Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Der bisher stärkste Bewusstseinsraketentreibstoff meines Lebens

2017-06-11

Neben vielen anderen Impulsen sind es immer wieder Bücher, die mich in meinem Leben weiterbringen. Die derzeitige Krönung als Bewusstseinsraketentreibstoff ist das Buch Die Schule für Götter von Stefano Elio D'Anna (auch gebraucht erhältlich).
Ich werde mich dieses Mal gar nicht über den Inhalt auslassen, nur so viel: es erscheint mir als eine Art Upgrade von Castaneda. Auch in der Schule für Götter geht es ganz zentral um makelloses Handeln.
Schon sehr lange liebe ich es, alte Überzeugungen zu hinterfragen & über Bord zu werfen, wenn ich erkenne, dass sie mir nicht mehr dienen. Das tut ganz massiv die Schule für Götter, radikaler als alles, was mir bisher untergekommen ist, inklusive Don Juan Matus.

Vor gut einem Jahr wurde mir klar, dass alles ein Weltgeschehen ist, auch meine scheinbar privatesten Gedanken & Gefühle. Nun begreife ich gerade, dass das natürlich andersherum genauso gilt: Alles "da draußen" hat mit mir zu tun.

Ich werde mich daher fortan nicht mehr über irgendwelche "Weltthemen" äußern, nur insofern diese eben mit mir zu tun haben. Auf diese Art wird dieses Blog also jetzt viel persönlicher.

Und ich werde konsequent alles, was mir entgegen kommt (alle Sekundärprozesse in der Sprache der Prozessarbeit) als Gelegenheiten zum Lernen und Wachsen nehmen. Sich ärgern, sich ängstigen oder sich sorgen (in einem Wort: sich selber wichtig nehmen) blockiert die eigene Lernfähigkeit. Und dafür sind wir ja schließlich hier: zum Lernen.

P.S.: Es wirft den Großteil dessen, was ich hier bisher geschrieben habe, über den Haufen.

Nachtrag vom 12.06.: Speziell der Beitrag Trauma, Tod und Freiheit erscheint jetzt in einem neuen Licht. Damals schrieb ich

Unter Dissoziieren verstehe ich in diesem Zusammenhang, das traumatische Erleben abzuspalten, sich selbst zu sagen "das gehört nicht zu mir" (wiederum ggf. vorsprachlich). Letzten Endes unterscheidet sich das nicht von dem, was wir mit dem Ego, dem Sich-Identifizieren als Grenzziehung auch "normalerweise" tun. Wer dissoziiert, trennt einen Teil ab & macht diesen zu etwas Fremdem.

Und weiter:

Bewusstseinserweiterung kehrt, wie ich im Zusammenhang mit Kriegskindern und -enkeln schon geschrieben hatte, diesen Vorgang um: Schritt für Schritt betrachte ich immer mehr als Teil von mir bzw. nicht von mir getrennt. Im Fall von dissoziierten Anteilen aus traumatischen Erfahrungen handelt es sich meist um sehr schmerzhafte oder angstvolle Wahrnehmungen. Die gehören halt auch dazu.

Genau darum geht es: alle Dissoziation aufheben, alles voll zu mir nehmen. Die Sekundärprozesse aus der Prozessarbeit sind übrigens auch alle dissoziiert, das ergibt sich schon aus der Definition.

Ganz besonders knabbere ich gerade daran, dass dann offensichtlich auch Geheimdienste nicht von mir getrennt sind…

Nachtrag vom 13.06.: Käptn Peng fasst die Schule für Götter zusammen in Von Form zu Form

Nachtrag vom 14.06.: Es handelt sich bei der Schule für Götter um angewandten Solipsismus, und siehe da, der Wikipedia-Artikel zu diesem Thema zitiert aus den Upanishaden:

Die gesamte Welt bin im Grunde ich allein und außer mir ist nichts anderes existent und die gesamte Schöpfung habe ich selbst gemacht.

Und der Artikel Wahre Verantwortung aus der Sein fasst es gut zusammen.

Die Ahnen stehen im Rücken

2017-06-5

Am Pfingstsonntag habe ich einen Haka-Workshop mit Heidi Baatz mitgemacht. Beim Haka geht es sehr um die Ahnen und darum, deren Kraft zu sich zu nehmen. Das kommt in diesem Video gut zum Ausdruck:

Dazu gehört auch, sich zu bemalen. Ich sah z.B. so aus gestern:

Mitten im Workshop wurde mir auf einmal klar, dass ich nur deshalb hier bin, weil alle meine Ahnen Nachkommen in die Welt gesetzt haben. Das habe ich bisher nicht getan. Kann ich deshalb selber kein Ahne werden? Was heisst das überhaupt, Ahne zu sein?
Diese Frage kann ich so direkt im Moment nicht beantworten. Ich habe ein Bild dazu, das ich mit vielen Menschen teile: Die Ahnen stehen hinter mir & bilden so meine Ahnenreihe. Aus dieser Reihe können sie auch nicht ausscheren, egal wie sich zu Lebzeiten (oder danach) verhalten. Selbst wer sein Kind verstößt, bleibt dessen Ahne.
In diesem Sinne habe ich Millionen Legionen hinter mir:

Das also tut ein Ahne mindestens: Im Rücken seiner Nachfahren stehen und seine Kraft und seine Liebe an sie weitergeben. Und wenn ich statt leiblicher Kinder geistige Kinder in die Welt setze, dann stehe ich in deren Rücken. Ganz aktuell gilt das für die Kriegsenkelgruppe Leipzig/Halle, die zur Zeit akute Auflösungserscheinungen zeigt. Und auch Konrad in Neuseeland braucht mich gerade in seinem Rücken.
Die Buddhisten sprechen davon, dass Eltern ihre Kinder schützen, helfen, heilen sollen. Nicht mehr, nicht weniger.

Auch leibliche Kinder werden ja älter & sterben irgendwann. Es kann also nicht darum gehen, als Ahne sich dem Lauf der Welt in den Weg zu stellen & irgendetwas festzuhalten, sondern gerade darum, mitzufließen und meinen Teil beizutragen. Meine Nachfahren werden sich auf eine Art verändern, auf die ich irgendwann keinen Einfluss mehr habe. Je weiter hinten in der Reihe die Ahnen stehen, um so weniger erinnern sich die Lebenden noch an sie, sie werden immer abstrakter – & damit kein Stück weniger wichtig. Es brauchte jeden einzelnen meiner Ahnen, damit ich hier & heute leben kann.

Vielleicht berührt mich auch deshalb die Geschichte Der Mann, der Bäume pflanzte so (dieser Mann ist der Ahne eines ganzen Waldes!) und generell Geschichten von Menschen, die Wüsten wieder begrünen (siehe z.B. Mehr Wachstum! (Folge 2) in der Oya). Ahnen bereiten den Boden für späteres Leben. Kollektiv tun wir gerade das Gegenteil. Und da mir kürzlich klar wurde, dass man nicht nicht mitmachen kann, heißt Ahne sein, es anders und besser machen als die herrschende Kultur: sich wieder ganz dem Leben verpflichten. Denn der Tod kommt sowieso.

Heisst Ahne sein auch, dass einem das Leben der Nachkommen mehr am Herzen liegt als die eigene Selbstwichtigkeit? Die Native Americans richten ihr Leben am Wohlergehen der nächsten 7 Generationen aus. Da ist dann nicht mehr viel Platz für Selbstwichtigkeit. Und dabei beherrschen sie die Kunst, in dieser Ausrichtung ein gutes Leben in Fülle zu führen.

Ab sofort verneige ich mich morgens und abends vor meinen Ahnen – denen, die vor mir waren und denen, die nach mir kommen werden.

Man kann nicht nicht mitmachen

2017-06-1

Vorletztes Wochenende war ich mal wieder im ZEGG, beim Geld-Workshop für Männer bei Robert Heeß. Dabei ging es vor allem um das persönliche, emotionale Verhältnis zu Geld und auch um die persönliche Geld-Geschichte. Das Seminar bildet einen wichtigen Bestandteil meiner Reise ins Mysterium Geld.

In der Anfangsrunde, wo jeder sagen sollte, was sein persönliches Anliegen im Seminar ist, betonte ich, wie wichtig die kollektive und systemische Dimension des Themas Geld ist. Ganz im Sinne von Charles Eisenstein sagte ich, wenn es hier nur um individuelles Reichtumsbewusstsein gehen soll, bin ich im falschen Seminar. Nach einigem Hin und Her konnte ich klarstellen, dass ich damit nicht meine, wir müssten nun über konkrete Änderungsvorschläge wie bedingungsloses Grundeinkommen oder Freigeld diskutieren, sondern die kollektive Dimension jeweils im Hinterkopf behalten. Mit dem Zitat von Volker Pispers "Im Kapitalismus kann jeder reich werden, aber eben nicht alle" bekräftigte ich, dass es gut und richtig ist, individuelle Glaubenssätze aufzudecken und zu transformieren. Damit sind wir aber nicht am Ende, sondern es geht danach und auch schon parallel dazu ebenfalls um Veränderungen im Geld- und Wirtschaftssystem.

Nachdem das für mich geklärt war, konnte ich voll auf der persönlichen Ebene einsteigen. Schon in der Eingangsrunde gab Robert mir eine Frage mit, über der ich bis zum Ende des Workshops brüten sollte:

"Kann es sein, dass du Angst vor Geld hast?"

Ziemlich schnell war mir klar, dass das nicht ganz den Punkt trifft, vielmehr entdeckte ich, dass ich Angst vor Macht habe. Diese Erkenntnis bewegte ich in den nächsten Tagen weiter in mir.

Am Samstag war dann mal wieder Tanzabend, der für mich ebenfalls sehr erkenntnisreich wurde: Als ich mich wie so oft in die elektronischer werdende Musik fallen ließ, bemerkte ich auf einmal, dass ich regelrecht so etwas wie einen Schalter installiert habe, der umschaltet zwischen Kontakt mit der Musik und Kontakt mit anderen Menschen. Vor allem bei elektronischer Musik halte ich mein Herz und mein Sonnengeflecht verschlossen. Das traf mich ziemlich hart & ich hatte ganz schön daran zu knabbern. Es erwuchs daraus u.a. der Entschluss, in der nächsten Zeit bewusst Musik mit anderen Menschen zusammen zu genießen und mit diesen dabei in Herzenskontakt zu sein.
Schließlich kam die Krönung des Abends und auch des gesamten Seminars, ich entdeckte meinen höchstwahrscheinlich allerersten Glaubenssatz:

Ich will nicht dazugehören.

Auch das erschütterte mich wieder ordentlich. Wie habe ich mich schon damit herumgequält, dass ich mich nicht dazugehörig fühle. Und nun stellt sich raus, dass das meine ureigene Entscheidung war.

Am nächsten Morgen wurde mir dann noch klar, dass da gleich zu Beginn meines Lebens der kosmische Witz voll zugeschlagen hatte – das Universum versteht bekanntlich kein "nicht". Es hört also "Ich will dazugehören", was natürlich ein einziges Kuddelmuddel ergibt. Und es passt voll zu meiner Angst vor Macht. Ich wollte nicht mitmachen oder anders ausgedrückt keine Macht ausüben. Dabei gilt, frei nach Paul Watzlawick:

Man kann nicht nicht mitmachen.

Diese Erkenntnis sickert gerade nach & nach in mich ein. So eine 180°-Wende braucht ihre Zeit, bis sie vollzogen ist. Meine Entscheidung, ein makelloser Krieger zu sein, hat auch schon gut den Boden dafür bereitet. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Es kommt mal wieder darauf an, wie ich die Dinge einordne. Statt "nicht dazugehören" bzw. "nicht mitmachen/aussteigen" sehe ich nun, dass ich sehr wohl dazugehöre & einfach ein anderes Spiel spielen will. Damit bin ich auch bei weitem nicht alleine auf diesem Planeten. Im Kleinen liegt es an mir, welche Mitspieler ich mir aussuche, damit wir auch im Großen zeigen können, dass viele andere Spiele möglich sind.

Makellose Menschheit

2017-05-10

Vor knapp drei Jahren habe ich mich entschieden, den Weg der Makellosigkeit zu gehen. Der zentrale Aspekt dabei ist, um die eigene Sterblichkeit zu wissen. "Lass jede deiner Handlungen deine letzte Schlacht auf Erden sein", rät Don Juan Castaneda. Und er sagt

»Ich kenne weder Zweifel noch Reue. Alles, was ich tu, ist meine Entscheidung und meine Verantwortung. Die einfachste Sache, die ich tu, zum Beispiel dich in die Wüste mitnehmen, könnte sehr wohl meinen Tod bedeuten. Der Tod wartet auf mich. Darum habe ich keinen Platz für Zweifel oder Reue. Wenn ich als Folge dessen, daß ich dich mitnehme, sterben muß, dann muß ich eben sterben.
Du hingegen glaubst, daß du unsterblich bist, und die Entscheidung eines Unsterblichen können bereut oder bezweifelt oder rückgängig gemacht werden. In einer Welt, wo der Tod der Jäger ist, mein Freund, da ist keine Zeit für Reue oder Zweifel. Da ist nur Zeit für Entscheidungen.«

Die Szene mit der chemischen Verbrennung bei Fight Club ist mir sehr eindrücklich in Erinnerung geblieben:

Am Montag wurde mir klar, dass das nicht nur für jeden einzelnen Menschen gilt, sondern auch für die Menschheit als Ganzes. Die Spezies homo sapiens ist ebenfalls sterblich, sie wird eines Tages untergehen. Zur Zeit ist sie auf dem besten Wege dort hin.
Davon habe ich mich das erste Mal wirklich emotional berühren lassen. Es kann sein, dass ich zu Lebzeiten Zeuge werde, wie die Menschheit untergeht.

Wir kennen die Fakten, doch die wenigsten lassen sich in ihrem Herzen davon berühren. Täten sie es, dann könnten sie nicht so weitermachen wie bisher. Ein paar Absätze aus dem 10. Kapitel von Das Ende der Megamaschine reichen:

Die Maschinerie der endlosen Geldvermehrung braucht, um zu funktionieren, einen permanent steigenden Input an Energie und Rohstoffen, der auf der anderen Seite in einen ebenso rasant wachsenden Output von Müll und Treibhausgasen verwandelt wird. Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und planetarer Zerstörung ist so offensichtlich, dass man nur seine fünf Sinne benutzen muss, um ihn zu begreifen. Wer die verwüsteten Wälder Borneos oder des Amazonas bereist, die ölverseuchten Regionen Nigerias und des Golfs von Mexiko, die verstrahlten Regionen um Fukushima und Tschernobyl, die gigantischen Müllströme im Pazifischen Ozean, die vom Fracking vergifteten Landstriche in den USA, die vom Kupfer-, Gold-, Bauxit- und Uranbergbau verheerten Landschaften in Papua-Neuguinea, Indien, Ghana oder Chile und die bereits jetzt von Jahrtausendüberschwemmungen zerstörten Bergtäler Pakistans oder Nepals – um nur eine kleine und willkürliche Auswahl der planetaren Verwüstung zu geben –, braucht eigentlich kaum noch die Bibliotheken füllenden wissenschaftlichen Studien über den Ruin der Biosphäre zu lesen, um zu erkennen, dass ein System, das seine eigenen Existenzgrundlagen in derart rapidem Tempo zerstört, keine Zukunft hat. Das Ende billigen Öls ("Peak Oil") und die absehbare Verknappung strategischer Rohstoffe wie Kupfer und Uran setzen der fortgesetzten Expansion darüber hinaus energetische und stoffliche Grenzen.

Also, ganz offensichtlich kann unsere Spezies aussterben, so wie schon unzählige andere Arten im Verlauf der Geschichte unserer Erde.

Wenn wir als Menschheit in diesem Bewusstsein handeln, können wir bewusst mit unserem kollektiven Tod ringen und uns entscheiden, aus jedem Moment unserer Existenz ein Kunstwerk zu machen. Ja, die Menschheit wird eines Tages sterben. Wollen wir ernsthaft als Krebsgeschwür der Erde sterben, dessen sie sich in einer großen Katastrophe entledigt? Wollen wir uns wirklich kollektiv selbst töten? Wir sind wie gesagt gerade mitten dabei.

Darüber habe ich am Montag besonders geweint: was könnte aus dieser Menschheit noch Schönes und Außergewöhnliches werden. Es hat etwas von einem 18jährigen, der gerade frisch seinen Führerschein hat & mit Karacho mit seinem Auto aus der Kurve fliegt & gegen einen Baum rast.

Das können wir doch besser!!! Und ich nehme mich da keineswegs aus, ich mache bisher auch noch mit in der Megamaschine. Doch es fällt mir zunehmend schwerer, die Spannungen auszuhalten, die sich daraus ergeben.

Noch mal Don Juan:

»Unser Tod wartet, und gerade die Handlung, die wir jetzt tun, mag unsere letzte Schlacht auf Erden sein«, antwortete er feierlich.
»Ich nenne es eine Schlacht, weil es ein Kampf ist. Die meisten Menschen schreiten ohne inneren Kampf und ohne Nachdenken von Handlung zu Handlung. Ein Jäger dagegen beurteilt jede seiner Handlungen; und da er seinen Tod genau kennt, handelt er wohlüberlegt, als wäre jede Handlung seine letzte Schlacht. Nur ein Narr würde nicht erkennen, welchen Vorteil ein Jäger gegenüber seinen Mitmenschen hat. Ein Jäger zollt seiner letzten Schlacht die Achtung, die er ihr schuldet. Es ist nur natürlich, daß er mit seiner letzten Handlung auf Erden sein Bestes geben will. Auf diese Weise ist sie vergnüglich. Sie nimmt seiner Angst die Schärfe.«

Im Bewusstsein des sicher bevorstehenden Todes gibt es auch keine Kompromisse mehr. Und global gesehen haben wir nur noch die Wahl zwischen weitermachen wie bisher & dadurch untergehen, oder unseren Lebensstil radikal verändern & dadurch vielleicht noch mindestens einige Generationen weiterleben. Ein Kompromiss à la "hier und dort ein bisschen was verändern" läuft auf langsames Siechtum hinaus.
Bezogen auf das, was ich über Patentrezepte schrieb, heisst das: Alle diese einzelnen Dinge mit voller Kraft tun und so gut wie möglich synergisch miteinander verknüpfen. Und keine Sekunde länger damit warten.

Ach ja, was zur Makellosigkeit auch gehört: die eigene Selbstwichtigkeit verlieren. Damit stehen wir uns massiv selbst im Weg.

Würden wir einsehen, dass wir nichts Besonderes sind, sondern ganz banal Lebewesen wie alle anderen Tiere und Pflanzen auch, dann wäre uns schon viel geholfen. Wir werden geboren, und irgendwann verkrümeln wir uns wieder. Buchstäblich. Das ist auch schon alles. Und in der Zwischenzeit bilden wir uns ein, wichtig zu sein. Die meisten Probleme auf diesem Planeten entstehen schlicht deshalb, weil sich die Leute überschätzen.

Angesichts dessen können wir doch nur mit jeder unserer Handlungen unser Bestes geben. Vergesst die Tausendjährigen Reiche. Akzeptiert, dass ihr wieder zu Sternenstaub zerfallt, der sich im Großen Ganzen weiterverteilt und immer wieder neue Lebensformen hervorbringt und auch diese wieder zerfallen lässt.

Keine Patentrezepte mehr

2017-04-25

Ich möchte an dieser Stelle mal deutlich kund tun, dass ich keinen Bock auf Patentrezepte habe. Damit meine ich Welterklärungsversuche nach dem Schema "Wir müssen nur [xyz], dann wird alles gut." Von denen sind mir in meinem Leben schon genug begegnet:

Damit meine ich jetzt nicht, dass das schlecht ist, was die jeweiligen Leute fordern. Mir geht es um diese Ausschließlichkeit. Ich finde es z.B. sehr sinnvoll, sich gemeinschaftlich die Produktionsmittel anzueignen. Nur ist dann eben noch lange nicht alles gut, allein schon, weil das Leben nicht nur aus Produzieren besteht, sondern auch aus Spielen, für Kinder, Alte, Kranke & füreinander sorgen, Singen, Schlafen, Träumen, ekstatischem Sex, Kuscheln, Baden im Sommer & Skifahren im Winter (das nur als kleine Auswahl).

Deshalb lasst uns doch all diese wichtigen & wertvollen Aufgaben als Mosaiksteine des Guten Lebens betrachten, die alle dafür gebraucht werden, & keiner ist wichtiger als die anderen.

Nur auf diese Weise können wir Allianzen zwischen all diesen Ansätzen bilden. Allzu oft zerfleischen sich Gruppierungen, die jede für sich genommen gute Sachen machen, im Streit, wessen Anliegen nun das Wichtigere und/oder Dringendere sei. Dabei sind die wie gesagt alle wichtig, & ich finde es toll, was die Leute alles so auf die Beine stellen. Nur, weil ich meine begrenzte Lebenszeit nur begrenzt wenigen Anliegen widmen kann, liegen die anderen mit ihren Anliegen doch nicht automatisch falsch.

Fabian Scheidler bringt das im letzten Kapitel von Das Ende der Megamaschine unter der Überschrift "Revolution ohne Masterplan" gut auf den Punkt:

Der Ausstieg aus der Großen Maschine bedeutet eben auch einen Abschied vom universalistischen Denken, das – von der christlichen Mission bis hin zum Projekt des Weltkommunismus – den Anspruch auf die eine Wahrheit und die eine Vernunft erhoben hat (vgl. Kapitel 5). Das Fehlen eines Masterplans nach diesem Muster ist kein Manko, sondern ein Lernfortschritt aus den Desastern der vergangenen Jahrhunderte.

Da möchte ich noch ergänzen: Auch die Vorstellung, dass irgendwann alles gut wird, gehört zu diesem universalistischen Denken. Das Leben ist ein Fluss, das weiss auch Thomas D:

Nachtrag vom 12.05.: Vor ein paar Tagen habe ich das Buch How Soon Is Now? von Daniel Pinchbeck angefangen, & das hat mich nun doch davon überzeugt, dass Veränderungen im Geldsystem Vorrang vor allen anderen Maßnahmen haben sollten. Er schreibt darin nämlich folgendes:

Das Interessante am Sozialverhalten ist, dass es extrem ansteckend ist. Die Menschen neigen dazu, das zu tun, was ihre Mitmenschen tun – und sie können ihren Glauben und ihre Gewohnheiten schnell ändern. Sie können das sogar sofort, wenn sich die Belohnungsstruktur um sie herum ändern.

Und die zentrale Belohnungsstruktur in unserer Gesellschaft ist nun mal das Geldsystem.

Nachtrag vom 17.05.: Achim Ecker haut in die gleiche Kerbe mit seinem Artikel Wir haben keine Lösung.

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