Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Die Corona-Proteste um die Commons-Perspektive ergänzen

2020-09-14

Das Buch Die Welt wieder verzaubern. Feminismus, Marxismus & Commons von Silvia Federici inspiriert mich gerade dazu, meinen Beitrag über Die Einhegung der Allmende auf Steroiden durch die Corona-Maßnahmen mit den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zusammenzubringen.

Denn das ist eine Perspektive, die ich dort neben der linken ganz besonders schmerzlich vermisse.

In meinem Beitrag zur Demo am 1. August hatte ich ja geschrieben

Allerdings habe ich den Eindruck, dass da morgen im Wesentlichen zwei verfeindete Fraktionen des Weiter so wie bisher aufeinander prallen werden, die die Lage völlig unterschiedlich einschätzen.

sowie

Diese Freiheit ist aber auch die Freiheit unseres kapitalistischen Ausbeutungssystems, fröhlich weiter Menschen und alle anderen Wesen auf der Erde sowie die Erde selber auszubeuten bis es kracht.

Andererseits verhindern gerade die autoritären Maßnahmen, Widerstand gegen diese Einhegung und Ausbeutung zu organisieren. Lockdown bedeutet letztlich nichts anderes, als dass der Staat den Menschen das Gemeinschaffen verbietet. Denn dazu müssen wir uns treffen, uns körperlich nahe sein, gemeinsam bereden, was wir wie zusammen tun wollen, und es dann auch zusammen tun. Genau das erschweren bis verhindern die Staaten aber weltweit in unterschiedlichem Ausmaß. Make every home a prison today.

Insofern weist das Plakat mit dem Spruch Von der Distanz zur Verbundenheit in die richtige Richtung. Es braucht noch viel mehr Solidarität mit den Verliererinnen der Corona-Krise, und zwar praktische Solidarität. Die haben wir hier im Herzen des Kapitalismus leider weitgehend verlernt und müssen sie erst wieder mühsam einüben. Da schließe ich mich explizit mit ein.

Und diese Solidarität schließt uns selber natürlich mit ein, denn es geht um nicht weniger als ein gutes Leben für alle. Die ganze Bäckerei. Silvia Federici schreibt

Können wir uns vorstellen, unser Leben anders zu gestalten, indem wir unsere Beziehungen zu anderen gemeinschaftlich leben und dabei Tiere, das Wasser, die Pflanzen und Berge miteinbeziehen, die von den gigantesken Robotern bestimmt zerstört würden? Das ist der Horizont, den der Diskurs und die Politik der Commons uns heute eröffnen, und nicht das Versprechen einer ohnehin unmöglichen Reise in die Vergangenheit, sondern die Möglichkeit, die kollektive Entscheidungsgewalt über unser Schicksal auf diesem Plateten wiederzugewinnen. Das ist, was ich unter Wiederverzauberung der Welt verstehe.

Daher passt unter diesen Beitrag das Lied von Rainer von Vielen

– mit der Einschränkung, dass die Commons uns nicht gehören; sondern wir eignen uns ihnen zu.

Bei einer Demo gegen autoritäre Corona-Maßnahmen, für selbst organisiertes Gemeinschaffen jenseits von Markt und Staat würde ich sofort mit auf die Straße gehen. In der Zwischenzeit lasst uns Freiräume für Commoning erkämpfen und ausbauen.

#FreeAssange – jetzt erst recht

2020-09-4

Der konkrete Anlass für diesen Beitrag ist die ARD-Sendung Wikileaks – Die USA gegen Julian Assange.

Ein anderer aktueller Anlass ist allerdings, dass russische Dissidenten offensichtlich viiieeeeel besser behandelt werden als australische, wie der Fall Nawalny zeigt.

InfoSperber hat eine dreiteilige Reihe über die Spionage in der ecuadorianischen Botschaft:

  1. US-Geheimdienste spähten Assange aus
  2. Die Damentoilette wird verwanzt
  3. «Von der Vergiftung bis zur Entführung ist alles möglich»

Ich fordere deshalb die gleiche Behandlung wie Nawalny auch für Julian Assange!

Free Julian Assange!

Was hat dein Smartphone mit dem Putsch in Bolivien zu tun?

2020-09-3

Stellt sich raus: eine ganze Menge. Aber der Reihe nach. Zunächst mal – es war tatsächlich ein Putsch gegen die Regierung von Evo Morales.

Nun zum Smartphone: Dessen Lithium-Ionen-Akku basiert, wie der Name schon sagt, auf dem Alkalimetall Lithium. Und das, wie der Artikel Elon Musk, Bolivien und das Lithium-Puzzle in der Atacama-Wüste zeigt, spielt eine nicht unwesentliche Rolle beim Putsch in Bolivien, denn

das Lithium-Dreieck Argentinien-Chile-Bolivien [bildet] mit mindestens 50 Prozent der weltweiten Vorkommen die größte natürliche Reserve des strategischen Rohstoffs.

Elon Musk kommt natürlich vor allem als Inhaber der Elektroauto-Firma Tesla in diesem Spiel vor. E-Autos brauchen zwar um ein Vielfaches größere Akkus als Smartphones; dafür sind zur Zeit allerdings etwa 3,5 Milliarden Smartphones im Einsatz. Da kommt schon eine ganz schöne Menge Lithium zusammen.

Zurück nach Bolivien:

In Argentinien und Chile fördern bereits mehrere private Unternehmen das Metall. Anders war die Entscheidung der Regierung Morales in Bolivien. Die südamerikanischen Nationen sollten sich vielmehr auf die Wertschöpfung des Lithium-Rohstoffs mit der Herstellung von Batterien konzentrieren, anstatt das Metall als billige Handelsware zu verscherbeln, so Boliviens gestürzter, plurinationaler Staatschef. Folge dieses Verständnisses von nationaler Rohstoff-Souveränität und technologischer Autonomie war der Ende 2018 zwischen der staatlichen bolivianischen YLB und der deutschen Firma ACI Systems Alemania mit 51 zu 49 Prozent Aktienanteilen ausgehandelte Vertrag über die Lithium-Anreicherung und die Errichtung der ersten industriellen Lithium-Batteriefabrik auf lateinamerikanischem Boden. Der Vertrag wurde unter massivem politischen Druck von Morales jedoch überraschenderweise im Oktober 2019 wieder gekündigt.

Das war kurz vor dem Putsch.

Das mit der "Elektromobilität" (die es auf Schienen schon seit über 100 Jahren gibt und dort bestens funktioniert – ohne Lithium) sollten wir besser noch mal überdenken. Am Beispiel Tesla:

Vier Monate vor dem Staatsstreich gegen Evo Morales in Bolivien schätzte das US-Beratungsunternehmen Allied Market Research, dass der Weltmarkt für Lithiumbatterien im Jahr 2022 einen Wert von 46 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Ein Teil der Euphorie, so die britische BBC, hatte mit der Ankündigung Elon Musks vom Juni 2019 zu tun, er wünsche sich eine Ausweitung der Produktion von Tesla-Elektroautos. "Um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren, müssen wir grundsätzlich die gesamte Lithiumproduktion der Welt absorbieren" erklärte Musk in Interviews. […]

China ausgenommen, bekommt Evo Morales‘ Lithium-Wertschöpfungsstrategie weder dem Elektroauto-Giganten noch dem internationalen Finanzkapital. "Der Gegenwind weht stärker als der Rückenwind", protestierte Sam Jaffe, CEO vom US-amerikanischen Energiespeicherungs-Beratungsunternehmen Cairn Energy Research Advisors im Gespräch mit BBC World. "Die Idee, dass südamerikanische Länder Exporteure von Batterien für Elektroautos sein werden, macht wenig Sinn." Da sie weit von den großen Automobilherstellungszentren entfernt sind, seien die Kosten für den Transport von Batterien sehr hoch. "Lithium zu besitzen, bringt ihnen keinen logistischen Vorteil. Wahrscheinlich ist es die beste Option, das Rohmaterial zu exportieren", lautet die klassische kolonialistische Formel des US-CEOs. Zu dieser Formel gehören Niedrigstpreise, eine der Spezialitäten Elon Musks.

Beim Nachrichtenpool Lateinamerika gibt es mehr über die Lithium-Pläne in Bolivien: Was wird aus der Lithium-Verarbeitung?

Die vermeintlich "saubere" Elektromobilität ist also bei genauerem Hinsehen ziemlich dreckig. Und auch dein Smartphone enthält nicht nur (neben anderen) das Konfliktmineral Coltan, sondern der Grundstoff des Akkus liefert Anlässe für Putsche gegen Regierungen, die sich der Ausbeutung durch multinationale Konzerne widersetzen.
Dagegen hilft auch kein Fairphone.

Puh, es sind doch nicht alle Linken staatstreu geworden

2020-09-1

Ein kleiner Lichtlick inmitten der breiten linken Front auf Regierungslinie: Corona und die Demokratie. Eine linke Kritik.

Grüneklee kritisiert blinden Gehorsam und „Staatsverehrung“, sieht eine „Lust zum Gehorchen“ und eine „neue Volksgemeinschaft“ bis weit „in die linke Szene hinein“, die Ausgangssperren und Maskenpflicht fordert. Die Polizei erfahre einen „enormen Akzeptanzgewinn“. Der Autor fragt, ob „wir noch auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur“ seien, oder ob diese schon begonnen habe.

Elisabeth Voss' Fazit lässt mich wieder vorsichtig Hoffnung in die Menschheit fassen:

Viele Aspekte der Maßnahmekritik und auch viele politische Reflektionen der Autoren sind nach wie vor wichtig und auch heute noch diskutierenswert, und sollten grade von denjenigen ernst genommen werden, die eine ganz andere Auffassung vertreten. In respektvollen kontroversen Auseinandersetzung könnte einiges vertieft und sicher von allen Seiten dazugelernt werden. Denn es sind Denkanstöße von kritischen Geistern, die heute gerade in den Corona-Debatten viel zu selten zu hören sind. Wer sich auch in diesen merkwürdigen Zeiten die Idee bewahrt hat, dass Demokratie nicht bedeutet, die endgültige Wahrheit herauszufinden oder einfach nur auf der (vermeintlich) richtigen Seite zu stehen, sondern dass Demokratie ein Prozess des Fragens und der laufenden Abwägung unterschiedlicher Fakten und Meinungen ist, wird dieses Buch wohl mit Genuss lesen.

Beachtet auch die Pressemitteilung der Autoren: Es gibt keine zweite Welle, sondern Corona ist eine Dauerwelle – Was es braucht, ist scharfe Kritik an den irrationalen staatlichen Zwangsmaßnahmen.

Daher unterstützen wir an sich die antifaschistischen Demonstrationen, die unter dem Motto „Abstand gegen Rechte“ gegen die Aufmärsche protestieren. Doch leider haben sich weite Teile dieser Linken als Teil des Problems erwiesen, da sie die irrationalen Zwangsmaßnahmen des Staates, die zu Not, Elend und Tod nicht nur in Europa, sondern weltweit führen (Zehntausende aufgeschobene Operationen, ausbleibende Vorsorgeimpfungen gegen Masern in Afrika, ökonomische Katastrophe wegen zurück gefahrenem Welthandel, Suizide wegen Perspektivlosigkeit, Ende der Club- und Theaterszene, keine Freiheit der Wissenschaft und Forschung mehr usw.), aggressiv unterstützen.

Und weiter:

Der Begriff Coronaleugner ist offenbar auch von dem Bestreben geleitet, undifferenziert jede Kritik an den Maßnahmen zu diffamieren oder als lächerlich abzutun („Covidioten“, „Aluhut-Träger“). Damit ist diese pauschale, abwertende „Kritik“ (eher Schmähung) der Kritik im Kern selbst denunziatorisch und antiaufklärerisch. Der Begriff ist auch deshalb zu hinterfragen, weil er an den Begriff des Holocaustleugners erinnert. Es ist von entscheidender Bedeutung, gegen die Leugnung des weltweit einmaligen Verbrechens der Shoah vorzugehen. Doch gerade diese Einmaligkeit wird offenbar infrage gestellt, wenn nun die Leugnung von vielen anderen Dingen politisch sanktioniert werden soll. Es gab bisher mit Recht nicht den Begriff des Kapitalismus- oder Patriarchatsleugners. Warum soll also der Begriff des Coronaleugners eingeführt werden?

An diese Stelle passt auch die Erklärung des Berliner Praxiskollektivs Gegen das Diktat der Angst.

Nachtrag vom 20.09.: Im Telepolis-Artikel Die Corona-Krise. Die Linke. Und die Sterblichkeit beklagt Wolf Wetzel auch den linken Konformismus in der Corona-Krise:

Wenn Regierung und Regierungswillige zusammen die Corona-Maßnahmen summa summarum, die Suspendierung elementarer Grund- und Schutzrechte für angemessen halten, wenn "Antifaschist" den Protest dagegen für den falschen halten und sich als politische Ordnungsmacht verstehen, nach Verboten rufen und zu Gegendemonstrationen aufrufen, dann gibt es keine Opposition mehr, sie hat sich aufgelöst. Dann sollte man sich auch nicht beklagen, dass die richtigen Parolen auf den falschen Demos gerufen und gezeigt werden.

Ähnliches wie Wetzel erwarte ich auch von einer Linken, die diese Bezeichnung verdient (am Beispiel Bill Gates):

Was würde also eine linke Kritik auszeichnen? Es ginge darum, die Bedeutung von Bill Gates und seiner Stiftung genau zu benennen. Dabei geht es am allerwenigsten darum, Bill Gates nett, philanthrop oder unsympathisch zu finden. Es geht um die ungeheure Summe, die überall auf der Welt zu einer Macht verhilft, die sich nicht zur Wahl stellen muss, die mit Investitionen und Deinvestitionen mehr erreichen und bewirken kann, als dies geheime Zirkel können.

Zum anderen geht es darum, zu erklären, warum das Geraune von einer im verborgenen agierenden Macht die Herrschaftsverhältnisse nicht aufdeckt, sondern verschleiert. Die "Bill Gates" dieser Erde brauchen keine Unterwelt, sie sitzen in den Beraterstäben von Regierungen, sie investieren in Think Tanks und NGOs (Nichtregierungsorganisationen), halten sich Stiftungen, um so auf vielstimmige Weise Meinungshoheit zu schaffen und Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Und genau diese Arbeit aufseiten der Linken steht aus.

Technologie der unfreien Welt

2020-08-23

Unter diesem Titel hat Hauke Ritz einen sehr gehaltvollen Artikel in zwei Teilen veröffentlicht. Ich zitiere nur zwei Sätze aus dem 2. Teil als Appetitanreger:

Die derzeitige technologische Revolution zielt darauf ab, den Menschen insgesamt berechenbar zu machen.

Und der andere Satz:

So haben wir es heute zunehmend mit einer Gesellschaft zu tun, die zum großen Teil nur noch auf mediale Signale reagiert und von Ängsten bald in die eine und bald in die andere Richtung getrieben wird.

Hier nun die Links zum Artikel:

  1. Technologie der unfreien Welt – Teil 1: Der Quellcode
  2. Technologie der unfreien Welt – Teil 2: Mythos und Selbsterlösung

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