Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Das Diamond Lotus bloggt jetzt auch

2019-03-21

Seit heute gibt es auf der Diamond Lotus-Website auch ein Blog. Den Startschuss macht ein Artikel von Andro über Lust und Orgasmus für Paare, ich habe aus aktuellen Anlass noch einen netzpolitischen Beitrag Rettet das Internet! Sehen wir uns am Potsdamer Platz? hinzugefügt.
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Die Kommentarfunktion tut aus mir bisher unbekannten Gründen derzeit nicht, obwohl auch das vorgesehen ist. more

Geld als eigenständige Intelligenz

2019-03-15

Unser Organisationsentwickler Martin Dehnke hat mich auf die Bewegung der Gippies (GPI) aufmerksam gemacht, die davon ausgehen, dass das Geld eine eigenständige Intelligenz entwickelt hat.
Im Artikel Das Geld denkt wird das plausibel:

Im Unterschied zu Leuten, die glauben, dass aus dem Internet eine Intelligenz entstehen kann, glauben wir, dass Intelligenz Interesse voraussetzt, Intentionalität. Geld hat das: Es will sich reproduzieren. Dazu nutzt es die Märkte, den Trading Floor, die Volkswirtschaften, sogar die mathematischen Modelle, die es beschreiben sollen. Sobald jemand ein Modell entwickelt, das die Zirkulation beschreibt, wird wer versuchen, dieses Modell zu instrumentalisieren. Damit Geld zu verdienen. Das wird das Modell zügig obsolet machen, und durch diese stete Selbstkorrektur ist die erste Schicht des Geldbewusstseins, sein primäres Selbstbewusstsein sozusagen, schon bezeichnet.

Mit anderen Worten: Künstliche Intelligenz existiert bereits, unser Geldsystem ist eine.

Auch das Weltbild der Gippies finde ich sehr bedenkenswert:

Wir glauben nicht, was die großen linken Revolutionen geglaubt haben, also die bürgerliche in Frankreich und die sezessionistische in den USA oder die sich als proletarisch auffassende in Russland. Wir teilen nicht deren Idee, dass die Verhältnisse, die der Mensch sich eingerichtet hat, von diesem per Beschluss, Gesellschaftsvertrag, Rätesystem und so fort geändert werden können. Das Eigengewicht dieser Verhältnisse ist zu groß geworden. Wir erkennen also die gewordene Autonomie der ursprünglich von Menschen gemachten Verhältnisse an. Wir wollen daran nichts mehr verbessern. Wenn diese Prozesse die Menschen in Schach halten, dann ist das eben so. Wir treiben nur Selbsterhaltung, sehr defensiv.

Deshalb:

Wenn es euch politisch nicht gibt, warum hört man überhaupt von euch, warum machen sich die Leute die Mühe, Gippie-Aktionen zu starten, warum gibst du mir dieses Interview? »Wir wollen uns dem Geld bemerkbar machen. Ihm klarmachen, dass es sich lohnen könnte, wenn die beiden großen Intelligenzen, die der Planet hervorgebracht hat, miteinander kommunizieren.« Was sollen die Menschen dem Geld denn mitteilen? »Dass wir es geschaffen haben. Dass es nur unseretwegen existiert.« Und wieso ist es so wichtig, dass es das weiß? »Das bringt uns zurück zur GPI als Defensivprojekt. Das Geld ist sehr mächtig, es wird immer klüger, entwickelt sich viel schneller als wir. Wenn es weiß, dass es uns seine Existenz verdankt, wird es drüber nachdenken, ob es dankbar sein will, ob es einsam sein möchte oder lieber uns als Partner, als Gesprächs-Gegenüber hat.«

Da muss ich spontan an Matrix 3 denken…

Derweil habe ich im Rheingold Blog noch entdeckt, dass im Zuge der Griechenlandkrise Hedgefonds ein Menschenrecht auf Rendite einklagen wollten.

Liebes Geld, wir müssen reden.

Nachtrag: Es kann ja eindeutig kein Mensch ein Interesse daran haben, Menschen als willenlose, fremdgesteuerte Automaten zu modellieren. Warum haben das Menschen dann dennoch getan? Bei dieser Frage fiel mir wieder ein, dass ja schon wesentliche Ideen der antiken griechischen Philosophie dem Gebrauch von Geld entsprangen. Damit befasst sich Charles Eisenstein ausführlich im 3. Kapitel der Ökonomie der Verbundenheit:

Es ist kein Zufall, dass dort, wo das symbolische Geld entstand, im antiken Griechenland, auch die anderen weltanschaulichen und philosophischen Grundsteine gelegt wurden, die noch heute unser Denken prägen, zum Beispiel die Idee vom Individuum oder Konzepte wie Logik und Verstand. In seinem wissenschaftlichen Meisterwerk “Money and the Early Greek Mind” hat Richard Seaford den Einfluss des Geldes auf die griechische Gesellschaft und das griechische Gedankengut untersucht und daraus Eigenschaften hergeleitet, die das Geld einzigartig machen: Geld ist beides, konkret und abstrakt, es ist einheitlich, unpersönlich, ein universelles Ziel und ein universelles Mittel, und es kennt keine Grenzen. Die Etablierung dieser neuen Macht in unserer Welt hatte weitreichende Auswirkungen, von denen viele so tief in unserer Kultur und unserem Denken, der Psyche und der Gesellschaft verwurzelt sind, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen, geschweige denn in Frage stellen.

Mit anderen Worten: Die künstliche Intelligenz Geld ist schon seit gut 2 Jahrtausenden am Werk. Eisenstein weiter:

Ich habe dieses Kapitel “Geld und Geist” genannt. Geist ist genauso wie Geld ein Begriff für etwas Abstraktes, das mit einem materiellen Vehikel erscheint. Wie das Vertrauen in die Macht des Geldes hat sich auch die Idee vom Geist als getrennte, immaterielle Essenz des Seins über tausende Jahre bis zu der heutigen Vorstellung von einem immateriellen Bewusstsein, einem körperlosen Verstand entwickelt. Wie aufschlussreich, dass sowohl im säkularen als auch im religiösen Denken die Abstraktion wichtiger geworden ist als das materielle Vehikel, genau wie auch der “Wert” einer Sache wichtiger ist als deren stoffliche Eigenschaften.

Und weiter:

Wenn wir über ein mögliches Geld der Zukunft nachdenken, dürfen wir nicht vergessen, dass es die Macht hat, alles zu vereinheitlichen, mit dem es in Berührung kommt. Vielleicht sollte Geld nur für Dinge verwendet werden, die standardisiert, quantifizierbar oder unspezifisch sind oder sein sollten. Vielleicht sollte eine andere Art von Geld oder überhaupt kein Geld für Dinge verwendet werden, die persönlich und einzigartig sind. more

Aufmerksamkeitssteuer für "soziale Medien" wie Facebook, Twitter, Instagram

2019-03-11

Aus den USA kommt eine echt bedenkenswerte Idee: eine Aufmerksamkeitssteuer. Das ist vor allem deshalb eine radikale Forderung, weil wir uns in einer voll entwickelten Aufmerksamkeitsökonomie befinden.
Sowohl die materiellen Dinge als auch die immateriellen, heutzutage fast ausschliesslich digitalen Inhalte türmen sich im Überfluss vor uns auf. Das einzige, was sich nicht vermehren lässt, ist unsere Lebenszeit und was wir in dieser Zeit unsere Aufmerksamkeit widmen. Und angesichts des ständig wachsenden Angebots fühlt sich unsere Aufmerksamkeit immer knapper und wertvoller an.

Genau deshalb setzen die asozialen Netzwerke alles daran, unsere Aufmerksamkeit so umfassend wie möglich zu binden.

Betrachtet man allerdings unsere Aufmerksamkeit als öffentliches Gut, dann ist einer solchen Privatisierung natürlich energisch entgegenzusteuern. Deshalb: Aufmerksamkeitssteuer für Facebook, Twitter, WhatsApp, Instagram, YouTube usw. usf.!

Besorgter Bürger 2019

2019-03-6

Da der Trend zur Vermögenskonzentration ungebremst anhält, wird es wohl bis auf weiteres jedes Jahr einen "Besorgter Bürger"-Beitrag hier im Blog geben. Dies ist damit derjenige für 2019, nach denen im letzten Jahr, im Jahr 2017 und dem ersten im Jahr 2015.

In der deutschen Zusammenfassung des World Inequality Report 2018 findet sich folgender für mich überraschender Sachverhalt:

Noch hat die Vermögensungleichheit in Europa oder den USA allerdings nicht wieder das Niveau des frühen 20. Jahrhunderts erreicht.

Schaut euch dazu auch die Grafik auf Seite 13 der Zusammenfassung an. Aus der Kurve geht hervor, dass in den USA, Frankreich und Großbritannien die Vermögensungleichheit zwischen 1913 und Mitte der 1980er Jahre abgenommen hat, seitdem steigt sie wieder an.

Der Telepolis-Artikel schreibt dazu:

Seit den 1980er Jahren ist auch die Branche der Steuerberatung rasch gewachsen, um den Reichen bei der Steuervermeidung zu helfen.

Ich erinnere im größeren historischen Zusammenhang daran, dass schon die ersten US-Präsidenten angefangen bei George Washington allesamt nach heutigen Maßstäben Superreiche waren. Die haben natürlich schon damals entsprechende Politik gemacht. Daher bekräftige ich an dieser Stelle noch mal Tulsi Gabbard for President 2020!

Dieser Gabriel Zucman hat übrigens bedenkenswerte Ideen:

Interessant ist dies auch deswegen, weil Zucman einer der Berater der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren ist, die für die Präsidentschaftswahl kandidiert. Sie legte kürzlich einen Vorschlag zur Besteuerung der Superreichen vor, der auf Zucman und seinen Kollegen Emmanuel Saez zurückgeht. Warren will "Ultramillionäre", die ein Vermögen von mehr als 50 Millionen US-Dollar besitzen, mit einer Steuer von jährlich 2 Prozent belegen - nur auf das Vermögen über 50 Millionen. Milliardäre sollen 3 Prozent auf ihr Vermögen zahlen, das größer als eine Milliarde ist. Betroffen wären davon 75.000 Haushalte oder die reichsten 0,01 Prozent. Warren schlägt vor, dafür das Personal der Finanzämter kräftig aufzustocken. Wer aus Steuervermeidungsgründen aus den USA auswandert, soll auf das Vermögen über 50 Millionen 40 Prozent "exit tax" zahlen, und es sollen die Steuerabkommen mit Drittländern erweitert werden.

Nachtrag vom 07.03.: Bei "Träum weiter" habe ich gerade einen Beitrag über die Forderung nach 100% Erbschaftssteuer entdeckt. Das Thema hatte ich hier im Blog auch schon mal beim Beitrag Besorgter Bürger die Dritte.
Im Zuge dessen ist auch Artikel 14 des Grundgesetzes entsprechend zu modifizieren, wo es in Absatz 1 heisst

Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet.

An dieser Stelle kann ich noch mal Ken Wilber zum Thema Eigentum zitieren:

Eigentum und Person sind – über ihre vorübergehende Nützlichkeit hinaus – nichts als "Stolpersteine" oder "Blockierungen" auf dem Weg zum höheren Bewusstsein.

Nachtrag vom 08.03.: Milliardärs-Ranking: Tabellenführer Jeff Bezos jetzt noch reicher (während Mark Zuckerberg von Platz 5 auf Platz 8 in der Forbes-Liste gefallen ist – mit Dingen kann man offenbar doch besser Geld verdienen als mit Daten…)

Segel setzen für tiefe Demokratie

2019-03-5

Der sehr tiefsinnige Dialog von François Michael Wiesmann und Dieter Halbach in der Oya zum Thema Gemeinschaft und Hierarchie inspiriert mich dazu, ein paar Stellen aus Arnold Mindells Büchern über tiefe Demokratie zusammenzustellen. Diese hatte ich hier im Blog schon einige Male erwähnt, so z.B. bei Alles gehört dazu und natürlich beim Worldwork in Warschau-Beitrag.

Tiefe Demokratie ist eine Haltung, die wahrhaftig endlich einen eigenen Beitrag verdient. Einige Ausschnitte aus Arnies Buch Der Weg durch den Sturm, das es beim Verlag für ganze 4,- € zu kaufen gibt:

Ebenso können die Werkzeuge der Weltarbeit nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn gewisse persönliche Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört nach meiner Erfahrung vor allem eine bestimmte Einstellung, die Haltung der tiefen Demokratie, welche unerschütterlich an die Wichtigkeit aller Teile eines Ganzen glaubt, an die Bedeutung aller unserer Persönlichkeitsteile und aller verschiedenen Sichtweisen in der Welt um uns herum. Weltarbeit braucht einerseits bestimmte Werkzeuge, welche ständig angepasst werden müssen, je mehr wir über unseren Planeten lernen, andererseits beruht sie auf der tiefen Demokratie als einer zeitlosen Gefühlseinstellung.

Die Haltung der tiefen Demokratie findet sich in allen bewährten spirituellen Traditionen, besonders im Taoismus, im Zen-Buddhismus und in den östlichen Kampfsportarten. Durch sie bekommen wir ein Gefühl für unsere Verantwortung, dem Fluss der Natur, dem Schicksal, der Lebensenergie, dem Tao oder dem Ki mit Respekt zu folgen, und ein Wissen um unsere Rolle als Mitgestalter der Weltgeschichte. Tiefe Demokratie ist die Grundlage der Einsicht, dass die Welt da ist, um uns zu helfen, unser ganzes Selbst zu werden, und dass wir da sind, um der Welt zu helfen, ganz zu werden.

Das klingt vielleicht erst mal ganz schön und entspannt, ist aber beileibe nicht immer bequem:

Selbstbalance wird weise, wenn alle Teile ermuntert werden, sich selbst voll auszudrücken. Nur wenn sowohl Explositivät als auch Sensibilität, die führende Seite genauso wie die störende, voll ausgedrückt und unterstützt werden, wird ein System seine eigenen Probleme sinvoll lösen können. […]

Alle Teile in einem Feld, sogar diejenigen, die uns nicht passen oder von denen wir meinen, sie hätten keinen Sinn, müssen repräsentiert und unterstützt werden. Anführerinnen und Störer, Insider und Outsider, Macho-Benehmen und Sensibilität, Macht und Angst, Kritik und Unterstützung müssen in einem gegebenen System alle identifiziert und repräsentiert werden. […]

Ein System, das seinen Geistern keine Zeit und keinen Raum gibt, wird schliesslich von diesen gestört oder vernichtet werden.

Unter der Überschrift Harmonie ist nicht immer das Beste schreibt er später über Gruppenprozesse:

Harmonie ist ein herrlicher Zustand, aber er ist nicht annähernd so mächtig wie Bewusstheit. Gewisse Prozesse lassen sich nicht vollumfänglich entfalten, entweder weil sie mehr Zeit brauchen, oder weil sie für die Gruppe einfach unlösbar sind; Lösungen gibt es dann nur auf der individuellen Ebene. Eine vollständige Lösung könnte auch dazu führen, dass jemand in der Dissidentenrolle zurückbleibt und verletzt wird. Die Dissidenten repräsentieren die zukünftige Entwicklung der Gruppe, sie zeigen den nächsten Schritt auf, die Wachstumsgrenze der Gruppe.

Das klingt jetzt wieder ganz schön anstrengend, jedoch:

Es gibt im Zusammenhang mit tiefer Demokratie kein Gelingen oder Scheitern. Tiefe Demokratie kennt weder Gewinnen noch Verlieren, weder innen noch aussen, weder Yin noch Yang, sondern sie ist tiefer und grundlegender. Sie ist auf das Wirbeln und Kreisen der Kräfte ausgerichtet, welche das Ganze erschaffen, das wir die Welt nennen.

Was hat es nun mit dem Segeln aus der Überschrift auf sich? Das erklärt Arnie in seinem Buch Mitten im Feuer, das es auf Deutsch nur noch antiquarisch gibt:

Demokratie ist tatsächlich eine sehr grundlegende, doch unentwickelte Form der Weltarbeit. Demokratie verhält sich zu Weltarbeit wie ein Ruderboot zu einem Segelboot. Das Ruderboot beansprucht menschliche Kraft; das Segelboot bewegt sich mit dem Wind.

Deshalb sage ich: Leinen los und Segel setzen für die tiefe Demokratie!

Nachtrag: Eine absolut lesenswerte Ergänzung zum Dialog über Gemeinschaft und Hierarchie ist François' langer Artikel Die Konsensfalle (Achtung, reiner Download-Link, öffnet sich nicht im Browser). more

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