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    Hypnosystemik: Lebenslang würdigen, dass es schlimm war und dass man damit umgegangen ist


    Heute habe ich mir den Vortrag Vom Trauma zu befreitem, erfüllendem Leben von Gunther Schmidt angesehen, dessen hypnosystemischen Ansatz ich vor kurzem entdeckt habe.

    Daraus habe ich für mich vor allem herausgezogen, dass er das Opfer-Ich immer voll mit einbezieht und würdigt. Er geht sogar so weit zu sagen, dass man lebenslang würdigen soll, dass es schlimm war, in Form persönlicher Gedenkrituale. Da bin ich mit meiner Radikalität (Stichwort Makellosigkeit) wohl manches Mal übers Ziel hinaus geschossen & habe das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Explizit kritisiert er Steve de Shazers oft zitierten Satz “Problem talk creates problems, solution talk creates solutions.” Denn meist war es im System für die Opfer verboten, über ihr Leiden zu sprechen. Wenn dann ein lösungsfokussierter Therapeut ankommt und wieder nur über mögliche Lösungen, nie über die als problematisch erlebte Situation spricht, dann bestätigt er damit nur die Opfertrance.


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    Trauma, Tod und Freiheit II


    Nachdem ich das Buch Innenansichten dissoziierter Welten extremer Gewalt von Gaby Breitenbach gelesen habe, relativiere ich meine Aussagen zu Trauma, Tod und Freiheit, zur Opfertrance und zum Gehorchen.

    Ich habe die Möglichkeiten und die Entschlossenheit der Menschen, einander zu Opfern zu machen, um sich die eigene Macht zu beweisen, unterschätzt.

    Gaby Breitenbachs Buch beschreibt eine Parallelwelt organisierter Gewalt, deren Existenz mir bisher so noch nicht klar war:

    Dennoch, diese parallele Schattenwelt ist keine Erfindung schreckensgeiler Therapeuten und nicht die Ausgeburt eines perversen Verfolgungswahns. Sie ist Folge eines immer größer werdenden Marktes für sadistische Gewalt, die durch spezifische Medien oft bagatellisiert und schließlich dadurch hoffähig gemacht wird. Sie ist auch die Folge der immer weiter klaffenden Schere in einer Gesellschaft zwischen Menschen, die mit ihren fehlenden sozialen Möglichkeiten nach unten aus der Gesellschaft herausfallen und solchen, deren Profit an der Gesellschaft weit überdurchschnittlich ausgeprägt ist. Extreme Gewalt ist auf beiden Enden der sozialen Skala zu finden. Lässt sich am “unteren sozialen Rand” eine Erklärung der öffentlich sichtbaren, oft eruptiven und unorganisierten Gewalt in fehlender Teilhabe an der Gesellschaft, Frustabbau usw. finden, so existiert sie als organisierte Gewalt auf der anderen Seite der Skala, der “oberen sozialen Schicht”. Hier ist die Gewalt nicht-öffentlich, geleugnet, versteckt hinter gut verschlossenen Türen. Sie ist oft viel systematischer und lang anhaltender. Während jemand, der “unten” aus der Gesellschaft fällt, sich nicht mehr verpflichtet sieht, sich an Normen zu halten, scheint “oben” bisweilen die Idee vorzuherrschen, sich quasi als Übermensch ebenfalls nicht mehr verpflichtet zu sehen und zu glauben, “sich alles erlauben zu können”.


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    Gesellschaftliche und globale Dissoziation


    Je mehr ich mich mit dem psychischen Phänomen Dissoziation beschäftige, um so deutlicher erkenne ich Dissoziation auch gesellschaftlich & auf die ganze Menschheit bezogen. Was verstehe ich darunter?

    Dissoziation besteht ja darin, dass sich ein Mensch nicht als eine einheitliche Person erlebt, sondern als eine Zusammensetzung mehrerer, voneinander getrennter Personen, die z.T. voneinander wissen, z.T. auch nicht.

    Mich erinnert das an den Begriff der “Parallelgeselschaften”. Konkret fiel mir als erstes ein, was Rainer Voss in dem Film Master of the Universe über die Investmentbanking-Szene erzählt:

    Die Superreichen bleiben unter sich, schotten sich in ihren Ghettos vom Rest der Gesellschaft ab. Kaum einer der Bundestagsabgeordneten wohnt in einer Mietwohnung. Unliebsame Menschen werden, wie Gustl Mollath, in die Psychiatrie abgeschoben. SexarbeiterInnen gelten von vornherein als unglaubwürdig, und wer containert, als asozial. Dabei ist doch wohl eher das massenweise Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel als asozial einzustufen.


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    Göttliche neue Tracks von Logical Elements


    Ich sollte wirklich öfter bei Soundcloud vorbeischauen. Logical Elements hat wieder diverse neue Tracks veröffentlicht, darunter so abgrundtiefe wie diesen:

    Fast noch genialer finde ich den [Sun Live Edit](https://soundcloud.com/logicalelements/sun-live-edit). Dieser Rumäne macht echt unfassbare Musik, bei der ich jedes Mal körperlich das Schwingen der Welt spüre. Als Album finde ich [Translunary](https://logicalelements.bandcamp.com/album/translunary) bisher die Krönung. Bei Celestial Smile bleibt einem wirklich nichts anderes übrig als zu lächeln, um nicht zu sagen: breit zu grinsen.

    Auf eine ganz spezielle Reise könnt ihr euch mit Awaken Within A Deeper Realm machen.

    Es lohnt sich also definitiv, regelmäßig beim Soundcloud-Account von Logical Elements vorbeizuhören. Viele seiner Tracks bietet er sogar zum kostenlosen Download an.

    Sysyphe hat, nach Running Up That Hill, ebenfalls ein neues Album in der Pipeline: The Cities Of Silver Trees. Ich wünsche allseits gute Reise!

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    Wir leben im emotionalen Mittelalter


    Diesen Satz aus dem Interview mit Teal Swan in der SEIN Die Mythen der Spiritualität finde ich so genial, dass ich ihn gleich als Überschrift nehme. Danke übrigens an Wulf Mirko Weinreich für die Empfehlung! Hier ein paar Ausschnitte aus dem sehr langen Interview:

    Es geht nicht um Glückseligkeit. Ich sage dir, dass die glückselige Erfahrung, der Bliss, den viele Menschen Erleuchtung nennen, nur ein vorübergehender Zustand ist. Und wenn du solche Menschen triffst, die sich erleuchtete Meister nennen, so sind dies Leute, die es geschafft haben, häufiger und länger in diesem Zustand und dieser Frequenz zu bleiben. Aber wenn man einen genaueren Blick auf diese Menschen werfen kann, wird man feststellen, dass sie immense emotionale Schwankungen haben. Sie haben einfach nur keinen Widerstand dagegen. Sie können tief in das Leiden sinken, aber in der Regel ist davon äußerlich nichts zu sehen, weil sie keinen Widerstand gegen diese Gefühlszustände haben. Man kann die Wellen nicht sehen. Nehmen wir Jesus als Beispiel: Es ist nicht so, dass er in eine Lepra-Community geht und nichts als Freude und Staunen fühlt. Er lässt sich ein auf das Leid anderer Menschen und verbindet sich in diesen Raum, sinkt hinein, weil er keinen Zweifel hat, dass er auch zur anderen Seite des Spektrums aufsteigen kann. Es gibt keine Angst vor irgendeiner Form von Erfahrung, darum sieht man das Ego auch nicht kämpfen.


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    Trauma und der Rechtsstaat


    Bei meinen Recherchen zu Trauma & Dissoziation habe ich einen sehr ausführlichen & gut geschriebenen Artikel Was passiert bei einem Trauma? gefunden (mehr dazu in einem späteren Beitrag). Dort erfahre ich u.a.:

    Traumatische Erfahrungen werden vor allem in den impliziten Gedächtnissen gespeichert. Das Großhirn (und damit das explizite Gedächtnis / der Verstand) wurde ja während des Traumas nicht mehr mit allen Informationen versorgt und bekam nur noch Bruchteile von dem mit, was vor sich ging; im Extremfall kaum noch etwas. Daher kann es u.U. kaum etwas davon abspeichern.

    Es kommt also zu einer mehr oder weniger umfassenden Amnesie. Und das stellt in unserem Rechtssystem ein Problem dar, sofern das Trauma durch eine Straftat ausgelöst wurde.

    Denn unser Rechtsstaat basiert auf dem Grundsatz Im Zweifel für den Angeklagten. Nur wenn die beanstandete Tat gegen ein geltendes Gesetz verstoßen hat & außerdem nachgewiesen werden kann, dass der Täter sie auch begangen hat, darf ein Richter überhaupt verurteilen. Ein traumatisierter Mensch, der sich an Einzelheiten nicht erinnert, sondern nur ein diffuses Gefühl hat, wird deshalb vor Gericht nichts erreichen. Aus Sicht des traumatisierten Opfers fühlt sich das natürlich beschissen an, im Hinblick auf unseren Rechtsstaat halte ich es jedoch für unbedingt notwendig. Wenn jemand vor Gericht sagt “der hat mir was ganz Schlimmes angetan, ich kann mich aber nicht erinnern, was genau eigentlich”, dann darf der Richter den Angeklagten nicht verurteilen!


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    Trauma, Tod und Freiheit


    Seit das Kriegsenkel-Thema mit Macht in mein Leben eingebrochen ist, beschäftige ich mich auch mit psychischem Trauma. So habe ich z.B. Trauma als möglichen Motor des Kapitalismus analysiert.

    Je länger ich mich damit auseinandersetze, um so mehr hinterfrage ich allerdings die Bedeutung von Trauma. Das liegt vor allem daran, dass mir als innerem Anarchisten in erster Linie an (Selbst-) Befreiung durch Bewusstseinserweiterung gelegen ist. Und diese Entschlossenheit rührt wohl daher, dass ich mich viele Jahre lang selbst in der Opferrolle (oder auch Opfertrance) gefangen gehalten hatte. Auf die Art konnte ich intensive Erfahrungen mit dieser Opferrolle machen, & den (langen!) Weg da raus bin ich zunehmend bewusster gegangen.

    Einer von vielen Impulsgebern dafür war Don Juan Matus, der in Reise nach Ixtlan folgendes über den Tod sagt:

    Der Tod ist der einzige weise Ratgeber, den wir haben. Immer wenn du, wie es bei dir meistens der Fall ist, das Gefühl hast, daß alles falsch läuft und dir das sichere Ende bevorsteht, dann wende dich an deinen Tod und frage ihn, ob das zutrifft. Dein Tod wird dir sagen, daß du unrecht hast; daß nichts wirklich wichtig ist, außer seiner Berührung. Dein Tod wird dir sagen: „Ich habe dich noch nicht angerührt.“


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    Geheimdienste & Co: Lust am Verstecken spielen


    Dieser Beitrag richtet sich persönlich an alle Menschen, die bei Geheimdiensten oder auch in Sicherheitsabteilungen von Unternehmen und anderen Einrichtungen arbeiten. Er markiert einen grundlegenden Wechsel in meiner Haltung. An vielen Stellen habe ich in meinem Blog bisher gefordert, Geheimdienste abzuschaffen. Das würde Ihnen allerdings auf einen Schlag die Lebensgrundlage nehmen, und das will ich auch nicht. Statt dessen lade ich Sie, und auch die “Netzgemeinde”, zu einem Dialog auf ganz persönlicher Ebene ein.

    Auch Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geheim- und Sicherheitsdienste, liegen mir am Herzen. Und ich kann gut verstehen, was Sie an Ihrer Aufgabe reizt. Bestimmt haben Sie als Kinder schon gerne Verstecken gespielt, so wie ich auch und wahrscheinlich alle Kinder.
    Es ist ein richtiger Nervenkitzel, loszurennen und einen Ort zu suchen, an dem ich mich verstecken kann, so dass mich die anderen möglichst lange dort nicht finden. Ich triumphiere innerlich, wenn ich die Suchenden beobachte oder höre, wie sie alles durchstöbern und mich immer noch nicht entdeckt haben.


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    Investieren in gesättigten Märkten


    Beim Nachdenken über Wirtschaftswachstum bin ich heute zu der Erkenntnis gekommen, dass (in der Sprache der Saldenmechanik) in einem gesättigten Markt die Gesamtheit der Investoren eine Rendite von 0 erzielt, d.h. sie kann ihr Vermögen nicht vergrößern. Auch das ist eine saldenmechanische Binsenweisheit. Auf einem _über_sättigten Markt wird die Gesamtheit der Investoren eine negative Rendite erzielen, also Geld verlieren. Das ist nicht schlimm! Das ist ganz einfach so. Du findest es ja auch nicht schlimm, auszuatmen, nachdem du eingeatmet hast. Und wenn du dich satt gegessen hast, verdaust du dein Essen & wirst dann irgendwann wieder hungrig.

    Worauf ich hinaus will: es ist ein ganz natürlicher Vorgang, dass auch Geld periodisch stirbt & damit neuem, frischem Geld Platz macht. Allerdings, solange wir (& damit meine ich hier vor allem diejenigen, die überschüssiges Geld investieren wollen) uns als vom Rest der Welt abgetrennte Wesen betrachten, die nur für sich selbst das Beste rausschlagen wollen, werden wir diese Tatsache nicht akzeptieren & statt dessen weiter kräftig am (Hamster-) Rad drehen. Anders ausgedrückt, solange “ich” um jeden Preis verhindern will, dass “mein” Vermögen schrumpft, wodurch dann unser aller Vermögen, auf unserem Heimatplaneten zu leben, aufs Spiel gesetzt wird.


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    Die Opfertrance und Wege aus ihr heraus


    Dass ich lange Jahre meines Lebens in der Opferrolle verbracht habe, habe ich ja schon an mehreren Stellen gebloggt. Nun habe ich in der Facebook-Gruppe Kriegsenkel Berlin einen Artikel von Alexandra Schumacher über die Opfer-Trance entdeckt & im Zuge dessen einen weiteren Raus aus der Opfertrance - rein ins wirkliche Leben (von Lars Basczok). Was das überhaupt ist, beschreibt Alexandra Schumacher so:

    Wenn wir die beiden Worte „Opfer“ und „Trance“ unter die Lupe nehmen, dann bezieht sich der Begriff „Opfer“ auf die Schuldlosigkeit eines Einzelnen in Bezug auf das ihm widerfahrende Leid. Die Trance – abgeleitet aus dem Lateinischen „transire“ = hinübergehen – bezeichnet einen Bewusstseinszustand, in dem sich eine Person intensiv und ausschließlich auf eine Thematik – wie in diesem Fall das Opferdasein – konzentriert.

    Je nach Tiefe der Opfertrance bewirkt diese eine schwach oder stark herabgesetzte Wachheit, auch gegenüber jenen Aspekten der Wirklichkeit, die der Realität des Opferdaseins widersprechen. Der Bewusstseinsforscher Charles Tart beschreibt den Zustand der durchschnittlichen oder normalen Aufmerksamkeit als Alltagstrance (siehe Trance, Wikipedia). Im Gegensatz zur weiten und panoramaartigen Achtsamkeit fokussieren und verengen wir uns in der Opfer-Trance – manchmal sogar, ohne unser Opfer-Sein zu bemerken.


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