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Geld als eigenständige Intelligenz
Unser Organisationsentwickler Martin Dehnke hat mich auf die Bewegung der Gippies (GPI) aufmerksam gemacht, die davon ausgehen, dass das Geld eine eigenständige Intelligenz entwickelt hat. Im Artikel Das Geld denkt wird das plausibel:
Im Unterschied zu Leuten, die glauben, dass aus dem Internet eine Intelligenz entstehen kann, glauben wir, dass Intelligenz Interesse voraussetzt, Intentionalität. Geld hat das: Es will sich reproduzieren. Dazu nutzt es die Märkte, den Trading Floor, die Volkswirtschaften, sogar die mathematischen Modelle, die es beschreiben sollen. Sobald jemand ein Modell entwickelt, das die Zirkulation beschreibt, wird wer versuchen, dieses Modell zu instrumentalisieren. Damit Geld zu verdienen. Das wird das Modell zügig obsolet machen, und durch diese stete Selbstkorrektur ist die erste Schicht des Geldbewusstseins, sein primäres Selbstbewusstsein sozusagen, schon bezeichnet.
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Aufmerksamkeitssteuer für "soziale Medien" wie Facebook, Twitter, Instagram
Aus den USA kommt eine echt bedenkenswerte Idee: eine Aufmerksamkeitssteuer. Das ist vor allem deshalb eine radikale Forderung, weil wir uns in einer voll entwickelten Aufmerksamkeitsökonomie befinden. Sowohl die materiellen Dinge als auch die immateriellen, heutzutage fast ausschliesslich digitalen Inhalte türmen sich im Überfluss vor uns auf. Das einzige, was sich nicht vermehren lässt, ist unsere Lebenszeit und was wir in dieser Zeit unsere Aufmerksamkeit widmen. Und angesichts des ständig wachsenden Angebots fühlt sich unsere Aufmerksamkeit immer knapper und wertvoller an.
Genau deshalb setzen die asozialen Netzwerke alles daran, unsere Aufmerksamkeit so umfassend wie möglich zu binden.
Betrachtet man allerdings unsere Aufmerksamkeit als öffentliches Gut, dann ist einer solchen Privatisierung natürlich energisch entgegenzu_steuern._ Deshalb: Aufmerksamkeitssteuer für Facebook, Twitter, WhatsApp, Instagram, YouTube usw. usf.!
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Besorgter Bürger 2019
Da der Trend zur Vermögenskonzentration ungebremst anhält, wird es wohl bis auf weiteres jedes Jahr einen “Besorgter Bürger”-Beitrag hier im Blog geben. Dies ist damit derjenige für 2019, nach denen im letzten Jahr, im Jahr 2017 und dem ersten im Jahr 2015.
In der deutschen Zusammenfassung des World Inequality Report 2018 findet sich folgender für mich überraschender Sachverhalt:
Noch hat die Vermögensungleichheit in Europa oder den USA allerdings nicht wieder das Niveau des frühen 20. Jahrhunderts erreicht.
Schaut euch dazu auch die Grafik auf Seite 13 der Zusammenfassung an. Aus der Kurve geht hervor, dass in den USA, Frankreich und Großbritannien die Vermögensungleichheit zwischen 1913 und Mitte der 1980er Jahre abgenommen hat, seitdem steigt sie wieder an.
Der Telepolis-Artikel schreibt dazu:
Seit den 1980er Jahren ist auch die Branche der Steuerberatung rasch gewachsen, um den Reichen bei der Steuervermeidung zu helfen.
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Segel setzen für tiefe Demokratie
Der sehr tiefsinnige Dialog von François Michael Wiesmann und Dieter Halbach in der Oya zum Thema Gemeinschaft und Hierarchie inspiriert mich dazu, ein paar Stellen aus Arnold Mindells Büchern über tiefe Demokratie zusammenzustellen. Diese hatte ich hier im Blog schon einige Male erwähnt, so z.B. bei Alles gehört dazu und natürlich beim Worldwork in Warschau-Beitrag.
Tiefe Demokratie ist eine Haltung, die wahrhaftig endlich einen eigenen Beitrag verdient. Einige Ausschnitte aus Arnies Buch Der Weg durch den Sturm, das es beim Verlag für ganze 4,- € zu kaufen gibt:
Ebenso können die Werkzeuge der Weltarbeit nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn gewisse persönliche Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört nach meiner Erfahrung vor allem eine bestimmte Einstellung, die Haltung der tiefen Demokratie, welche unerschütterlich an die Wichtigkeit aller Teile eines Ganzen glaubt, an die Bedeutung aller unserer Persönlichkeitsteile und aller verschiedenen Sichtweisen in der Welt um uns herum. Weltarbeit braucht einerseits bestimmte Werkzeuge, welche ständig angepasst werden müssen, je mehr wir über unseren Planeten lernen, andererseits beruht sie auf der tiefen Demokratie als einer zeitlosen Gefühlseinstellung.
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Kalter Krieg 2.0 – The Return of the Fulda Gap
Mir war schon recht bald klar, dass der Zusammenbruch des Ostblocks nicht automatisch das Ende des Kalten Krieges bedeutete. Die ganzen Atomwaffen waren ja schliesslich noch da, und immerhin die Abrüstungsverträge weiterhin in Kraft. Das ändert sich jedoch gerade. Eine wesentliche Rolle spielt dabei John Bolton, seines Zeichens Mitglied des Project for the New American Century und
des Center for a New American SecurityGründer der Foundation for American Security and Freedom. Der ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die USA den INF-Vertrag über die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen gekündigt haben. Auch die Verlängerung des New START-Vertrages über atomare Langstreckenwaffen steht auf der Kippe.Dieser Bericht von Monitor fasst die Lage zusammen: Hochrüsten um jeden Preis: Die neuen nuklearen Pläne der USA. Es droht die Stationierung vieler neuer Atomwaffen in Europa. Deshalb “The Return of the Fulda Gap”. Das weckt bei mir ganz persönliche unangenehme Erinnerungen, denn bekanntlich waren in meinem Heimatdorf Atomwaffen stationiert. Wahrscheinlich wird allerdings die Suwalki-Lücke der neue Fulda Gap.
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Solidarität mit Rojava
Mit Erstaunen habe ich gerade festgestellt, dass ich hier im Blog noch gar nicht meine Solidarität mit der Demokratischen Föderation Nordsyrien Rojava erklärt habe. Das hole ich hiermit nach. Anlass ist die Arte-Dokumentation Syrien: Rojava stellt Frauen gleich, die ich euch unbedingt ans Herz lege.
Wer tiefer einsteigen will, kann das mit dem Comic Kobane Calling tun.
Und lest euch auch mal den Gesellschaftsvertrag von Rojava durch.
Nachtrag vom 09.10.: Türkisches Militär raus aus Rojava!
Nachtrag vom 17.11.: Arte hat noch ne neue Doku über Rojava, Der Traum der Kurden: Rojava.
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More Love
Seit kurzem bin ich wieder voll auf East Coast Hip Hop & hab bei Bandcamp voll bei KRS-One zugeschlagen. Dieser Titel hier läuft echt jenseits aller Kategorien:
Nachtrag: KRS-One hatte ich schon mal hier im Blog – Hip Hop ist Worldwork. Und wenn du dieses Lied auch so liebst, dann give some love $ to the Teacha!
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Es gibt keinen Naturzustand
Dieser Andreas Weber schreibt echt immer genialere Sachen. In der aktuellen Oya führt er unter der Überschrift Essbar sein aus, warum der Glaube an ein “Paradies”, an einen “unberührten Naturzustand” der frühen Menschheit, eine Illusion ist. Damit nähert er sich sehr Ken Wilber in dessen Buch Halbzeit der Evolution an, das hier ja schon mehrfach Thema war.
Ein paar Ausschnitte:
Wo der Mensch auftauchte, veränderte er die Natur radikal. Vieles spricht dafür, dass die ersten Bewohnerinnen und Bewohner Nordamerikas die ursprüngliche Megafauna, elefantenähnliche Mastodonten und gewaltige Faultiere, haben verschwinden lassen. Damit wären auch sie, die oft als Beispiele für die Möglichkeit perfekter Harmonie mit der Natur herhalten müssen, Nachfahren eines ersten Akts ökologischer Dominanz. Die ökologisch folgenreichste Technik, die oft nicht in Betracht gezogen wird, war das Feuer. Schon der Homo erectus kochte vor sechshunderttausend Jahren seine Nahrung. Vor allem aber legte er Ökosysteme in Asche. Er brannte Wälder ab, um auf der offenen Steppe besser jagen zu können – und vielleicht auch, um auf den nährstoffreichen Holzkohleresten erste Gärten zu kultivieren. Der Mensch der Vorzeit schuf somit bereits »neuartige Ökosysteme«, wie Forscher heute unerhörte Artmischungen wie den Berliner Schanzenwald nennen. […] Unberührte Natur – das ist ein Mythos, der nie gestimmt hat, so wenig wie der vom Paradies. Die Erde zu verändern, meint [Geograf Erle] Ellis, sei nichts Neues, sondern arttypisch: Homo sapiens ist jene Spezies, die den Planeten umbaut. Er ist ein Ökosystem-Ingenieur, ähnlich wie der Biber, auf dessen Konto ganze Feuchtgebiete gehen können, mit der entsprechenden Artenvielfalt. »Diese Welt ist nicht perfekt«, meint Ellis, »Aussterben gehört dazu«. Seit es den Menschen gebe, provoziere er ökologische Revolutionen.
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Die Videoüberwachung der BVG und die DSGVO
Durch das Sonderheft c’t wissen DSGVO wurde ich darauf aufmerksam, dass es im Rahmen der DSGVO auch eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DFA) bei besonders kritischen Vorgängen gibt. Großflächige Videoüberwachung öffentlicher Räume ist ein solcher besonders kritischer Vorgang, und die BVG schafft gerade neue Überwachungskameras mit Ton an (oder vielleicht sind diese sogar schon im Einsatz, das geht aus der Formulierung „Kameras der neueren Generation sind in der Lage, Audiodaten zu übertragen.“ nicht klar hervor).
Daher habe ich am Montag folgende E-Mail an datenschutz@bvg.de geschickt, mit mailbox@datenschutz-berlin.de im CC:
Sehr geehrte Damen und Herren,
haben Sie für die angekündigte Videoüberwachung mit Ton eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO (https://dsgvo-gesetz.de/art-35-dsgvo/) erstellt, und wenn ja, wo finde ich diese DSFA?
Herzlichen Gruß, Timo Ollech
Gestern kam vom Berliner Datenschutzbeauftragen dazu folgende Vor-Antwort:
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KI, Machine Learning – alles nur Hype
Diesen Satz aus dem Artikel Forget privacy: you’re terrible at targeting anyway muss ich einfach zitieren, weil er den Hype um KI (Künstliche Intelligenz) und Machine Learning (ML) auf den Punkt bringt:
This is, by the way, the dirty secret of the machine learning movement: almost everything produced by ML could have been produced, more cheaply, using a very dumb heuristic you coded up by hand, because mostly the ML is trained by feeding it examples of what humans did while following a very dumb heuristic.
Und ich übersetze ihn für euch auch ins Deutsche:
Das ist übrigens das schmutzige Geheimnis der Machine Learning-Bewegung: Fast alles, was ML produziert, hätte auch billiger produziert werden können mit einer sehr dummen, von Hand programmierten Heuristik, weil das ML im Wesentlichen dadurch trainiert wird, dass man es mit Beispielen von Menschen füttert, die ihrerseits einer sehr dummen Heuristik folgen.
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