Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Besuch bei Tü!Tü! von den Schenkern

2005-09-16

Ein weiteres Projekt auf dem Gelände des LebensGutes ist der Friedensgarten der Schenker. Hier lebt Tü!Tü! ohne Geld & soweit möglich ohne Staat. Sie hat, wie ausserdem noch ihr Lebenspartner Öff!Öff! & Marion, ihre Papiere abgegeben, weil sie ausserhalb des Gewaltsystems Staat leben will. Gewaltsystem Staat klingt vielleicht zunächst seltsam & zumindest in Deutschland übertrieben, aber was ist denn der Staat? Der Staat ist eine Organisation, die auf ihrem jeweiligen Territorium das Gewaltmonopol innehat. Sprich, die Beamten des Staates (Polizisten, Finanzbeamte usw.) sind - aus Sicht des Staates - berechtigt, Gewalt gegen die BürgerInnen des Staates auszuüben, wenn diese gegen staatliche Gesetze & Verordnungen verstossen. & zwar sind die Staatsbeamten allein dazu berechtigt. Deswegen ist das Ganze ein Monopol.
Aus diesen Überlegungen heraus hat Tü!Tü! dem Bundespräsidenten ihre Ausweispapiere zurückgeschickt, zusammen mit einem langen Brief zur Erklärung. Als Antwort kam zurück, dass es nicht möglich sei, die Angehörigkeit zum deutschen Staat zurückzuweisen. Tü!Tü! antwortete darauf wiederum, dass sie ihren Austritt aus dem Staat erklärt hat & nicht danach gefragt ob das geht.

Tü!Tü! hat schon in ihrer Jugend viel über diese Fragen nachgedacht & schliesslich acht Wochen vor dem Abi alles hingeschmissen & seither so gelebt, wie sie es in ihrem Herzen für richtig hält. Von sich selbst sagt sie, dass sie in Einklang mit der Stimme ihres Gewissens lebt.
Das kann ich von mir noch lange nicht sagen. Ich bin in vielerlei Hinsicht Vollmitglied unserer Kultur & Gesellschaft. Damit sind viele richtig beschissene & noch mal ne ganze Menge mehr Dinge verbunden, die nicht in Ordnung sind. Für mich habe ich aber den Weg gewählt, innerhalb unserer Gesellschaft möglichst viel so zu verändern, dass ich nicht mehr gegen mein Gewissen verstossen muss.
Tü!Tü!s radikale Lebensweise bewundere ich zutiefst. Im Gespräch empfand ich sie als sehr warmherzig, integer & klar in ihren Gedanken. Auch da wo sie selber noch forscht.

Sie erzählte nämlich auch von ihrem christlichen Glauben, dass die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu ihr noch ein Rätsel ist, an dem sie knobelt. Jedenfalls steht für sie im Mittelpunkt, dass sie die Nachfolge Jesu lebt. Bonhoeffer lässt grüssen. Die Erlösung von der Sünde durch Jesus ist für Tü!Tü! auf keinen Fall ein Automatismus. Vielmehr habe Jesus vorgelebt wie Erlösung von Sünden erreicht werden kann. Den - vor allem von Freikirchen gern vorgebrachten, von Luther geprägten - Gegensatz zwischen "Gottes Gnade" & "Erlösung aus eigener Kraft" sieht sie als konstruiert & falsch an, weil wir auch unsere "eigene" Kraft geschenkt bekommen.

Damit kommen wir zu der Frage, warum sie ihre Bewegung "die Schenker" nennen. Wie schon erwähnt leben die Schenker ohne Geld, & auch ausserhalb des Tausch-Paradigmas (wie es beispielsweise Heidemarie Schwermer tut). Sie beschenken einander & die Menschen, mit denen sie zu tun haben, & lassen sich beschenken. Das alles ohne gegeneinander aufzurechnen.
Das ist ein radikaler Schwenk im eigenen Geist. Nach aussen hin erst mal gar nicht sichtbar. & dennoch der grösste Paradigmenwechsel, den ich mir vorstellen kann. Die Weltsicht der Schenker geht von der Fülle aus, während jedes Schulbuch "Wirtschaften" als "Umgehen mit knappen Gütern" definiert. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Erdöl z.B. ist nicht unbegrenzt auf der Erde vorhanden, rein äusserlich also ein knappes Gut. Was die Schenker auszeichnet, ist die Geisteshaltung, dass genug für alle da ist & noch mehr. & die Dinge sind nicht "meins" oder "deins", sondern allesamt uns geschenkt, damit wir das Beste draus machen. Das gilt z.B. auch für unsere Talente. Wer viel davon hat, soll auch mit seinen Fähigkeiten wuchern, sagt Tü!Tü!.
Mir schwebt als ganz grosse Vision auch eine Ökonomie des Schenkens vor. Eine Art "cooking pot market", bei der alle das, was sie geben können, in einen imaginären grossen Topf werfen, aus dem heraus jeder & jedem das geschenkt wird, was sie/er braucht. Mir fällt grad auf, dass Karl Marx das den Kommunismus genannt hat.

Der Friedensgarten in Pommritz ist 1998 entstanden als ein Ort, wo die Schenker Selbstversorgung aus der Natur üben & erforschen. Tü!Tü! ernährt sich fast ausschliesslich von Rohkost.
Strom gibt's logischerweise nicht im Friedensgarten, letztes Jahr hat Tü!Tü! sogar ohne Ofen überwintert. Inzwischen hat sie einen.

Radikal, wie schon gesagt.

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