Schlagwort: integral

  • Veröffentlicht am

    (K)Eine Wahlempfehlung


    Eine Woche vor der Bundestagswahl gebe ich in meinem Blog explizit keine Wahlempfehlung. Das würde der Idee einer freien & geheimen Wahl nämlich ohnehin widersprechen. Natürlich kann ich meinen persönlichen Standpunkt darstellen; der ist allerdings auch komplex. Zunächst mal werdet ihr vermutlich mitbekommen haben, dass ich im Mai diesen Jahres Mitglied der Basisdemokratischen Partei Deutschlands geworden bin. Die Gründe dafür sind bis heute die gleichen geblieben. Schon damals bezeichnete ich das allerdings als paradoxe Intervention, denn ich bin ja in erster Linie Anarchist. Als solcher lehne ich den Staat grundsätzlich ab, auch wenn er sich demokratisch gibt, weshalb ich im Jahr 2014 den Beitrag Stell dir vor, es ist Wahl, und niemand geht hin schrieb. An dieser Stelle kann ich deshalb noch mal Ton Steine Scherben mit ihrem Klassiker Keine Macht für Niemand zitieren:
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    China ist... anders


    Zu Beginn dieses Beitrags bekenne ich, dass ich von China bisher kaum eine Ahnung hatte und zu großen Teilen westlicher Propaganda aufgesessen war (dies gilt insbesondere für meine bisherige Einschätzung des chinesischen Social Credit Systems). Auch jetzt fange ich gerade erst an, mich vorsichtig in die chinesische Kultur einzuschwingen, so weit mir das hier aus der Ferne überhaupt möglich ist. Deshalb danke ich all den Menschen, die viel tiefer eingetaucht sind und ihre Erlebnisse und ihr Wissen weitergeben in Sprachen, die ich verstehe. Je mehr ich mich nun damit beschäftige, um so deutlich wird mir, dass die chinesische Kultur schon vor Jahrtausenden an einigen Weggabelungen anders abgebogen ist als die indoeuropäische Kultur. Deshalb die Überschrift. Und weil wir hier von einer jahrtausendealten, sehr weit entwickelten Kultur reden, kann ich in diesem Beitrag nur anreißen, was es da zu entdecken gibt.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Wehret den Anfängen II


    Schon vor einiger Zeit hatte ich mein Entsetzen darüber geäußert, dass die Linken seit Beginn der “Pandemie” fast geschlossen auf Regierungslinie sind. Ungefähr genau so fassungslos bin ich, dass das bei den Nerds von Chaos Computer Club, Piraten, Digitalcourage, Netzpolitik.org & Co. ganz ähnlich aussieht. Dabei wird doch gerade im Eiltempo und global ein Überwachungs-Regime hochgezogen, dass George Orwell in seinem Grab rotiert. Vergleiche dazu z.B. die Website Wie soll es weitergehen? Schon in meinem allerersten Corona-Beitrag hatte ich in einem Nachtrag Noah Yuval Harari in der NZZ zitiert. Der ist zwar total dem megatechnischen Pharo verfallen, warnte aber völlig zu Recht schon am 23.03.2020: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ermächtigte den Geheimdienst, Überwachungsinstrumente, die er gewöhnlich für den Kampf gegen Terroristen braucht, zum Tracken von Viruskranken zu verwenden.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Meine Foucault-Begeisterung hat einen Dämpfer bekommen


    Mein Dank für die Inspiration, Michel Foucault kritisch zu hinterfragen, geht an die Freie Linke (siehe auch Puh, es sind doch nicht alle Linken staatstreu geworden). In deren Telegram-Kanal wurde ich auf die Beiträge von Gabriel Rockhill bei The Philosophical Salon aufmerksam. Angefangen habe ich dabei mit seinem Artikel über das Interesse der CIA an französischen Intellektuellen wie Foucault. Das dort besprochene deklassifizierte Paper France: Defection of the Leftist Intellectuals habe ich nicht mehr bei der CIA selbst gefunden, aber bei winter oak. Warum sollte die CIA den Poststrukturalismus für die eigenen Ziele nützlich finden? Rockhill schreibt dazu: Even theoreticians who were not as opposed to Marxism as these intellectual reactionaries have made a significant contribution to an environment of disillusionment with transformative egalitarianism, detachment from social mobilization and “critical inquiry” devoid of radical politics.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Ein wunderbar heiter-skeptischer Blick auf die integralen Theoretiker


    Sorry für den etwas sperrigen Titel, er fasst für mich zusammen, was und wie Jascha Rohr in seinem Artikel Grün ist nicht gleich Gelb! über die Selbstverortung der meisten integralen Denker schreibt. Meine Selbstverortung findet ihr übrigens im Beitrag Meme Wars am Beispiel Fefe vs. Feminismus, und darin auch die ersten sechs vMeme von Spiral Dynamics kurz beschrieben. Hilfreich finde ich auch die dort verlinkten Stufen der Selbst-Entwicklung von Susanne Cook-Greuter, weil sie beschreibt, wie mit jeder Stufe eine umfassendere Perspektive eingenommen werden kann. Genau das ist auch der Knackpunkt, den Jascha Rohr herausarbeitet: In diesen Diskussionen fällt mir jedoch seit langem ein interessantes Muster auf: viele Menschen, die per Definition ihr Zentrum der Gravitation beim grünen Mem haben, bezeichnen sich und ihre Methoden und Haltungen als integral: also wahlweise als gelb oder türkis – oder sogar darüber hinaus.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Menschheit neu denken


    Gerade komme ich von einer ausgedehnten Runde durch Schöneberg zurück. Angesichts meiner Demokratie-Panik habe ich mir nämlich gedacht, da hilft jetzt nur noch eine weite Perspektive, & dafür helfen mir solche tatsächlichen weiten Runden zu laufen. Angefangen habe ich auf meiner Runde damit, die Menschheit als Superorganismus zu denken. Dabei stieß ich allerdings an Grenzen. Denn der Vergleich mit einem Organismus hinkt an etlichen Stellen. Als nächstes wurde mir klar, dass die Metapher (Super-) Organismus sich nicht mit der Metapher Staat verträgt, denn ein Organismus besteht aus Gruppen von sehr unterschiedlichen Zellen. Ein Staat besteht aber jeweils aus Mitgliedern genau einer Spezies; das gilt auch für Insektenstaaten. Denken wir die Menschheit als globalen Staat mit Weltregierung, dann geht das nicht zusammen mit der Menschheit als Superorganismus.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Evolution: sinnvoll oder unsinnig?


    Beim Lesen von Thomas Metzingers Buch “Der Ego-Tunnel” fiel mir immer wieder auf, wie nachdrücklich er betont, dass die natürliche Evolution weder ein Ziel noch eine Richtung hat. Im 2. Kapitel schreibt er dazu: Zunächst dürfen wir nicht vergessen, dass die Evolution von Zufallsereignissen angetrieben wird, dass sie keine Ziel verfolgt oder eine Richtung besitzt und dass sie das, was uns heute als eine kontinuierliche Optimierung von Nervensystemen erscheint, in einem blinden Vorgang von Variation des Erbguts und Selektion durch die Umwelt geleistet hat. Es ist falsch, anzunehmen, dass die Evolution Bewusstsein erfinden musste – im Prinzip hätte es auch ein nutzloses Nebenprodukt sein können. Zu keinem Zeitpunkt gab es so etwas wie eine Notwendigkeit. Darin unterscheidet sich die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie grundsätzlich von “spirituellen” Evolutionstheorien wie der von Ken Wilber, denn Wilber postuliert mindestens eine Richtung der Evolution, nämlich hin zu mehr Komplexität und mehr Bewusstheit.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Echte Anarchisten essen kaum Getreide


    Wieder mal so eine seltsame Überschrift. Was hat das eine mit dem anderen zu tun, fragt ihr euch jetzt vielleicht. Nun, eine ganze Menge – und darüber kann meines Wissens keiner besser Auskunft geben als James C. Scott. Der macht gerade in Oya-Kreisen die Runde, im Beitrag Zukunft säen, Lebendigkeit ernten aus Ausgabe 50 wurde ich so richtig auf ihn aufmerksam. Dieser Ausschnitt aus dem Artikel fasst gut zusammen, worum es geht – und erklärt den Zusammenhang von Getreide und Anarchismus: Der Autor fragt darin, warum die frühen Kulturen um 3000 vor unserer Zeitrechnung, die im Mittelmeerraum die ersten großen Städte errichtet haben, ausgerechnet Getreide zum Grundnahrungsmittel erkoren hatten. Getreide beansprucht den Boden stark, ist krankheitsanfällig und macht im Anbau wie in der Verarbeitung viel Mühe.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Es gibt keinen Naturzustand


    Dieser Andreas Weber schreibt echt immer genialere Sachen. In der aktuellen Oya führt er unter der Überschrift Essbar sein aus, warum der Glaube an ein “Paradies”, an einen “unberührten Naturzustand” der frühen Menschheit, eine Illusion ist. Damit nähert er sich sehr Ken Wilber in dessen Buch Halbzeit der Evolution an, das hier ja schon mehrfach Thema war. Ein paar Ausschnitte: Wo der Mensch auftauchte, veränderte er die Natur radikal. Vieles spricht dafür, dass die ersten Bewohnerinnen und Bewohner Nordamerikas die ursprüngliche Megafauna, elefantenähnliche Mastodonten und gewaltige Faultiere, haben verschwinden lassen. Damit wären auch sie, die oft als Beispiele für die Möglichkeit perfekter Harmonie mit der Natur herhalten müssen, Nachfahren eines ersten Akts ökologischer Dominanz. Die ökologisch folgenreichste Technik, die oft nicht in ­Betracht gezogen wird, war das Feuer.
    Weiterlesen…
  • Veröffentlicht am

    Selbsteigentum als evolutionäre Errungenschaft


    Das Beispiel Selbsteigentum verdeutlicht wohl noch besser als das Patriarchat, wie Ken Wilbers Buch Halbzeit der Evolution meine Sichtweise auf verschiedene Themen verändert hat. In meiner Auseinandersetzung mit den Voluntaristen hatte ich im Beitrag Eigentum als Instrument von “Teile und herrsche” noch von einer esoterischen Angelegenheit namens “Selbsteigentum” geschrieben, mit Verweis auf Hans-Herrmann Hoppes Buch Eigentum, Anarchie und Staat. Vielleicht lese ich das im Anschluss an Wilber doch mal. Was hat nun meinen Sinneswandel ausgelöst? Nun, ich staunte nicht schlecht, als ich bei Wilber im 15. Kapitel las: So wie gewaltfreie Anerkennung und Schutz von Eigentum nur vom Gesetz garantiert wurde, so wurden schwerwiegende Verletzungen der Personalität durch gesellschaftliche Konvention verboten. Eigentum an Gütern war nicht mehr nur den stärksten oder aggressivsten Menschen vorbehalten, sondern jede Rechtsperson hatte legales Recht auf Besitz, den sie durch eigenen physischen Austausch (oder sekundär durch Handel) erworben hatte.
    Weiterlesen…