Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
« Geld abschaffen in weite Ferne verschoben In the long run, we will all be reborn into this world »

Die Neoklassik basiert auf einer Tautologie und ist damit unwissenschaftlich

2014-06-6

Erst beim Lesen von Bernd Senfs Buch Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise wurde mir so richtig klar, worin der Pferdefuß der Neoklassischen Wirtschaftstheorie liegt.
Eines der Axiome des Vollkommenen Marktes besagt, dass die Marktteilnehmer rational handeln, in der Haushaltstheorie also ihren Nutzen rational maximieren.
Nun definieren die Neoklassiker nicht, was sie mit "rationalem Handeln" genau meinen, sondern erklären im Nachhinein einfach jegliches Handeln als rational, wie Bernd Senf aus einer Diskussionsveranstaltung mit Professoren berichtet (das kann ich aus eigener Vorlesungs-Erfahrung bestätigen):

Jeder Versuch, die Abwegigkeit bestimmter Grundannahmen aufzuzeigen, wurde von ihnen abgewehrt, und sie schafften es tatsächlich, jegliche Kritik an dem in sich so elegant geschlossenen Theoriegebäude abprallen zu lassen. Jede auch noch so irrational erscheinende Entscheidung war in ihren Augen doch wieder rational, sonst hätte sich ja der einzelne Haushalt nicht dazu entschieden. Wo Argumente überhaupt keinen Sinn mehr hatten, wurden schließlich Witze erzählt, um das Unbehagen an dieser Realitätsferne auf den Punkt zu bringen, zum Beispiel:
"Jemand geht über die Straße, wird überfallen, und man hält ihm die Pistole vor die Brust mit den Worten: 'Geld her, oder ich schieße!' Wie reagiert der Bedrohte?

  • Entweder er rückt sein Portemonnaie raus und bleibt am Leben,
  • oder er hält sein Portemonnaie fest und wird erschossen.

Für die Neoklassiker sind beide Reaktionen rational, der Bedrohte hatte nur unterschiedliche Präferenzen: Im ersten Fall war ihm sein Leben mehr wert als das Geld, im zweiten Fall war ihm das Geld (oder seine Ehre) mehr wert als sein Leben."
Wie immer sich also jemand entscheidet, neoklassisch betrachtet kann es nachträglich immer als Ausdruck rationalen Verhaltens interpretiert werden. Im Moment der Entscheidung müssen die Präferenzen des betreffenden Menschen beziehungsweise Haushalts eben entsprechend gewesen sein. Und da das Indifferenzkurvensystem ja ohnehin nicht zu sehen oder sichtbar zu machen ist, kann man darüber nachträglich natürlich behaupten, was man will. Es zeigt sich daran, dass eine solche Theorie gegen jede nur denkbare Widerlegung oder eine möglicherweise andere Realität abgeschottet ist. Sie lässt eine Realität, die nicht in ihr Weltbild passt, einfach nicht gelten. Ich stelle deshalb die These auf:
Die neoklassische Theorie ist zwar in sich logisch und geschlossen, sie hat aber den Kontakt zur Realität verloren.

Die Annahme "rationalen Verhaltens" ist in der Neoklassik daher eine Tautologie und hat keinerlei Erklärungswert, sie ist nur ein Taschenspielertrick.

Die Neoklassische Wirtschaftstheorie ist ja vor allem erst mal eine Theorie. Eine Theorie muss aber an der Wirklichkeit überprüfbar sein, um einen wissenschaftlichen Wert zu haben, genauer: sie muss falsifizierbar sein. Um die Annahme überprüfen zu können, ob jemand in einer konkreten Sitation rational handelt, muss dafür auch die Möglichkeit vorhanden sein, dass er nicht rational, also irrational handelt. Und dafür müsste die Theorie weitergehend rationales von irrationalem Handeln begrifflich abgrenzen.
Genau das tut die Neoklassik nicht, und ist deshalb keine wissenschaftliche Theorie!

Oder zumindest müsste sie die Annahme rationalen Handelns komplett streichen, denn in der derzeitigen Form hat diese einen Erklärungswert von exakt Null. Damit ist auch die ordinale Nutzentheorie aus dem Theoriegebäude zu entfernen, denn auch diese hat keinen Erklärungswert, da sie nichts darüber aussagt, wie die individuellen Präferenzen der Marktteilnehmer zustande kommen. Nur bleibt dann nicht mehr allzu viel von der Theorie übrig...

Im Zuge dieser Analyse habe ich hier im Blog ein neues Tag Neoklassik eingeführt, unter dem sich die Beiträge finden lassen, in denen ich mich schwerpunktmäßig mit dieser Theorie befasse.

Und ich habe beschlossen, in der Mikro-Klausur nicht besser als 3 abzuschneiden. Schließlich bin ich angetreten, um Wirtschaftswissenschaft zu betreiben und keine Pseudowissenschaft. Bis auf weiteres strebe ich allerdings immer noch an, meinen Bachelor zu machen, in Mikro durchzufallen kommt daher leider nicht in Frage.

2 Responses to Die Neoklassik basiert auf einer Tautologie und ist damit unwissenschaftlich

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2 Comments

  • Die Ablehnung der mathematisch/rationalen Zusammenhänge darf nicht die Konklusion aus der Irrationalität menschlichen Handelns sein.

    Genau deshalb entwertet sich heute die VWL. Die einen haben unsinnige Formeln, die anderen lehnen alle Formeln ab.

    Die unbestreitbare richtige saldenmechanische Staatsschuldenformel oder auch die Unternehmer-Gewinnformel sind so megatriviale
    wie wichtige Werkzeuge, um zusammen mit der volkswirtschaftlichen Buchhaltung eine sinnvolle Globalsteuerung und Politikberatung zu betreiben. Findet aber einfach nicht statt, weil man lieber Verwirrspiele treibt.

    https://guthabenkrise.wordpress.com/2014/01/08/vwl-pfusch-verdrangung-und-spannendmacherei/

    #1361 | Comment by Jörg Buschbeck am Feb 1, 2015 08:15am
  • Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das eine Kritik an meinem Beitrag oder an der Mainstream-VWL sein soll. Jedenfalls lehne ich mathematisch/rationale Zusammenhänge nicht ab. Allerdings halte ich die Modelle der VWL für mathematisch/logisch unsinnig, weil sie die Freiheit der Wirtschaftssubjekte wegmodelliert. Es braucht daher so etwas wie Kybernetik zweiter Ordnung in der VWL, oder George Soros' Ansatz der Reflexivität. Mathematisch wird das dann halt deutlich komplexer als die heutigen Modelle.


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