Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Wenn die Aufmerksamkeitsökonomie heiss läuft

2018-03-30

Über die Aufmerksamkeitsökonomie im Netz habe ich mich ja schon vor 2 Jahren und auch davor & dazwischen immer wieder ausgelassen. Mit den neuesten Skandalen läuft sie nun endgültig heiss.
Über Facebook sagt Tim Wu zutreffend, dass das Problem schlicht darin liegt, dass Facebook, wie auch die anderen Medienkonzerne, profitorientierte Unternehmen sind. Sascha Lobo haut in die gleiche Kerbe:

Wenig empört die Öffentlichkeit so sehr wie das Gefühl, manipuliert worden zu sein. Genau das ist die riesige Ambivalenz des Werbemarktes, und zwar schon immer: Werbekunden wollen, dass ihre Werbung eine Wirksamkeitsgarantie hat - aber das Publikum versteht unter "Wirksamkeitsgarantie" Manipulation. Darin liegen Schwierigkeit und Gefahr für Facebook bei diesem Skandal. Das Social Network muss öffentlich behaupten, dass seine Werbung keine Manipulation ist (für das Publikum) und zugleich, dass seine Werbung als Manipulation funktioniert (für Werbetreibende).

Christian Stöcker vergleicht unseren Umgang mit den sozialen Medien mit der Ernährung:

Plattformen wie YouTube oder Facebook sind wie skrupellose Nannys, die uns ein Gummibärchen nach dem anderen reichen, ein mundgerechtes Häppchen nach dem anderen servieren. Ihr Ziel ist nicht, dass wir gesünder, fitter, kräftiger werden - sondern dass wir nicht aufhören zu essen. Und darin werden sie immer besser, denn sie lernen.

YouTube ist dabei übrigens nicht zu verachten, obwohl Facebook derzeit den ganzen Ärger abbekommt:

Menschen - und davon gibt es sehr viele - die beispielsweise YouTube als Unterhaltungskanal verwenden, hangeln sich dort gern von einem Video zum nächsten weiter, manchmal stundenlang. Dabei unterstützt sie der Empfehlungsalgorithmus der Plattform, der immer neue Videos zum Ansehen vorschlägt. Dabei hat er, wie ein ehemaliger YouTube-Entwickler vergangene Woche im "Guardian" berichtete, ein primäres Ziel: die Zeit zu maximieren, die Nutzer weiterschauen. Der Algorithmus optimiert das Angebot für maximale Sehdauer, "nicht für das, was wahr, ausgewogen oder gut für die Demokratie ist", so der ehemalige Entwickler. […]

Dieser Mann, ein Franzose namens Guillaume Chaslot, hat ein Programm geschrieben, um zu testen, wo die Empfehlerei hinführt. Eine Art YouTube-Seh-Roboter, der sich von diversen Ausgangssuchbegriffen durch das Angebot hangelte. Dabei landete er verlässlich bei immer extremeren, immer abseitigeren Inhalten. Oft waren es Videos mit Verschwörungstheorien, und zwar besonders häufig solche, die Donald Trump gut und Hillary Clinton schlecht aussehen ließen. Das hat vermutlich nicht damit zu tun, dass man bei YouTube Trump zum Präsidenten machen wollte - sondern damit, dass besonders emotionalisierende, aufregende, krasse Inhalte eben besonders gut laufen bei YouTube. Und krass können Trump und seine Fans besser als Clinton.

Atomwaffen in meinem Heimatdorf

2018-03-25

In der ARD-Mediathek gibt es noch bis 18.04. die Doku Als die Atombomben Deutschland veränderten zu sehen (darauf aufmerksam wurde ich durch Markus Kompas Blog). Die schaue ich mir gerade mit beklommenem Gefühl an.

In meinem Heimatdorf Alten-Buseck lagerten nämlich auch Atomwaffen. Es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel zum Sondermunitionslager Alten-Buseck, von dort habe ich den Google Maps-Link. Offenbar wird die Anlage seit Anfang diesen Jahres abgerissen.

Hätte sich der Kalte Krieg zu einem heißen Krieg entwickelt, dann wären wir dort mit als erste draufgegangen, Stichwort Fulda Gap.

#DeleteFacebook - sag ich doch

2018-03-22

Nun gibt es also auch ein Hashtag zum Facebook-Ausstieg: #DeleteFacebook. Ich hätte allerdings eher #Fexit dafür genommen. ;-)
Jedenfalls bin ich ja schon vor dem Aufkommen dieses Hashtags zum zweiten Mal dort ausgestiegen.

Zusätzlich dazu unterstütze ich hiermit ausdrücklich den Vorschlag von Fefe, den er in seinem Interview mit Meedia macht:

Die erste wichtige Sofort-Aktion wäre, dass die Medien alle Like-Buttons entfernen. Das sind Wanzen für Facebook. Das Einblenden so eines Buttons liefert die eigenen Leser Facebook ans Messer. Ich finde es verlogen, wenn dieselben Medien, die auf ihrer Homepage Dutzende von Trackern und Werbenetzwerken einblenden, dann anklagend den Zeigefinger gegen Facebook erheben.

In seinem Blog empfiehlt er deshalb:

Liebe Leser, angesichts der Facebook-Cambridge-Analytica-Geschichte wäre jetzt vielleicht der geeignete Moment, mal euren Lieblings-Blogs und Zeitungen freundliche (!) Leserbriefe zu schreiben, dass sie bitte die Like-Buttons wegmachen sollen. Und vielleicht auch gleich die anderen Tracker, wenn euch danach ist.

Gleiches gilt natürlich auch für Tweet- und Google Plus-Buttons. heise bietet schon seit Jahren eine datenschutzkonforme 2-Klick-Lösung an, die die Schnüffelfunktionen erst nach einmal draufklicken überhaupt aktiviert. Ihr seht sie unter diesem Beitrag in Aktion. :)

In meinem Beitrag über "Antivirus-Software" als Schlangenöl liste ich diverse Möglichkeiten auf, sich vor dieser Schnüffelei zu schützen. Das bewahrt einen dann nebenbei auch noch vor Malvertising.

Schlafen gegen den Kapitalismus

2018-03-16

Dem (Widerstand im Lummerland) habe ich nichts hinzuzufügen:

Der Schlaf lässt sich nicht erzwingen und hat seine eigenen Spielregeln. Er muss über uns kommen, ganz von allein und ohne Willenskraft oder Anstrengung. Je mehr wir uns anstrengen einzuschlafen, desto angespannter werden wir, und umso weniger können wir schlafen. Es ist eine Zeit der Freiheit, denn der Akt des Schlafens ist eine wirtschaftlich unproduktive Zeit. Sozusagen die letzte Bastion gegen den 24/7 Raubtierkapitalismus, denn in einer globalisierten Welt ist immer irgendwer irgendwo wach. Wer schläft, konsumiert nicht und produziert auch keinen Mehrwert. Ausgiebiges Schlafen ist von daher eine Rebellion gegen herrschende Zeitverhältnisse – gegen das Funktionieren der Welt.

Siehe auch Das Gras wachsen hören.

Janosch hat dazu zu bemerken:

Müdigkeit am Morgen

Nachtrag vom 29.03.: Offensichtlich befinde ich mich gerade in einem Zustand akuter Frühjahrsmüdigkeit. So sei es denn.
Außerdem schreibt Arnold Mindell in seinem Buch 24 Stunden luzid träumen:

Die Nez Perce, eine durch ihren heroischen und friedvollen Anführer Chief Joseph berühmt gewordene Gruppe amerikanischer Ureinwohner aus dem Osten Oregons, warnte, dass die europäische Arbeitsethik das Träumen zerstört. "Meine jungen Männer werden niemals arbeiten. Arbeitende Männer können nicht träumen, und Weisheit kommt im Träumen." Für die Nez Perce und andere Völker der amerikanischen Ureinwohner – wie die Maricopa aus Colorado und die Irokesen aus New York – bedeutete das Träumen die Äußerung der höchsten Gottheit. Der Rassismus und die Kolonisation der Ureinwohner-Kulturen ebenso wie entstehender Weltkulturen sind gleichzusetzen mit der verinnerlichten, sich täglich ereignenden Unterdrückung unserer eigenen träumenden Seelen.

Vertrauen üben reloaded

2018-03-11

Schon vor über 10 Jahren, im Mai 2006, habe ich den Untertitel dieses Blogs geändert von "Vertrauen zu lernen" in "Vertrauen zu üben".
Dabei hatte ich die ganze Zeit über geglaubt, mein Thema sei dabei nur das Vertrauen in andere Menschen. Mein Urvertrauen hatte ich für ansonsten groß gehalten.

Nun wird mir, wie sich in den letzten Beiträgen wie z.B. den Ruf hören schon andeutete, klar, dass ich da noch eine ganz andere Dimension zu entdecken & damit zu leben habe: mich anvertrauen. Auf eine subtile Art wollte ich bis vor kurzem doch noch irgendwie die Kontrolle behalten. Ich hatte tatsächlich Angst vor den "unfassbar großen Strömen", von denen ich in besagtem Beitrag schrieb, allerdings größtenteils unbewusst.

Je mehr ich meine Selbstwichtigkeit verliere & mich einfach als einen Teil des Ganzen, das mich umfasst, erlebe, verschwindet diese Angst. Die hat schlicht keine Grundlage mehr. Und das ermöglicht mir mehr & mehr, mich dem großen Ganzen mit seinen unfassbar großen Strömen anzuvertrauen, mich führen zu lassen.

Nachtrag vom 29.03.: Übrigens, eine tolle Trance dazu ist "Loslassen" von Werner Eberwein. Die höre ich seit einigen Monaten häufiger.

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