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Gehorchen: Herrschaft aus der Sicht der Beherrschten
Wie hinlänglich bekannt ist, bin ich Anarchist, was heißt, dass ich mich für eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Zwang einsetze und dabei auf das Prinzip der Selbstorganisation und Selbstverantwortung in überschaubaren sozialen Einheiten setze.
Trotzdem habe ich lange Zeit das Kunststück hinbekommen, mich mit dieser intellektuellen Einstellung gleichzeitig in meinem Leben als Opfer zu empfinden.Ein Stück von dem langen Weg dahin, dass ich das heute nicht mehr tue, beleuchten die Artikel Vertrauen riskieren sowie der Fight Club-Artikel Mit Tyler Durden zum Nullpunkt.
Inzwischen lebe ich in dem Bewusstsein, dass Leben immer ein Risiko ist und übernehme die wahre Verantwortung dafür.
Und damit sind wir beim Thema dieses Beitrags: Herrschaft ist das Verhältnis von einem oder mehreren Herrschern und einem oder mehreren Beherrschten. Es braucht das Handeln beider Seiten, um ein Herrschaftsverhältnis zu etablieren.
Auch Anarchisten richten ihren Blick zu oft nur auf die bösen Herrscher, die es zu stürzen und damit die Herrschaft abzuschaffen gilt.
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Grundeinkommen, Erpressbarkeit und Freiheit
Am Samstag war ich ja auf der Demo fürs Bedingungslose Grundeinkommen & setze mich auch anderweitig dafür ein. Vor dem Hintergrund meines Beitrags über Bedürfnisse und frei sein stellt sich allerdings die Frage, wo das BGE da reinpasst.
Einerseits ist das Grundeinkommen gerade ein wesentlicher Schritt zu mehr gesellschaftlicher Freiheit, weil jedeR damit zu allen Angeboten von “Arbeitgebern” auch Nein sagen kann, ohne um die eigene Existenz fürchten zu müssen. Das ist das, was u.a. Wolf Lotter in seinem Artikel Der Lohn der Angst schreibt. Erst mit BGE gibt es überhaupt einen wirklich freien Arbeitsmarkt, auf dem beide Seiten auf gleicher Augenhöhe verhandeln können - das Ende der derzeitigen Kultur der Angst.
Aber ist das wirklich so? Brauchen wir dafür wirklich ein Grundeinkommen, oder schaffen wir ganz im Gegenteil damit nicht eine neue und vielleicht noch tiefere Abhängigkeit - nämlich die von eben jenem Grundeinkommen? Denn auch ein Rechtsanspruch garantiert mitnichten, dass ich das Geld auch tatsächlich bekomme. In diesem Leben, auf dieser Welt gibt es nur eine Garantie: dass wir alle sterben werden.
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Du bist der Grund für dein Einkommen
Unter diesem Motto war ich gestern in Berlin beim Aktionstag Grundeinkommen ist ein Menschenrecht:

(die Krone stammt von der Krönungswelle)
Von den VertreterInnen der Parteien berührte mich die Ansprache von Susanne Wiest am meisten. Ralph Boes hungert seit nunmehr 46 Tagen als politischer Protest gegen die Hartz IV-Sanktionen.
Vom Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus ging’s bei strahlendem Sonnenschein zur Zwischenstation, dem Friedrichstadtpalast, wo Bernadette La Hengst uns alle in den Chor des Bedingungslosen Grundeinsingens verwandelte.

Das Lied Wir singen zur Senkung der Arbeitsmoral fand ich klasse und es erinnerte mich daran, dass ich mir unbedingt noch den Film Frohes Schaffen ansehen will.
Ebenfalls vor dem Friedrichstadtpalast kam Inge Hannemann zu Wort, als Whistleblowerin sozusagen das Hartz IV-Pendant zu Edward Snowden. Sie ist als Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters derzeit freigestellt, weil sie die Sanktionen öffentlich als Verstoß gegen die Menschenwürde und damit das Grundgesetz anprangert. Sie bekam übrigens am gleichen Tag den taz Panterpreis verliehen.
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Bedürfnisse/Bedürftigkeit, brauchen und frei sein
Der heutige Beitrag ist mehr eine ausführliche Fragestellung, weil es um einen scheinbaren Widerspruch geht, den ich bisher noch nicht auflösen konnte. Es geht um Bedürfnisse bzw. Bedürftigkeit auf der einen Seite und auf der anderen Seite darum, wirklich frei zu sein. Irgendwie gelingt es mir praktisch, mir sowohl meiner völligen Abhängigkeit und Bedürftigkeit bewusst zu sein und dabei gleichzeitig (innerlich) frei. Gedanklich sind das jedoch noch immer totale Gegensätze. Daher werde ich nun die ganze Thematik auseinander klamüsern & ausbreiten.
Fangen wir an mit Zitaten aus dem Artikel Geburtlich zusammen leben von Ina Praetorius. Was sie darin schreibt, lässt sich kaum bestreiten:
Nur ein paar Jahrzehnte, höchstens, sind wir, die Geborenen, fähig zu handeln, also ein Stück Welt zu gestalten, immer bezogen auf bedürftige Mithandelnde. Gleichzeitig bleiben wir eingebunden in die Matrix Welt. In fast jeder Hinsicht sind wir abhängig vom und von anderen. Keiner und keine von uns kann auch nur fünf Minuten ohne Luft überleben, oder eine Woche ohne Wasser. Von Luft und Liebe, Gemüse und Moral, von Geschichten, Traditionen und der Arbeit anderer leben wir, und schon bald werden wir eingehen in die Erde. Weit entfernt sind wir von der Fiktion, die Johann Gottlob Fichte die Selbstsetzung des Subjekts und Immanuel Kant Autonomie nannte.
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Big Data als verzweifelter Versuch, die Kontrolle zu behalten
Mit ein paar Monaten Verzögerung habe ich jetzt das Probeheft der Zeitschrift “Wirtschaftsinformatik & Management” durchgelesen, das sich kurz vor Edward Snowdens Enthüllungen mit dem Thema Big Data beschäftigt. Wenige Wochen später hätte diese Ausgabe vermutlich ganz anders ausgesehen… Der Artikel “Erstellung von Technologie- und Wettbewerbsanalysen mithilfe von Big Data” formuliert das Problem:
Vor dem Hintergrund globaler dynamischer Märkte und der täglich erlebten Informationsflut wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Alle Entscheider(innen) benötigen zusammenhängende und objektive Informationen, die schnell und kompakt Ein- und Überblick geben in der komplexen Welt der Datenflut.
Big Data ist letzten Endes nur mehr desselben, nämlich mehr Kontrolle bei der kleinen Minderheit der so genannten “Entscheider”, während die große Masse, die die eigentliche Arbeit tut, gerade nicht entscheidet. Durch Big Data soll das Informationsgefälle noch größer werden - wie auch NSA & Co. gerade demonstrieren. Das funktioniert aber nicht, wie Wolfgang Berger in seinem Buch Business Reframing erkannt hat:
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Wahre Liebe
Am Dienstag früh habe ich auf YouTube die Band Cäthe entdeckt & mir gleich mittags beide CDs gekauft. Eines meiner absoluten Lieblingslieder von Cäthe ist “Wahre Liebe”, das der perfekte musikalische Ausdruck dessen ist, was ich über die Monogamie geschrieben habe – “Ich halt doch keine Schmetterlinge an Leinen”:
Versteh mich nicht falsch,
wenn ich sage Lass mich losIch mein’ damit nicht dass ich dich nicht liebe
Ich lieb’ dich sehr und das spürst du auchWart’ nicht drauf, dass ich sage
Kommst du bitte zu Tisch
Kommst du bitte ins Bett
Kannst du bitte mit mir lachen, kannst du bitte mit mir weinen
Ich halt’ doch keine Schmetterlinge an Leinen
Keiner ist eine Insel
Doch wir haben alle einen Strand zum empfangen
Und ich bin glücklich wenn du mich besucht
Ich reich’ dir einen Vitamin-Cocktail dazu
Aber hörst du…
Du bist auch ohne mich was du mit mir bist
Ich bin auch ohne dich was ich mit dir bin
Und was wir erleben ist nicht für mich und nicht für dich
Wahre Liebe, die gehört uns nicht und wir sind
Wahre Liebe, wahre Liebe
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Die Partei der Besserverdienenden will Vermögen begrenzen
Dieses FDP-Wahlplakat war der Anlass, dass ich meinen Artikel zur volkswirtschaftlichen Saldenmechanik endlich mal geschrieben habe:

Da den Staatsschulden gerade die Vermögen der Privaten entsprechen, fordert die FDP also eine Begrenzung der privaten Vermögen (eine Guthabenbremse).
Endlich mal eine vernünftige Forderung der FDP - auch wenn ihr das sicherlich nicht bewusst ist! ;-)
Vielleicht fühlt sich ja jemand berufen, Rainer Brüderle ein Exemplar von Wolfgang Stützels Volkswirtschaftlicher Saldenmechanik zukommen zu lassen… Als Einstieg für einen vielbeschäftigen Wahlkämpfer gibt es außerdem das “Executive Summary”.
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Saldenmechanik und Guthabenkrise
Alle Welt redet von der Schuldenkrise, dabei haben wir natürlich spiegelbildlich auch eine Guthabenkrise, was aber fast niemand sehen will. Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellen sich nämlich viele Sachverhalte ganz anders dar als aus der betriebswirtschaftlichen Einzelsicht. Die volkswirtschaftliche Saldenmechanik von Wolfgang Stützel befasst sich im Wesentlichen mit der Anwendung buchhalterischer Grundsätze auf die Volkswirtschaft. Zu jeder Buchung gibt es eine Gegenbuchung; des einen Schulden sind des anderen Vermögen, und umgekehrt.
Wiederum über die Geldsystempiraten habe ich mich nun ausgiebig mit der Saldenmechanik befasst. Als Einstieg dient dabei Jörg Buschbecks Video im Vorfeld des Mumble-Grillfestes.
Über Schattenarbeit hatte ich ja letztens schon im Zusammenhang mit den Geheimdiensten geschrieben.
Sein Konzept der Monetative hatte ich im Beitrag über das Vollgeld als brauchbare Alternative kurz angedeutet, heute gibt’s die Einzelheiten. Die Mumble-Podiumsdiskussion bei den Geldsystempiraten geht über 2 Stunden, lohnt sich aber genau so wie der Mumble-Mitschnitt zum Zins. Meine Lieblingsformulierung ist die von den Geldsystempiraten als “Breitband-Anti-Idiotikum”. :-D
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Bradley Manning: Lehren für Whistleblower und Journalisten
Dass Bradley Manning bzw. inzwischen Chelsea Manning nun zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, habe ich zum Anlass genommen, mal das Protokoll seines Chats mit Adrian Lamo zu lesen. Da macht er sich komplett nackig vor Adrian Lamo, & man erfährt eine ganze Menge über seine persönlichen Hintergründe.
Im Gegensatz zu Snowden wird Putin für Manning keine Sympathien hegen…
Es ging ihm offenbar ziemlich dreckig zu der Zeit. Trotzdem war es im Rückblick sein größter Fehler, sich Lamo (oder überhaupt jemandem) anzuvertrauen.
Daraus ergeben sich ein paar Lehren für Whistleblower: Du kannst sehr, sehr einsam sein in so einer Situation. Aber 35 Jahre im Militärgefängnis sind wahrhaftig auch kein Zuckerschlecken. Ich empfehle daher folgende Verhaltensregel: Leake deine Dokumente & dann halte still. Kein Wort zu niemandem. Wenn’s sein muss bis an dein Lebensende.
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Paranioamodus off - Geheimdienste abschaffen
Wenn ich bisher vielleicht noch vereinzelte Anflüge von Zweifeln daran hatte, dass Geheimdienste vollkommen unnütz sind, so hat mich Alternativlos Folge 8 nun endgültig überzeugt, dass alle diese Einrichtungen sofortigst abgeschafft gehören. In einem Sinne beruhigt das, denn mit Fefe sage ich, “dass unser bester Schutz vor dem Unterdrückungsstaat die Inkompetenz der Unterdrücker ist.” Insofern sollte statt des Parlamentarischen Kontrollgremiums lieber mal der Bundesrechnungshof die deutschen Geheimdienste durchchecken. Mein Tipp: Es wird sich herausstellen, dass es sich dabei zu 98% um Verschwendung von Steuergeldern handelt. Auch beim Bund der Steuerzahler ist das Thema vollkommen unterbelichtet.
Die Geheimdienst-Beschäftigten sollten dann alle erst mal auf das Krankheitsbild Paranoia überprüft werden. Das scheint regelrecht eine Art Zugangsvoraussetzung für die Dienste zu sein.
Unter ähnlichen Symptomen leiden übrigens viele Geheimdienstkritiker bzw. -gegner, die aus ihrer Paranoia heraus empfehlen, sich mit den gleichen Methoden vor den Geheimdiensten geheim zu halten.
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