Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Der Iromeister bei Wire

2019-01-29

Seit kurzem findet man mich online auch bei Wire, natürlich unter dem altbekannten Benutzernamen iromeister.
Wie komme ich ausgerechnet auf diesen Messenger? Ganz einfach: Er ist Open Source, das war Kriterium Nummer 1. Inzwischen ist sogar der Quellcode des Wire-Servers auf Github. Threema, das ansonsten einen ganz guten Eindruck macht, scheidet dadurch für mich aus.
Das 2. Kriterium: Ich brauche kein Smartphone, um Wire zu benutzen. Wenn ihr eins habt, dann könnt ihr euch natürlich auch auf dem Smartphone Wire als App installieren. Der für mich entscheidende Punkt ist eben, dass das auch ohne geht. Es gibt sogar einen Windows-Client und einen für den Mac

Im Vorfeld habe ich natürlich recherchiert, neben dem Wikipedia-Artikel auch im Privacy-Handbuch, bei Motherboard, bei heise und bei Mike Kuketz, wo Wire nicht gut abschneidet. Für meine Zwecke erscheint es mir dennoch als der geeignetste Messenger.

Einen weiteren Pluspunkt von Wire möchte ich noch herausheben: Man braucht eben keine Telefonnummer, sondern kann den Benutzernamen frei wählen. Damit kann also auch niemand von der Telefonnummer auf deine Identität schließen. more

Selbsteigentum als evolutionäre Errungenschaft

2019-01-28

Das Beispiel Selbsteigentum verdeutlicht wohl noch besser als das Patriarchat, wie Ken Wilbers Buch Halbzeit der Evolution meine Sichtweise auf verschiedene Themen verändert hat.
In meiner Auseinandersetzung mit den Voluntaristen hatte ich im Beitrag Eigentum als Instrument von "Teile und herrsche" noch von

einer esoterischen Angelegenheit namens "Selbsteigentum"

geschrieben, mit Verweis auf Hans-Herrmann Hoppes Buch Eigentum, Anarchie und Staat. Vielleicht lese ich das im Anschluss an Wilber doch mal.

Was hat nun meinen Sinneswandel ausgelöst? Nun, ich staunte nicht schlecht, als ich bei Wilber im 15. Kapitel las:

So wie gewaltfreie Anerkennung und Schutz von Eigentum nur vom Gesetz garantiert wurde, so wurden schwerwiegende Verletzungen der Personalität durch gesellschaftliche Konvention verboten. Eigentum an Gütern war nicht mehr nur den stärksten oder aggressivsten Menschen vorbehalten, sondern jede Rechtsperson hatte legales Recht auf Besitz, den sie durch eigenen physischen Austausch (oder sekundär durch Handel) erworben hatte. Sollte das Gesetz nicht verletzt werden, mussten die Individuen sich gegenseitig durch Austausch gegenseitiger Achtung anerkennen. Eine Person besaß Eigentum, und die Achtung vor diesem Eigentum erforderte die Anerkennung und Achtung der Personalität. Vor der ichhaften Periode gab es kaum so etwas wie Personen uund legalisiertes Eigentum.

Wohlgemerkt, Wilber argumentiert hier anders als die Voluntaristen, die Selbsteigentum als Kategorie a priori setzen; er zitiert dazu Fichte:

Das Recht auf exklusiven Besitz entsteht durch gegenseitige Anerkennung; ohne diese Vorbedingung existiert es nicht. Alles Eigentum beruht auf der Vereinigung vieler Willen zu einem Willen.

Jedenfalls wird schon beim Wilber-Zitat klar, warum Selbsteigentum tatsächlich eine evolutionäre Errungenschaft ist, etwas, das sich gegenüber brutaler Gewaltherrschaft lohnt zu verteidigen: Eine Person besaß Eigentum, und die Achtung vor diesem Eigentum erforderte die Anerkennung und Achtung der Personalität.

Lassen wir Wilber weiter selber sprechen:

Alle Fakten weisen darauf hin, dass der Vater (wir befinden uns noch im Patriarchat) zu Beginn der frühen und konkreter dann der mittleren ichhaften Periode der erste bedeutende und weitverbreitet anzutreffende Besitzer persönlichen Eigentums wurde. Das Eigentum des Vaters wurde geschützt, nicht durch seine Muskeln, sondern durch ein vom Gesetz verkörpertes kollektives Bewusstsein. Dem König "gehörte nicht mehr die Welt" – der individuelle Vater, als "Herr über sein Heim/seine Burg", rang dem Kriegsherrn wieder einen Teil seines Besitzes ab.

Diesen Prozess, dass die frühen Herrscher ihre Herrschaft dadurch stabilisierten, dass sie diese auf viele Männer verteilten, hatte ich bisher nur durch die anarchistische Brille betrachtet und dadurch als "die Herrschaft wurde ausgeweitet" gedeutet. Dass aber eben auch das Herrschaftsgefälle dadurch kleiner wurde, ist mir erst durch Wilber klar geworden.

Weiter im Text:

Wichtiger war noch, dass der Vater, der nunmehr legal Eigentum besaß, zum erstenmal in der Geschichte eine Rechtsperson wurde, ein "Gesetzlich anerkanntes Selbstbewusstsein" oder Ego. Damit wurde erstens sein individuelles Selbstbewusstsein – das heroische Ego, dessen Evolution so mühsam erkämpft worden war – gesetzlich anerkannt und geschützt. Alle, die das Gesetz anerkannten, erkannten auch das persönliche Selbstbewusstsein an und nahmen am gegenseitigen Austausch dieses Bewusstseins teil. Zweitens: Eine Rechtsperson konnte nicht mehr Sklave oder materielles Eigentum einer anderen Person sein. Anders ausgedrückt, eine Rechtsperson war unter anderem ihr eigenes Eigentum. Wie Locke es formulierte: "Jeder Mensch hat Eigentum an seiner eigenen Person" – oder, wie die Umgangssprache es heute formuliert: Jedermann durfte "er selbst" sein.

Dies ist eine Errungenschaft, etwas, das es vorher noch nicht gegegen hatte – allerdings auch nur ein Übergangsstadium:

Jede Rechtsperson, jedes ichhafte "Ich", war sein eigenes Eigentum, sein eigenes "mich", und konnte angemessenes externes Eigentum, also "mein" besitzen. Jedes Ich hatte sein eigenes mich und mein. Das mag spirituell eingestellten Menschen sehr egoistisch und egozentrisch erscheinen; doch sollten wir daran denken, dass die Evolution sich gerade erst vom Präpersonalen zum Personalen, vom Animalischen und Subhumanen zum Individuellen und Persönlichen bewegte. Das "Ich-mich-mein" war das notwendige Korrelat dieser Evolution. (Es verschwindet wieder im Überbewusstsein, aber erst nachdem es seine Übergangsrolle gespielt hat.)

In meinem Beitrag Wilber, Evolution und Eigentum hatte ich schon seine Unterscheidung zwischen Differenzierung und Dissoziation gewinnbringend auf das Konzept von Eigentum angewandt, war allerdings noch nicht bis zum Kern der Sache vorgedrungen. Insgeheim hatte ich damals noch Eigentum an sich für eine Dissoziation gehalten.
An diesem Punkt bewahrheitet sich noch mal, was ich schon im Zusammenhang mit dem Patriarchat schrieb: Die integrale Theorie lädt mich ein, alles, was ich für komplette Fehlentwicklungen halte, noch mal genauer anzuschauen.

Dabei war auch mit dem (Selbst)eigentum nicht alles super:

Es war nicht zu bedauern, dass der Vater nun eine Person war, wohl aber, dass die Mutter es nicht war. Der Vater war gesetzlich geschützt, nicht aber die Sklaven – darin lag die Tragödie.

Hier beschreibt Wilber noch mal besonders deutlich, worin die evolutionäre Errungenschaft lag:

Eine wirkliche Person sein heisst, Verantwortung und Urheberschaft übernehmen und dadurch von der prä-personalen Sklaverei zur personalen Autonomie übergehen. Es ist, kurz gesagt, die Begründung eines freien ichhaften Austausches.

Direkt im Anschluss wird es sehr prozessorientiert:

Die Unterbrechung oder Störung ichhaften Austausches (historisch oder ontogenetisch) durch Verdrängung oder Überschussverdrängung führt zu einer Spaltung des Ego in solche personae, die akzeptabel, und solche, die nicht akzeptabel, nicht benötigt oder gefürchtet sind. Die nichtakzeptablen personae werden als "Schatten" oder "unbewusste personae" entfremdet. Eine unbewusste persona oder ein Schatten wird zu einem "versteckten Gesicht", einer "geheimen Persönlichkeit", die sich ständig in die bewussten Kommunikationen des Ego einschleicht, sie verzerrt und zensiert. Eine Schattenpersona ist die Art und Weise, wie ein Individuum Kommunikation vor sich selbst verbirgt; es ist ein persönlicher Text, dessen Autorenschaft abgeleugnet wird, eine Stimme, zu der man sich nicht bekennt, ein unerlaubtes Antlitz.

In der Prozessarbeit nennen wir das Sekundärprozesse, die sich in Doppelsignalen äußern.

Ein paar Seiten später schreibt Wilber wiederum:

Eigentum und Person sind – über ihre vorübergehende Nützlichkeit hinaus – nichts als "Stolpersteine" oder "Blockierungen" auf dem Weg zum höheren Bewusstsein.

Damit kann ich leben. Das heisst auch, ich habe hier bisher keinen Müll geschrieben, sondern war nur ein wenig einseitig. Thank you Ken!

Sinn und Unsinn des Patriarchats oder: Wie ich mal wieder das Kind mit dem Bade auskippte

2019-01-22

Der heutige integrale Salon zum Thema Integrales Christentum mit Christian Schmill bringt mich nun nach Mitternacht noch zum Bloggen. Dabei ist das Christentum nur der Aufhänger, der mich in einen integralen Flow gebracht hat; ich löse einen Teil meines Versprechens von Das Atman-Projekt und Halbzeit der Evolution ein, nämlich ausführlicher über selbiges zu schreiben.

Das ist einer der Hauptgründe, warum ich die integrale Theorie mag: sie weist mich immer wieder darauf hin, wo ich das Kind mit dem Bade ausgekippt habe und lädt mich ein, genauer hinzuschauen, was davon vielleicht doch bewahrenswert ist.
Offensichtlich hatte ich es hier im Blog noch gar nicht erwähnt, im Herbst 2017 habe ich einen Satz gesagt, der mich damals selbst erstaunte: "Ich werde konservativ."
Das meinte und meine ich ganz im Sinne des Wortes konservativ, nämlich wie Wikipedia schreibt von lateinisch conservare „erhalten“, „bewahren“ oder auch „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“.

Also eben nicht immer gleich das Kind mit dem Bade auskippen, sondern das Kind bewahren und nur das dreckige Wasser wegschütten.

Ja, das gilt auch für das heikle Thema Patriarchat, das in diesem Blog schon öfters Thema war, z.B. bei Warum unser Geldsystem patriarchal ist. Bisher schrieb (und sprach) ich darüber immer mit dem Tenor, das ist alles Murks und muss überwunden werden. Nebenbei bedeutete das auch, wenn im Patriarchat alles schlecht war, dann war es vorher besser oder auf jeden Fall mindestens genau so gut. Anders gesagt: Das Patriarchat stellte keinerlei Fortschritt dar, sondern einen großen Rückschritt oder mindestens Stillstand.

Waren die letzten 5.000 bis 7.000 Jahre Menschheitsentwicklung also völlig überflüssig & für die Katz? Damit würdigen wir Menschen unsere Geschichte völlig herab und machen uns selbst schlecht. Also schaue ich lieber noch mal genauer hin:

Ausgangspunkt des Patriarchats war eine matriarchale Gesellschaft, in deren Mittelpunkt die Verehrung der Großen Mutter bzw. der Großen Göttin stand. Wilber differenziert zwischen diesen beiden, die sich im allgemeinen Bewusstsein oft überlagern. Jedenfalls war auch im Matriarchat nicht alles super:

Denn das Wesentliche an der Großen Mutter war, dass sie die Auflösung, die Opferung des separaten Ich forderte.

Wir erinnern uns, was ich schon im einleitenden Beitrag zitierte:

Jeder sehnt sich zutiefst nach wahrer Transzendenz, nach Atman-Bewusstsein, nach der Höchsten Ganzheit, fürchtet jedoch zugleich mehr als alles andere den Verlust seines separaten Ich, dessen "Tod".

Deshalb Wilber weiter:

Man beachte: Die Große Mutter forderte die Auflösung des Ich. Dieses kann sich jedoch in zwei ganz verschiedene Richtungen auflösen: entweder durch Transzendenz mit einem Fall nach vorne ins Überbewusste, oder aber rückwärts gerichtet durch einen Rückfall uns Unbewusste, die Austilgung der Persönlichkeit statt ihrer Transzendenz. Für einige wenige war und ist die Große Mutter das Eingangstor zum subtilen Überbewusstsein, der Weg, die Persönlichkeit zu transzendieren. Für die meisten Menschen jedoch war sie jene furchtbare Form von trägem Beharrungsvermögen, die das Herauslösen einer wahrhaft starken Persönlichkeit aus dem Uroboros oder dem Typhon verhinderte.

Dem gegenüber stellt das Patriarchat eine Weiterentwicklung des Bewusstseins dar hin zu einer individuellen Persönlichkeit. Später schreibt Wilber unter der Überschrift Etwas noch nie Dagewesenes von der "Geburt des Ego".

Ja, genau, das Ego, auf dem so viele Leute so ausgiebig herumhacken, und das teilweise auch zu Recht. Doch um das Ego transzendieren zu können, muss es sich erst mal überhaupt entwickeln. Und dafür bot und bietet das Patriarchat einen reichhaltigen Nährboden.

Damit ist der wesentliche Sinn des Patriarchats knapp umschrieben. Es war also tatsächlich nicht alles schlecht im Patriarchat.

Andererseits war und ist auch nicht alles gut im Patriarchat; kommen wir daher auch zum Unsinn des Patriarchats besonders in seiner abendländischen Ausprägung. Dazu Wilber ausführlich unter der Überschrift Mythische Dissoziation:

Zu dieser Entstehungsgeschichte gibt es noch eine wichtige Fußnote zu machen, eine Fußnote, die historisch gesehen fast ein eigener Text wurde – und ein ziemlich problematischer dazu. Das Ego hatte eine große Leistung vollbracht, als es sich von seiner Bundung und Unterwürfigkeit gegenüber der Großen Mutter losriss und sein eigenes, unabhängiges, mit eigenem Willen ausgestattetes Bewusstseinszentrum etablierte. Das kommt in den Heldenmythen zum Ausdruck. In seinem Drang jedoch, seine Unabhängigkeit zu sichern, hat das Ego die Große Mutter nicht nur transzendiert, was durchaus wünschenswert war, sondern verdrängt, was sich als verheerend erwies. Dabei hat das Ego – nur das abendländische, denn im Osten verlief das etwas anders – nicht nur seine erwachte Selbstsicherheit, sondern blinde Arroganz demonstriert.
Nicht mehr Harmonie mit dem "Himmel", sondern "Eroberung des Weltraums", keine Achtung mehr vor der Natur, sondern technologischer Angriff auf die Natur – das wurde die Devise. Um sich arrogant über die Schöpfung erheben zu können, musste die Ego-Struktur die Große Mutter mythologisch, psychologisch und soziologisch unterdrücken und verdrängen. Und sie verdrängte sie in allen ihren Formen. Es ist eine Sache, sich Freiheit von den Fluktuationen der Natur, von Emotionen, Instinkten und Umwelt zu erringen, und eine ganz andere, sich diesen zu entfremden. Mit anderen Worten: Das abendländische Ego erlangte nicht nur seine Freiheit von der Großen Mutter, sondern es kappte seine tiefe Wechselbeziehung mit ihr. Daraus entwickelte sich eine ernsthafte Störung, nicht einfach zwischen dem Ego und der Natur, sondern zwischen Ego und Körper.

Diese Dissoziation reicht bekanntlich bis ins Herz unseres Geldsystems, und damit bleibt meine umfassende Kritik am Patriarchat, so wie es sich im Nahen Osten und Europa entwickelt hat, weiterhin gültig. Es war tatsächlich sehr vieles schlecht am Patriarchat; nur eben nicht alles. Wilber übernimmt dafür von Lancelot Law Whyte den Begriff Europäische Dissoziation. Er schreibt später über die Figur des Teufels:

Im Idealfall sollten die unteren Stadien transzendiert und in und durch die höheren Stadien integriert werden. Die höheren Stadien müssen anfänglich gegen die niederen ankämpfen, um sich aus ihnen zu befreien. Dieser Kampf ist aber im Abendland zu weit gegangen, wo er nicht nur Differenzierung, sondern Dissoziation, nicht Transzendenz, sondern Verdrängung erzeugte.
Auch der Mensch im Osten entwickelte das mentale Ego, kämpfte mit dem Uroboros und Typhon (siehe Indras Triumph über Vritra), doch endete dort das Ringen mit Differenzierung und Transformation. Im Osten wurden daher alle alten Mythen von der Großen Mutter, der Schlange und dem Typhon aufgenommen und in eine neue und höhere Mythologie integriert. Zugegeben, die alten Götter und Göttinnen wurden zu Dämonen und geringeren Göttergestalten. Doch wurde ihre Existenz anerkannt und dann höheren Gottheiten dienstbar gemacht, oder sie wurden sogar als deren Manifestationen angesehen. Auch der Osten hat seine Satansgestalten. Diese galten jedoch als niedere Manifestationen Gottes und als Beschützer des Dharma, solange man sie nicht um ihrer selbst willen verehrte.

Nun noch zu den unterschiedlichen Rollen von Frauen und Männern bei der Entstehung des Patriarchats (der Name kommt nicht von ungefähr):

Da das Bild der Mutter ganz natürlich in den Bereich Geburt-Körper-Erde eingebettet war, fiel die Entwicklung der mentalen Kultur dem Bereich der Väter zu. Das weibliche Prinzip war von Beginn an der Erde verbunden, weshalb die Transformation zum Himmel weitgehend dem männlichen Prinzip überlassen blieb.

Wilber zitiert dazu Ruth Underhill:

Die 'Väter' sind die Vertreter der Gesetze und der Ordnungen, von den Tabugesetzen der Frühzeit bis zur Rechtsprechung der Moderne; sie übermitteln die höchsten Güter der Zivilisation und Kultur im Gegensatz zu den Müttern, welche die höchsten, d.h. tiefsten Werte der Natur und des Lebens verwalten. So ist die Väterwelt die Welt der Kollektivwerte, sie ist historisch und bezogen auf den relativen Stand der Bewusstseins- und Kulturentwicklung der Gruppe.

Diese Aufteilung allein muss nicht zwangsläufig zu einer Beherrschergesellschaft führen; passiert ist das bekanntlich dennoch:

Zweifellos war hauptsächlich die Sphäre der sozio-kulturellen Kommunikation die Bewusstseinssphäre, zu der das aufkommende Patriarchat dem weiblichen Prinzip den Zugang verwehrte. Mit der Verweigerung freien mentalen Austausches, freier Ideenentfaltung und freien Zugangs zum Himmel wurde dem weiblichen Prinzip der Zugang zum neu entstehenden Geist verwehrt.

Zeugen dafür sind Adam und Eva:

Da der Körper als Bedrohung des ichhaften Atman-Projekts galt, betrachtete man das Feminine als Gefahr für den maskulinen, ichhaften, kommunikativen Himmel. Kurz gesagt: Als Adam fiel, da zerfiel er in zwei Wesenheiten: Adam der Jüngere und Eva, männlich und weiblich, Himmel und Erde, Psyche und Soma. Und Adam Junior war ein Sexist.
Die biblische Schöpfungsgeschichte verbirgt dies sorgfältig, indem das erste Menschenwesen "Adam" genannt wird, so als wäre dieses proto-humane Wesen männlichen Geschlechts gewesen. Da aber Eva aus Adam gemacht wurde und ursprünglich in ihm enthalten war, ist die einzig mögliche Schlussfolgerung, dass der ursprüngliche Adam nicht männlich war, sondern Hermaphrodit oder bisexuell. Adam Senior war also in Wirklichkeit der Ur-Hermaphrodit, aus der dann die individuelle weibliche Mutter und der individuelle phallische Vater entstanden. Die schliessliche Befreiung des weiblichen und des maskulinen Prinzips aus der Chthonischen Mutter erfolgte beim Auftreten des mentalen Ego: einem freien Adam und einer freien Eva. In der Genesis ist nur die Rede vom Auftreten des freien Adam; die freie Eva trat nicht in Erscheinung.

Laut Genesis sagt Gott zu Adam:

Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen, ist der Erdboden deinetwegen verflucht.

Wilber dazu:

Adam wurde dafür bestraft, dass er auf Evas Stimme gehört hatte, das heisst, dass er dem Weiblichen gestattet hatte, in den mental-kommunikativen Bereich einzutreten.

Ja, es war durchaus nicht alles gut im Patriarchat. Dennoch schließe ich mit Wilbers Fazit:

Aus verschiedenen Gründen, sexistischen und anderen, blieb also der monumentale Übergang zum heroischen mentalen Ego weitgehend dem männlichen Prinzip überlassen. Schütten wir aber nicht mit dem Badewasser des Sexismus zugleich das Kind tatsächlicher Transformation aus. Im Patriarchat war nämlich eine echte Errungenschaft verborgen: das mentale Ich, ein durch Selbstbewusstsein charakterisiertes Ich höherer Ordnung, zustandegekommen durch eine wahrhaft evolutionäre Mutation des Bewusstseins. Diese Tatsache müssen wir freudig begrüßen, so sehr wir auch ihre negativen Seiten verdammen.

All Creatures Welcome – Schöner Film über den Chaos Computer Club

2019-01-21

Da habe ich doch jetzt erst den Film All Creatures Welcome von Sandra Trostel entdeckt, der einen wunderbaren Einblick in die Szene der Nerds & Hacker rund um den Chaos Computer Club gibt:

Aufmerksam wurde ich darauf durch den Vortrag Internet, the Business Side vom 35C3. Überhaupt lohnt es sich unbedingt, mal in den Mitschnitten vom 35C3 zu stöbern.
Eins findet ihr dort übrigens nicht, nämlich den Vortrag von Martin Sonneborn über seine Abenteuer im EU-Parlament.

Quellen-TKÜ = Staatstrojaner = Sicherheitslücken für alle

2019-01-15

Die CDU/CSU hat so was von gar nichts aus dem "demokratiegefährdenden" Hack gelernt, da möchte man fast meinen, die wollen gar nichts lernen: CDU/CSU fordern nach Datenklau mehr Ermittlungsinstrumente im Netz.
Schauen wir uns mal an, was sie da fordern (nachdem CSU-Staatssekretär Stephan Mayer sich bei Maybrit Illner als wahlweise Ignorant oder Lügner geoutet hatte):

Der CDU-Politiker nannte zudem die Quellen-TKÜ, bei der die Kommunikation von Sicherheitsbehörden erfasst wird, bevor diese verschlüsselt wird, oder Online-Durchsuchungen.

Quellen-Telekommunikationsüberwachung, was verbirgt sich hinter diesem Wortungetüm? Mit einem Wort: ein Staatstrojaner. Der Netzpolitik-Artikel zu Stephan Mayer bringt es auf den Punkt:

Tatsache ist, dass die staatlich geförderte Offenhaltung von Sicherheitslücken dazu führt, dass die Rechner von Millionen von Menschen unsicher sind – auch der Computer von Herrn Mayer.

Mein alter PC ab 50-Vortrag "Was ist eigentlich eine Sicherheitslücke?" klärt auf, was es mit diesen Sicherheitslücken auf sich hat. Die Innenministerien brauchen für ihre Staatstrojaner zwingend solche Sicherheitslücken, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind (sog. Zero-Days), um die Trojaner auf den Geräten der zu Beschnüffelnden unterzubringen.

Über diesen simplen Zusammenhang schweigen sich die Mainstream-Medien kollektiv aus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nachtrag vom 22.01.: Nicht mal auf die Linke ist in dem Punkt mehr Verlass – Wie die Linkspartei beim Staatstrojaner einknickt.
Und im November hat das BKA offiziell bestätigt, dass es Sicherheitslücken für sich behält, anstatt sie den Herstellern zu melden.

Nachtrag vom 08.02.: Japans Regierung hackt eigene Bürger.
Weiterer Nachtrag vom 08.02.: Fefes Empfehlung schliesse ich mich vollumfänglich an:

Der Gesetzgeber sollte sofort den Handel mit Sicherheitslücken unter Strafe stellen, und zwar unter empfindliche Strafe, und ebenso das Ausliefern von Produkten mit Sicherheitslücken oder das Einstellen von Support nach dem Verkauf von unsicheren Produkten. Wer unsichere Produkte verkauft, der sollte dafür haften, und zwar lebenslang. Da darf man sich nicht mit "ist end of life" rausmogeln dürfen. Dann hättet ihr es halt nicht verkaufen dürfen, wenn es so Kacke ist, dass es ohne euren Support nicht sicher betrieben werden kann!

Nachtrag vom 05.03.: Es geschehen noch Zeichen und Wunder – Justizministerin Barley setzt auf eine Updateverpflichtung und Haftung für fehlerhafte Software!

Wer Geräte mit fehlerhafter Software herstelle, "muss insgesamt haften", unterstrich die Ministerin. Dabei müsse mangelnde IT-Sicherheit einen Produktfehler begründen.

Nachtrag vom 21.03.: Die Bundesregierung betreibt seit 2017 eine eigene Behörde für das staatliche Ausnutzen von nicht veröffentlichten Sicherheitslücken, die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, kurz ZITiS.

Nachtrag vom 08.04.: Der Heimat-Horst setzt noch mal einen drauf mit dem Entwurf des IT-Sicherheitsgesetzes 2.0, der das BSI zur Hackerbehörde machen soll.

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