleiben“ andere Menschen brauchen". Noch wesentlicher, als andere Menschen zu brauchen, finde ich, dass das ganz selbstverständlich ist, weil wir alle Teile eines größeren Ganzen sind.
Einer der Gründe, warum ich es so entspannend finde, mich als Agent des kosmischen Bewusstseins zu begreifen, ist, dass ich nicht alles selber machen muss. Ich bin nur einer von unzähligen Agenten, und wenn ich etwas nicht tue, dann war es entweder nicht so wesentlich, oder es tut dann halt jemand anderes.

Im Artikel What It Takes to Support a Conscious Disruptor beschreibt sie konkret, welche regelmäßige Unterstützung sie in ihrem Leben bekommt (siehe auch Circle of Support), und warum das so wichtig ist.

It’s a little bit of a fun way to speak of what Gandhi called noncooperation, and it helps me see why so few people are willing to stand up to the norm even when they disagree with it. It’s because the consequences to us of the disruption we might create are real. It is for this reason that I need as much support as I do. My way of living creates an ongoing friction.

Zu deutsch: Ihre Art zu leben (jenseits des Mainstreams und diesem oft entgegengesetzt) erzeugt ständige Reibung, und um mit dieser Reibung zu leben, braucht sie Unterstützung. Dabei ist sie sich ihres Rangs sehr bewusst (siehe auch Facing Privilege):

I am lucky to live in a country and a time where, with enough privilege, ongoing friction and reduced access to the prized goodies of society are my main risks. For some people – with less privilege, in places with more overt repression – they may well be risking imprisonment or even death.

Auch ich, & wahrscheinlich viele von Euch LeserInnen, sind ähnlich privilegiert wie Miki.

Die Schätze, die ich da auf Miki Kashtans Website gefunden habe, sind so profund, dass es etliche Wochen gedauert hat, bis ich jetzt erstmalig darüber blogge.
Einen guten Einstieg bietet der lange Artikel Stepping off the Line into Freedom and Interdependence (der Link führt zu Teil 1, Teil 2 hier).

Leider habe ich so gut wie nichts auf Deutsch von ihr gefunden, auch keines ihrer diversen Bücher. Beim Auditorium Netzwerk gibt es einen Vortragsmitschnitt.

Was um aller Welt hat es nun aber mit den Regenbogenkriegern auf sich?
Nun, ich war bei der Zeremonialwoche, und meine Zeremonie stand im Zeichen dieser Commitments, vor allem im Zeichen des mir selbstverständlich Unterstützung holens.
Seit ziemlich genau 4 Jahren bin ich nun dabei, ein makelloser Krieger zu werden. Das hatte ich bis zu der virtuellen Begegnung mit Miki Kashtan vor allem als etwas begriffen, das ich selber tue. Nun steht für mich die Unterstützung von anderen im Vordergrund.

Während meiner Zeremonie fragte ich mich, was für eine Art Magie das eigentlich ist, die ich da betreibe. Also die Art Magie, bei der es der Gemeinschaft aller Wesen dient, wenn ich gut für mich selber sorge – denn nur dann kann ich der Gemeinschaft aller Wesen gut dienen. Als Antwort kam schnell, das ist Regenbogenmagie. Und ich, der ich sie betreibe, bin folgerichtig zum Regenbogenkrieger geworden. Bei der Zeremonie bekam ich folgende Sätze, um das Regenbogenkrieger sein zu konkretisieren:

Regenbogenkrieger sein

  • Ich sorge jederzeit gut für mich.
  • Ich nehme mir nur, was ich brauche.
  • Ich hole mir sofort Unterstützung, wenn ich mir sicher bin, dass ich es alleine nicht schaffe.
  • Ich versuche nur dann, es alleine zu schaffen, wenn die Herausforderung mir hier und jetzt angemessen ist.
  • Ich weiss um die Unterstützung des gesamten Universums.
  • Ich erforsche meine Gaben für die Welt und übe sie jeden Tag.
  • Ich weiss, dass von meinen Gaben niemand dauerhaft abhängig ist. Sie sind Geschenke, mit denen ich aus freiem Herzen die Welt verschönern kann.
  • Ich feiere alles, das mir und uns gelungen ist.
  • Ich trauere um alles, das nicht gelungen ist.
  • Ich kämpfe für die Gemeinschaft aller Wesen.
  • Ich kämpfe für die Schönheit in der Welt.
  • Ich kämpfe für Weisheit und Wissen.
  • Ich kämpfe für das, was ist, und für das, was werden will, gleichermaßen.
  • Ich richte meine persönliche Energiechoreographie an den größeren Rhythmen und Zyklen aus. Dabei orientiere ich mich an den Eckpunkten Geburt und Tod.
  • Ich kämpfe manchmal durch Nicht-Tun, durch Lassen.

Diese Sätze sind sehr persönlich auf mich zugeschnitten. Dennoch stelle ich sie hier der Allgemeinheit als Inspiration zur Verfügung, auch als PDF zum Ausdrucken. Über die Inspiration hinaus geht es mir auch darum, eine Gemeinschaft von Regenbogenkriegern zu bilden, die auf dem gleichen Weg unterwegs sind und sich (als conscious disruptors) gegenseitig darin unterstützen.

Wenn Dich diese Zeilen in Deinem Herzen berühren, dann melde Dich bei mir, um uns gegenseitig unterstützen zu können auf dem Weg zur neuen Kultur.

Komplexität ist der Feind

2018-08-6

Fefe bringt in seinem Beitrag zu Mozillas Vorstoß, in Firefox DNS over HTTPS zu nutzen und dafür ausschließlich über Cloudflare zu gehen, die übergeordnete Problematik auf den Punkt:

Komplexität ist der Feind. Die Anzahl der Bugs steigt mit der Codegröße. Die Leute stöpseln heute nur noch Komponenten aus Libraries zusammen. Das ist Schönwetter-Programmieren! Ein Programm, das nur beherrschbar ist, wenn es zufällig gerade gut funktioniert, ist wertlos. Wir brauchen Programme, die überschaubar wenig Dinge tun, und dafür vollständig beherrschbar sind. Am besten nicht nur vom Programmierer, sondern auch vom Benutzer. Die Geschwindigkeit, mit der wir uns mit unbeherrschten und unbeherrschbaren Technologien umzingeln, ist aus meiner Sicht ein Vorbote der Apokalypse.

Das ist die Anwendung der Maxime Weniger ist mehr auf die Software- und allgemein die Technik-Welt. Im Angelsächsischen ist dafür auch die Bezeichnung KISS principle verbreitet.

Zur Veranschaulichung der Codegröße schaut einfach mal auf How Many Millions of Lines of Code Does It Take?

"Die Geschwindigkeit, mit der wir uns mit unbeherrschten und unbeherrschbaren Technologien umzingeln" hängt dabei vielleicht schlicht mit der patriarchal-kapitalistischen Geisteshaltung zusammen, also dem ganzen Gegenteil obigen Prinzips: "Mehr ist mehr".

Und ich erinnere in diesem Zusammenhang noch mal daran, dass es eine schlechte Entscheidung der Linux-Community war, nahezu geschlossen zu systemd als Initsystem zu wechseln.

Nachtrag vom 27.08.: Ebenfalls von Fefe verlinkt, ein Artikel über "Ridiculously Complicated Algorithms".

We don’t want an optimal algorithm. We want one simple enough that an expert can look at it and say nothing crazy is happening here.

Videos im Blog jetzt mit 2-Klick-Aktivierung

2018-07-16

Die DSGVO habe ich nun mal zum Anlass genommen, euch nicht mehr ungefragt Google/YouTube und Vimeo auszuliefern. Dabei hilft mir das nützliche Tool DSGVO Video-Embed, das ich euch für eure Websites sehr empfehlen kann.

Ganz heimlich still & leise habe ich übrigens schon vor einer ganzen Weile die Google Webfonts von der Agentenseite genommen bzw. sie dort lokal hinterlegt. Das ging mit dem google-webfonts-helper recht einfach, war aber doch etwas mehr Aufwand als die Installation von DSGVO Video-Embed. Dafür ist beides eine einmalige Aktion, die sich für alle Beteiligten (außer den Datensammlern natürlich) lohnt.

Auf der Agentenseite seht ihr übrigens das DSGVO Video-Embed auch in Aktion.

Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, mein Blog auf Pelican umzustellen, was zur Folge hat, dass nach wie vor ein Session-Cookie vom Blogsystem gesetzt wird. Der wird aber bei normalen Blogbesuchern nicht weiter ausgewertet.

Neoklassik und Peter Zeihan

2018-07-6

Ich rede mir ja schon lange den Mund fusselig bzw. schreibe mir die Finger wund, um immer wieder auf den Faktor Macht in der Wirtschaft hinzuweisen.

Durch Peter Zeihan ist mir nun klar, warum das überhaupt notwendig ist bzw. warum die herrschende neoklassische Wirtschaftstheorie den Faktor Macht ausklammert. Schauen wir uns dazu die historische Entwicklung der Freihandelstheorien an.

Wo und wann sind diese entstanden? In Großbritannien auf dem Höhepunkt des britischen Empire. Mit anderen Worten hat die britische Marine den Freihandel (für die Briten!) garantiert, so dass die damaligen britischen Wirtschaftstheoretiker ihn einfach als gegeben annehmen konnten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte dann der Schwerpunkt der Wirtschaftstheorien in die USA, als die U.S. Navy den globalen Freihandel garantierte. Auch diesen konnte die Neoklassik daher als gegeben annehmen. Bis jetzt.

Wir leben in interessanten Zeiten.

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