Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Saldenmechanik und Guthabenkrise

2013-08-22

Alle Welt redet von der Schuldenkrise, dabei haben wir natürlich spiegelbildlich auch eine Guthabenkrise, was aber fast niemand sehen will. Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellen sich nämlich viele Sachverhalte ganz anders dar als aus der betriebswirtschaftlichen Einzelsicht.
Die volkswirtschaftliche Saldenmechanik von Wolfgang Stützel befasst sich im Wesentlichen mit der Anwendung buchhalterischer Grundsätze auf die Volkswirtschaft. Zu jeder Buchung gibt es eine Gegenbuchung; des einen Schulden sind des anderen Vermögen, und umgekehrt.

Wiederum über die Geldsystempiraten habe ich mich nun ausgiebig mit der Saldenmechanik befasst. Als Einstieg dient dabei Jörg Buschbecks Video im Vorfeld des Mumble-Grillfestes.

Über Schattenarbeit hatte ich ja letztens schon im Zusammenhang mit den Geheimdiensten geschrieben.

Sein Konzept der Monetative hatte ich im Beitrag über das Vollgeld als brauchbare Alternative kurz angedeutet, heute gibt's die Einzelheiten. Die Mumble-Podiumsdiskussion bei den Geldsystempiraten geht über 2 Stunden, lohnt sich aber genau so wie der Mumble-Mitschnitt zum Zins. Meine Lieblingsformulierung ist die von den Geldsystempiraten als "Breitband-Anti-Idiotikum". :-D

Auch ein Grundeinkommen gehört zu seinem Konzept der Monetative. Aber der entscheidende Punkt, der einem in der westlichen Welt sozialisierten Menschen wohl am stärksten widerstrebt: Sparzinsen werden komplett abgeschafft. "Geld anlegen" lohnt sich daher überhaupt nicht mehr, investieren (in die Realwirtschaft!) hingegen sehr wohl. Das Verdienst von Wolfgang Stützel & nun auch Jörg Buschbeck ist es, dass sie auf Sparen als Problem hinweisen, wo alle anderen das Sparen immer nur in den höchsten Tönen loben. Umgekehrt ist die ach so böse Staatsverschuldung gar nicht schlimm, sondern im Gegenteil der Garant der privaten Vermögen.
Das Problem des Zinseszinses wäre mit der Buschbeckschen Monetative automatisch auch aus der Welt.

China demonstriert übrigens sehr gut, dass die Staatsschulden exakt in dem Maße steigen wie die privaten Vermögen, und außerdem dass Schulden auch quasi "exportiert" werden können, denn China hat zur Zeit eine Sparquote von 50% des BIP. Das führt zu einem extrem hohen Leistungsbilanzüberschuss, was nichts anderes heißt als dass sich der Rest der Welt bei den Chinesen verschuldet. Die chinesische Regierung steuert nun aber durch Ankurbelung der Binnennachfrage massiv gegen - etwas, das Deutschland auch mal gut täte.

Weitere gute Infoseiten zur Saldenmechanik sind die von Wolfgang Waldner sowie Klaus Wicherts Seite pinkepinke. Sehr praktisch zum Weitersagen ist die Saldenmechanik to go auf einer Seite. Klaus Wichert bloggt auch unter der gleichen Überschrift.

Außerhalb des Internet scheint die Saldenmechanik selbst in Deutschland kaum bekannt zu sein, immerhin erwähnt die Zeit sie lobend in einem Online-Artikel. Auch unter Wirtschafts"wissenschaftlern" werden die trivial-arithmetischen Zusammenhänge aus der doppelten Buchführung wohl weitgehend ignoriert.

1 Response to Saldenmechanik und Guthabenkrise

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1 Kommentare

  • Haben wir eine „GUTHABENKRISE" Herr Jörg Buschbeck und Neo-Gesellianer (Helmut Creutz, Andreas Popp) et al?

    Warum die ERSPARNISBILDUNG für das Funktionieren des kapitalistischen Systems sehr wichtig ist und warum Banken SPARER für ihre RE-FINANZIERUNG brauchen.

    Ich komme hier zu dem Schluss, dass wir keine Guthabenkrise haben und es sich dabei eher um ein typisches Oxymoron der Neo-Gesellianer handelt, die aus Symptomen eine Ursache stricken wollen.

    Natürlich haben die Vertreter, hier insbesondere Herr Buschbeck, schon viel Mühe und vergeblich Kraft in diese Theorie gesteckt, so dass ein Zurückrudern ohne Gesichtsverlust nicht mehr möglich ist. Er verteidigt eigentlich nur noch seine Ruf, wie viele, die sich zu früh auf eine bestimmte Theorie festlegen bzw. sich irgendwie einen Namen machen wollen oder sich „auf ein Podest stellen" und meinen, man könnte mit gesellianischen Methoden den Kapitalismus irgendwie „reparieren". Die einzige Reparatur ist jedoch die Abschaffung dessen. Ansonsten lassen sich aus der Saldenmechanik keine Kausalitäten ableiten bzgl. globaler Einkommens-/Eigentumsverteilung, Machtverteilung, Akkumulationen, Verschuldung u.a.Probleme.

    Anhand der Saldenmechanik lassen sich triviale Aussagen machen, dass
    z. B. Sparen die Verschuldung erzwingt, unter der Prämisse, dass „die Summe aller Schulden die Summe aller Guthaben ist", oder dass es ein Problem ist, wenn Schulden Termin haben und die Guthaben nicht.

    Es gibt ein Problem dabei, was mir von Anfang an sofort aufgefallen war beim Lesen der Saldenmechanik und den Thesen der Apologeten, die diese vertreten:

    a) der Fälligkeitstermin der Forderung gegen den Kreditnehmer in der Betrachtung wird zuwenig oder gar nicht berücksichtigt, was leicht zu Verwirrungen führt, bzw. wird der Vorgang des ENTsparens aus Vorperioden oder des Reinvestierens kaum berücksichtigt, was ja wiederum laufend auch „Schuldentilgungsmittel" bereitstellt und den Fälligkeitstermin neuer Schulden nach vorne rückt.

    Die („gehorteten") Guthaben fehlen erst dann zur Tilgung, wenn über den Fälligkeitstermin der (Bank-)Kredite bzw. sämtlicher Forderungen hinausgespart wird, indem sie entstanden sind. Das gleiche gilt für private Geldvermögen durch Direktkredite (Anleihen,Pfandbriefe u.a. Schuldverschreibungen) – Dabei ist es übrigens völlig egal, welche Einkommensart gespart wird, also ob es die Geldvermögenszinsen sind, die von der Bank realisierten Zinsgewinne, die Unternehmergewinne ( = Eigenkapitalzinsen) oder die Lohneinkommen sind. (Man liest ja immer mal wieder einseitig, „der Zins erzwingt angeblich die Verschuldung").

    Doch sämtliche Fälligkeitstermine der privaten Geldvermögen sind nicht bekannt bzw. verschieben sich immer wieder nach vorne. Anhand der Betrachtungen der Geldaggregate M1- M3 (z. B. in der Bundesbankbilanz) oder in der uns bekannten Grafik des Zins-Apologeten Helmut Creutz, mit der er uns verzaubern wollte, indem er zeigt, dass die Guthaben M3 gleich den Forderungen entsprechen und dass die Guthabenmenge M3 laufend gestiegen und gestiegen ist, lassen sich keine Aussagen treffen, ob und wann Schulden tilgbar sind oder nicht, oder ob generell zu viel gespart wurde.

    Summen /Bestandsgrößen zum Bilanztermin sagen halt wenig über Flussgrößen und Termine aus, d. h. wieviel getilgt wurde, wieder neue Kredite aufgenommen wurden etc. Es sagt auch nichts darüber aus, ob die Guthaben die Schulden erzwungen haben oder ob der Anstieg der Geldvermögen durch einen freiwilligen credit boom entstanden ist. (Letzteres ist bekanntermaßen wahr, wie wir wissen).

    Durch laufende Neuverschuldung werden stets alte Forderungen (Bankkredite, Anleihen etc.) auch laufend zum Termin getilgt. Es müssen also niemals alle Schulden in Summe auf einmal getilgt werden, sondern es kommt darauf an, ob es laufend freiwillige Nachschuldner gibt, die frische Liquidität ins Spiel bringen und die Guthabenhalter nicht ewig auf ihren Guthaben (M3) sitzen bleiben, was in der Realität kaum der Fall ist.

    – Wobei übrigens Guthaben mehrfache private Forderungen (Anleihen) unter Nichtbanken tilgen können, aber Bankforderungen hingegen nur einmal, denn bei Tilgung eines Bankkredits durch eine Nichtbank wird das Guthaben M1 ausgebucht in der Bankbilanz.Das Geld verschwindet ex nihilo, woher es gekommen ist. Das gleiche gilt auch für M0:
    Zentralbankgeldüberschüsse können also mehrfach herumgereicht werden zwischen den Banken und Interbankenforderungen tilgen, bis das Guthaben letztlich zum Termin bei der Zentralbank im Rahmen der Rückkaufgeschäfte wieder ausgebucht wird –

    Die Höhe der Schuldensumme ist dabei eigentlich nicht so entscheidend, sondern dass diese Kredite auch durch die Märkte regelmäßig zum Termin erfüllbar bleiben, also dass die Schuldner (finanzielle/nichtfinanzielle UnternehmerHaushalte, Staaten) solvent bleiben, indem es zum Beispiel den Unternehmern gelingt, laufend ihr Waren- und Dienstleistungsangebot so zu gestalten, dass es nachgefragt wird und sie die zukünftigen Märkte während der Kreditlaufzeit möglichst richtig einschätzen, so dass sie zahlungsfähig bleiben bzgl. ihrer Kosten. Oder dass es Staaten gelingt, stets regelmäßig ihre Steuern einzuziehen.

    Je langfristiger allerdings die Forderungen sind, desto höher ist das Risiko. Bei einer 30-jährigen Bundesanleihe zum Beispiel weiß niemand, wie der Markt in 30 Jahren aussehen wird. Ein Unternehmer aber, der einen langfristigen Ratenkredit nimmt, tilgt ja fortlaufend (Annuitäten) und wird dadurch mit jeder Tilgungsrate wieder solventer und kann sich bei Bedarf neu verschulden.
    (Solange sich natürlich der Wert seiner Pfänder nicht verringert, insofern müsste er Pfänder nachschießen oder neue Bürgschaften bringen).

    Da Wirtschaften generell niemals ohne Nachschuldner funktioniert im Kapitalismus – denn gewirtschaftet wird wegen Profit – und es stets solange freiwillige Nachschuldner gibt, solange es gelingt, seitens der Unternehmer (künstliche) Nachfrage zu schaffen und damit Märkte aufrecht zu erhalten bzw. solange es irgendwo Wachstumsmärkte gibt, können Bankguthaben oder Wertpapiere ( = Forderungen) solange gespart werden, wie auch gewirtschaftet wird. Eine schuldenlose Wirtschaft gibt es nicht, denn das wäre dann die wettbewerbslose sozialistische „Tauschwirtschaft", wo nur noch Güterberge getauscht werden, die wir gemeinsam produzieren.

    Wir können im kapitalistischen Markt auch nicht in Vorräte (Gutscheine) sparen, (mit staatlicher Garantie) wie ich schon gelesen habe, z. B. Kilowattstunde in Strom oder Fahrscheine, da auch Energieunternehmen global im Wettbewerb stehen und der Sparer gar nicht weiß, ob das Energieunternehmen überhaupt noch in 20 Jahren auf dem Markt ist. Seine Gutscheine werden wertlos. Das ist im Prinzip nichts anderes als Aktien. Zudem müsste man das dann konsequenterweise auf alle Unternehmen ausweiten, denn wir sparen ja nicht nur für Strom. Das hieße also, Verstaatlichung aller Unternehmen, wo wir dann alle gemeinsam in Gutscheine sparen. Dann wären wir im Sozialismus, wo Profite keine Rolle spielen.

    Doch kapitalistische Wettbewerbs-Wirtschaft bedeutet immer auch Vorfinanzierung, damit Güter und Infrastruktur überhaupt realisiert werden.

    Und damit sind wir auch bei der Frage der berüchtigten Wettbewerbsfähigkeit; bei der Frage von Subventionen und Schutzzöllen; bei der Frage von Economies of Scales und Scopes; bei der Frage von Lern- und Erfahrungskurveneffekten; bei der Frage von Größenvorteilen; bei der Frage von Marktanteilen; bei der Frage von Einkaufsmacht (geringere Einkaufspreise) und der Frage der Kapitalausstattung für Marketing und Werbung (höhere Verkaufspreise), der Markteintrittsbarrieren und ähnlichem mehr.

    Nichts stört den Kapitalisten bzw. den Kapitalismus mehr als Wettbewerb. Denn Wettbewerb versaut die Profite.

    Es ist ergo ein Irrtum zu glauben, alle könnten mit dem Kopf über Wasser schwimmen und wir haben alle nur noch monetäre Überschüsse bzw. haben alle keine Verbindlichkeiten in der Bilanz und tauschen uns diese monetären Überschüsse gegenseitig gegen Güter – ein Wirtschaften quasi um die schwarze Null herum und alle sind überwiegend im Plus. Doch noch sind wir nicht im Sozialismus.

    Die Frage stellt sich auch, ob nun w e n i g e r verschuldet würde, wenn mehr Überschüsse in den Konsum ENTspart würden und wenn, ob dadurch mehr „Gleichgewicht" entstünde, auch bezgl. der Außenhandelssalden im kapitalistischen System.

    b) die Saldenmechanik verleitet dazu, die Kausalität der Verschuldung leichtfertig umzudrehen, da inhärent eine Tautologie besteht. Doch an erster Stelle steht immer der Kredit, welcher ein Fälligkeitstermin hat ( = Forderungen der Geschäftsbank) und ex post entsteht in gleicher Höhe ein nullfristiges Guthaben als „Zahlungsmittel" ohne Termin, welches später wiederum von einem Sparer mit Frist belegt werden kann.

    Verschuldungs-„zwänge" (welche oftmals gar nicht aus dem Banksparen resultieren) ergeben sich aus vielfältigen Gründen, also unabhängig vom Sparen und oftmals in Verbindung mit einem credit boom und expansiver Geldpolitik, zum Beispiel:

    – ein erhöhter globaler Wettbewerbsdruck (ständiges Überbieten von neuen Innovationen) um am Markt bestehen zu bleiben, sein Eigenkapital verteidigen zu können, von daher muss oftmals hoch und langfristig vorfinanziert werden, z. B. in Forschung und Entwicklung, in modernere Maschinen oder Fuhrpark, in Dienstleistungen, um Produktionsprozesse zu optimieren u. v. a. - Es besteht ergo laufend Bedarf nach Liquidität, welche den Schuldnern als Einkommen auf dem Markt noch nicht zur Verfügung steht und diese erst im Wettbewerb über die Zeit realisieren müssen, und Unternehmer zudem keine Zeit haben, mühsam über Jahre oder Jahrzehnte Überschüsse anzusparen, um endlich die Investition zu realisieren. Bis dahin wären sie schon vom Markt.

    – generell aus dem Drang nach Profitmaximierung (in der Realwirtschaft oder am Finanzmarkt). Durch die Produktion von neuen Dingen oder durch die billigere Produktion von alten Dingen lassen sich ständig neue Gewinnmöglichkeiten verwirklichen und fordern neue Investitionen. Diese neuen Produkte und neuen Methoden konkurrieren die alten Produkte und alten Methoden nicht zu gleichen Bedingungen, sondern mit einem entscheidenden Vorsprung, der für die letzteren das Ende bedeuten kann.
    Dadurch kann es auch dazu kommen, das alte Produkte plötzlich nicht mehr genügend nachgefragt werden, weil nicht gebraucht, und die alten Kredite aber dennoch weiter bestehen (Marktänderungsrisiko).

    Kaum ein Unternehmen (es sei denn mit Monopolstellung) kann es sich leisten, Schulden tatsächlich zurückzuzahlen und sich auszuruhen. Vielmehr versucht es zu wachsen, um auf dieser Basis weitere Kredite zu erhalten ( = Hebeln des Eigenkapitals), mit Hilfe derer er seinen Betrieb laufend ausbaut und modernisiert um gute Ware zum besten Preis anbieten zu können.

    – durch Mobilität der globalen Zahlungsströme, wobei zuviel Zeit vergeht, bis die Zahlungsmittel durch Konsum oder Reinvestition wieder zurück sind beim Ursprungsschuldner. Es braucht von daher laufend auch kurzfristige Liquidität zum Überbrücken der Zeit (überwiegend über Kontokorrentkonten). Das kann man teilweise ausgleichen durch Cashpooling, kurzfristige Händlerkredite oder bi-/multilaterales Clearing.

    – Verschuldungs-„zwang" von seitens der Staaten:
    Weil die Steuerforderungen nicht übereinstimmen mit den Ausgabeplänen (Verbindlichkeiten), z. B. durch Steuerausfälle wegen Konkurrenz der Machtsysteme wie internationaler Steuerwettbewerb, laufend steigende Ausgaben durch Rüstungswettläufe, Rohstoffkriege u.ä. um inländische Profite zu sichern, wuchernde bürokratische Systeme und Verwaltungszentren (auch verursacht durch immer komplexer werdende Gesetzgebung), wegen Erkauf der Loyalität der Wähler, Prestigeausgaben u.a.

    Das bessere Bewirtschaften einer Eigentumsökonomie führt immer zu einem Gewinn an Zeit, so dass die Steuer früher als zum Termin an die Macht bezahlt werden könnte. Da die Macht mit einem fixen Steuertermin arbeiten muss, bedeutet der Gewinn an Zeit, dass private Forderungen (in Form von Geld) angehäuft werden, was den Wert der Steuer automatisch senkt.

    Nun könnte man einfach sagen, weil auf der einen Seite gespart wird fehlt auf der anderen Seite in gleicher Höhe immer das gesparte Guthaben zum Tilgen des Kredits in der Wirtschaft und alle Staatsschulden sind durch die bösen Sparer entstanden und der Staat war immer der liebe Keynesianer, der uns alle vor dem deflationären Untergang bewahrt hat, indem er als Ersatzschuldner aufgetreten ist. Im tautologischen Umkehrschluss: Würde nicht gespart, gäbe es weniger Verschuldung, was so vereinfacht aber nicht unbedingt stimmt.

    Denn ob mehr oder weniger gespart wird, ändert nichts am globalen Verteilungskampf um die Guthaben und Machtstrukturen auf dem Markt. Es verändert nur die monetäre Verteilung, weg von den Sparern hin zu den Unternehmen, was nicht unbedingt immer zum Vorteil für alle ist. Man betrachtet hier lediglich die Liquiditätsseite, lenkt damit aber von den ungleichen globalen Eigentums- und Einkommens-Strukturen ab. Würde man dies „optimieren". gäbe es mitunter keine Liquiditätskrisen und übermäßige Guthabenakkumulationen. Nun kann man die ungleichen Strukturen nicht wettmachen, indem man die Umlaufgeschwindigkeit der Guthaben erhöhen will und das Rad schneller drehen lässt.

    Einige Apologeten und „Guthabenhasser" argumentieren absurderweise sogar, der griechische Staat MUSSTE sich so hoch verschulden, weil die bösen Sparer nicht rechtzeitig zum Termin konsumiert haben, und der Staat deshalb die Arbeitslosigkeit verhindern musste und somit den unproduktiven Staatssektor aufblähen musste.

    Doch in der Realität war es ganz anders. Staaten haben sich großzügig verschuldet (über ihre Produktivität hinaus)weil sie ihre Ausgabenseite im Haushalt großzügig gestaltet haben (Prestigeprojekte, Militär, Steuerverschwendung, zu hoher Sozialhaushalt, aufgeblähter Staatsapparat usw. usf.), um wie gesagt, ihre innländischen Profite zu sichern, und die Einnahmeseite entweder vernachlässigt haben oder an die Steuern einfach nicht rankamen, weil es Steuerzahlern gelang, ihren Gewinn international im Steuerwettbewerb zu verschieben, Steuern illegal zu hinterziehen oder Gewinne klein zurechnen.
    Oder durch Klientelpolitik brauchten Unternehmen erst gar keine oder nur wenig Steuern zahlen.

    Und weil zudem einmal beschlossene Steuererleichterungen und Subventionen im Bundeshaushalt nicht so einfach rückläufig zu machen sind. Hierbei geht es natürlich auch um den Gewinn an Wählerstimmen und Lobbyismus; wer die meisten Geschenke macht, gewinnt.

    c) ENTsparen in Konsum (anstatt Sparen in Wertpapiere etc.) fördert auch die Akkumulation bei starken Unternehmen und SENKT die Vermögensbildung bei den privaten Haushalten. Es führt zudem auch zu beschleunigten Handelsbilanzdefiziten durch Import/Export von Konsumprodukten.
    China zum Beispiel hat mehr Konsumüberschüsse von der USA, als sie selbst in den USA konsumieren können. Es bleibt nur noch der Aufbau von Geldvermögen (Staatsbonds) oder Firmeneinkäufe /Eigentumsbeteiligungen, um die Dollarüberschüsse zurück in die USA zu transferieren.

    d) Sparguthaben bei der Bank werden auch neben der Neuverschuldung durch Unternehmer (wie oben genannt) zusätzlich kompensiert durch private Verschuldung (Dispokredite, Darlehen, Hypothekendarlehen u.v.a). Dadurch gelangen wieder neue Schuldentilgungsmittel in die Wirtschaft, welche alte Kredite tilgen können, wobei der Fälligkeitstermin weiter in die Zukunft verschoben wird. Oftmals haben also auch (Renten-) Sparer gleichzeitig Konsumkredite ( Dispo- oder Ratenkredite) am laufen.

    e) Die Blockierung der Tilgungsmitteln durch die Sparer erzwingt generell auch Innovation von den Unternehmern (sie müssen sich mehr „anstrengen" um up to date zu sein), und ermöglicht somit gleichzeitig durch laufende neue Kreditaufnahme auch den „Wohlfahrtsstaat", weil der Staat nun durch die privaten Bankkredite bzw. die Bilanzverlängerung der Banken (und damit spiegelbildlich die Guthaben) 1) insgesamt mehr Steuermittel bekommt, und 2) mehr Guthaben für Staatsanleihe zur Verfügung sind auf dem Markt.
    Würde der Wohlfahrtsstaat nicht existieren, würden viele Unternehmen gleich verrecken und die kreditgebenden Banken mitsamt ihren sparenden Kunden auch.

    f) Sparen ermöglicht auch mehr Kreditspielräume für eigene nationale/regionale Investitionen. (Mehr Unabhängigkeit von ausländischen Investoren). --->

    WARUM BANKEN SPARER BRAUCHEN

    Wie oben schon erwähnt, führt ein sofortige Verausgabung des gesamten Einkommensbudgets nicht unbedingt weder zur bestmöglichen Allokation
    noch zur optimalen Liquiditätsverteilung auf dem globalen

    Einige glauben leider immer noch, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hätte überwiegend einen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung, weil sie noch in Kategorien der Tauschwirtschaft denken. Wenn man das Geld schneller umlaufen liesse, also Guthaben ständig in den Konsum aufscheuchen könnte, dann würde die Wirtschaft brummen. Das ist aber debitistisch gesehen Unsinn, denn nur der Kredit treibt das Wirtschaften an, wie ich unter den Punkten a)- f) schlüssig und verifizierbar darstellen konnte.

    Es ist ein Irrtum zu glauben, man könnte zum Beispiel durch einen „Negativzins" im heutigen kapitalistischen System ( = Privatwirtschaft) eine Art Perpetuum Mobile gestalten, wo alle Guthaben immer rechtzeitig zu den richtigen Schuldnern zum Termin kommen. Also alle Guthabenhalter sollen bitte doch schleunigst und gefälligst zum Erfüllungstermin der Schuldner auf Gedeih und Verderb all das fressen, was ihnen die Unternehmer so in den Trog werfen und andrehen wollen, damit sich das Konsumrad und damit die Verwertung der Massenprodukte noch beschleunigt.

    Es ist aber Unsinn, anzunehmen, dass sämtliche Verschuldungspläne mit den Ausgabeplänen übereinstimmen könnten (das gäbe es nur in der Planwirtschaft), und dass die Wirtschaft sämtliche Guthaben aufsaugen kann. Das fängt schon damit an, dass auch viele Schuldner nur begrenzte Kapazitäten haben und einen zu hohen Cahsflow nicht auffangen können
    (z. B. Hotel hat nur 100 Betten, Restaurant hat nur 40 Tische, Industriebetrieb hat nur eine Halle mit bestimmter Anzahl Maschine, Spediteur hat nur 10 LKWs usw. usf.). Sie müssten also laufend entweder neu investieren, um zu wachsen, was aber wiederum, wie oben schon beschrieben, zu Schuldenausweitung (credit boom) führt, oder sie versuchen über Preiserhöhungen ihr Eigenkapital zu vermehren, was zu Preisinflation führt,

    Ohne Bankkredite aber auch ohne Kapitalmarktsparer oder Banksparer würde zudem ergo überall Knappheit an Liquidität und Finanzierungsmangel für langfristige Investitionen herrschen, denn Konsum /ENTsparen allein ermöglicht wie gesagt keine optimale „Pulverisierung" der Liquidität auf dem globalen Markt. Das hat auch generell mit der divergierenden Einkommensstruktur /Einkommensgefälle der Unternehmen und Haushalte zu tun, sowohl national als auch global.

    Ein Teil der Unternehmen würde zwar profitieren und ihren Cashflow und ihr Eigenkapital (auch durch Preissteigerungen !!) bzw. ihren Output erhöhen und eventuell sogar mehr Arbeitsplätze schaffen, weil ihre Kapazitäten mehr ausgelastet sind, doch das entledigt die Wirtschaft nicht von der Neuverschuldung, denn a) nun verlagern sich die entsparten und nullfristigen (!) Überschüsse, wie oben schon beschrieben, wiederum über Umwege bei den starken Unternehmen und Konzernen auf dem globalen Markt ( Beispiel USA--->China/Japan) oder bei Haushalten mit höherem Einkommen, wobei die Haushalte dann schneller gesättigt sind und wiederum anfangen, vermehrt zu sparen.

    Geben Unternehmen ihre Überschüsse nicht vollständig an die Lohnempfänger weiter oder über Steuern an den Staat, kommt es an anderer Stelle zu Finanzierungsmangel.

    Zudem haben die Überschussunternehmen ab einer gewissen Summe nicht die Möglichkeit, diese sofort und vollständig in Transaktionskasse zu verwandeln, weder über Investitionen noch über Konsum. Erst nach und nach müssen sich z. B. deutsche Exportfirmen Anlagemöglichkeiten suchen (was jetzt zum Teil dadurch geschieht, dass sie verstärkt in amerikanische oder chinesische Märkte re-investieren).

    Es entstehen als laufend irgendwo Blockaden („Vorsichtskasse"). Ganz zu schweigen von der „Spekulationskasse", wo Unternehmer ihre Überschüsse vorübergehend parken. Dazu zähle ich die kurzfristigen Arbitragegeschäfte (Spekulationen auf Kurs-/Zinsschwankungen etc.).

    Zudem können Banken im Bankenwettbewerb aus nullfristigen Geldguthaben keine langfristigen fristenkongruenten Kredite zaubern. Dazu bräuchte es eine globale Universalbank, so dass alles Geld nur in einem einzigen System blieben. Auch der Kapitalmarkt würde austrocknen, wenn niemand mehr Überschüsse in Wertpapiere anlegt.
    Denn Banken können nur sehr bedingt „aus kurz lang machen", und das auch nur die Großbanken.
    Zudem müssen Banken bestimmte Vorgaben bei der Anlage ihrer liquiden Mittel beachten (§ 11 KWG), welche in der Vergangenheit zu wenig Beachtung geschenkt wurde von einigen Banken und durch neue Verordnungen nun strenger geworden ist.

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Bericht_Studie/bankenaufsicht_basel3_leitfaden.pdf?__blob=publicationFile

    Denn mit jedem Kredit muss eine Bank damit rechnen, dass Zentralbankgeld abfließt und das Liquiditätsrisiko sich erhöht, sobald der Kreditnehmer an Fremdbanken überweist oder bar abhebt. Wann wieder zukünftig Rückflüsse an ZBGeld auf das Konto der Bank kommen, (außer durch die regelmäßigen Tilgungsraten), weiß die Bank nicht.

    Banken müssen also laufend hochliquide Aktiva zur Refinanzierung bereithalten (die Bilanzposition „Wertpapiere" in der Bankenbilanz) und die Fristenstruktur von Aktiv- und Passivseite muss per Gesetzt zukünftig ausgewogener sein.
    (z. B. langfristigen Forderungen stehen langfristige Sparverträge gegenüber).

    Fazit: Zusammenfassend lässt sich nicht eindeutig aufzeigen dass wir eine „Guthabenkrise" haben. Alles spricht eher dafür, dass wir eine Verschuldungs- und Verteilungskrise haben. Wobei die Verteilung des materiellen /immateriellen Eigentums, z. B. Produktionsanlagen, Boden, Immobilien, knowhow etc. mWn entscheidender und ursächlicher ist ist als die monetäre Einkommensverteilung.Die monetären globalen Ungleichgewichte ergeben sich überwiegend erst im Nachinein.

    Durch expansive Geldpolitik (vor allem durch die Federal Reserve, die den Markt lange Zeit mit billigen Dollars geflutet hat) und die exzessive (freiwillige nicht-keynesianische) Staatsverschuldung, aber damit verbunden auch durch Deregulierung und Ausweitung des internationalen Finanzmarktes wurde der globale credit boom angeheizt, so dass sich ex post immer mehr Guthaben akkumulieren konnten.

    Es ist mMN aber Unsinn, daraus nun eine Guthabenkrise zu stricken, welche ja nur ein Symptom darstellt. Zudem befinden sich hinter den Guthaben auch viele faule Kredite. Ist es nicht so dass überflüssige Schulden durch Abschreibung verschwinden müssen und die deflationäre „Fallhöhe" viel geringer wäre, wenn Staaten ihre Verschuldung stark begrenzen und Zentralbanken auch deflationäre Entwicklungen bzw. auch kleine Inflationsraten (unter 2%) zulassen würden?

    Es ist doch eher so, dass es auf komplexen und globalen kapitalistischen Märkten niemals Gleichgewicht geben kann (neoklassisches Märchen), und staatliche „keynesianische" Interventionen (welche eigentlich nur selten keynesianisch waren) die Ungleichgewichte und Marktstörungen eher verschlimmbessern. Solvente Unternehmen, die nicht zu überoptimistisch planen und sich verschulden, haben i.d.R. keine Liquiditätsprobleme bzw. Solvenzprobleme durch die Sparer.

    Die kreditieren ihre Eigentum (Sachanlagen etc.) und kaufen sich über Kredite Zeit. So können sie gleichzeitig Wirtschaften (Kosten und Gewinne erzielen) und ihre Schulden amortisieren.

    Gruß


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