Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

2.500 Jahre europäische Geschichte jahresgenau

2018-04-5

Anlässlich meines neuen Europa-Fokus präsentiere ich hiermit eine Animation der europäischen Geschichte seit 400 vor Christus Jahr für Jahr. Anlässlich dieses Videos habe ich erstmals die YouTube-Funktion genutzt, dass man die Abspielgeschwindigkeit anpassen kann. Mir ging es nämlich manchmal zu schnell. Den Ton stellt man dann aber besser ab…

Für den besseren Überblick empfehle ich außerdem Vollbild.

Wer weiter zurück will, findet im alten Beitrag Worldwork in Warschau eine Animation von 5.000 Jahren europäischer Geschichte.

Das obige Video ist allerdings viel genauer und dadurch z.B. auch sehr aufschlussreich im Hinblick auf aktuelle Unabhängigkeitsbestrebungen wie die von Katalonien. Erst durch dieses Video wurde mir auch klar, wie früh Bulgarien schon eine Rolle gespielt hat, dass Böhmen immer wieder mal ein eigenständiges Reich war, auch habe ich von der Kalmarer Union erfahren. Sehr lehrreich! more

Wenn der Islam nicht zu Europa gehört, dann auch nicht das Christentum

2018-04-2

Der neue Heimatminister Seehofer hat bekanntlich von der AfD den Satz übernommen "Der Islam gehört nicht zu Europa." Folgt man dieser Logik, dann gilt das gleichermaßen für das Christentum, denn das kommt ebenso aus dem Nahen Osten. Jesus war ein palästinensischer Jude, die Jünger waren palästinensische Juden, & auch Paulus, der aus der religiösen Graswurzelbewegung eine Kirche gemacht hat, war palästinensischer Jude.

Der christliche Glaube beruht komplett auf Geschichten aus dem Nahen Osten, also Asien und z.T. auch Afrika (in erster Linie Ägypten). Das Heilige Land des christlichen Glaubens ist Palästina. Diese Religion gehört folglich nicht zu Europa, wie sie auch nicht zu Amerika gehört. Das hören die Konservativen aus der Christlich-Sozialen Union und der Christlich Demokratischen Union allerdings nicht gern…

Im fünften Kapitel von Das Ende der Megamaschine beschreibt Fabian Scheidler, mit welch brutaler Gewalt sich diese Religion aus dem Nahen Osten im nördlichen Europa ausbreitete:

Praktisch ganz Norddeutschland und die Regionen östlich der Elbe bis zum Baltikum wurden in der Folge einer brutalen Zwangschristianisierung unterworfen: Die Truppen Karls des Großen führten einen 32-jährigen Krieg gegen die Sachsen (772–804), die sich weder dem Christentum noch seiner Herrschaft unterwerfen wollten. Kaum anders erging es 250 Jahre später den Wenden östlich der Elbe, die einen ganzen Kreuzzug über sich ergehen lassen mussten, nachdem christliche Missionare allein nicht überzeugen konnten. Den Höhepunkt erreichte die Mission mit dem Schwert an der Ostsee im 13. Jahrhundert. In mehreren Feldzügen des Deutschen Ordens wurde die Kultur der Prußen großenteils ausgelöscht. Aus ihrem Lebensraum wurde das Herzogtum Preußen. Und das Eiserne Kreuz, das die Fahnen des Deutschen Ordens schmückte, zierte später die Offiziere des Kaisers und des Dritten Reichs. Noch heute dient es als Signet der Bundeswehr. Bevor Europa die Welt kolonisiert hat, ist es selbst auf brutale Weise kolonisiert worden.

Dazu habe ich einen ketzerischen Gedanken: Kann es sein, dass die Angst der Konservativen vor einer erneuten Überfremdung europäischer Traditionen durch eine Religion aus dem Nahen Osten aus der Erinnerung an diese grausame christliche Missionierung herrührt?

Ich werde mir in der Zwischenzeit mal den West-östlichen Divan von Goethe besorgen. Auch das Projekt Koranlesen werde ich bei Gelegenheit weiterführen.

Anlässlich dieses Beitrags habe ich übrigens ein neues Tag "Europa" hier im Blog eingeführt.

Ich wünsche uns allen ein frohes Ostara-Fest!

Nachtrag vom 16.04.: Bei Rüdiger Sünner habe ich ganz andere Seiten des christlichen Glaubens in Europa entdeckt. In seinem Buch Totenschiff und Sternenschloss schreibt er im 5. Kapitel über eine Reise nach Irland:

Auf meinen Irlandreisen lernte ich nicht nur die geistige Welt der Megalithvölker und der Kelten kennen, sondern begegnete auch Spuren eines Christentums, wie ich es aus Deutschland nicht kannte. Ein erstes Schlüsselerlebnis war der Anblick eines Steinkreuzes irgendwo an der irischen Westküste, auf dem zwei springende Delphine abgebildet waren. Ich musste zweimal hinschauen: Wie passte das Spielerische dieser anmutigen Naturgeschöpfe mit dem blutig-ernsten Kreuzigungssymbol zusammen?

Auch mich traf allein beim Lesen dieser Beschreibung ein leichter Schock, der mich gehörig durchrüttelte.
Weiter:

Ich hatte gelesen, dass [das frühe irische Christentum] sich aus der Lehre der Druiden organisch weiterentwickelt und Elemente von deren Naturmystik bewahrt hatte, anders als in Mitteleuropa, wo das "Heidnische" von der römischen Kirche rigider verfolgt wurde. […] Die altirische Sprache blieb neben dem neu eingeführten Latein bestehen, ebenso die Dichterschulen der Barden, deren Gesänge von den christlichen Mönchen nicht vernichtet, sondern aufbewahrt wurden. Umgekehrt nahmen die Druiden den christlichen Monotheismus möglicherweise freiwillig an, weil sie schon vorher an eine göttliche Kraft hinter den Naturerscheinungen geglaubt hatten. Das Christusprinzip konnte daher wie eine Weiterentwicklung ihres Glaubens angesehen werden, was unter anderem dazu führte, dass alte keltische Kultstätten (Berge, Quellen, Haine, Steine, Eichen) nicht zerstört, sondern in christliche Wallfahrtsorte umgewandelt wurden.

Ich musste weinen, als ich das las. Es ging also auch anders als mit brutaler Gewalt. Warum nicht bei uns?

Vor 4 Jahren war ich ja schon mal kurz in Irland, dort habe ich allerdings von diesen Hintergründen noch nichts mitbekommen. Die grüne Insel ist also noch mal eine Reise wert.

In dem 5. Kapitel entdeckte ich auch das Book of Kells, das ebenso ein ganz anderes Christentum als das mir bisher bekannte zeigt:

Im "Book of Kells" ist der Mensch völlig in einen Teppich aus Pflanzen und Tieren hineinverwoben, er wirkt nicht als "Krone der Schöpfung", sondern als Teil des Ganzen, der manchmal wie schwerelos zwischen Fischen, Vögeln, Drachen und Engeln umherschwebt. […] Trotz allen metaphysischen Ernstes durchzieht diese Blätter etwas Buntes und Verspieltes, auch die reinen Schriftseiten, in denen unterschiedlich große Buchstaben, verschiedene Farben und kleine Fabelwesen auffallen, die zuweilen schelmisch zwischen den Zeilen umherwandern. […] Eine für christliche Ikonographie ungewohnte Leichtigkeit weht durch die Blätter, auch hat man das Gefühl, dass die vielen zähnebleckenden Monster nicht das Böse schlechthin darstellen, sondern Mitspieler in einem großen kosmischen Tanz sind.

Selbst das Symbol des Kreuzes bekommt in Irland eine ganz andere, weichere und friedvolle Bedeutung:

So gibt es im "Book of Kells" auch Lebensbaum-Kreuze, die das heilige Baumsymbol der Kelten mit dem christlichen Kruzifix verbinden. Der Baum – besonders Eiche, Eberesche, Birke und Haselnuss – galt den Druiden als besonderes göttliches Zeichen, das für Heilkraft und Fruchtbarkeit stand, und er wurde auch von den frühen irischen Heiligen als solches verehrt. Weitere originelle Kreuzformen Irlands sind das Menhir- und das Sonnenkreuz, beide ebenfalls Mischformen aus heidnischer und christlicher Ikonographie. Bei den archaisch wirkenden Menhirkreuzen wurde die Kreuzform oft nur in die neolithischen Kultstelen eingraviert oder an ihrer Spitze angedeutet. Maserung und Wucht des Steines blieben erhalten und wurden nicht durch allzu kunstvolle Bearbeitung eliminiert. […] Ich sah Verbindungslinien zwischen entlegensten Epochen, spürte in den weichen Formen des Menhirkreuzes nicht mehr die unbeugsame Härte christlichen Bekehrungswahns, sondern etwas Nachgiebiges, das sich durch Öffnung zum Elementaren nicht mehr bedroht fühlen muss. Sowohl der Menhir als auch das Kreuz richten sich auf und versuchen, die Kräfte der Erde mit denen des Himmels zu verbinden. Doch in der Kombination gewinnen beide etwas hinzu: Das Kreuz wird geerdet und der Menhir aus seiner Statik emporgehoben, Christliches beugt sich vor der Beseeltheit der Natur und Heidnisches vor der Vergebungskraft, die keinen archaischen Blut- und Schädelkult mehr nötig hat.

Wenn die Aufmerksamkeitsökonomie heiss läuft

2018-03-30

Über die Aufmerksamkeitsökonomie im Netz habe ich mich ja schon vor 2 Jahren und auch davor & dazwischen immer wieder ausgelassen. Mit den neuesten Skandalen läuft sie nun endgültig heiss.
Über Facebook sagt Tim Wu zutreffend, dass das Problem schlicht darin liegt, dass Facebook, wie auch die anderen Medienkonzerne, profitorientierte Unternehmen sind. Sascha Lobo haut in die gleiche Kerbe:

Wenig empört die Öffentlichkeit so sehr wie das Gefühl, manipuliert worden zu sein. Genau das ist die riesige Ambivalenz des Werbemarktes, und zwar schon immer: Werbekunden wollen, dass ihre Werbung eine Wirksamkeitsgarantie hat - aber das Publikum versteht unter "Wirksamkeitsgarantie" Manipulation. Darin liegen Schwierigkeit und Gefahr für Facebook bei diesem Skandal. Das Social Network muss öffentlich behaupten, dass seine Werbung keine Manipulation ist (für das Publikum) und zugleich, dass seine Werbung als Manipulation funktioniert (für Werbetreibende).

Christian Stöcker vergleicht unseren Umgang mit den sozialen Medien mit der Ernährung:

Plattformen wie YouTube oder Facebook sind wie skrupellose Nannys, die uns ein Gummibärchen nach dem anderen reichen, ein mundgerechtes Häppchen nach dem anderen servieren. Ihr Ziel ist nicht, dass wir gesünder, fitter, kräftiger werden - sondern dass wir nicht aufhören zu essen. Und darin werden sie immer besser, denn sie lernen.

YouTube ist dabei übrigens nicht zu verachten, obwohl Facebook derzeit den ganzen Ärger abbekommt:

Menschen - und davon gibt es sehr viele - die beispielsweise YouTube als Unterhaltungskanal verwenden, hangeln sich dort gern von einem Video zum nächsten weiter, manchmal stundenlang. Dabei unterstützt sie der Empfehlungsalgorithmus der Plattform, der immer neue Videos zum Ansehen vorschlägt. Dabei hat er, wie ein ehemaliger YouTube-Entwickler vergangene Woche im "Guardian" berichtete, ein primäres Ziel: die Zeit zu maximieren, die Nutzer weiterschauen. Der Algorithmus optimiert das Angebot für maximale Sehdauer, "nicht für das, was wahr, ausgewogen oder gut für die Demokratie ist", so der ehemalige Entwickler. […]

Dieser Mann, ein Franzose namens Guillaume Chaslot, hat ein Programm geschrieben, um zu testen, wo die Empfehlerei hinführt. Eine Art YouTube-Seh-Roboter, der sich von diversen Ausgangssuchbegriffen durch das Angebot hangelte. Dabei landete er verlässlich bei immer extremeren, immer abseitigeren Inhalten. Oft waren es Videos mit Verschwörungstheorien, und zwar besonders häufig solche, die Donald Trump gut und Hillary Clinton schlecht aussehen ließen. Das hat vermutlich nicht damit zu tun, dass man bei YouTube Trump zum Präsidenten machen wollte - sondern damit, dass besonders emotionalisierende, aufregende, krasse Inhalte eben besonders gut laufen bei YouTube. Und krass können Trump und seine Fans besser als Clinton.

Atomwaffen in meinem Heimatdorf

2018-03-25

In der ARD-Mediathek gibt es noch bis 18.04. die Doku Als die Atombomben Deutschland veränderten zu sehen (darauf aufmerksam wurde ich durch Markus Kompas Blog). Die schaue ich mir gerade mit beklommenem Gefühl an.

In meinem Heimatdorf Alten-Buseck lagerten nämlich auch Atomwaffen. Es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel zum Sondermunitionslager Alten-Buseck, von dort habe ich den Google Maps-Link. Offenbar wird die Anlage seit Anfang diesen Jahres abgerissen.

Hätte sich der Kalte Krieg zu einem heißen Krieg entwickelt, dann wären wir dort mit als erste draufgegangen, Stichwort Fulda Gap.

#DeleteFacebook - sag ich doch

2018-03-22

Nun gibt es also auch ein Hashtag zum Facebook-Ausstieg: #DeleteFacebook. Ich hätte allerdings eher #Fexit dafür genommen. ;-)
Jedenfalls bin ich ja schon vor dem Aufkommen dieses Hashtags zum zweiten Mal dort ausgestiegen.

Zusätzlich dazu unterstütze ich hiermit ausdrücklich den Vorschlag von Fefe, den er in seinem Interview mit Meedia macht:

Die erste wichtige Sofort-Aktion wäre, dass die Medien alle Like-Buttons entfernen. Das sind Wanzen für Facebook. Das Einblenden so eines Buttons liefert die eigenen Leser Facebook ans Messer. Ich finde es verlogen, wenn dieselben Medien, die auf ihrer Homepage Dutzende von Trackern und Werbenetzwerken einblenden, dann anklagend den Zeigefinger gegen Facebook erheben.

In seinem Blog empfiehlt er deshalb:

Liebe Leser, angesichts der Facebook-Cambridge-Analytica-Geschichte wäre jetzt vielleicht der geeignete Moment, mal euren Lieblings-Blogs und Zeitungen freundliche (!) Leserbriefe zu schreiben, dass sie bitte die Like-Buttons wegmachen sollen. Und vielleicht auch gleich die anderen Tracker, wenn euch danach ist.

Gleiches gilt natürlich auch für Tweet- und Google Plus-Buttons. heise bietet schon seit Jahren eine datenschutzkonforme 2-Klick-Lösung an, die die Schnüffelfunktionen erst nach einmal draufklicken überhaupt aktiviert. Ihr seht sie unter diesem Beitrag in Aktion. :)

In meinem Beitrag über "Antivirus-Software" als Schlangenöl liste ich diverse Möglichkeiten auf, sich vor dieser Schnüffelei zu schützen. Das bewahrt einen dann nebenbei auch noch vor Malvertising.

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