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    Vom Misstrauen zur Verbundenheit – aber wie?


    Durch eine Diskussion auf Facebook ist mir bewusst geworden, dass Misstrauen ein zentraler Bestandteil der Geschichte vom eigenständigen und getrennten Selbst ist, von der Charles Eisenstein immer wieder spricht. Erzähle ich nun jemandem, der in dieser Geschichte lebt, die Geschichte vom Selbst in Verbundenheit, dann wird das das Misstrauen als erste Reaktion noch verstärken. Ich erscheine mindestens naiv, wenn ich nicht sogar heimtückisch den anderen übervorteilen will, indem ich ihn zu Großzügigkeit überrede und dann einfach abzocke. Mein ganzes Blog handelt ja davon, dass ich ausgezogen bin, zuerst Vertrauen zu lernen und später dann zu üben. Das war ein langer weiter Weg für mich. Es wäre daher wohl wirklich naiv, von anderen zu erwarten, dass sie das mit einem Fingerschnippen schaffen.


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    Integrale Herausforderungen


    Ich lerne immer wieder dazu. Da ich mich explizit als einen Lernenden definiere, wäre es daher auch Grund zur Beunruhigung, wenn ich mal längere Zeit nichts lerne. :) In mehreren integralen Facebook-Gruppen lerne ich immer mehr über die integrale Theorie und Praxis. Aktuell lese ich sowohl Susanne Cook-Greuters Text über die neun Stufen des zunehmenden Erfassens (siehe dort) als auch Ken Wilbers Buch Ganzheitlich handeln. Darin wird mir erst so richtig klar, was es mit dem Integralen Denken und Handeln wirklich auf sich hat, dass das eben keine Spielerei für ein paar Auserwählte ist:

    Ich glaube, dass die wirklich notwendigen Revolutionen, die in der Welt von heute anstehen, nicht ein glorreicher kollektiver Sprung in transpersonale Domänen, sondern die einfachen fundamentalen Veränderungen sind, die in den magischen, mythischen und rationalen Wellen der Existenz erreicht werden können. Menschen werden geboren und beginnen ihre Evolution durch die große Spirale des Bewusstseins, wobei sie sich vom Archaischen zum Magischen zum Mythischen zum Rationalen und vielleicht zum Integralen bewegen, und von da aus vielleicht zu wahrhaft transpersonalen Bereichen. Doch werden für jede Person, die sich ins Integrale oder noch höhere Wellen bewegt, Dutzende ins Archaische geboren. Die Spirale der Existenz ist ein großes, nicht endendes Fließen, das sich vom Körper zum Geist zur Seele zum GEIST erstreckt, wobei Millionen über Millionen ständig durch diesen großen Fluss von der Quelle zum Ozean fließen. Keine Gesellschaft wird sich jemals einfach auf einer integralen Ebene befinden, weil das Fließen unaufhörlich weitergeht (auch wenn sich der Schwerpunkt einer Kultur in der Tat nach oben verlagern kann, wie es im Verlauf der Geschichte geschehen ist – siehe mein Buch “Halbzeit der Evolution”). Das Hauptproblem bleibt bestehen. Die Frage ist nicht: Wie können wir es dahin bringen, dass jedermann ins Integrale oder höher gelangt?, sondern: Wie können wir für die Gesundheit der Gesamtspirale sorgen, da Milliarden von Menschen sie nach wie vor jahraus, jahrein von einem Ende zum anderen durchlaufen? Mit anderen Worten: Der größte Teil der zu erledigenden Arbeit besteht darin, die niedrigeren (und fundamentalen) Wellen im Kontext ihrer eigenen Bedingungen gesünder zu machen. Bei den wichtigsten Reformen geht es nicht darum, wie man eine Handvoll Boomer in die Sekundärschicht bringt, sondern wie man die hungernden Millionen in den grundlegendsten Wellen ernährt, wie man den heimatlosen Millionen auf den einfachsten Ebenen ein Dach über dem Kopf beschert, wie man den Millionen Gesundheitsfürsorge angedeihen lässt, die sie nicht haben. Eine integrale Vision ist tatsächlich eines der am wenigsten dringlichen Probleme auf der Oberfläche unseres Planeten.


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    "Schulden muss man doch zurückzahlen"


    In diesem Satz steckt unheimlich viel, darunter eine Menge Sprengstoff. Auch in Debatten um die Griechenlandkrise fällt er immer wieder. Deshalb nimmt in diesem Beitrag David Graeber eine zentrale Stellung ein, den ich bisher hier im Blog nur gestreift hatte. Mit dem Buch Schulden: Die ersten 5000 Jahre hat er einen wirklich dicken Schinken zum Thema geschrieben.
    Von Ökonomen wird oft kritisiert, dass er Schulden auch stark unter moralischen Gesichtspunkten analysiert. Dass der obige Satz so häufig fällt, gibt ihm Recht, die Ökonomen haben da einen blinden Fleck. Immerhin steckt schon im Wort Schulden die (auch moralische) Schuld. Und spätestens die Gläubiger als Gegenpol führen mitten in die Religion hinein.

    In einem Interview zu seinem Buch geht er, wie auch in der Einleitung des Buches, auf diesen Satz ein:


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    Wettbewerb oder Gleichgewicht - man kann nicht beides haben


    Und immer wieder die Griechenlandkrise: Deutschland als Exportweltmeister leugnet seine Verantwortung und ist damit in bester Gesellschaft “führender Ökonomen”. Denn die (neoklassische) Mainstream-Wirtschaftstheorie sagt ja zum einen, dass Wettbewerb bzw. Konkurrenz (sowohl zwischen Unternehmen als auch zwischen Staaten) das Geschäft belebt und für alle gut ist. Andererseits behauptet die Neoklassik, dass Wirtschaft immer zu einem (Markt-) Gleichgewicht strebt.

    Nehmen wir an, der Idealzustand sei erreicht und die Wirtschaft befindet sich im Gleichgewicht. Nun gilt immer noch, dass alle Unternehmen wie auch Staaten miteinander im Wettbewerb stehen. Was heißt das in dieser Situation? Dass alle Marktteilnehmer versuchen, das Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu kippen. Und das passiert natürlich auch ständig, so dass sich nie ein dauerhaftes Gleichgewicht einstellt. Die neoklassische Theorie blendet das aus, weil sie Marktteilnehmer gar nicht als aktiv handelnde Menschen modelliert, sondern als homo oeconomicus-Roboter. Menschen versuchen in einer solchen Situation, die Spielregeln zu ändern. Roboter sind den Regeln unterworfen.


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    Zentralbank als Bürgergenossenschaft


    Letztens kam mir eine Idee, die so simpel erscheint, dass ich mich bisher noch nicht getraut habe, sie zu veröffentlichen. Dabei könnte sie unser Geld- und Wirtschaftssystem revolutionieren:

    Die Zentralbank eines jeweiligen Währungsraums wird zu einer Art Genossenschaft umgebaut. Jeder Bürger dieses Staates bzw. der Staaten dieses Währungsraums wird automatisch durch Staatsangehörigkeit zum Mit-Genossenschafter, und zwar mit genau einem Genossenschaftsanteil. Weiterhin wird in den Statuten der Zentralbankgenossenschaft festgeschrieben, dass alle ihre Gewinne gleichmäßig als Dividende an die Genossenschaftsmitglieder fließen.

    Auf diese Weise ergibt sich ein bedingungsloses Grundeinkommen ganz von selbst, und darüber hinaus völlig ohne zwangsweise Umverteilung.

    In Österreich arbeiten die Gemeinwohl-Ökonomie-Leute an so etwas in kleinem Maßstab, dem Projekt Bank für Gemeinwohl. Da es sich um eine private Institution handeln wird, fällt dabei der Aspekt des Grundeinkommens natürlich weg.


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    Deutschland und Griechenland als Zeitgeister


    Der Begriff “Zeitgeist”, wie ich ihn hier verwende, stammt von Arnold Mindell. Petra Mecklenburg charakterisiert Zeitgeister in ihrem Artikel Der Weg durch den Sturm nach einem gleichnamigen Buch von Mindell so:

    Spirits of the time – ich würde das mit (wandelbare) kollektive Geister übersetzen, in der deutschen Übersetzung des Buches heißen sie „Zeitgeister“ – sind Archetypen, die sich zu bestimmten Zeiten durch bestimmte Menschen ausdrücken. Diese Archetypen kommen aus dem Unbewussten ans Licht, wenn wir ihnen erlauben, durch uns zu sprechen, oder wenn sie von uns Besitz ergreifen; und sie sind wandelbar, wenn wir ihnen Raum geben, sich zu entfalten und sich zu zeigen. Diese Geister sind Teil des Feldes, das die ganze Gruppe bildet und treten zunächst in sich streibar gegenüberstehenden Kontrahentenpaaren auf: Kommunisten und Kapitalisten, Realos und Fundis, Arbeiterinnen und Manager, arme Länder und reiche Länder, Täter und Opfer, Heldinnen und Schurken und so weiter.


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    Spannungen aushalten


    Im Zuge meiner Ausbildung in Prozessorientierter Psychologie habe ich nun Arnold Mindells Buch Traumkörper in Beziehungen gelesen.

    Über die Beziehungen zwischen Paaren und Gruppen gelangt er darin zur Beziehung aller Menschen, ja allen Seins. Das nannte er damals noch nicht Weltarbeit (Worldwork), meint jedoch genau das. Er spricht vom “universalen Traumkörper” in Gestalt des Anthropos:

    Was heute als Hologramm bezeichnet wird, stellte man sich als Götter vor, die das Universum lenkten. Es waren riesige, menschenähnliche Gestalten, welche die Mythologen als Anthroposgestalten bezeichnen. So glaubten die Hinduisten an ein großes, weises Wesen, in dem wir alle leben, das sie “Atman” nannten. Das Ziel des Lebens in vielen östlichen Religionen ist, mit diesem Wesen eins zu werden. Juden und Christen glauben, dass der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde. Viele Religionen stellen sich das Universum als einen riesigen, menschenähnlichen Gott vor, der zu den verschiedenen Elementen der Erde wird. Seine Haare werden die Bäume, sein Atem der Wind, sein Blut die Flüsse usw. In ihrem Buch “Schöpfungsmythen” beschreibt M. L. von Franz, wie man sich diese Anthroposgestalt vorstellte, nämlich gleichzeitig als die Welt wie auch als ihren Schöpfer. Einige Mythen berichten, dass beim Aufwachen des Anthropos die Welt erschaffen wird. Andere glauben, dass er die Welt “erträumt”, sozusagen träumend ihre Existenz erschafft.


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    Theorie einer strukturellen Weltverschwörung


    “Traditionelle” Verschwörungstheorien, insbesondere solche, die eine umfassende Weltverschwörung postulieren, die alles aus dem Geheimen heraus lenkt, halte ich für nicht sehr plausibel. Dafür scheinen mir die Einzelinteressen der Verschwörer zu verschieden, schliesslich will am Ende doch jeder für sich die Welt beherrschen.

    Nun hat mir das schon im zweiten Trauma, Tod und Freiheit-Beitrag angesprochene Buch Innenansichten dissoziierter Welten extremer Gewalt von Gaby Breitenbach neue, teils erschreckende Einblicke in eine Parallelwelt extremer Gewalt gegeben. Es geht um Erscheinungen wie Kinderpornographie und organisierten sadistischen Missbrauch von hauptsächlich Kindern und Frauen, das Ganze “in den besten Kreisen”.

    Im fünften Kapitel skizziert sie am Beispiel eines fiktiven “Herrn Dr. Zehn” die Lebenswelt der Täter:

    Fast regelhaft treffen wir in diesen Familien bereits in der Großelterngeneration, also bei denen, die zu Zeiten des 2. Weltkrieges Erwachsene waren, auf eine Tätergeneration. Häufig genug, dass uns hier in Gestalt der Großeltern sadistische Täter mit weit reichenden Beziehungen begegnen, die wiederum, insbesondere für ihre männlichen Sprösslinge, schon entsprechende Partner ausgewählt haben. Es gemahnt hier manches an die Nazizeit, an Operationen wie Lebensborn, an Zuchtprogramme. Kinder werden regelrecht für diesen Markt geboren, und entsprechend ihrer “Verwendbarkeit” genutzt. Kinder sind Ware, Besitzstand. Die Verächtlichkeit dem anderen Menschen gegenüber, die Überlegenheit einer vermeintlichen Herrenrasse ist hier in der Aufteilung der Welt in Herren und Diener übernommen worden. Wir da oben – die da unten. Und wer oben ist, bestimmt, was geschieht. Wer unten ist, ist Ware – ohne Rechte.


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    Kriegsenkel-Gruppe Leipzig/Halle


    Freitag vor einer Woche fand das erste Treffen der von mir neu ins Leben gerufenen Kriegsenkel-Gruppe Leipzig/Halle statt. Wir waren zu sechst und haben uns über drei Stunden lang über vieles ausgetauscht, nicht nur “streng” am Thema entlang. Das zog sich jedoch als roter Faden durch den Abend, wie sich das gehört.
    Bisher hat sich die Gruppe über Facebook zusammen gefunden, konkret über die dortige virtuelle Kriegsenkel-Gruppe. Eine darüber hinausgehende Webpräsenz gibt es noch nicht, dies hier ist die erste Ankündigung außerhalb von Facebook. Wer sich über das Thema mit anderen austauschen will, kann sich gerne über das Kontaktformular bei mir melden.

    Einen konkreten nächsten Termin gibt es noch nicht, wir sind noch am doodeln. Es soll jedenfalls Ende dieses Monats werden.

    Update vom 21.12.: Wir haben jetzt einen festen Termin, wir treffen uns jeden letzten Donnerstag im Monat um 19 Uhr. Die Ausnahme von dieser Regel ist der Dezember, dieses Jahr wäre das nämlich z.B. Silvester. ;-) Wer neu dazukommen will, schreibt mir bitte eine kurze Nachricht übers Kontaktformular (s.o.).
    Außerdem gibt es inzwischen auch eine eigene Facebook-Gruppe Kriegsenkel Leipzig/Halle, allerdings ohne mich.


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    Grundlagen der integralen Theorie


    Da ich mich in meinen Blogbeiträgen zunehmend auf die integrale Theorie von Ken Wilber u.a. beziehe, empfehle ich euch heute mal zwei kurze Einführungstexte, damit ihr meine Gedankengänge in dieser Richtung nachvollziehen könnt. Als grundlegender Einstieg eignen sich die integralen Grundlagen (8 Seiten) von Wulf Mirko Weinreich.
    Weiterhin geht es oft um Spiral Dynamics, dazu empfehle ich den Spiral Dynamics Mini-Kurs (6 Seiten).
    Mein persönlicher Einstieg in Spiral Dynamics war das Buch Gott 9.0, das die Spirale anhand sich wandelnder Gottesbilder vorstellt. Das Original von Don Beck und Christopher Cowan richtet sich vor allem an Manager, Coaches oder Organisationsentwickler mit Ausrichtung aufs Business.

    Mehr zu lesen und auch Ansprechpartner für integrale Salons in eurer Nähe findet ihr beim Integralen Forum, hier eignen sich als Einstieg wiederum die Grundlagen des Integralen. Weitere integrale Vordenker waren (neben anderen) Jean Gebser und Pierre Teilhard de Chardin.


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