Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Mein finanzielles Coming out

2016-08-22

Im Beitrag über die drei großen Tabus Sex, Geld und Tod hatte ich ja geschrieben, dass auch ich mir von der finanziellen Transparenz von Fairmondo noch eine Scheibe abschneiden kann. Das tue ich hiermit, wenn auch nicht in Form eines Lesezugriffs auf meine Konten, aber in Form einer Aufstellung meiner Investitionen bzw. Geschenke, die ich aus dem Erbe meiner Mutter (und indirekt damit auch meines Vaters, der im Wesentlichen dieses Vermögen durch genügsames Leben von seinem Lehrergehalt und Aktienspekulation erwirtschaftet hat) tätigen konnte. Und schon durch das Aussprechen dessen, was in Klammern steht, breche ich ein (familiäres & auch gesellschaftliches) Tabu.

Übrigens habe ich das Veröffentlichen dieses Beitrags mehrere Monate vor mir her geschoben…

Ein Teil dieses Erbes ist ein Sparkassenbrief über 50.000 €, den ich beschlossen habe zu behalten bis er im Oktober 2019 ausläuft, er ist nämlich beidseitig unkündbar. Was ich dann damit machen werde, weiss ich noch nicht; ich weiss auch nicht ansatzweise wie in drei Jahren die Welt aussehen wird. Die Zinsen in Höhe von gut 1,8 % jährlich bekommt ab diesem Jahr aber die Bewegungsstiftung (s.u.).

Außerdem habe ich aktuell noch 30.000 € auf einem Sparkonto bei der GLS-Bank, wo ich keine Zinsen bekomme, die Bank aber kurzfristige Kredite vergeben kann. Das Sparkonto hat eine Kündigungsfrist von 3 Monaten & man kann monatlich bis zu 2.000 € auf das Girokonto übertragen, was ich in den letzten Monaten jeweils getan habe. Auf meinem Girokonto befinden sich aktuell (Stichtag 22.08.2016) 860,73 €.

Seit ich in Berlin lebe, z.T. auch schon seit letztem Jahr, lebe ich im Wesentlichen von diesem Erbe. Meine Mutter (& indirekt mein Vater) hat mich damit für mehrere Jahre von den Zwängen der Megamaschine freigekauft. Als mir das so richtig klar wurde, habe ich für mich beschlossen:

Jetzt gilt es, aus diesen Jahren das schönste Kunstwerk zu machen, zu dem ich imstande bin.

Was ich nun aufliste, betrachte ich nicht als eine Liste davon, was ich alles tolles mit meinem Geld bewirke. Denn dieses Geld habe ich geschenkt bekommen, ich habe nichts, aber auch absolut gar nichts selber dafür getan, es kam ganz unverdient. Deshalb habe ich auch nicht vor, es zu behalten. Es gehört uns allen. Und weil es allen gehört, sollen auch alle wissen, was ich damit mache.

Und an dieser Stelle sage ich meinen Eltern für dieses Geschenk von Herzen Danke!

Ich bin letztes Jahr Mitglied bei drei Genossenschaften geworden:

Diese Investitionen sind Gelder, die ich bei Bedarf, allerdings mit einer Kündigungsfrist zwischen 1 & 5 Jahren, wieder bekommen kann (es sei denn ich finde jemand, der diese Anteile übernimmt, dann geht es kurzfristig). Dabei sind es bis auf die GLS alles Investitionen im Sinne der Ökonomie der Verbundenheit, denn ich verwende das Geld, um die Sphäre des Geldes insgesamt zu verkleinern. Und bei der Generalversammlung der GLS-Bank habe ich gegen die Auszahlung einer Dividende gestimmt.

Das Mietshäuser Syndikat liegt mir dabei besonders am Herzen, & auch Fabian Scheidler schreibt in Das Ende der Megamaschine:

Globale Immobilienfonds wie Cerberus – der Name bezeichnet in der griechischen Mythologie den Höllenhund – besitzen Hunderttausende von Wohnungen. In vielen Großstädten müssen Menschen inzwischen die Hälfte ihres Einkommens für Mieten ausgeben, sie schuften letztlich wie Leibeigene dafür, das return on investment der Fonds zu erwirtschaften. Für einen Ausstieg aus dem absurden Hamsterrad von Lohnarbeit und Akkumulation ist es daher von entscheidender Bedeutung, das Wohnen aus der Geldverwertungsmaschine herauszulösen und in die Hände der Bewohner selbst zu bringen. Wo das gelingt, wird auf Dauer enorm viel Zeit und Energie von Menschen frei, die sich nun anderen Aufgaben widmen können als die Cerberusse dieser Welt zu füttern.

Ein alternatives Modell, Wohnraum dauerhaft dem Markt zu entziehen, verfolgt die Stiftung Trias. Mir gefällt allerdings die gemeinschaftliche Konstruktion des Syndikats besser, denn faktisch konzentriert sich in der Stiftung Trias viel Macht.

Alles was ich im folgenden aufliste, fällt in die Kategorie Reiche, verschenkt euren Reichtum und ihr werdet reich bleiben, das habe ich wirklich verschenkt bzw. gestiftet:

  • im Jahr 2014 habe ich mit 300 € die Degrowth-Konferenz in Leipzig gecrowdfundet
  • ebenfalls per Crowdfunding habe ich 2014 der Aktion Mein Grundeinkommen 1.000 € geschenkt
  • Im Januar 2015 & 2016 habe ich dem ZEGG jeweils 1.000 € geschenkt, davon jeweils 500 € für den Stipendienfonds, um gezielt eine solidarische Ökonomie zu unterstützen
  • dem Vipassana-Zentrum in Triebel habe ich 1.000 € geschenkt, siehe meinen Bericht vom Vipassana-Kurs
  • dem Mönch Panyasara, bei dem ich meinen ersten Vipassana-Kurs gemacht hatte, habe ich 2.000 € geschenkt
  • im Mai letzten Jahres bin ich Lebenszeit-Mitglied beim Mellifera e.V. geworden mit 3.000 €, das kann man dort schon ab 1.500 €. Hintergrund dafür ist u.a., dass mein Opa mütterlicherseits über 40 Jahre lang geimkert hat und ich damit in gewisser Weise sein Erbe antrete
  • Über den Kriegsenkel e.V. habe ich das Buchprojekt Ein deutsches Leben mit 800 € unterstützt
  • Im Juli bin ich mit 7.500 € 5.000 € Stifter bei der Bewegungsstiftung geworden + 2.500 € Spende, diese bekommt außerdem ab diesem Jahr die Zinsen des oben erwähnten Sparkassenbriefs
  • an Mellifera habe ich noch mal 800 € gespendet für die Entwicklung eines neuen Logos für Bienen machen Schule
  • Neben "Mein Grundeinkommen" habe ich bei Startnext noch einige andere Projekte mit kleineren Beiträgen unterstützt, die findet ihr in meinem Profil bei Startnext aufgelistet (ohne die genauen Beträge)
  • auch bei der Visionbakery findet ihr meine dort unterstützen Projekte, bisher ist das nur die Degrowth-Konferenz

Bei der derzeitigen Zinssituation kann die Bewegungsstiftung Spenden eher gebrauchen als größere Zustiftungen. 5.000 € sind aber das Minimum, um als Stifter dort mit einzusteigen.

Abgesehen vom Geld verschenke ich bestimmte Bücher und Filme.

Bitte bezeichnet mich nicht als Philanthropen, das betrachte ich nämlich als ein Schimpfwort. Skin singt es in ihrem Lied mit Skunk Anansie ganz klar: I don't want your charity keeping me down.

Statt Almosen zu geben, tue ich alles was in meiner Macht steht, um die Umverteilung von unten nach oben zu beenden und am besten umzudrehen. Gleichzeitig schenke ich, weil das zum Guten Leben dazugehört und ich damit hier und jetzt schon im Geist des Schenkens lebe, ganz unabhängig von politischen Kämpfen.

Deshalb will ich zur Bewegungsstiftung noch mehr sagen, denn diese hat mich vor allen anderen Stiftungen angezogen. Dort entscheiden nämlich nicht allein die StifterInnen, wer zu welchem Zweck wie viel Geld bekommen soll, sondern die AktivistInnen der geförderten Projekte entscheiden über die Geldvergabe der Stiftung mit (mehr darüber in der Broschüre Den Wandel gestalten). Damit betreibt die Bewegungsstiftung keine undursichtige Wohltätigkeit wie die meisten anderen Stiftungen. Exemplarisch ist dabei in Deutschland die Bertelsmann-Stiftung zu nennen. Auch Warren Buffets Sohn Peter haut in die gleiche Kerbe, wenn er vom Charitable-Industrial Complex spricht. Aus dem Umfeld der Bewegungsstiftung ist u.a. die Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe entstanden, für die ich hier im Blog Gerhard Schröder werben lasse.
Bei der Bewegungsstiftung gibst du als StifterIn also tatsächlich ein gutes Stück aus der Hand, was mit deinem Geld geschieht. Und genau da geht die Reise hin, zur Schenkwirtschaft. Ich hatte schon im Beitrag Wenn du dein Bewusstsein erweiterst, kannst du nur gewinnen geschrieben:

Um wirklich in der Fülle zu leben, müssen wir daher etwas loslassen: eben diese Illusion, ein abgetrenntes Wesen zu sein.

Dass ich so viele unterschiedliche Initiativen unterstütze, sieht auf den ersten Blick so aus, als würde ich mich verzetteln. Fabian Scheidler bestätigt mich jedoch darin im Schlusskapitel des Ausstiegs aus der Megamaschine, wo er unter der Überschrift Revolution ohne Masterplan schreibt:

Der Ausstieg aus der Großen Maschine bedeutet eben auch einen Abschied vom universalistischen Denken, das – von der christlichen Mission bie hin zum Projekt des Weltkommunismus – den Anspruch auf die eine Wahrheit und die eine Vernunft erhoben hat. Das Fehlen eines Masterplans nach diesem Muster ist kein Manko, sondern ein Lernfortschritt aus den Desastern der vergangenen Jahrhunderte.

Als ein weiteres Stück Transparenz erzähle ich den Moment, in dem ich das erste Mal bewusst entschieden habe, mit meinem Geld für das größere Ganze wirksam zu werden. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, es war in einem Fundraising bei einem ZEGG-Sommercamp vor über einem Jahrzehnt. Seinerzeit hatte ich mein Erspartes in einem Silberdepot bei Siegfried Weigl angelegt, noch geprägt von Paul C. Martin und den Goldseiten. Damals rechnete ich mit einem baldigen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems und wollte (nur!) mich persönlich durch den "Sachwert" Silber absichern. Bei diesem Fundraising nun entschied ich mich, statt einem abstrakten, seelenlosen Metall lieber der Gemeinschaft von Menschen im ZEGG vertrauen, und löste konkret mein Silberdepot (mit Verlust) auf, um es in ein Darlehen für das ZEGG umzuwandeln. Zahlenmäßig waren das damals irgendwas zwischen 3- & 5.000 €, genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Von dem Vermögen meines Vaters ahnte ich damals noch nichts. Er hatte mir allerdings mein Informatikstudium so großzügig finanziert, dass ich durch meine eigene genügsame Lebensweise mir so viel Geld ansparen konnte (z.T. auch schon während des Zivildienstes durch meinen Zivi-Sold).

Es war auch ein langer Weg, bis ich heute selber Geschenke mit weit geöffnetem Herzen annehmen und mich darüber freuen kann. Vor gut 10 Jahren schrieb ich z.B. noch über Dankbarkeit: "es fällt mir unheimlich schwer, dankbar zu sein".
Und gerade jetzt wo ich doch "reich" bin, sollte ich da kein schlechtes Gewissen haben, wenn mir jemand noch zusätzlich zu meinem längst vorhandenen Reichtum etwas schenkt?
Dieses Denken kommt immer noch aus der Illusion des Getrenntseins und damit aus dem Mangel. Die Fülle besteht doch gerade darin, dass mehr als genug für alle da ist! Deshalb kann und darf ich auch feiern, Geschenke zu bekommen. Außerdem spornt mich das an, auch meinerseits noch mehr von der Fülle weiterzugeben.

Zum Abschluss erinnere ich nicht zuletzt mich selber daran, dass ich als Agent des kosmischen Bewusstseins einer von ganz ganz vielen bin & deshalb nicht alles alleine machen & somit auch nicht alles finanzieren muss (was ich ja auch gar nicht könnte). Es gibt noch ganz viele andere da draußen, die mehr oder weniger zu verschenken haben & oft genug gar nicht wissen, wohin damit. Deshalb finde ich z.B. Crowdfunding eine geniale Erfindung. Die GLS Treuhand hat letztes Jahr zusätzlich zu den diversen schon vorhandenen Plattformen die Gemeinschaftscrowd nur für gemeinnützige Projekte gestartet. Etwas ähnliches gibt es in Gestalt der Spendenplattform betterplace.org schon länger. Und gerade vor ein paar Tagen erst wurde ich auf die in Entwicklung befindliche Plattform yunity aufmerksam, die Schenken und Teilen ohne Geld ermöglichen will und damit, wie mir scheint, die Idee eines Universellen Stigmergischen Allokationsystems in die Tat umsetzt. Vielleicht liegt das Abschaffen des Geldes doch gar nicht mehr in so weiter Ferne wie ich dachte…

Nachtrag vom 17.10: Vor kurzem habe ich nun meiner Stieftochter einen Anteil an der BioBoden-Genossenschaft im Wert von 1.000 € zum Geburtstag geschenkt.

Nachtrag vom 01.12.: Es gibt jetzt einen Film über das Mietshäuser Syndikat, Das ist unser Haus!:

Nachtrag vom 23.01.2017: Eine neue Studie belegt die Lobbyaktivitäten unternehmensnaher Stiftungen.

Nachtrag vom 22.02.2017: Florian Weise schreibt im Transform Magazin über sein Millionenerbe. Einen Teil davon hat er auch in die Bewegungsstiftung gegeben.

Nachtrag vom 10.05.2017: Wenige Wochen vor Worldwork in Griechenland hatte ich mich entschieden doch nicht hinzufahren. Meinen Teilnehmerbeitrag von 1.100 € habe ich gespendet.

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