Schlagwort: wirtschaften

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    Besorgter Bürger 2021


    Durch dieses sehenswerte Interview mit Noam Chomsky wurde ich auf eine Studie der RAND Corporation aufmerksam, die belegt, dass zwischen 1975 und 2018 in den USA nahezu 50 Billionen Dollar (!!) von den unteren 90% Einkommen zu den obersten 1% Einkommen umverteilt wurden. Corona hat diesen Trend noch verstärkt, wie ein aktueller Bericht von Oxfam belegt. Die Tagesschau fasst zusammen: Erstmals seit über einem Jahrhundert droht die Kluft zwischen Arm und Reich in fast allen Ländern der Welt gleichzeitig anzusteigen und das ist eine Folge der Corona-Pandemie. Zur Situation in Deutschland gibt der Sprecher von Oxfam Deutschland folgendes Beispiel: Für das Jahresgehalt eines DAX-Vorstandes - das sind durchschnittlich etwa 5,6 Millionen - müsste eine Pflegekraft in Deutschland über 156 Jahre arbeiten.
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    Mitfühlen und an Bedürfnissen orientieren statt Recht und Gerechtigkeit


    Nach langer Pause habe ich wieder bei Miki Kashtan reingeschaut. Ihre Artikelreihe Apart and Together hat inzwischen 10 Teile. Heute beziehe ich mich dabei auf den achten Teil Reengaging with the Full Range of Our Emotions. Darin geht es darum, sich den schwierigen Gefühlen zuzuwenden. Miki geht davon aus, dass fast die gesamte menschliche Gesellschaft, jedenfalls die so genannte “Zivilisation”, seit Jahrtausenden kollektiv traumatisiert ist. Und diese Traumatisierung vererbt sich von Generation zu Generation weiter. Wie kommen wir da jemals wieder raus? Miki meint in ihrem Artikel The Power of the Soft Qualities to Transform Patriarchy (& auch sonst), dass der erste Schritt ist, die Schrecken des Patriarchats zu betrauern. Wenn wir versuchen, es zu bekämpfen, haben wir schon verloren, weil das gerade der Modus des Patriarchats ist.
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    Die Blockchain lockt euch mit ihrem Versprechen von Anonymität in eine Falle


    Offenbar bin ich gerade in Debunking-Stimmung. Nach dem Thema Geldschöpfung wende ich mich als nächstes der Blockchain und den Kryptowährungen zu, die hier im Blog auch schon mehrfach Thema waren. Liebe Libertäre und Anarchokapitalistinnen, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein: Die Blockchain- und Kryptowährungs-Industrie verarscht euch nach Strich und Faden. Sie versprechen euch nämlich, die Transaktionen in einer Blockchain seien anonym. Grundsätzlich stimmt das zwar; in der Blockchain selber sind deine Transaktionen beispielsweise bei Bitcoin nur durch eine Bitcoin-Adresse gekennzeichnet, die z.B. so aussehen kann: 3GL1MMJvw99DbrzoPQYhu7H5Zv2S8ykvPy. Nun kommt das große Aber: Sobald du deine Bitcoins oder sonstigen Kryptowährungen benutzt, um damit etwas zu kaufen, entsteht ein Risiko, dass deine Bitcoin-Adresse mit deiner Identität verknüpft wird. Denn was du kaufst, muss ja irgendwie zu dir kommen, nachdem deine Bitcoins zur Verkäuferin übertragen wurden.
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    Gefährliches Halbwissen über Geld(schöpfung)


    Der Kommentar von Renée Menéndez zu meinem Beitrag über Giorgio Agambens Deutung des Kapitalismus als Religion hat mich nun doch dazu angeregt, mal einen Versuch zu starten, der mich schon länger umtreibt. Es herrscht eine große Begriffsverwirrung um Geld und Geld_schöpfung,_ ein Thema mit dem ich mich bekanntlich schon seit vielen Jahren auseinandersetze. Dabei habe ich eine Menge gelernt und auch eine Menge gefährliches Halbwissen abgelegt. Darüber gibt es zwar schon diese dreiteilige Reihe hier im Blog: Vollgeld ist voll daneben Geldschöpfung aus dem Nichts - eine Luftnummer? Der Zins ist nicht das Problem, sondern seine Garantie Allerdings fürchte ich, dass Laien danach auch nicht unbedingt schlauer als vorher sind. Deshalb kommt hier nun der Versuch, allgemeinverständlich aufzuschreiben, was es mit den Irrungen und Wirrungen der Geldschöpfung auf sich hat.
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    Giorgio Agamben über den Kapitalismus als leere Religion


    Der italienische Philosoph Giorgio Agamben fiel mir zuerst auf durch das Interview “Europa muss kollabieren” in der Zeit. Schon vor Monaten hatte mir nun ein Freund seinen langen Artikel Der Kapitalismus ist eine leere Religion, die vollständig auf Glauben – also Kredit – beruht. Wie kann sie funktionieren? in der NZZ empfohlen. Als ich den das erste Mal las, keimte schon der Plan, darüber zu bloggen. Offenbar musste dieser Plan allerdings erst noch eine ganze Weile reifen, bis ich ihn nun in die Tat umsetze. Immerhin ist das Geld eines der Kernthemen meines Lebens. Von daher bilde ich mir ein, auch zu Agambens Artikel einiges sagen zu können. Das faktische Ende des Bretton-Woods-Systems am 15. August 1971 ist in der Tat ein historischer Moment.
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    Ackerland jenseits von Spekulation


    Wer mein Blog schon eine Weile verfolgt, weiss, dass mir gesunde Böden durch aufbauende Landwirtschaft sehr am Herzen liegen, siehe Klimagerechtigkeit braucht die Agrarwende. Nun weht diesem Anliegen in unserem kapitalistischem Wirtschaftssystem ein heftiger Gegenwind entgegen. Denn mit Eigentum an Grund und Boden wird spekuliert, und das treibt die Preise hoch. Grundeigentum eignet sich dafür besonders gut, denn im Wesentlichen lässt sich der Boden nicht vermehren (sieht frau von künstlichen Inseln o.ä. mal ab). Das betrifft in besonderem Maße auch das Ackerland. Vor fünf Jahren bin ich deshalb Mitglied bei der BioBoden Genossenschaft geworden. Deren erste Generalversammlung führte zu meinem Beitrag Wir ziehen uns buchstäblich selbst den Boden unter den Füßen weg. Erst vor kurzem habe ich die Kulturland Genossenschaft entdeckt, obwohl diese schon 2014 gegründet wurde.
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    Die Corona-Proteste um die Commons-Perspektive ergänzen


    Das Buch Die Welt wieder verzaubern. Feminismus, Marxismus & Commons von Silvia Federici inspiriert mich gerade dazu, meinen Beitrag über Die Einhegung der Allmende auf Steroiden durch die Corona-Maßnahmen mit den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zusammenzubringen. Denn das ist eine Perspektive, die ich dort neben der linken ganz besonders schmerzlich vermisse. In meinem Beitrag zur Demo am 1. August hatte ich ja geschrieben Allerdings habe ich den Eindruck, dass da morgen im Wesentlichen zwei verfeindete Fraktionen des Weiter so wie bisher aufeinander prallen werden, die die Lage völlig unterschiedlich einschätzen. sowie Diese Freiheit ist aber auch die Freiheit unseres kapitalistischen Ausbeutungssystems, fröhlich weiter Menschen und alle anderen Wesen auf der Erde sowie die Erde selber auszubeuten bis es kracht. Andererseits verhindern gerade die autoritären Maßnahmen, Widerstand gegen diese Einhegung und Ausbeutung zu organisieren.
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    Was hat dein Smartphone mit dem Putsch in Bolivien zu tun?


    Stellt sich raus: eine ganze Menge. Aber der Reihe nach. Zunächst mal – es war tatsächlich ein Putsch gegen die Regierung von Evo Morales. Nun zum Smartphone: Dessen Lithium-Ionen-Akku basiert, wie der Name schon sagt, auf dem Alkalimetall Lithium. Und das, wie der Artikel Elon Musk, Bolivien und das Lithium-Puzzle in der Atacama-Wüste zeigt, spielt eine nicht unwesentliche Rolle beim Putsch in Bolivien, denn das Lithium-Dreieck Argentinien-Chile-Bolivien [bildet] mit mindestens 50 Prozent der weltweiten Vorkommen die größte natürliche Reserve des strategischen Rohstoffs. Elon Musk kommt natürlich vor allem als Inhaber der Elektroauto-Firma Tesla in diesem Spiel vor. E-Autos brauchen zwar um ein Vielfaches größere Akkus als Smartphones; dafür sind zur Zeit allerdings etwa 3,5 Milliarden Smartphones im Einsatz. Da kommt schon eine ganz schöne Menge Lithium zusammen.
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    Worum geht es am "Tag der Freiheit"?


    Genau genommen sollte ich die Frage noch ergänzen, worum geht es wem am “Tag der Freiheit”? Die Motivationen sind sicherlich unterschiedlich. Allerdings habe ich den Eindruck, dass da morgen im Wesentlichen zwei verfeindete Fraktionen des Weiter so wie bisher aufeinander prallen werden, die die Lage völlig unterschiedlich einschätzen. Der Anlass für diesen Beitrag ist die morgen für 500.000 Teilnehmerinnen angemeldete Demonstration von Querdenken 711 unter dem Namen “Tag der Freiheit”. Damit meinen die Organisatorinnen die Freiheit von allen Lockdown-Beschränkungen. Diese Fraktion fordert das, wie ich vermute, in erster Linie damit es für sie und uns so weiter gehen kann wie bisher; also dass die Menschen wieder ohne Masken einkaufen können, ganz normal Sport machen, uneingeschränkt mit vielen Menschen gemeinsam feiern usw.
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    Der Markt kann die Coronakrise nicht bewältigen


    Das sieht man an allen Ecken und Enden ganz deutlich. Die aktuelle Anstalt zeigt es im Bereich des Gesundheitssystems. Zu diesem Beitrag hat mich Miki Kashtan inspiriert, die im 2. Beitrag ihrer “Apart and together”-Reihe genau darüber schreibt: Addressing Needs beyond Market Economies. One of the things that the coronavirus appearance, and the ensuing pandemic it caused, opened up is the possibility of exposing this incapacity of the market to attend to need. If the market were able to attend to needs, there wouldn’t have to be any governmental mobilization anywhere, because it would happen by itself through the mechanism of the “invisible hand.” And yet in country after country, governments are initiating actions that would be unheard of before, including re-nationalizing services, mobilizing war-like production, and considering cash payments to those in need or to everyone.
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