Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Nein, ich habe mir keine Uploadfilter zum Geburtstag gewünscht #NieMehrCDU

2019-04-15

Das Gegenteil ist der Fall. Bleibt mir also heute nur noch daran zu erinnern: #NieMehrCDU.
Und danke Julia Reda, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat!

Erstaunliches Detail am Rande: Bernd Lucke (Ex-AfD) hat im EU-Parlament gegen die Reform gestimmt. Das geht aus der Liste von Pledge 2019 hervor.

Und wie gesagt, #NieMehrCDU. Denkt bei der Europawahl am 26. Mai daran.

Nachtrag: Lucke empfehle ich bei der Wahl explizit nicht, denn seine "Liberal-Konservativen" sind noch viel mehr eine Partei der Besserverdienenden als die AfD.

Nachtrag vom 18.04.: Über die Urheberrechtsreform mit ihren Uploadfiltern hinaus könnt ihr die Positionen der Parteien im Digital-O-Mat zur Europawahl 2019 anhand des tatsächlichen Abstimmungsverhaltens überprüfen.

Firefox Quantum mit 1 Jahr und fast 5 Monaten Verspätung

2019-04-5

Liebe LeserInnen, ich traue mich ja kaum es zuzugeben: Ich habe heute mit sage und schreibe 1 Jahr und fast 5 Monaten Verspätung Firefox Quantum auf meinem Rechner installiert (um genau zu sein die ESR-Version 60.6.1, die ist nämlich bei Gentoo als stabil gekennzeichnet). Bis dahin hatte ich noch Version 56 drauf, diese allerdings nur noch für bestimmte Zwecke, vor allem größere Downloads (s.u.), benutzt und ansonsten hauptsächlich Chromium. Dabei gibt es Firefox Quantum seit 14. November 2017 mit der Version 57.

Der Hauptgrund, warum ich so lange noch bei der alten Version geblieben war, war die Erweiterung DownThemAll!, die wie so viele andere nicht mit Quantum funktioniert. Heise fasst es so zusammen:

Firefox-Nutzer, die viele Erweiterungen installiert haben, könnten eine böse Überraschung erleben: Ab sofort sind nur noch Add-ons erlaubt, welche die mit Version 54 eingeführten WebExtension-APIs nutzen. Sie unterstützen die Multi-Prozess-Architektur des Browsers, was das Arbeitstempo beschleunigt. Die veralteten XPCOM- und XUL-Schnittstellen werden nicht mehr unterstützt, weshalb ältere Erweiterungen nicht mehr funktionieren. Davon betroffen ist etwa das populäre Add-on NoScript, das noch nicht mit Quantum kompatibel ist. Entwickler können das Aussehen des Browsers nicht mehr so stark verändern wie vorher. WebExtensions vereinfacht dafür die Entwicklung von Browser-übergreifenden Erweiterungen.

Damit hat Mozilla für weitreichende Verärgerung bei den Erweiterungs-Entwicklern gesorgt, DownThemAll ist dafür exemplarisch, siehe Re: DownThemAll and WebExtensions [… or why why I am done with mozilla]. NoScript funktioniert übrigens längst mit Firefox Quantum.

Diese Situation war mir die ganze Zeit über sehr unangenehm, denn selbstverständlich ist Firefox 56 heutzutage randvoll mit kritischen Sicherheitslücken. Das letzte (Sicherheits-) Update dafür wurde am 26. Oktober 2017 veröffentlicht. Was das heisst, könnt ihr euch denken.

DownThemAll war dabei nur die wichtigste Erweiterung, die mich vom Update abgehalten hatte. Und wie vermutet sind ein paar davon dem Update jetzt auch zum Opfer gefallen, weil es weder eine aktuelle Version für Firefox Quantum noch eine brauchbare Alternative gibt:

  • DisableBackspaceNavigation wurde offensichtlich nicht für Quantum angepasst, die Backspace-Taste hat auch in Version 60.6.1 die Funktion, eine Seite zurück zu gehen, was nach wie vor blöd ist
  • Die Entwicklung des DNSSEC/TLSA Validator wurde komplett eingestellt; der HTTPS+ Checker bildet dessen Funktionalität nur ungenügend ab
  • DownThemAll! siehe oben
  • Perspectives wurde ebenfalls nicht auf Firefox Quantum angepasst
  • QuickJava zum selektiven An- und Ausschalten von Bildern, CSS, JavaScript, Flash, Java und Silverlight wird ebenfalls nicht für Firefox Quantum weiterentwickelt; ich habe es mehr schlecht als recht durch den HTML Content Blocker ersetzt
  • Das Seitwert Firefox Plugin tut ebenfalls nicht mit Quantum
  • Ein weiterer Verlust ist Status-4-Evar; auch mit unterschiedlichen Anleitungen für die userChrome.css (siehe auch www.userChrome.org) ist es mir nicht gelungen, eine vernünftige Statuszeile mit den Symbolen der Erweiterungen einzurichten

Für die folgenden Erweiterungen habe ich brauchbare Alternativen gefunden:

Den Ausschlag für den Wechsel hat übrigens gegeben, dass sich die Benutzung von KGet als externem Download-Manager mit Firefox als fast so komfortabel wie DownThemAll! erwiesen hat. Alternativ probiere ich vielleicht auch mal Persepolis aus; ich plane nämlich schon länger aus Gründen, mich von KDE zu verabschieden und zu LXDE zu wechseln.

Im Zuge meiner Recherchen für diesen Beitrag habe ich eine umfangreiche Liste von Legacy Firefox extensions gefunden, wo z.B. die Consciousness Bell noch zu finden ist.

Zensur-Filter in der Wikipedia

2019-04-3

Na das nenne ich mal Heuchelei: Die Wikipedia hat ja an der Protestaktion gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform teilgenommen. Nun benutzt Wikipedia (vor allem die deutsche) schon seit einigen Jahren Filter, die zur politischen Zensur von Beiträgen genutzt werden.

Scheissverein!!

Internet kaputt – was nun?

2019-03-26

Es ist passiert – sie haben für die EU-Urheberrechtsreform gestimmt. Mein Blog trägt deshalb fürs Erste Trauer.

Nachtrag: Martin Sonneborn hat eine Übersicht erstellt, wem wir die Misere zu verdanken haben. Ausnahmsweise haben uns die Sozialdemokraten an dieser Stelle mal nicht verraten.

Nachtrag vom 28.03.: Die Sozialdemokraten haben uns doch auch hier verraten.

Nachtrag vom 01.04.: Urheberrechtsreform – Angriff auf den gesunden Programmiererverstand.

Nachtrag vom 02.04.: Schriftsteller merken jetzt auch, dass sie verarscht wurden.

Nachtrag vom 04.04.: Am Samstag gibt's noch mal europaweit Demos, weil ausgerechnet an meinem Geburtstag, dem 15. April, der EU-Rat endgültig über die Urheberrechtsreform entscheidet. Inzwischen habe ich allerdings wenig Hoffnung, dass die Bundesregierung noch die Kurve kriegt

Nachtrag vom 05.04.: Auch Videoproduzenten gucken bei der Reform in die Röhre:

Langsam beschleicht mich das ungute Gefühl, dass es bei dieser Reform nicht um den Schutz der Urheber geht. Vielmehr soll sie wohl Geld von Youtube und Co. in die Kassen der Verwertungsgesellschaften spülen. Geld von Werbetreibenden, das nun weniger an Urheber wie mich ausgeschüttet werden kann, die ihre Inhalte auf Youtube und Co. veröffentlichen. Also wurde diese Reform sowohl in meinem Namen als auch auf meine Kosten beschlossen.

Nachtrag vom 15.04.: Wenn es darum geht, das Neuland kaputt zu machen, ist auf die CDU leider Verlass… #NieMehrCDU

Weiterer Nachtrag vom 15.04.: Es droht auch das Ende der online veröffentlichten DJ-Mixes. Was soll dann der arme Delta Notch und seine noch ärmeren Fans machen?

Und welcher Honk hat eigentlich die schöne Domain rettet-das-internet.de an so einen Influencer verkauft?!? more

Warum Filter das Internet kaputt machen #Artikel13

2019-03-25

Heute ist ein guter Anlass, den alten Beitrag Das Internet, eine Kopiermaschine in Erinnerung zu rufen, denn morgen stimmt das EU-Parlament über die umstrittene Urheberrechtsreform ab.

Das Wesen des Internet ist das Kopieren von Inhalten.

Das ist schon von Anfang an so. Kris nennt als Beispiel E-Mail:

Unsere Netze sind Kopiermaschinen. Wir sagen wir 'senden eine Nachricht', aber das Wort ist falsch. 'Senden' impliziert, daß die Nachricht sich bewegt und für den "Ab"-Sender nicht mehr da ist. Das ist in der realen Welt so, aber nicht im Netz: Wir kopieren eine Nachricht an die Empfänger.

Verhindern wir mittels Filter das Kopieren bestimmter Inhalte, dann machen wir also unweigerlich das Internet kaputt.

Damit bleibt natürlich die Frage bestehen, wie kommen die Schöpfer von (digitalen) Inhalten zu einer angemessenen Vergütung ihrer Arbeit? Dieser Frage bin ich schon im Beitrag Urheber sind Schöpfer nachgegangen, und es gibt etliche verschiedene Modelle, wie das in Zeiten des Internet gehen könnte.

Diesen Modellen ist allerdings gemein, dass weder die alteingesessenen Verwerter noch die großen Plattformen dabei so viel Geld einnehmen wie bisher. Aus gutem Grund war ich deshalb mit dem Spruch

Mehr Geld für Kreative statt für Verwerter + Plattformen

auf der Demo unterwegs. Die eigentlichen Urheber werden nämlich wie üblich von den Verwertern alten wie neuen Typs nur vor den Karren gespannt, während sie lediglich ein paar Brosamen hingeworfen bekommen.

Sascha Lobo bringt das so auf den Punkt:

Diese Urheberrechtsreform ist eine Reform von Verwertern für Verwerter. Wir werden mit Brosamen, falschen Versprechungen und einer Familienpackung Unverschämtheiten abgespeist und hängen in der Folge noch stärker von der Gnade der Verwerter ab.

Jens Scholz haut in seinem Beitrag Die haben das Internet nicht verstanden? Ich denke, doch. in die gleiche Kerbe:

Es geht um die Festlegung eines Status Quo. Einer Konstruktion wie Medien- und Contentdistribution funktioniert, die nun auch im Netz gelten soll, nämlich dass Nutzer nie Urheber sondern immer Konsumenten sind und man nur Urheber ist, wenn man einen Verlag hat. Plattformen sollen Verlegern also keine Konkurrenz machen. Letzteres ist wichtig, da Plattformen mit der Verbreitung von Nutzerinhalten quasi wie Verleger agieren und Nutzer damit de facto auch zu Urhebern machen.

Und er weist darauf hin, dass mit diesem Gegensatz von alteingesessenen Verwertern (und damit Geschäftsmodellen) und den neuen Plattformen und ihren Nutzern auch ein Generationenkonflikt einhergeht:

Aber, und das haben Leute wie Voss übersehen und deswegen ist der Protest so groß: Das betrifft eben nicht nur die Plattformen, sondern auch ganz massiv die Nutzer*innen, die die Plattformen inzwischen schon lange nutzen, um so selbst Urheber*innen zu sein, ohne von Gatekeeper-Verlagen abhängig zu sein. Das ist, was "die nicht verstanden haben". Und auch die junge Generation, die für die Medienstruktur auf die Straße geht, hat das nicht verstanden weil für sie die "alte" Struktur fast ebenso gar nicht existiert, wie für die Verteidiger der alten Gatekeeping-Struktur die "neue".

Dass aus einer Urheberrechts-Infrastruktur ganz schnell ein Zensurheberrecht werden kann, zeigt aktuell das Beispiel von FragDenStaat, denen die Bundesregierung das Veröffentlichen eines Gutachtens zu Glyphosat verbieten will, weil dieses urheberrechtlich geschützt sei.

Ach, und die Mitgliedsorganisationen der Initiative Urheberrecht sollten sich doch noch mal gut überlegen, ob sie dieser Initiative weiter angehören wollen

Nachtrag: Der einzige mir bekannte Verlag, der sich entschieden gegen die Reform ausspricht, ist der heise Verlag.
Vom Newsticker desselben lasse ich noch Hal Faber zu Wort kommen:

Denn es ist der Passus über die Verwaltungsgesellschaften wie der deutschen VG Wort, der die ganze Misere illustriert und erklärt, warum die bei Verlagen festangestellten Journalisten samt und sonders durchdrehen und gleich vom "Uploadfilter im Kopf der Kapitalismuskritiker" faseln (Frankfurter Allgemeine Zeitung). "Die Mitgliedstaaten sollten gemäß ihren nationalen Regelungen frei festlegen können, wie Verlage ihre Ansprüche auf eine Ausgleichsleistung oder Vergütung zu begründen haben, sowie die Bedingungen für die Aufteilung dieser Vergütung oder Ausgleichsleistung zwischen Urhebern und Verlagen." An erster Stelle stehen hier die Verlage und ihre Ansprüche, im Nebensatz erst kommt die Ausgleichsleistung zwischen den Verlagen und den Urhebern. Das gibt zu denken.

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