Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Eigentum als Instrument von "Teile und herrsche"

2013-10-10

Seit einigen Monaten setze ich mich mit den Voluntaristen bzw. Libertaristen auseinander (vorrangig auf der Website FreiwilligFrei), deren Schlussfolgerungen ich größtenteils teile. Sie streben kurz gesagt eine Gesellschaft an, die auf vollkommener Freiwilligkeit aller Menschen beruht, also eine Gesellschaft ohne Zwang.
Das tue ich auch. Was mir allerdings große Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass Volutaristen dabei ausschließlich vom Konzept des Eigentums (sowie einer esoterischen Angelegenheit namens "Selbsteigentum") ausgehen, welches ich ja bekanntlich für nicht hilfreich, sondern eher unsinnig halte. Exemplarisch findet man diese Begründung in Kapitel 4 von Hans-Herrmann Hoppes Buch Eigentum, Anarchie und Staat.

Im folgenden will ich darlegen, warum das Konzept des Eigentums nicht nur nicht hilfreich, sondern zur Begründung einer Gesellschaft ohne Zwang sogar kontraproduktiv ist. Denn letzten Endes ist (Privat-) Eigentum nichts anderes als das Prinzip von Teile und Herrsche. Dieses Prinzip besteht darin, dass man Menschen gezielt dahin treibt, sich unterschiedlichen und gegeneinander gerichteten Interessengruppen zuzuordnen. Damit wird verhindert, dass sich diese Menschen für eine gemeinsame Sache zusammentun. Wie die Scherben so schön singen: Allein machen sie dich ein.
Das Konzept von Eigentum macht nun in letzter Konsequenz jede und jeden zu einer 1-Personen-Interessengruppe gegen den Rest der Welt mit dem Ziel, das jeweilige Eigentum zu bewahren und zu vermehren. In der Ökonomik nennt sich das Homo oeconomicus oder rationaler Nutzenmaximierer und ist die Grundlage der gesamten neoklassischen Wirtschaftstheorie.

Um es noch mal mit einfachen Worten zu betonen: Eigentum ist das, was Menschen voneinander trennt, der Unterschied zwischen "meins" und "deins".
Und wie David Graeber überzeugend darlegt, beruht es historisch auf äußerst gewaltsamer physischer Trennung von Menschen sowohl voneinander als auch von ihrer materiellen Lebensgrundlage.

Dagegen hilft das Motto, das ich 2005 für die Alternativen Genossenschaftstage verwendet habe: Bildet Banden!
Neben den Genossenschaften ist dabei vor allem die wachsende Commons-Bewegung zu nennen. Die Leute, die sich darüber Gedanken machen, entwickeln vielfältige Konzepte, wie Menschen gemeinsam ihr Leben und ihre Ressourcen gestalten können, als Beispiel empfehle ich einen Artikel von Stefan Meretz.
Natürlich darf die Freie Kooperation an dieser Stelle nicht fehlen, ein weiteres Konzept, das realistischerweise auch den Faktor Macht berücksichtigt und bestrebt ist, diese auszubalancieren. Das geht nur, indem wir Macht und Einfluss beständig neu verhandeln. Sobald etwas als Gegeben hingenommen und nicht mehr hinterfragt werden soll, so wie im Volutarismus das Eigentum, schleicht sich Herrschaft durch die Hintertür ein.

Update vom 27.01.2015: Patrick Siebert hat sich bereits im November 2013 ebenfalls ausführlich mit dem Voluntarismus auseinandergesetzt. Da hat er ihre Argumentation wesentlich umfassender auseinandergenommen als ich hier. Den Aspekt von Eigentum als Teile und Herrsche habe ich dennoch dort ergänzt.

Update vom 01.10.2015: Martin Finger hat einen Artikel geschrieben, der das Prinzip Eigentum sehr gründlich auseinandernimmt: Wem gehört die Sonne?

Update vom 17.12.2015: Ich gebe es auf, mit Voluntaristen zu diskutieren.

5 Responses to Eigentum als Instrument von "Teile und herrsche"

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5 Comments

  • Danke für den exzellenten Beitrag!

  • Kann man ohne ein Verständnis von Eigentum denn überhaupt operieren? Ich reagiere auf deinen Beitrag, du liest meinen Beitrag. Kann man das auch ohne diese "trennenden" Konzepte tun? Ich glaube nicht. Wir sind m. E. insofern immer schon getrennt, als unser Wille uns nur erlaubt, unseren Körper zu steuern, nicht aber den eines Anderen, dem es genauso geht. Ich kann meine Gedanken mit meinen Fingern hier eintippen, du hast das mit deinen Fingern oben getan. Insofern sind wir getrennt, und das ist auch gut so, sonst gäbe es diesen Austausch hier nicht. Das meint "Selbsteigentum". Aus dieser Getrenntheit entstehen wunderbare Dinge, wir können tauschen, Sachen und Dienstleistungen, wieso nicht auch Goldstücke oder Währungspapier? Solange der Tausch freiwillig erfolgt, haben wir doch beide gewonnen. Das wäre meine Werbung für die Beibehaltung von Eigentum.

    #1312 | Comment by Heiko Cochius am Okt 25, 2013 11:27pm
  • Ein anderer Punkt wäre die Kritik an Ansätzen, die ohne Eigentumsbegriff auskommen wollen. Wie wird dann geregelt, wer was benutzen darf? Wie wir geregelt, wer von welcher Investition profitiert? Wenn es nicht geregelt ist, werden die Geschicktesten davon profitieren, das wäre total ungerecht. Wenn es geregelt ist, ist die Frage, wer letztlich zum Entscheider bestimmt wird, der ist dann doch der Eigentümer - oder meinetwegen der Treuhänder, der das Sagen hat. Wenn es eine Gruppe ist, die entscheidet, mindert das den Wert der Güter, denn die Gruppe muss sich im Streitfall immer erst einigen, wie die Güter verwendet werden. Das fällt mir mit mir selbst schon schwer genug. Ich will darauf hinaus, dass es immer jemanden geben wird, der über die Verwendung von Gütern bestimmt, das ist in meinen Augen der Eigentümer. Ich wüsste nicht, wie man das umgehen könnte.

    #1313 | Comment by Heiko Cochius am Okt 25, 2013 11:32pm
  • @Heiko: Meinetwegen kannst du gerne am Begriff von Eigentum festhalten, ich finde die Verwendung des Begriff überstrapaziert, aber das ist für die Praxis irrelevant.
    Was die Regeln angeht, da halte ich es mit der Freien Kooperation. Die ist sicher nicht so "effizient" wie eine reine Eigentumsgesellschaft, aber Effizienz taugt in meinen Augen nicht als Wert, sie sollte immer nur nachgelagert sein.

  • Grundsätzlich stimmt es. Wenn ich die Konsequenz in kauf nehme, getötet, gefoltert, eingesperrt, ausgesperrt zu werden, dann bin ich immer frei. Frei in der Entscheidung. Aber dann leben wir ohnehin schon in einer völlig freien gesellschaft ... was wollen denn dann noch die Anarchisten erreichen? Wir haben sie ja schon, die totale Freiheit.
    Völlig ausklammern tun wir z.B. die Verantwortung für das Wohl unserer Kinder. Aber hier kann man sich auch auf die Reinkarnationstheorien berufen, wo sich die Kinder freiwillig eine Familie ausgesucht haben, die sich lieber töten lassen, als die Kinder zu versorgen.

    #1316 | Comment by Walter Siebert am Nov 30, 2013 04:58pm

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