Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Vollgeld ist voll daneben

2013-05-19

In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit dem beschäftig, was Renée Menéndez in seinem Blog soffisticated über Wirtschaft im Allgemeinen und Geld im Speziellen schreibt. Das ist eine ganze Menge Stoff und außerdem auf hohem (Abstraktions-) Niveau geschrieben, weshalb ich gar nicht den Versuch wage, meine Erkenntnisse in wenige Worte zu fassen. Lest euch lieber selbst ein, das bildet! :)

Jedenfalls hat mich die Lektüre davon überzeugt, dass ich mit dem Vollgeld-Konzept von Joseph Huber hier gefährliches Halbwissen verbreitet habe. Das hat nun ein Ende.

Den Ausschlag hat der Beitrag über Vollgeldspielereien gegeben, wobei die Diskussion in den Kommentaren den Umfang des Artikels um ein Vielfaches übersteigt. Überhaupt habe ich selten ein Blog mit so geistreichen Kommentaren gesehen.

Für den grundsätzlichen Einstieg in Menéndez' Argumentation eignet sich die dreiteilige Artikelreihe "Logische Typenlehre und die Ökonomie" (Teil 1, Teil 2 und Teil 3).

In einem Kommentar zu Teil 2 sind zwei wesentliche Sätze enthalten, die Licht ins Dunkel des "Giralgeldes" bringen:

Forderungen und Verbindlichkeiten müssen sich auf etwas beziehen, was nach dessen Übergabe die entsprechende Schuldbeziehung löscht. [...]
Rein rechtstechnisch gesehen ist immer eine Sache Gegenstand einer Schuldbeziehung.

In Schuldverhältnissen zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken kann daher nur Zentralbankgeld die Sache sein, die das Schuldverhältnis auslöschen kann. Deshalb ist bei Überweisungen von einer Bank zur anderen auch immer Zentralbankgeld im Spiel.
Erst im Verhältnis von Nichtbanken zu Banken kann neben dem Zentralbankgeld auch eine Forderung an eine Geschäftsbank (lautend auf Zentralbankgeld!), im Volksmund "Bankguthaben" genannt, zur Tilgung einer Schuld dienen.
Damit löst sich die Behauptung in Wohlgefallen auf, dass private Geschäftsbanken Geld aus Luft schöpfen könnten. Das können sie nämlich eben gerade nicht, sondern nur Geldforderungen buchen.

Diese Überlegungen bringt Renée Menéndez im Beitrag 1/2/3-stufige Geldsysteme noch mal komprimierter auf den Punkt.

Es bleibt allerdings noch die Frage, wie das unzweifelhaft zu beobachtende exponentielle Wachstum der Schulden und Guthaben zustande kommt, wenn die verbreitete Erklärung der Geldschöpfung aus dem Nichts wegfällt. Ich vermute allerdings, es läuft auf die alte Erkenntnis von Paul C. Martin hinaus, dass der Staat als "infallibler Schuldner" immer weiter aufschuldet, wodurch der Zinseszinseffekt voll durchschlägt. Einen Anhaltspunkt dafür liefert der Artikel Wird aus Geld "Mehr-Geld"?

Übrigens stimme ich durchaus nicht in allen Punkten mit Herrn Menéndez überein, beispielsweise schätze ich David Graebers historische Analyse in seinem Buch Schulden: Die ersten 5000 Jahre völlig anders ein als Menéndez in seinen beiden Beiträgen dazu.

Und die Monetative in der Ausarbeitung von Jörg Buschbeck habe ich noch nicht zu den Akten gelegt, das sieht mir bisher wie ein ganz brauchbarer Ansatz aus.

5 Responses to Vollgeld ist voll daneben

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5 Comments

  • Ich schließe mich dem Lob über den Blog von Dr. Renée Menéndez vollumfänglich an!

    Allerdings wäre ich sehr vorsichtig mit der Aussage "unzweifelhaft zu beobachtende exponentielle Wachstum der Schulden und Guthaben zustande kommt".

    Diese "Rechnungen" funktionieren nur mit einem gleichbleibend festen Zinssatz. Mit sinkenden bzw. (fast) negativen Zinses gibt es keine "exponentielle Senkrechte".

    Ich kann die Verwechslung des ökonomischen Josephs und des mathematischen Josephs gerne noch ausführen, bin aber erst einmal auf ihre Einwände gespannt.

    grüße
    Stephan

  • 'Und die Monetative in der Ausarbeitung von Jörg Buschbeck habe ich noch nicht zu den Akten gelegt, das sieht mir bisher wie ein ganz brauchbarer Ansatz aus.'
    Genau an diesem Punkt bin ich derzeit auch angelangt.
    Habe den Knackpunkt zwischen Huber und Buschbeck noch nicht erkannt, was allerdings damit zusammenhängt, dass ich mich nicht sehr intensiv mit der Monetative beschäftigt habe, da ich schon vorher von Menéndez auf die Mängel der selbigen hingewiesen wurde.
    Über Buschbeck's Ausarbeitung hab ich noch nichts entscheidendes gefunden, bin aber gespannt, da er ja vom gleichen Paradigma wie Menénedez ausgeht.
    Werde ihrem Blog folgen um weiteres dazu zu erfahren.

    #745 | Comment by Michael Gunczy am Mai 20, 2013 10:27pm
  • @Stephan Goldammer: Zu Zins und exponentiellem Wachstum siehe der neueste Beitrag Der Zins ist nicht das Problem, sondern seine Garantie.

  • Ich lese jetzt erstmal gar nicht die ganzen verlinken (und z.T. doch sehr ausführlichen) Artikel.
    Erstmal ist es so, dass Geldschöpfung aus dem Nichts Fakt ist und auch die 'Geldschöpfung' der Geschäftsbanken.
    Allerdings kann man 'Geld' natürlich unterschiedlich definieren, die Geschäftsbanken schaffen eben kein gesetzliches Zahlungsmittel sondern nur quasi-gesetzliches. Da es faktisch genauso behandelt wird, als vollkommen vertrauenswürdige Forderung auf Zentralbankgeld wird es in der Praxis von allen staatlichen und nicht-staatlichen Stellen bzw. Akteuren wie (gesetzliches) Bargeld oder sogar noch lieber akzeptiert.

    Insofern geht das, was hier als Schlüsselfrage gehandelt wird, am Thema vorbei, denn Geschäftsbanken schaffen je nach Definition Geld oder auch kein Geld, definitiv aber ein Zahlungsmittel, welches dem gesetzlichen Zahlungsmittel in der Anwendung zumindest gleichwertig ist.

    Es gibt m.E. einiges an Vollgeld zu verbessern - insbesondere zu vereinfachen, gerade auch um definitorische Schwierigkeiten zu umschiffen. Ich habe einiges hier formuliert http://www.sven-giegold.de/2014/kurzstudie-hochzeit-fuer-geldverbesserer/comment-page-1/#comment-411422, darüber hinaus auch in meinem (natürlich niemals behandelten) Antrag http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA571

  • @Eric Manneschmidt

    Gerät eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der Unfähigkeit sich zu refinanzieren, sieht man sofort, dass "Giralgeld" kein Zentralbankgeld ist (die Kaupthing Bank Kunden können ein Lied davon singen). Es ist eben doch nur ein "Merkeintrag" über eine Forderung auf Zentralbankgeld.

    Dadurch das Zentralbankgeld i.a. "teuer" ist, versuchen Banken durch Clearing Prozesse den unmittelbaren Bedarf entsprechend gering zu halten (z.B. Girokreise in Deutschland). Das funktioniert aber ebenfalls nur solange als andere Banken davon ausgehen können, das die Sicherheiten der Bank ausreichend sind.

    #1337 | Comment by Vandermonde am Jul 28, 2014 02:21pm

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