Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Auf dem rechten Auge blind

2020-02-20

Falls noch irgendwer Zweifel daran hat, dass die deutsche Justiz & der deutsche Sicherheitsapparat auf dem rechten Auge blind sind, die aktuelle Anstalt nimmt sie euch (da empfehle ich wie üblich auch den dazugehörigen Faktencheck).

Das war übrigens schon in der Weimarer Republik so.

Über das rechte Terrornetzwerk in Bundeswehr, Polizei & Geheimdiensten hatte ich schon Ende 2018 gebloggt.

An diese Stelle gehört auch noch mal der Artikel der nicht mehr gemeinnützigen VVN-BdA über den immer noch gemeinnützigen Verein Uniter: Rechte Terror-Netzwerke.

Und es gehört hier der Buchenwald-Schwur hin, der seit bald 75 Jahren leider nichts an Aktualität verloren hat, wie sich gerade in Hanau wieder gezeigt hat.

Nachtrag: Rechte Polizisten: Ziemlich viele Einzelfälle.

Warum unser Gehirn darauf programmiert ist, die Klimakrise zu ignorieren

2020-02-16

Den Titel habe ich von der ausführlichen Rezension des Buches "Don't even think about it" von George Marshall übernommen. Es bestätigt, was mir auch schon während der Rebellionswelle im Oktober aufgefallen war: Die (Welt-) Untergangsrhetorik großer Teile der Klimaschutzbewegung, insbesondere Extinction Rebellion, greift nicht.

Zu Beginn des Buches absolviert Marshall einen Parforceritt durch Psychologie, Risiko- und Verhaltensforschung. Konzise und gut lesbar fasst er die einschlägigen Erkenntnisse der Wissenschaft zusammen: Beispielsweise hat der Mensch im Laufe der Evolution gelernt, wirksam auf Bedrohungen zu reagieren – allerdings vor allem auf solche, die plötzlich auftreten und jetzt, die von einer Person ausgehen und aus unmoralischen Handlungen resultieren. Doch der Klimawandel passt nicht in dieses Schema, er sendet sozusagen keine Alarmsignale, zitiert Marshall etwa den Glücksforscher Daniel Gilbert: "Würde der Klimawandel durch das Abschlachten niedlicher Hundewelpen verursacht, würden Millionen von Amerikanern auf die Straße gehen." Oder wäre ein düsterer Diktator für die Erderwärmung verantwortlich, hätte der UN-Sicherheitsrat längst drastische Maßnahmen beschlossen.

Da war ich vor 13 Jahren offenbar selber auf mein eigenes Gehirn reingefallen, als ich mich in die Reihe der Klimaskeptiker einreihte.

Damit bin ich in guter Gesellschaft, sogar die Klimawissenschaftler:innen unterschätzen das Ausmaß der Klimakrise systematisch.

Inzwischen bin ich da bekanntlich einen Schritt weiter & sage sogar Klimagerechtigkeit braucht die Agrarwende.

Aber zurück zum Buch von George Marshall. Er analysiert nicht nur, was falsch läuft & warum die bisherige Kommunikationsstrategie nicht funktioniert, er bietet auch für vieles konkrete Lösungen & Vorschläge an:

Zuallererst, rät Marshall, sollten Klimakommunikatoren an ihrer SPRACHE arbeiten. Sollten zum Beispiel über das reden, was man sicher weiß – statt wissenschaftliche Unsicherheiten zu betonen. Sie sollten die Folgen des Klimawandels im Hier und Jetzt ansprechen und zeigen – statt künftige Generationen oder die Eisbären in der Arktis (weil dies die emotionale Distanz zum Klimawandel nur erhöht). Sie sollten Katastrophenschilderungen eher vermeiden, zumindest immer Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten mitliefern, um Abstumpfung und Lähmung zu vermeiden. Allerdings dürfe man auch nicht in eine Haltung verfallen, die Marshall bright-siding nennt, also schönfärberisch und überoptimistisch technologische Lösungen für die Klimakrise ausmalen – weil das den Eindruck bestärkt, man könne man in den Industrieländern weitermachen wie bisher.

Auch die regenerative Kultur kommt bei ihm vor, auch wenn er sie so nicht nennt:

Ganz am Schluss fragt das Buch, was Klimakommunikatoren VON KIRCHEN LERNEN können. Eine Menge, meint Marshall. Üblicherweise wird ja am Klimaschutz kritisiert, er komme zu sehr daher wie eine Religion – George Marshall aber argumentiert in den Kapiteln 39 und 40 das Gegenteil. Er findet, man solle sich bei Kirchen zum Beispiel abschauen, wie sie Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenbringen oder wie sie Schuld in konstruktive Gefühle umwandeln. Oder auch, wie sie RAUM FÜRS TRAUERN bieten – genau solchen nämlich müssten Klimaschützer auch geben für den emotionalen Abschied vom fossilen Zeitalter, das ja liebgewonnene Vorzüge hatte. "Die klimaschonennde Welt wird neue Freuden bereithalten", so Marshall, "aber halt nicht mehr das süße Röhren eines Ford Mustang V8."

Bei XR UK macht das Buch offenbar gerade die Runde, der Text Rushing the ‘Emergency’? Story and vision for XR in 2020 klingt jedenfalls danach, dass die Autor:innen es gelesen & verinnerlicht haben.

Dass die Klimakrise für sehr viele Menschen auf der Erde schon hier & jetzt da ist, wird auch im Vortag zu Klimakrise, Migration und Gerechtigkeit beim Datengarten 107 des Chaos Computer Club Berlin deutlich. Das darin gezeigte 7,5minütige Video "The Move" von der Rosa-Luxemburg-Stiftung bringt es auf den Punkt & eignet sich hervorragend zum Zeigen für Menschen, die bisher noch nichts mit dem Begriff "Klimagerechtigkeit" anfangen konnten.

Im Herzen bin ich immer noch ganz bei Charles Eisenstein, der die Betonung von der Krise als Bedrohung für uns selber verschiebt darauf, dass mit den Tieren und Pflanzen ganz viele Wesen bedroht sind, die wir lieben. Ich zitiere noch mal aus seinem Essay Klimawandel – ein größerer Zusammenhang:

Was würde passieren, wenn wir das Lokale, das Unmittelbare, das Qualitative, das Lebendige und das Schöne neu bewerten würden? Wir würden immer noch das meiste von dem ablehnen, was auch die Klimaschutz-Aktivisten ablehnen, allerdings aus verschiedenen Gründen: die Ölförderung aus Teersand, weil sie die Wälder zerstört und die Landschaft verunstaltet; die Gipfelabsprengung, weil sie heilige Berge vernichtet; Fracking, weil mit dem Wasser Schindluder getrieben wird und sich die Wasserqualität verschlechtert; Offshore-Ölbohrungen, weil auslaufendes Öl die Tierwelt vergiftet; Straßenbau, weil er das Land zerstückelt, totgefahrene Tiere verursacht, zur Suburbanisierung und zur Zerstörung von Lebensräumen beiträgt und den Verlust der Gemeinschaft beschleunigt. Andererseits könnten viele der Technologien, die ich für wunderbar halte, auch aus Gründen des Klimawandels gerechtfertigt sein: landwirtschaftliche Praktiken, die den Boden regenerieren; Wiederherstellung von Wäldern und Feuchtgebieten; kleinere Häuser in dichter besiedelten Gemeinden; Wirtschaftssysteme, die auf Wiederverwendung, Upcycling und Schenkung beruhen; Fahrradkultur; Anlegen von Hausgärten.

Dabei gilt es allerdings, nicht nur auf den eigenen Nutzen zu schauen:

Das verbreitete Argument, der Klimawandel sei schlimm, weil er unsere Zukunft bedroht, stärkt die Mentalität des instrumentellen Utilitarismus: die Natur ist wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Haben nicht der Planet und alle seine Wesen einen eigenständigen Wert? Oder ist die Welt letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram? Natürlich liegt es in unserem eigenen Interesse, CO2 zu begrenzen, aber gewöhnlich liegt es auch im eigenen Interesse eines Landes, eines Unternehmens oder einer Einzelperson, es weniger stark als seine Konkurrenten zu begrenzen. Indem wir auf Eigennutz und Angst abzielen, stärken wir diese Gepflogenheiten von Eigennutz und Angst, die sich, seien wir ehrlich, normalerweise zusammentun, um den Planeten zu zerstören, nicht ihn zu retten. Wir werden niemals das Maß an Fürsorge in der Welt erhöhen, wenn wir nach Eigeninteressen trachten. Wir müssen Fürsorge, Respekt und Liebe anstreben.

Aho!

Da kann dann unser Gehirn wieder mitgehen (außer bei ausgeprägten Soziopathen), wir sind schliesslich soziale Wesen.

Ich werde aktiver bei GitHub

2020-02-13

Wer mein GitHub-Profil beobachtet, stellt dort erhöhte Aktivität seit Anfang des Jahres fest. So hatte ich am 4. Januar meinen allerersten Commit dort, heute noch zwei weitere.

Wer genau hinschaut, kann dabei noch etwas feststellen: Meine Commits drehen sich allesamt um den Static Site Generator Hugo. Entgegen meiner Ankündigung vor gut 3 Jahren werde ich aller Voraussicht nach mein Blog doch nicht auf Pelican, sondern eben auf Hugo umstellen. Ihr werdet es merken, wenn das passiert. :-)

Im PC ab 50-Blog hatte ich schon im Jahr 2012 einen Beitrag geschrieben Auch Nicht-Programmierern nützt Freie und Open Source Software, in dem ich die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten aufgeführt habe, Open Source Software zu unterstützen. Ich bin voll dabei! Und ich kann an dieser Stelle auch den passenden c't-Artikel Kompatibilitätsprobleme beseitigen und Linux besser machen verlinken.

Klimagerechtigkeit braucht die Agrarwende

2020-02-6

Letztes Wochenende war ich beim Permakultur-Wintertreffen unter dem Motto "Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen".
Was führt mich da hin, wo ich doch bisher die Permakultur nur aus der Ferne beobachtet habe (in erster Linie durch die Rubrik in der Oya)?

Auslöser war mein Engagement bei Extinction Rebellion (XR). Ich habe mir nämlich schon im Herbst gedacht, Mensch, XR macht doch immer halbjährlich Rebellionswellen & in der Zwischenzeit ist ganz viel Zeit zum Regenerieren, Lernen & Reflektieren. Warum dann also nicht auch gleich noch die Erde mit regenerieren und Permakultur lernen?
Daraus erwuchs die Idee, so etwas wie einen Stipendienfonds für Permakultur-Ausbildungen ins Leben zu rufen. Dabei hatte ich im Vorfeld des Wintertreffens schon erfragt, dass das Permakultur-Institut in kleinem Rahmen schon einen Stipendienfonds hat. Außerdem gibt es eine solidarische Preisgestaltung.

Warum es sehr nahe liegt, als Klimaaktivist:in eine Permakultur-Ausbildung zu machen, fasst im Vorwort des Buches Permakultur und Klimawandelanpassung Karen O'Brien von der Universität von Oslo gut zusammen:

Durch den Klimawandel sind wir aufgefordert, kreativ über Anpassungsmöglichkeiten nachzudenken. Das vorliegende Buch tut genau das: Es zeigt, wie die Gesellschaft eine effektive Klimawandelanpassung durch Permakultur erreichen kann, ein Konzept, das die Vision einer nachhaltigen Welt beinhaltet – oder einer "permanenten Kultur". Durch die Darstellung verschiedener Beispiele beschreiben Henfrey und Penha-Lopes eine wachsende globale Graswurzelbewegung, die die Anpassung an den Klimawandel durch eine weit gedachte und tief gehende Transformation zur Nachhaltigkeit schon praktiziert. Diese Bewegung ist dynamisch, ganzheitlich, selbstorganisiert und findet außerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses im Mainstream statt, der damit kämpft, dem Klimawandel mit überholten Denkmustern zu begegnen.

Dieses Buch zeigt den Weg über diese Denkmuster hinaus und macht deutlich, was ein ganzheitlicherer Ansatz "von unten" anzubieten hat. Permakultur schreibt kein festes Rezept für Nachhaltigkeit vor, sondern integriert eine Vielzahl von Konzepten, Kenntnissen, Strategien, Werkzeugen, Techniken und Methoden, die die Welt umgestalten und überzeugende Visionen dessen liefern, was möglich ist. Durch die Fokussierung auf Muster, Strukturen und Dynamiken lebendiger System entdecken wir verständliche Beispiele dafür, wie wir uns restrukturieren, regenerieren und erneuern können auf eine Weise, die wirklich einen Unterschied macht.

Die Effekte und Auswirkungen dieser Graswurzelaktivitäten auf die Klimawandelanpassung wurden von der formalen Forschung noch nicht ausreichend untersucht, dennoch gibt es keinen Zweifel, dass dies die Art von Wissen ist, die wir jetzt brauchen. Hier ist ein erfrischender Blick auf die Klimawandelanpassung – spannend, inspirierend und überzeugend, ein Blick, der uns ermuntert, die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern.

Während XR als einen Slogan Systemwandel statt Klimawandel benutzt, greift die Permakultur also eher die Tatsache auf, dass der Klimawandel ja schon längst im Gange ist und wir nun das Beste daraus machen müssen bzw. können. Die permakulturelle Version dieses Spruchs könnte also lauten Systemwandel durch Klimawandel.

Was ist nun eigentlich diese ominöse Permakultur? Dazu zitiere ich kurz aus dem Buch:

Permakultur ist eine Gestaltungsmethode für nachhaltige menschliche Lebensräume, die auf einer ökologischen Perspektive und einem starken ethischen Rahmen basiert. Ursprünglich erdacht wurde sie in den 1970er-Jahren von den australischen Feldökologen David Holmgren und Bill Mollison als Zusammensetzung aus dem Begriff "permanente Agrikultur". Im Laufe der Zeit wurde ihr Anwendungsbereich erweitert, um das ganze Spektrum von Faktoren zu umfassen, die mit der Ökologie menschlicher Siedlungen, Wirtschaft und Kultur zu tun haben, und wird heute allgemein auf "permanente Kultur" bezogen verwendet.

Die Nähe zur regenerativen Kultur von Extinction Rebellion wird hier wohl deutlich. Viel ausführlicher kannst du dich beim Permakultur Institut auf der Seite Was ist Permakultur? informieren.

Ich zitiere noch mal weiter aus Kapitel 2.2 des Buches:

Die ökologische Orientierung der Permakultur, ihre ethische Basis und ihre systemverändernden Auswirkungen haben die praktischen und moralischen Schlussfolgerungen in der aktuellen Debatte der Klimaforschung vorweggenommen. Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen ist die Annahme, dass der Klimawandel den Beginn des Anthropozäns kennzeichnet, eine neue geologische Epoche, in der die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Biosphäre so bedeutsam sind wie die von natürlichen Prozessen.

Der Klimawandel und seine vorherrschenden negativen Folgen wie Verlust von Biodiversität, Boden und Trinkwasser drohen die globalen Umweltbedingungen so massiv zu stören, dass sie nicht mehr zum Erhalt der menschlichen Zivilisation beitragen können. Erdsystemforscher aus vielen verschiedenen Fachrichtungen setzen sich daher für einen Wechsel der Weltordnungspolitik ein: weg von einer Behandlung des natürlichen Reichtums der Erde als ausbeutbare Ressource, hin zu einer bewussten, nachhaltigen Pflege planetarer Systeme.

Der letzte Absatz hätte genau so auch von XR stammen können. Dabei betone ich an dieser Stelle, dass es vermutlich falsch wäre, wenn nun alle Klimaaktivist:innen auf einen Schlag nur noch permakulturelle Gärten pflegen würden und nicht mehr politisch aktiv wären. Es braucht beides, wie es das Manifest zum Buch "Humusrevolution" benennt:

Den Schlüssel zu kennen reicht allerdings nicht. Das Tor zur Regeneration der Erde wird von Agrokonzernen, Großgrundbesitzern und Wirtschaftslobbyisten blockiert. Wichtiger als CO2-Handel wäre eine Landreform zugunsten von (klein)bäuerlichen Höfen, die agrarökologisch produzieren, und eine Streichung aller direkten und indirekten Subventionen für umweltzerstörende Produktion von Lebensmittel und ihren Export. Wir brauchen wahre Preise, die den ökosozialen Schaden oder Nutzen eines Produkts ausweisen.[…]

Alle Lösungen sind vorhanden. Wir brauchen nur eine entschlossene Zivilgesellschaft, die sie durchsetzt, und Politiker, die nicht länger die Agroindustrie strukturell bevorzugen. Eine solche Agrarwende würde in Deutschland laut Umfragen von einer großen Bevölkerungsmehrheit unterstützt.

Wir brauchen einen nationalen und internationalen Zusammenschluss von Kleinbauern-, Umwelt-, Klima- und Ernährungsbewegungen. Oder um Ronnie Cummins als Mitbegründer des globalen Bündnisses »Regeneration International« zu zitieren: Es bedarf einer »massiven Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.«

Ein solches breites Bündnis existiert in Österreich just unter dem Namen System Change, not Climate Change!
Punkt 4 "Ernährungssouveränität" aus dessen Positionspapier lautet:

Nahrung ist ein Menschenrecht. Es sollen jene Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren im Zentrum stehen, nicht die Agrarkonzerne und Supermärkte. Deshalb braucht es den Umbau des industrialisierten, exportorientierten Agrarsystems hin zu einer kleinstrukturierten, agrarökologischen und sozial gerechten Landwirtschaft. Ressourcenintensive und umweltschädliche Produktionsformen von tierischen Lebensmitteln müssen enden, damit Treibhausgasemissionen vermindert und zusätzliche Agrarflächen und Produktionsmittel für die Herstellung biologischer und gesunder Nahrung frei werden. Für den verbleibenden Fleischkonsum sind regionale Produktion, Fütterung mit regionalen Futtermitteln, höchste Tierhaltungsstandards und eine biologische Produktionsweise umzusetzen.

Den 6. Punkt "Commons zurückerobern - gemeinsam nutzen, was uns allen gehört" führe ich auch noch mal auf:

Wir setzen uns für Gesellschaftssysteme ein, in denen wir lebensnotwendige Dinge als Gemeingüter teilen und gemeinsam über deren Nutzung entscheiden. Wasser, Saatgut, Land, Wälder, Seen, Rohstoffe, Luft, Wissen u. ä. sind als Gemeingüter zu behandeln. Diese, ebenso wie öffentliche Dienstleistungen, müssen wir vor Privatisierung schützen.

Zum Thema Saatgut ist u.a. Save Our Seeds aktiv.

Europaweit haben sich im Bündnis By 2020 We Rise Up viele Bewegungen und Organisationen mit verwandten Zielen zusammengetan.

Die Überschrift zu meinem Beitrag habe ich übrigens von Free the Soil geklaut, die auf einer gleichnamigen Seite erläutern, warum Klimagerechtigkeit zwingend die Agrarwende braucht. Von dort mal eine Zahl:

Der Weltklimarat (IPCC) hat erst kürzlich in einem Sonderbericht auf die wichtige Rolle der Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel hingewiesen. Da der IPCC jedoch nur die direkten landwirtschaftlichen Emissionen, sowie Folgen von Landnutzungsänderungen (z.B. Umwandlung von Grünland zu Acker oder Abholzungen von Wäldern für Futtermittelanbau) berechnet, wird hier der landwirtschaftliche Anteil an den globalen Emissionen mit etwa 25% angegeben. Demgegenüber bezieht eine Studie der NGO GRAIN das gesamte Ernährungssystem in ihre Berechnung ein. Neben der unmittelbaren Produktion betrachtet sie auch die Verarbeitung, Kühlung, Müllproduktion und den Transport von Lebensmitteln. Im Ergebnis ordnet GRAIN dem Ernährungssystem somit rund 50% der weltweit verursachten Treibhausgasemissionen zu und betitelt dies in einer umfassenden Publikation als „Great Climate Robbery“ (großer Klima-Raubzug).

Dieses Jahr war ich übrigens das erste Mal bei der Wir haben es satt!-Demo, und dort habe ich etliche XR-Flaggen und -Schilder gesehen. So gehört sich das.

Ich kann hier auch noch mal Charles Eisenstein zitieren, wie ich es schon im Beitrag Nach der Rebellion ist vor der Rebellion getan habe:

Die Erde ist ein komplexes, lebendes System, dessen Aufrechterhaltung der Homöostase von der widerstandsfähigen Wechselwirkung jedes lebenden und nicht lebenden Teilsystems abhängt. Ich vermute, dass die größte Bedrohung nicht die Treibhausgase sind, sondern der Verlust von Wäldern, Feuchtgebieten und marinen Ökosystemen. Leben erhält Leben. Wenn diese homöostatischen Beziehungen zusammenbrechen, sind die Folgen unvorhersehbar: möglicherweise eine globale Erwärmung oder auch eine globale Abkühlung oder die zunehmend instabilen Rotationen eines Systems, das außer Kontrolle gerät. Dies ist die Bedrohung, mit der wir konfrontiert sind und da es sich um eine multifaktorielle und nichtlineare Bedrohung handelt, können keine linearen Strategien zur Reduzierung der CO2-Emissionen eingesetzt werden. Ja, wir sollten den direkten CO2-Ausstoß reduzieren - der Verlust des homöostatischen Gleichgewichts wird durch die Erhöhung des Energiedurchsatzes in einem dissipativen System noch verstärkt - aber das Hauptaugenmerk muss auf die Gesundheit der menschlichen und natürlichen Systeme auf allen Ebenen gelegt werden, bis hin zur lokalen und persönlichen Ebene.

Inspiriert vom Wintertreffen habe ich noch eine ganze Reihe von Initiativen gesammelt, die zum Thema passen und die ich teilweise schon anderswo im Blog erwähnt hatte:

Noch mal direkt zur Permakultur habe ich in dem genannten Buch die Seite Permaculture Solutions for Climate Change gefunden, und Starhawk hat einen Artikel geschrieben Why Permaculture?, in dem sie einige schöne Beispiele gelungener Regenerierung durch Permakultur nennt.

In diesem Sinne – es tut der Erde und uns Menschen richtig gut, wenn sich alle miteinander verbünden, die sich für das Leben einsetzen.

Und es gibt noch einen persönlichen Grund, der mich zur Permakultur zieht. Im Beitrag Wir ziehen uns buchstäblich selbst den Boden unter den Füßen weg deutet sich das schon an. Jetzt am Wochenende haben wir zu Beginn den Film Unsere große kleine Farm gesehen, der mich zu Tränen gerührt hat. Das ging mir schon die Woche davor bei Das geheime Leben der Bäume im Kino so.
Was mich da so in der Tiefe anrührt, sind die Vorher-Nachher-Bilder, die zeigen, mit wie verhältnismäßig wenig Aufwand sich eine (Agrar- oder Forst-) Wüste wieder zu blühendem Leben umwandeln lässt – und dass ich dafür bisher keinen Handschlag direkt getan habe. Das lässt sich offenbar mit noch so viel Geld nicht aufwiegen; es macht mich traurig, dass ich hier immer noch in der Stadt vor dem Computer sitze, statt handfest mit anzupacken.
Diese Spannung gilt es noch eine ganze Weile auszuhalten, weil meine Gemeinschaft mich mit meinen Qualitäten hier mitten in der Stadt am Computer braucht.

Nachtrag vom 09.02.: Wie gesagt, der Klimawandel ist schon längst da.

Nachtrag vom 13.02.2020: Jochen Schilk hat ein sehr schönes Buch geschrieben, Die Wiederbegrünung der Welt. 50 Geschichten vom Bäumepflanzen, zu dem er auch ein Blog betreibt unter dem Namen Planetenpflege.

Weiterer Nachtrag vom 13.02.2020: Christian Schorsch hat im Permakultur-Magazin einen Artikel Gesellschaft anders gestalten. Warum wir Permakultur und Commoning zusammendenken sollten geschrieben und stellt darin Fragen, die die Permakultur so direkt bisher noch nicht beantwortet hat:

Im Grunde handelt es sich bei Permakultur um ein Sammelsurium an Ideen und Praktiken, die eine Lebens- und Gestaltungspraxis umreißen, die lebensförderlich ist und sich hinsichtlich planetarer Grenzen auf die gesamte Welt verallgemeinern ließe. Dabei finden zu Recht nicht nur die ökologischen Aspekte Beachtung. Es sind zuletzt vor allem ökonomische und soziale Entwicklungen, die zu den anstehenden Verwerfungen und Krisen unserer Zeit führen und die Umweltprobleme nach sich ziehen. Deshalb reicht es nicht, das Land und den Boden auf andere, schonendere und vielfältigere Weise zu bestellen und damit den Folgen der industriellen Landwirtschaft etwas entgegen zu setzen. Fast wichtiger ist, das menschliche Zwischeneinander zu wandeln. Was passiert zum Beispiel mit den gesunden, ökologischen Erzeugnissen nach ihrer Ernte? Auf welche Weise werden diese gerecht verteilt? Oder noch einen Schritt weiter zurück: Wie kann die Arbeitsweise zur Herstellung und Verarbeitung der Erzeugnisse organisiert werden, um zukunftsfähiger zu sein? Wie organisiert sich eine nicht profitgetriebene und zum ewigen Wachstum verdammte Produktion?

Wann schränken wir endlich die Souveränität von Staaten und Konzernen ein?

2020-01-27

Angesichts von Globalisierung und zunehmend mehr internationalen Institutionen wie dem Internationalen Strafgerichtshof, der Welthandelsorganisation und überhaupt der Vereinten Nationen hört und liest man – in erster Linie, aber nicht ausschließlich aus der rechten Ecke – die Befürchtung, dass das die Souveränität der Nationalstaaten untergrabe und damit eine Gefahr für unser aller Freiheit sei.
Die allerschlimmste Horrorvision für solche Leute ist eine Weltregierung (Stichwort NWO).

Nun erkenne ich sehr wohl an, dass der Westfälische Friede eine große historische Errungenschaft und ein echter Fortschritt war – damals, vor 372 Jahren.

Allerdings hat sich die menschliche Gesellschaft seither doch massiv verändert. Der Fortschritt von damals – eben die Grundlagen des souveränen Nationalstaats – stellt sich aus meiner Sicht heute als Fortschrittshemmnis dar. Damals hatten die Menschen noch nicht annähernd die Möglichkeiten wie heute, globalen Einfluss zu nehmen, und zwar nicht nur in politischem Sinne, sondern auch auf die natürlichen Gegebenheiten. Ich sage nur Klimakatastrophe. Abgase machen nicht an Landesgrenzen halt, und wenn der Amazonas-Urwald stirbt, dann merken das mittelfristig alle Lebewesen auf der Erde, nicht nur in Brasilien. Das gilt natürlich auch für Tschernobyl, Fukushima & Co.

Heute, im Jahr 2020, macht die hochgehaltene Souveränität der Nationalstaaten Steueroasen möglich, das regelmäßige Veto der USA (oder auch anderer Staaten) bei überlebenswichtigen globalen Entscheidungen, die Amazonas-Brandrodungen eines Bolsonaro usw. usf.

Die Herausforderungen der Menschheit sind heute global, deshalb brauchen wir globale Institutionen, die damit umgehen können. Was wir nicht mehr brauchen, ist ein einzelner Nationalstaat, der sich selbst zum Weltpolizisten aufspielt. Wir brauchen echte Weltpolizisten, die das Mandat der Weltgemeinschaft haben. Wir brauchen auf der gesamten Erde verbindlich geltende Regeln, wie wir miteinander und mit der Erde wirtschaften. Ja, vielleicht brauchen wir tatsächlich eine Weltregierung, die befugt ist, überall auf der Erde für alle Menschen geltende Regeln durchzusetzen.

Das sage ich als innerer Anarchist, und ich sage es unter dem Gesichtspunkt des als Menschheit erwachsen werdens.

Und im Prinzip finde ich eine Europäische Union einen sehr sinnvollen Zwischenschritt auf dem Weg dorthin. Allerdings ist die Umsetzung dieser Union bisher ein ganz schöner Murks. Das sollte uns aber nicht zu dem Kurzschluss verleiten, größere Einheiten als Staaten könnten nicht funktionieren. Mit Staaten haben wir schon Jahrtausende Erfahrungen gesammelt; globale Institutionen sind im Vergleich noch sehr jung, will sagen: wir haben da noch lange nicht alles ausprobiert.

Und, falls es euch nicht aufgefallen ist, natürlich will ich nicht allein die Souveränität von Staaten einschränken. Denn das würde erst Recht zum Szenario Shadowrun führen, wo Konzerne mit eigenen Armeen ihre eigenen Territorien verteidigen und Staaten kaum noch etwas zu melden haben.
Dass schon heute die Konzerne so mächtig sind, liegt ja gerade daran, dass sie ohnehin längst global agieren und die einzelnen Staaten gegeneinander ausspielen können.

Was uns also fehlt, sind ebenso globale Einrichtungen von den Menschen, durch die Menschen und für die Menschen (und die mehr-als-menschliche Welt).

Nachtrag vom 09.02.: Vielleicht kommen wir dank planetarer Commons ohne die verhasste Weltregierung aus.

Wenn Menschen erkennen, dass ihre Commons ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern, beginnen sie vielleicht, ihr angeborenes Recht als Bürger dieser Erde einzufordern, lokal wie global. Diese Rechte auf alle Ressourcen – Atmosphäre, Ozeane, Wälder, Artenvielfalt, Nahrung, Wasser, Energie, Gesundheitsversorgung, Technik, Medien, Handel, Finanzen etc. – sind darin begründet, dass das Überleben und die Sicherheit einer Gemeinschaft von ihnen abhängen und wir gemeinsam für das Wohl nachkommender Generationen verantwortlich sind. Die Notwendigkeit der Existenzsicherung stattet uns mit einer neuen moralischen und sozialen Verantwortung aus: Ressourcennutzer müssen direkt in die Erhaltung und Produktion ihrer Commons einbezogen werden.

(Aus dem Commons-Buch von Silke Helfrich)

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