Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Wir sind kollektiv bescheuert – und suizidal

2018-12-29

Mit meiner Oya-Lektüre hinke ich inzwischen eine Ausgabe hinterher, ich bin bei Nr. 50 "Landfürsorge".
Dazu passend habe ich mir gestern die Dezember-Anstalt mit dem Thema Fleisch-Industrie angesehen. Darin wird die Misere überdeutlich, wenn auch, wie meist in der Anstalt, kein Ausweg daraus gezeigt wurde. Den liefert dafür die Oya, z.B. mit dem Artikel Die Grasfresser wieder zu Landschafts-Gärtnern machen.
Im Artikel Handle with (Agri-)Care! fasst Ute Scheub knapp zusammen, was auch in der Anstalt gezeigt wurde:

Hauptverantwortlich für die Erdüberhitzung ist die Agro­industrie: die Pestizid- und Chemiedünger-Hersteller, Massen­tierhalter, Lebensmittelkonzerne, Landmaschinenbauer, Plantagenbesitzer und Herrscher der Mono- und Reinkulturen. Zusammengerechnet ergibt ihr Ausstoß an Treibhausgasen ungefähr die Hälfte aller klimarelevanten Emissionen. Um nur einen Teil der von ihnen verursachten Schäden aufzuzählen: Pestizide, Kunstdünger und tiefes Pflügen töten Bodenleben und Artenvielfalt; der aus dem Humus freigesetzte Kohlenstoff oxidiert in der Luft zu CO2. Schwere Maschinen verdichten den Boden, so dass Lachgas freigesetzt wird, 300-mal klimaschädlicher als CO2. Massentierhaltung erzeugt Methan, 25-mal schlimmer als CO2. Gülleverklappung führt zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser sowie zu immer größeren »Todeszonen« in den Meeren. Das »Institut für Welternährung« meldete im Juli, die US-Fleisch- und Milchkonzerne JBS, Tyson Foods, Cargill und Dairy Farmers hätten als Brandstifter am Weltklima inzwischen sogar die größten Ölkonzerne überholt.
In Europa gibt die »Gemeinsame Agrarpolitik« der EU vor, wie auf den Höfen zu wirtschaften ist. Ihr Grundproblem ist der Irrglaube, die Landwirtschaft müsse sich nach derselben Rationalisierungs-Logik entwickeln wie die Industrie. Die Brüsseler Subventionen machen gezielt Agroindustrielle noch größer, denn sie richten sich vor allem nach der Flächengröße eines Betriebs. ­Sogar Ackergift-Konzerne wie Bayer erhalten Riesensummen, weil auch sie Flächeneigentümer sind. Umgekehrt mussten Hunderttausende von kleinen Höfen und Familienbetrieben aufgeben, weil nach dem Motto »Wachse oder weiche!« nur die Größten und Fettesten überleben. Das führt zu immer höheren Betriebskonzentrationen mit spezialisierten Mono- und Reinkulturen. Immer weniger Menschen arbeiten mit immer schwereren Maschinen auf immer öderen Äckern.
Politisch gewollt wurden auf diese Weise Lebensmittel billiger gemacht, um so Kaufkraft für Industrieprodukte freizusetzen; sie enthalten dafür aber mehr Gifte und weniger Nährstoffe. Die EU exportiert ihre Lebensmittelüberschüsse in südliche Länder, ruiniert dort die Marktpreise für Kleinbauern und schafft damit Fluchtursachen. Und hierzulande erstarken Rechts­populisten in den ausgeräumten ländlichen Regionen, weil dort junge Männer kaum mehr Perspektiven haben. Wenn Agro-Angestellte Lebewesen wie tote Dinge behandeln und gleichzeitig selbst wie tote Dinge behandelt werden, erzeugt das Beziehungslosigkeit und Angst gegenüber allem Lebendigen und Vielfältigen – und in der Folge oftmals Hass auf alles Fremde und vermeintlich Bedrohliche. Monokulturen auf den Feldern verursachen Monokulturen in den Köpfen.

Kurz gesagt: Wir Menschen benehmen uns kollektiv total bescheuert, und mehr als das, wir zeigen deutliche suizidale Tendenzen. Diese "Strategie" ist hervorragend geeignet, um uns selbst in kurzer Zeit auszurotten.

Dabei sind die Auswege doch bekannt, und zwar schon sehr lange. Die aktuelle Oya 51 "Garten Erde" berichtet beispielsweise von Waldgärten als den wohl ältesten Anbausystemen der Menschheit.

Wir müssten die Auswege "nur" benutzen. Und da liegt eben der Hund begraben – das tut kaum jemand, weil es sich für die Einzelnen nicht lohnt. Damit wären wir wieder bei meinem Lieblingsthema, dem lebensförderndem Anreizsystem.

Übrigens ist dieser Beitrag eine Ergänzung zu Wir sind nicht zu viele - Wir sind nur zu blöd!.

Nachtrag vom 31.12.: Dieser Beitrag ist nebenbei auch eine Ergänzung zu Wir ziehen uns buchstäblich selbst den Boden unter den Füßen weg.
Siehe auch Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen können und Aufbauende Landwirtschaft – Boden wieder gut machen. Methoden einer regenerativen Agrarkultur.

Soll mein Blog postmodern werden?

2018-12-7

Der tiefere Hintergrund dieser Frage ist die ausufernde Anzahl an Tags, die ich über die Jahre hier eingeführt habe, um die Beiträge thematisch einzuordnen.
Durch die Känguru-Chroniken wissen wir, dass die einzig relevante Unterscheidung der Postmoderne lautet: Witzig oder nicht witzig.

Was haltet ihr also davon, ich würde alle bisherigen Tags löschen und nur noch 2 an ihre Stelle setzen: eben witzig und nicht witzig?

Der Haken an der Gewaltenteilung

2018-12-6

Zuerst mit der Französischen Revolution, dann mit der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung hielt das Prinzip der demokratischen Gewaltenteilung Einzug in die Staatsorganisation. Die Idee ist auch ganz schön und sinnvoll, hat aber einen großen Haken: Wenn es hart auf hart kommt, dann bleibt nur noch eine Gewalt übrig, nämlich die, die die Waffen hat – die Exekutive. Oder habt ihr schon mal was von einem Parlaments- oder Gerichts-Putsch gehört?

Dieses Thema ist in Deutschland gerade hochaktuell wegen der Ermittlungen in Bundeswehr und Geheimdiensten (siehe dazu auch aktuell Wie sich europäische Geheimdienste in „Gruppen“ und „Clubs“ organisieren) nach einer vermuteten rechtsextremen Schattenarmee.
Schaut man sich das Organigramm des "Veteranenvereins" Uniter e.V. an, dann sieht das doch sehr nach einer Schattenregierung aus, also danach, dass sie am "Tag X" des von ihnen vorhergesehenen gesellschaftlichen Zusammenbruchs alle Schaltstellen übernehmen wollen.

Was tut eine "wehrhafte Demokratie", von der mein Gemeinschaftskunde-Lehrer immer sprach, in so einem Fall? Bisher erschreckend wenig. Die Kommentare zu dem Welt-Artikel über die Ermittlungen gegen den Verein lassen auch nicht gerade Hoffnung aufkommen.

Übrigens: Schon im Jahr 2007 stellten der GSG-9-Gründer Ulrich Wegener und der ehemalige KSK-Kommandeur Reinhard Günzel in ihrem Buch Geheime Krieger das KSK und die GSG-9 in die Tradition der Wehrmachts-Division Brandenburg. Beim Buchdienst der Jungen Freiheit gibt's das Buch derzeit nicht, aber da könnt ihr euch den Titel angucken.

In der Bundeswehr-Serie KSK auf YouTube kommt immer wieder vor, dass bestimmte Details "natürlich nicht gezeigt werden können", wegen der Geheimhaltung. Aus Sicht einer solchen Truppe ist das auch ganz folgerichtig, birgt aber das generelle Problem von Geheimhaltung in einer Demokratie. Das verträgt sich nämlich ganz grundsätzlich nicht.

Vergleiche im übrigen meine Theorie einer strukturellen Weltverschwörung, für die die Schattenarmee-Ermittlungen ein weiterer Beleg sind.

Automatisierung: Warum der Kapitalismus das Grundeinkommen braucht

2018-11-29

Mensch, Mensch, Mensch. Statt zu schlafen, schreibe ich jetzt schon den 2. Beitrag zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen. Im letzten Beitrag Finanzierbarkeit/Kosten des bedingungslosen Grundeinkommens hatte ich das Buch Arbeitsfrei von Constanze Kurz und Frank Rieger erwähnt. Ich habe es nicht gelesen, kann mir allerdings ganz gut vorstellen, was drin steht.

Jedenfalls ist mir jetzt klar geworden, warum in Zeiten zunehmender Automatisierung der Kapitalismus ein Grundeinkommen braucht, um weiter existieren zu können:
Durch ebenjene Automatisierung braucht der Kapitalismus immer weniger menschliche Arbeitskräfte, um die gleiche Menge (oder sogar mehr) Zeug herzustellen. Solange allerdings Arbeit und Einkommen noch aneinander gekoppelt sind, heisst das auch, dass die Masse der Menschen immer weniger Einkommen zur Verfügung hat. Und Einkommen braucht der Kapitalismus aber, damit die Leute das ganze viele Zeug auch kaufen und damit konsumieren können.
Das haben die Menschen bei allem KI-Hype den Maschinen nämlich voraus: Sie können Dinge produzieren und konsumieren. Maschinen können nur Dinge produzieren aber eben gerade nicht konsumieren. (Oder? s.u.)

Ein einzelner Kapitalist kann sich noch freuen, dass er immer weniger Menschen bezahlen muss, um seine Produkte herzustellen. Alle Kapitalisten zusammen haben damit aber ein Problem: Immer weniger Leute können ihnen ihr Zeug abkaufen.

Aus genau diesem Grund werden immer mehr Kapitalisten zu Grundeinkommens-Fans: Das Grundeinkommen erhält ihnen die Konsumenten, die ihre Produkte kaufen.

Das gibt dem Ganzen einen, hmm, sagen wir mal, seltsamen Beigeschmack…

In Marc-Uwe Klings dystopischem Roman QualityLand gehen übrigens sogar schon die Roboter einkaufen. ;-)

Nachtrag vom 10.12.: Adam Curtis sagt in einem sehr lesenswerten Interview mit dem Economist:

I’ve always thought that most people’s jobs aren’t their real jobs. Their real job is to go shopping. That’s your function in this society. more

Finanzierbarkeit/Kosten des bedingungslosen Grundeinkommens

2018-11-28

Ich schaue mir gerade die Anne Will-Sendung zum Grundeinkommen an (siehe Wir verändern gerade die Debatte) und bin zu faul, um mal folgende Zahlen zu recherchieren (Gesamtsumme der jährlichen Ausgaben):

Die ersten sechs Positionen zwei bis sechs sind steuerfinanziert, die Rente nicht (Umlageverfahren), könnte es aber genauso gut auch sein.

Insofern müssen wir mindestens alle diese jährlichen Kosten zusammenzählen (und bestimmt noch mehr, was ich noch gar nicht bedacht habe), um einen realistischen Vergleich für die Kosten eines bedingungslosen Grundeinkommens zu haben, denn alle diese Ausgaben würden durch ein solches BGE komplett ersetzt. Um es ganz genau zu machen, müsste man dann noch die Bürokratie-/Verwaltungskosten für alle diese Sozialleistungen ermitteln und auch noch in den Topf werfen.
Kranken- und Pflegeversicherung zähle ich übrigens explizit nicht mit, das sollte auch weiterhin unabhängig von Grundeinkommen & anderen Sozialleistungen geregelt bleiben.

Da ich, wie gesagt, im Moment zu faul bin, das alles selber zu recherchieren (und Wikipedia gibt auch kaum was her, 2010 haben die Rentenkassen 250 Mrd. ausgegeben): Hat sich diese Mühe vielleicht schon mal jemand gemacht und das alles an einer Stelle versammelt? Für Hinweise in den Kommentaren bin ich sehr dankbar!

Um es zum Schluss noch mal zu betonen:
Die Summe, die ich hier suche, gibt der deutsche Sozialstaat heute schon aus für Transferleistungen, die allesamt durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ersetzt würden.

Wenn wir mal mit den 1.000 € BGE pro Person und Monat rechnen, ergibt das jährliche Gesamtkosten von 993,6 Mrd. € (Stand 31.03.2018 mit einer Gesamtbevölkerung von 82,8 Million laut Statistischem Bundesamt). Ich glaube nicht, dass die obige, noch zu ermittelnde Summe nennenswert niedriger liegt, und bin sehr gespannt auf eure Zuschriften!

Bei dem Bäcker-Beispiel musste ich übrigens spontan an das Buch Arbeitsfrei von Constanze Kurz und Frank Rieger denken, die die Automatisierung am Beispiel des Brotes beschreiben. Daher mein Gedanke in Richtung des Bäckers, der keine Angestellten findet: Heul nicht rum, kauf dir Maschinen!

Nachtrag vom 29.11.: Da war ich unaufmerksam, das Arbeitslosengeld I ist natürlich nicht steuerfinanziert, da es wie die Rente eine Versicherung ist. Dennoch dienen gerade diese beiden Sozialkassen dazu, Menschen den Lebensunterhalt zu finanzieren, wenn sie nicht (mehr) arbeiten. Aus diesem Grund zähle ich sie ganz klar mit zu den Kosten, die durch ein Grundeinkommen ersetzt werden.
Bei der Kranken- und Pflegeversicherung tue ich das deshalb nicht, weil das letztlich nur Sachleistungen sind, die konkret in Einzelfällen entstehende Kosten erstatten.
Beim Wohngeld bin ich mir daher tatsächlich unsicher, wie damit umgehen, denn auch das ist letztlich eine Sachleistung, die sich nur auf die konkrete Wohnsituation bezieht.
Und: Um genau zu sein, müssen die auf die Sozialleistungen bezahlten Steuern natürlich wieder abgezogen werden.

Das zeigt jedenfalls schon mal eins: Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre wesentlich einfacher umzusetzen als unsere derzeitigen Sozialleistungen mit ihren ganzen (aufwändig zu kontrollierenden!) Bedingungen. Darauf weist in der Anne Will-Runde Simone Menne hin: Statt das bestehende System mit immer mehr Sonder- und Ausnahmeregeln zu verkomplizieren, sollten wir einen radikalen Schnitt machen und einen Paradigmenwechsel wagen. Dieser besteht hier darin, Arbeit und Einkommen voneinander zu entkoppeln.

Über die Diäten von Abgeordneten könnte man in dem Zusammenhang übrigens auch nachdenken. Sie ebenfalls durch das Grundeinkommen zu ersetzen, hätte den positiven Nebeneffekt, dass dann auch allen Abgeordneten daran gelegen wäre, dass das Grundeinkommen für ein gutes Leben reicht.

Nachtrag vom 05.12.: Nun habe ich doch tatsächlich in der Märkischen Allgemeinen Zahlen zu den Kosten von Hartz IV gefunden: 2005 waren es 38,81 Mrd. €, 2012 30,92 Mrd. und 2017 34,61 Mrd.

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