Schlagwort: prozessarbeit

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    Makellos sein in der Krise


    Mensch, wir sind ja nun schon länger im Ausnahmezustand & ich komme heute erst auf die Idee, Georg Piepers Buch Wenn unsere Welt aus den Fugen gerät aus dem Regal zu fischen. Darin beschreibt er im 6. Kapitel Die drei Phasen des [traumatischen] Erlebens. Und an der Stelle musste ich sofort an Don Juan Matus und das Konzept der Makellosigkeit denken. Die bildet quasi eine Abkürzung durch die skizzierten Phasen: Erste Phase: Ablehnung Geschieht ein Überfall, eine Vergewaltigung, ein Unfall oder eine Naturkatastrophe, ist die erste Reaktion der Betroffenen ein Gefühl des Nicht-wahrhaben-Wollens.[…] Diese innere Ablehnungshaltung kostet die Betroffenen sehr viel Kraft. Da wir alle über unterschiedliche Kraftreserven verfügen, kann diese Phase unterschiedlich lange dauern. Nach Stunden, Tagen oder manchmal auch erst nach Wochen erlahmen jedoch bei jedem die Widerstandskräfte.
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    Was der indische Straßenverkehr mit Frieden zu tun hat


    … verrät dieser schöne Erfahrungsbericht vom Symposium Rebell*innen des Friedens beim Permakultur-Institut. Es geht um empfundenes Chaos und dass das vielleicht eine voreingenommene negative Bewertung ist. Hier geht’s zur Seite des Symposiums. Arnold Mindell hat ähnliches erfahren: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass soziale Ereignisse, welche zuerst zufällig und chaotisch zusein scheinen, sich durch die Wirkung vorher verborgener Parameter immer sinnvoll und in einer gewissen Ordnung entwickeln. Turbulente Situationen, welche sich in Zeiten rascher Veränderungen oder sogar während Revolutionen abspielen, enthalten potentiellen Sinn und Ordnung. … Auch körperliche Krankheiten, seelische Erkrankungen und chaotische Beziehungsprobleme sind sehr genau strukturiert. Das Wissen darum, wie diese Strukturen und Muster gefunden und entfaltet werden können, führt zu einem Gefühl der Stille, ins Auge des Taifuns inmitten der globalen Verwirrung.
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    Rang und Privilegien in einer Nussschale


    Der folgende Text, verfasst von Alexandra Vassiliou, Lane Arye, Stanya Studentova und Lukas Hohler, ist ein Auszug aus dem Handout zu Worldwork 2014 in Warschau. Da wir in turbulenten Zeiten leben, hatte ich keine Zeit, sie um Erlaubnis zu bitten, es hier zu veröffentlichen, aber ich wäre sehr überrascht, wenn ihnen das nicht recht wäre. <3 Hier geht’s zum englischen Originaltext. Diese Übersetzung wurde unterstützt durch DeepL. Definition Rang bezieht sich auf die Macht, die wir in Beziehungen, Gruppen, Gemeinschaft und der Welt relativ zueinander haben. Einige Arten von Rang werden verdient, während andere unverdient sind. Unverdienten Rang erwerben wir durch Geburt oder durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse, Klasse, Geschlecht usw., während der verdiente Rang durch den Umgang mit unseren Lebensumständen erworben wird und indem wir unseren inneren und äußeren Lebenswegen folgen und an ihnen arbeiten.
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    Rank and privilege in a nutshell


    The following text, written by Alexandra Vassiliou, Lane Arye, Stanya Studentova and Lukas Hohler, is an excerpt of the handout for Worldwork 2014 in Warsaw. As we are living in troubled times, I didn’t have time to ask them for permission to publish it here, but I’d be very surprised if they didn’t appreciate it. <3 You can find my German translation here. Definition Rank refers to the power we have relative to one another in relationships, groups, community and the world. Some kinds of rank are earned, while others are unearned. Unearned rank we acquire through birth, or by membership in a particular race, class, gender, etc., while earned rank is acquired by dealing with our life circumstances and by following and working on our inner and outer life paths.
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    Konflikte entstehen an der Grenze zwischen Konsensrealität und Traumland


    Was da in der Überschrift steht, ist im Grunde eine Binsenweisheit der prozessorientierten Psychologie. Dennoch ist mir vor kurzem klar geworden, warum das so ist, deshalb dieser Beitrag. Das Wesentliche steckt schon in dem Wort _Konsens_realität: Das, worauf wir uns geeinigt haben, dass es wirklich ist. Sobald aber z.B. Person A sagt “damals in der Situation war es so” und Person B darauf entgegnet “nein, stimmt gar nicht, es war ganz anders, nämlich so”, herrscht kein Konsens darüber, wie es wirklich war. Damit entsteht ein Konflikt, und das Traumland dehnt sich in die stellenweise zerbrechende Konsensrealität hinein aus – das Land von Grinsekatzen und verrückten Hutmachern, von Ekstase, Rausch und Wahn, wo Menschen und Tiere in Zungen reden, wo nichts ist wie es scheint.
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    Haben wir uns zu viel vorgenommen?


    Bei dieser Überschrift stellt sich zunächst die Frage, wer ist eigentlich “wir”? Nun, ich beobachte, dass diese Frage auf vielen Ebenen sinnvoll gestellt werden kann. Fangen wir bei mir an: Als ich in die Antinous Gemeinschaft kam, hatte ich vor, bald selber in die Workshops einzusteigen; anfangs als Assistent, später wollte ich dann auch eigene Workshops (mit)gestalten. Und darüber hinaus wollte ich sogar einen Floating-Tank betreiben & auch das in Workshops einbinden. Relativ schnell stellte sich heraus, dass sich weder das eine noch das andere so schnell in die Tat umsetzen liess. Und an diesem Punkt habe ich jeweils die weise Entscheidung getroffen, “na dann eben (noch) nicht”, & bin dem Fluss des Lebens gefolgt. Wohin mich das bis jetzt geführt hat, beschreibt u.
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    Segel setzen für tiefe Demokratie


    Der sehr tiefsinnige Dialog von François Michael Wiesmann und Dieter Halbach in der Oya zum Thema Gemeinschaft und Hierarchie inspiriert mich dazu, ein paar Stellen aus Arnold Mindells Büchern über tiefe Demokratie zusammenzustellen. Diese hatte ich hier im Blog schon einige Male erwähnt, so z.B. bei Alles gehört dazu und natürlich beim Worldwork in Warschau-Beitrag. Tiefe Demokratie ist eine Haltung, die wahrhaftig endlich einen eigenen Beitrag verdient. Einige Ausschnitte aus Arnies Buch Der Weg durch den Sturm, das es beim Verlag für ganze 4,- € zu kaufen gibt: Ebenso können die Werkzeuge der Weltarbeit nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn gewisse persönliche Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört nach meiner Erfahrung vor allem eine bestimmte Einstellung, die Haltung der tiefen Demokratie, welche unerschütterlich an die Wichtigkeit aller Teile eines Ganzen glaubt, an die Bedeutung aller unserer Persönlichkeitsteile und aller verschiedenen Sichtweisen in der Welt um uns herum.
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    Selbsteigentum als evolutionäre Errungenschaft


    Das Beispiel Selbsteigentum verdeutlicht wohl noch besser als das Patriarchat, wie Ken Wilbers Buch Halbzeit der Evolution meine Sichtweise auf verschiedene Themen verändert hat. In meiner Auseinandersetzung mit den Voluntaristen hatte ich im Beitrag Eigentum als Instrument von “Teile und herrsche” noch von einer esoterischen Angelegenheit namens “Selbsteigentum” geschrieben, mit Verweis auf Hans-Herrmann Hoppes Buch Eigentum, Anarchie und Staat. Vielleicht lese ich das im Anschluss an Wilber doch mal. Was hat nun meinen Sinneswandel ausgelöst? Nun, ich staunte nicht schlecht, als ich bei Wilber im 15. Kapitel las: So wie gewaltfreie Anerkennung und Schutz von Eigentum nur vom Gesetz garantiert wurde, so wurden schwerwiegende Verletzungen der Personalität durch gesellschaftliche Konvention verboten. Eigentum an Gütern war nicht mehr nur den stärksten oder aggressivsten Menschen vorbehalten, sondern jede Rechtsperson hatte legales Recht auf Besitz, den sie durch eigenen physischen Austausch (oder sekundär durch Handel) erworben hatte.
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    Traumkreis in Berlin


    Nächste Woche, am Donnerstag dem 17. Januar, bietet Heike Brembach bzw. das AHA.Institut das erste Mal einen Traumkreis an. Heike hat mit mir die Ausbildung in Prozessorientierter Psychologie gemacht & dort auch diese kulturelle Form des Teilens von Träumen kennen gelernt. Ich freue mich schon & bin gespannt, wer – & was – so alles erscheinen wird. Siehe auch Schlafen gegen den Kapitalismus.
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    Auch mal zusammenbrechen


    Bei der letzten Schwitzhütte habe ich in der Weggebe-Runde meine hohen Ansprüche weggegeben. Als ich mich gestern mal wieder den Tag über mit Kopfschmerzen rumschlug, wurde mir klar, dass das auch für meinen Anspruch gilt, Spannungen auszuhalten. Wenn mir die Spannung zu viel wird, darf ich auch mal zusammenbrechen. Das heisst ja nicht, dass ich das bei der kleinsten Kleinigkeit schon tue. Ich muss mich aber auch nicht unnötig quälen. Und ich glaube auch nicht, dass das meine Makellosigkeit schmälert. Eher würde ich das tun, wenn ich übermäßig hart zu mir selbst wäre. Und als Regenbogenkrieger hole ich mir ohnehin Unterstützung, sobald mir etwas zu viel wird. In diesem Sinne: Giving Up Everything. Siehe auch Pleite als Metamorphose?, Aufgeben ist eine wichtige Konfliktlösungsstrategie und Sterben lassen.
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