Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Corona und die Angst

2020-11-18

Sehr wertvolle 2 Stunden mit Daniele Ganser:

An diesem oder auch an diesem Beitrag wird deutlich, dass zumindest am Anfang der "Pandemie" bei mir deutlich die Diktatur-Angst überwog. Die hat in den letzten Monaten wieder ein gutes Stück abgenommen, wachsam bleibe ich dennoch.

Der Teufel hat ein legitimes Interesse an deiner Seele #DSGVO

2020-11-16

Boah, ich könnte kotzen! Der Cookie-Wahnsinn ist inzwischen auf einer neuen Stufe angekommen. Vor allem die "journalistischen" Verlagsangebote tun sich dabei hervor, auf die Fefe schon lange schimpft.

Das neue Zauberwort lautet "berechtigtes Interesse" bzw. "legitimes Interesse". In den Cookie-Fenstern der Verlage verbergen sich hinter diesem Zauberwort oft Hunderte von "Werbepartnern", die dich fröhlich ausspionieren, wenn du nicht widersprichst. Bei vielen Websites geht das gar nicht, da musst du pauschal allem zustimmen, um überhaupt die Inhalte aufrufen zu können. Bei anderen, wie seit kurzem auch Heise online, musst du jedem "Werbepartner" einzeln widersprechen!!

In diesem Fall hoffe ich deshalb ausnahmsweise mal, dass sich die Bundesregierung mit einem Vorschlag durchsetzt. Sie will nämlich in der geplanten E-Privacy-Verordnung der EU Cookies aus "berechtigtem Interesse" pauschal verbieten (Vorsicht, Link geht zu Heise mit der erwähnten Klick-Orgie).

Kennt jemand von euch ein Browser-Plugin, das einem das einzeln Widersprechen abnimmt? Das würde mir das Leben im Netz im Jahr 2020 doch vereinfachen…

Nachtrag: Ich probiere jetzt mal Cookie-AutoDelete aus, das löscht beim Schließen eines Tabs alle Cookies, die dieser gesetzt hat. Damit kann ich mit weniger Bedenken den Cookies zustimmen.

Das Dao des inneren Anarchismus

2020-11-2

Der 3. Band von Viktor Kalinkes Ausgabe des Daodejing wirft noch mal ein neues Licht auf die ethischen Folgerungen des inneren Anarchismus. Mit einem gewissen Erschrecken vor mir selbst hatte ich damals geschrieben

Das heißt im übrigen, dass Werte, Überzeugungen, Ideale und Moral der Freiheit entgegenstehen. Denn sobald es einen absoluten Wert für mich gibt, lasse ich mich von diesem beherrschen. Ich kann dann eben nicht mehr tun, was ich will, weil ich mich selbst davon abhalte.

Durch Kalinkes Interpretation der daoistischen Ethik ist mir nun klar, dass ich mich damit seinerzeit ein gutes Stück vom indoeuropäischen Denken gelöst hatte.

Für das Daodejing ist der Mensch einerseits weder gut noch böse, denn er ist – wie alles in der Natur – vom Dao durchdrungen, und das Dao ist als das ursprüngliche Eine wertneutral. Der Mensch als Teil der Natur ist so gut oder so böse wie ein Hund oder ein Wolf oder eine Rose.

Andererseits trägt, folgen wir dem Daodejing, jeder Mensch grundsätzlich das "Gute" als auch das "Böse" in sich, denn indem er gut ist, zeigt sich erst das Böse und umgekehrt.

Die Frage, welche Seite des Menschen hervortritt, hängt von den Umständen und von der Situation ab, die sich schnell ändern können. Die daoistische Moral schmiegt sich der Situation an, sie ist bereits in der Situation enthalten und von daher implizit. Keinesfalls formuliert sie situationsübergreifende, transzendente ("sture") Prinzipien: Nur der Törichte orientiert sich an Grundsätzen und Wertmaßstäben, Normen und Regeln, denn unmöglich können sie die tatsächliche Vielfalt der Situationen berücksichtigen.

Schärfer noch:

Moralische Normen sind daher dem Daodejing zufolge nicht nur keine harmlosen Sekundärtugenden, sondern schädlich oder gar gefährlich.

Übrigens handhabt auch das linkshändige Tantra Ethik immer situationsabhängig.

Wenn mir also jemand Werteverfall vorwirft, dann geht dieser Vorwurf ins Leere. Denn ein Werteverfall setzt ja voraus, dass es da überhaupt irgendwelche universellen Werte gäbe, die verfallen könnten. Eben das stelle ich grundsätzlich in Frage und sage "es kommt darauf an".

Übrigens kann ich an dieser Stelle noch mal explizit Arnold Mindells Buch River's way : the process science of the dreambody (deutschsprachige Ausgabe Traumkörper-Arbeit oder Der Weg des Flusses) empfehlen. Darin beschreibt er die theoretischen Grundlagen der Prozessarbeit und bezieht sich dabei vor allem auf den Daoismus als vollständige Prozess-Theorie.
Arny fasst die Prozessarbeit knapp in 2 Worten zusammen: follow nature.

Mehr desselben

2020-10-29

Nun haben also Angie Merkel und die Wilde 16 einen "Lockdown light" beschlossen. Mehr desselben statt eines durchdachten Ansatzes, tatsächlich aus der Krise rauszukommen.
Die Autorengruppe Prof. Dr. med. Matthias Schrappe, Hedwig François-Kettner, Dr. med. Matthias Gruhl, Prof. Dr. jur. Dieter Hart, Franz Knieps, Prof. Dr. rer. pol. Philip Manow, Prof. Dr. phil. Holger Pfaff, Prof. Dr. med. Klaus Püschel und Prof. Dr. rer.nat. Gerd Glaeske schrieb schon anlässlich der Konferenz von letzter Woche

In den Beschlüssen der Bkin/MP/innen-Konferenz (Anonymous 2020) kann die Autorengruppe allerdings keine Fortentwicklung des Verständnisses für die Eigenheiten dieser Epidemie und für die Anforderungen an Steuerungsparameter sowie die Kommunikation deren Ergebnisse erkennen. Stattdessen überwiegt der Eindruck, dass die Verantwortlichen auf den immergleichen Vorgehensweisen beharren und Maßnahmen sogar noch verstärken, an deren Wirksamkeit und Akzeptanz es aus wissenschaftlicher Sicht größte Zweifel geben muss

Die ebenfalls dort verlinkten Thesenpapiere sind ebenfalls sehr lesenswert.

An anderer Stelle schrieb ich anlässlich einer noch früheren Konferenz

Gerade schaue ich mir die Pressekonferenz zu weiteren Corona-Maßnahmen an & stelle fest, dass es denen einzig & allein um Kontrolle geht. Die Gesundheitsämter & insgesamt der Staat muss wieder die Kontrolle über das "Infektionsgeschehen" gewinnen, dann wird alles gut.

Da ist immer noch voll die Geschichte vom Aufstieg der Menschheit am Zug, wie Charles Eisenstein es nennt. Die Megamaschine muss weiterlaufen.

Hoffentlich hat das bald ein Ende…

Dem habe ich an dieser Stelle nichts hinzuzufügen.

Nachtrag: Schon am 21.10. hatte ich folgende Mail an Fefe geschrieben, es kam keine Reaktion – damit ist Fefes Blog als ernst zu nehmende Quelle leider auch für mich gestorben:

Hallo Fefe,

vor knapp einem Jahr hattest du im Zusammenhang mit dem Assange-Verfahren folgendes geschrieben (https://blog.fefe.de/?ts=a32ab921):

"Ihr redet immer von Faschismusbekämpfung, aber dann baut ihr zur Bekämpfung der Faschisten selber den faschistischen Polizeistaat auf.
Meine Methode zur Faschismusbekämpfung ist ja, denen einen unattraktiven Staat zu hinterlassen, der es auch Faschisten in der Regierung nicht ermöglicht, ihre faschistischen Ideen umzusetzen. Ein Staat mit ordentlicher Gewaltenteilung, wo die Exekutive wieder nur exekutiert und nicht selber Dinge bestimmt. Eine Judikative, die weniger Angst hat, verfassungsfeindliche Gesetze wegzuschießen. Ein Parlament, dass nicht so viele Gesetze beschließt, dass nicht genug Zeit ist, um die alle zu debattieren, und das nicht in Nacht- und Nebel-Aktionen Gesetze durchwinkt, regelmäßig auch tagsüber mit so wenig Teilnehmern, dass bei einer AfD-Trolling-Aktion sofort offensichtlich runtergefahren werden muss, weil der Laden schon rein formal nicht beschlussfähig ist. Wenn wir hier eine Demokratie aufbauen, die den Namen auch verdient, dann müssen wir uns auch vor keinen Extremisten fürchten. Aber bis wir da sind, müssen wir erstmal eine Reihe von Gesetzen zurückbauen. Staatstrojaner, die ganzen Einschränkungen für das Versammlungsrecht, Abhörbefugnisse, Einschränkungen des Briefgeheimnisses, das Wegsperren von Unschuldigen ("Gefährder"). Die Liste ist lang. Solange ihr nicht gegen den ganzen Scheiß laut opponiert, verdient aus meiner Sicht keiner von euch den Titel Antifaschist."

Meiner Einschätzung nach gehen genau deshalb die so genannten "Corona-Leugner" auf die Straße - und erweisen sich deiner eigenen Logik zufolge als die eigentlichen Antifaschisten.

Kannst du mal als Update zu diesem Artikel schreiben, aus welchen Gründen du jetzt bezüglich Corona andere Maßstäbe anlegst? Das interessiert mich sehr.

Inzwischen benutzt er routinemäßig den Kampfbegriff "Covidioten" in seinem Blog und hält sich nicht mehr an seine eigenen moralischen Maßstäbe. Z.B. hatte er bisher immer vehement gegen das Konzept von "Kontaktschuld" angeschrieben, jetzt wendet er es selber an.
Dass er gegen den Lauterbach rumjault, rettet ihn nun auch nicht mehr.

Die Corona-Proteste um die Commons-Perspektive ergänzen

2020-09-14

Das Buch Die Welt wieder verzaubern. Feminismus, Marxismus & Commons von Silvia Federici inspiriert mich gerade dazu, meinen Beitrag über Die Einhegung der Allmende auf Steroiden durch die Corona-Maßnahmen mit den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zusammenzubringen.

Denn das ist eine Perspektive, die ich dort neben der linken ganz besonders schmerzlich vermisse.

In meinem Beitrag zur Demo am 1. August hatte ich ja geschrieben

Allerdings habe ich den Eindruck, dass da morgen im Wesentlichen zwei verfeindete Fraktionen des Weiter so wie bisher aufeinander prallen werden, die die Lage völlig unterschiedlich einschätzen.

sowie

Diese Freiheit ist aber auch die Freiheit unseres kapitalistischen Ausbeutungssystems, fröhlich weiter Menschen und alle anderen Wesen auf der Erde sowie die Erde selber auszubeuten bis es kracht.

Andererseits verhindern gerade die autoritären Maßnahmen, Widerstand gegen diese Einhegung und Ausbeutung zu organisieren. Lockdown bedeutet letztlich nichts anderes, als dass der Staat den Menschen das Gemeinschaffen verbietet. Denn dazu müssen wir uns treffen, uns körperlich nahe sein, gemeinsam bereden, was wir wie zusammen tun wollen, und es dann auch zusammen tun. Genau das erschweren bis verhindern die Staaten aber weltweit in unterschiedlichem Ausmaß. Make every home a prison today.

Insofern weist das Plakat mit dem Spruch Von der Distanz zur Verbundenheit in die richtige Richtung. Es braucht noch viel mehr Solidarität mit den Verliererinnen der Corona-Krise, und zwar praktische Solidarität. Die haben wir hier im Herzen des Kapitalismus leider weitgehend verlernt und müssen sie erst wieder mühsam einüben. Da schließe ich mich explizit mit ein.

Und diese Solidarität schließt uns selber natürlich mit ein, denn es geht um nicht weniger als ein gutes Leben für alle. Die ganze Bäckerei. Silvia Federici schreibt

Können wir uns vorstellen, unser Leben anders zu gestalten, indem wir unsere Beziehungen zu anderen gemeinschaftlich leben und dabei Tiere, das Wasser, die Pflanzen und Berge miteinbeziehen, die von den gigantesken Robotern bestimmt zerstört würden? Das ist der Horizont, den der Diskurs und die Politik der Commons uns heute eröffnen, und nicht das Versprechen einer ohnehin unmöglichen Reise in die Vergangenheit, sondern die Möglichkeit, die kollektive Entscheidungsgewalt über unser Schicksal auf diesem Plateten wiederzugewinnen. Das ist, was ich unter Wiederverzauberung der Welt verstehe.

Daher passt unter diesen Beitrag das Lied von Rainer von Vielen

– mit der Einschränkung, dass die Commons uns nicht gehören; sondern wir eignen uns ihnen zu.

Bei einer Demo gegen autoritäre Corona-Maßnahmen, für selbst organisiertes Gemeinschaffen jenseits von Markt und Staat würde ich sofort mit auf die Straße gehen. In der Zwischenzeit lasst uns Freiräume für Commoning erkämpfen und ausbauen.

Nachtrag vom 18.11.: Sehr wichtiger Vortrag von Daniele Ganser über die verschiedenen Arten von Corona-Angst; bei mir überwiegt bisher die Diktatur-Angst. Besser ist es in jedem Fall, sich nicht von Angst welcher Art auch immer leiten zu lassen.

Schenken

Spenden

Suchen

Archiv

Browse Archives