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Libra: Facebook will noch mehr Welt zu Geld machen
Die Ankündigung der globalen Kryptowährung Libra, die maßgeblich von Facebook entwickelt wird, hat mich so aus dem Kalten erwischt, dass ich erst jetzt eine Stellungnahme veröffentliche.
Zunächst für Uninformierte, die hinter Libra einen übermäßigen Energieverbrauch wie bei Bitcoin & Co. vermuten: Nein, Libra wird nur überschaubar wenig Energie verbrauchen, denn es verwendet kein Proof of Work, sondern zunächst die Zustimmung der Organisationen in der Libra Association, später dann Proof of Stake.
Gerade letzteres finde ich sogar ganz sympathisch, der Beginn der Umstellung auf genehmigungsfreien Betrieb ist spätestens in 5 Jahren geplant:
Diese Unterscheidung ist nicht nur aus technischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig: Genehmigungsfreie Systeme stellen geringe Hindernisse an Teilnahme und Innovation, widerstehen Zensurattacken und fördern einen gesunden Wettbewerb zwischen Infrastrukturanbietern (z. B. wer am Konsens teilnehmen kann) sowie Entwicklern von Anwendungen, die das Netzwerk nutzen. Da niemand andere Teilnehmer vom Markt ausschließen oder deren Transaktionen zensieren kann, können bei einem genehmigungsfreien System die Nutzer stärker darauf vertrauen, dass keine einzelne Partei einseitig die Regeln des Netzwerks zu ihrem Vorteil ändern kann. Im Grunde bedeutet ein genehmigungsfreies System, dass eine unwiderrufliche Entscheidung getroffen wurde, ein offenes Netzwerk zu betreiben, bei dem Änderungen nur implementiert werden können, wenn eine Mehrheit der Teilnehmer zustimmt.
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Sesshaftwerdung als erster Clusterfuck der Menschheitsgeschichte
Kaum hatte ich den Begriff entdeckt, habe ich mir auch schon das Clusterfuck-Buch bestellt. Sehr erhellend! Ich habe bisher nur wenig darin gelesen & erst mal beim zweiten Kapitel “Die Geister, die ich rief” angehalten. Denn darin fällt der Satz
Die Sesshaftwerdung kann für sich reklamieren, der erste veritable Clusterfuck der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein.
Diesen Beitrag schreibe ich auch zum Verkaufsstart der deutschen Übersetzung von James C. Scotts Buch “Against The Grain”, das ich hier im Blog schon mal angekündigt hatte. Das habe ich übrigens immer noch nicht angefangen zu lesen, obwohl sich die Gründe dafür mehren.
Ein weiterer Grund ist nämlich Sergius Golowin, dessen Buch Das Reich des Schamanen: Der Eurasische Weg der Weisheit ich gerade lese. Darin beschreibt er, wie die Fahrenden Völker des Ostens die europäische Kultur immer wieder neu befruchtet haben. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mongolen, die Hunnen und die Tataren (im Altertum sprach man auch von den Skythen).
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Evidenzbasierte Ernährung
In den letzten Wochen sind zwei Bücher über Ernährung in mein Leben getreten, die ich euch wärmstens ans Herz lege: zum einen Der Ernährungskompass von Bas Kast (das gibt es übrigens auch als Hörbuch), zum anderen Was die Seele essen will: Die Mood Cure von Julia Ross.
Es war vor allem aufschlussreich, beide parallel zu lesen, weil es viele Übereinstimmungen, aber auch manche deutliche Unterschiede zwischen den beiden gibt. Das liegt zum Teil vermutlich daran, dass sie unterschiedliches bezwecken: Bas Kast untersucht, was eine gesunde Ernährung ausmacht, mit der man möglichst gesund möglichst alt wird, während es Julia Ross um die Auswirkungen unserer Ernährung auf unsere Stimmungslage geht.
Der Titel spielt übrigens auf den Begriff Evidenzbasierte Medizin an, in dessen Dunstkreis sich ja beide AutorInnen bewegen.
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Demokratie in Europa: Man kann morgen auch Varoufakis wählen
Danke Fefe, dass du mich einen Tag vor der Europawahl noch daran erinnert hast, dass man ja morgen auch Yanis Varoufakis wählen kann – nämlich in Form von DiEM25. Sein Argument hat mich überzeugt:
Varoufakis ist aus meiner Sicht der Idealkandidat, um im Europaparlament nicht nur fiese Reden zu halten, sondern auch konkrete Vorschläge vorzulegen. Und zwar ernsthafte Vorschläge, die er vorher mal durchgerechnet hat. Nicht so Merkel-mäßig “wir müssen und alle zusammen…"-Hohlphrasen, und nicht so SPD-mäßig “wir müssen bloß die Probleme alle lösen”-Bullshit. Die Vorschläge sind dann on the record und keiner von den anderen Abgeordneten hat dann noch Unwissenheit als Ausrede.
Auf Platz 4 der
europäischendeutschen Liste von Demokratie in Europa/DiEM25 steht Bianca Praetorius, die im April von Tilo Jung interviewt wurde:
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Ein Anarchist feiert 70 Jahre Grundgesetz
Das ist das Schöne daran, dass ich auch innerer Anarchist bin: Ich bin nicht gezwungen, immer und in jeder Situation pauschal jede staatliche Struktur abzulehnen. Unter dem Strich finde ich, dass dieses Grundgesetz doch eine gute Sache ist. Die letzte deutsche Verfassung hat immerhin nur 14 Jahre gehalten.
Deshalb bin ich heute für meine Verhältnisse früh aufgestanden, um bei der Geburtstagsfeier am Brandenburger Tor dabei zu sein (Kurzbericht in der Tagesschau). Übrigens fördere ich als Stifter bei der Bewegungsstiftung damit u.a. auch die Gesellschaft für Freiheitsrechte, die diese Geburtstagsfeier ausgerichtet hat, & die dafür kämpft, dass das Grundgesetz auch lebendig bleibt.Allerdings bin ich doch mit etwas gemischten Gefühlen zum Brandenburger Tor gefahren, denn 1990 ist mir als große verpasste Chance im Gedächtnis geblieben, wie auch dem Neuen Forum und vielen anderen in Ost und West. Die Wiedervereinigung hätte anstatt der feindlichen Übernahme der DDR durch die BRD, wie sie de facto ablief, eine demokratische Neugestaltung Deutschlands von unten ermöglichen können. Das Grundgesetz selbst sah von Anfang an vor, dass es eines Tages von einer Verfassung abgelöst wird, die sich das deutsche Volk selbst gibt. 1990 war die Gelegenheit dafür, doch diese Gelegenheit wurde nicht genutzt. In Island hatte das vor sechs Jahren allerdings auch nicht geklappt.
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Aufmerksamkeit und Hierarchien
Mir ist kürzlich ein neuer Aspekt des großen Themas Aufmerksamkeit(sökonomie) aufgegangen, das mich bekanntlich schon lange beschäftigt. Und zwar ist durch das Internet ja tatsächlich das erste Mal in der Menschheitsgeschichte ein globaler Aufmerksamkeitsraum entstanden, eine echte Weltöffentlichkeit. Vorher gab es zwar schon Massenmedien, die theoretisch in der Lage waren, jeden einzelnen Menschen auf der Erde zu erreichen – aber diese Kommunikation geht nur in eine Richtung, die Massen sind nur passive Empfänger. Im Internet kann nun theoretisch jeder einzelne Mensch zum Sender werden, und zwar theoretisch an alle anderen Menschen.
So weit so bekannt. Wie funktioniert das nun praktisch? Die zentrale Aussage der Aufmerksamkeitsökonomie ist, dass in dieser Konstellation die Aufmerksamkeit der Menschen zum knappen Gut geworden ist. Ich kann einfach schon prinzipiell nicht allen acht Milliarden anderen Menschen gleichzeitig zuhören oder -schauen.
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Imperium im Endstadium
War ja klar, dass schon andere vor mir auf den Gedanken gekommen sind:
Diese Analogie liegt ja auch sehr nahe.
Public Radio International März 2019
Süddeutsche Dezember 2016 – auf den beiden Porträts sehen sich Trump & Nero erschreckend ähnlich
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Global Clusterfuck
So langsam frage ich mich, wie dieser Fefe eigentlich seine gute Laune behält. Für mich fing der Tag mit dem nächsten Kapitel der Prozessor-Apokalypse an (nachdem sie bei Google gerade zu dem Schluss gekommen sind, dass man da mit Software-Patches nichts machen kann). Gestern hatte ich schon Fefes Rant über Grafikkartentreiber gelesen:
Unter Kernel-Code-Auditoren gab es damals teilweise ernsthaft die Frage, warum wir uns hier eigentlich soviel Mühe machen, wenn die Leute da draußen GPUs und Treiber haben, die alles wieder zum Scheunentor machen.
Ach so, & dann natürlich das Berliner Dauerthema BER, über das ich an dieser Stelle keine weiteren Worte verlieren werde als dass es genau ins Bild von Global Clusterfuck passt.
Jedenfalls hatte mir ja gestern Abend noch die Meldung vom EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung die Laune verdorben.
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Die Bürokratie wird uns noch alle umbringen – ist das dann Mord oder doch Selbstmord?
Das Urteil des EuGH zur Arbeitszeiterfassung hat mir gerade nachhaltig die Laune verdorben. Für unser kleines, beschauliches Diamond Lotus Tantra Institut bedeutet das nämlich massive zusätzliche Bürokratie. Nicht dass wir davon nicht schon mehr als genug hätten, mit DSGVO usw. usf.
Es läuft doch ganz grundsätzlich etwas falsch. Rollen wir das mal an diesem aktuellen Beispiel Arbeitszeiterfassung auf:
In vielen Betrieben wird heutzutage die Arbeitszeit nicht erfasst. Es wird also nicht dokumentiert, wann die Mitarbeiter in die Firma kommen und wann sie wieder nach Hause gehen. Das führt häufig dazu, dass die maximal zulässige Arbeitszeit überschritten wird.
Der Grund für das Urteil ist also, dass Menschen (in diesem Fall Arbeitgeber) ihre Freiheit missbrauchen, um andere auszubeuten. Nun gehören auch zum Ausbeuten immer zwei dazu. Das betont auch Fefe in seinem Beitrag zu Überstunden.
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Evolution: sinnvoll oder unsinnig?
Beim Lesen von Thomas Metzingers Buch “Der Ego-Tunnel” fiel mir immer wieder auf, wie nachdrücklich er betont, dass die natürliche Evolution weder ein Ziel noch eine Richtung hat. Im 2. Kapitel schreibt er dazu:
Zunächst dürfen wir nicht vergessen, dass die Evolution von Zufallsereignissen angetrieben wird, dass sie keine Ziel verfolgt oder eine Richtung besitzt und dass sie das, was uns heute als eine kontinuierliche Optimierung von Nervensystemen erscheint, in einem blinden Vorgang von Variation des Erbguts und Selektion durch die Umwelt geleistet hat. Es ist falsch, anzunehmen, dass die Evolution Bewusstsein erfinden musste – im Prinzip hätte es auch ein nutzloses Nebenprodukt sein können. Zu keinem Zeitpunkt gab es so etwas wie eine Notwendigkeit.
Darin unterscheidet sich die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie grundsätzlich von “spirituellen” Evolutionstheorien wie der von Ken Wilber, denn Wilber postuliert mindestens eine Richtung der Evolution, nämlich hin zu mehr Komplexität und mehr Bewusstheit. (An dieser Stelle wird es interessant, denn empirisch lässt sich diese Richtung doch tatsächlich beobachten, oder? Dieser Frage gehe ich hier jedoch nicht weiter nach.) Viele integrale Denker behaupten neben einer solchen Richtung der Evolution auch, dass diese ein Ziel, einen Endpunkt habe. Teilhard de Chardin nannte diesen den Punkt Omega.
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