Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Unsere Heimat nicht den Rechten und dem Kapital überlassen

2019-04-26

Die aktuelle Oya besteht ja hauptsächlich aus Interviews mit Leuten, die mit Oya bisher wenig bis nichts zu tun hatten. Das Gespräch von Leonie Sontheimer mit Thembi Wolf hat mich nun so aufgewühlt, dass ich mich dazu hier im Blog äussere.

Ich war entsetzt, als ich diese Äusserung von Thembi Wolf las:

Ja, du kannst den Begriff nicht nur gruselig, sondern auch positiv nutzen. Aber wenn ich eine Oya sehen würde, auf deren Titel »Heimat« stünde, würde ich trotzdem Gänsehaut bekommen, selbst wenn es ganz anders gemeint wäre. Ich wäre dann sicher, dass die Ausgabe nicht für mich geschrieben wurde. Ich hätte dann das Gefühl, dass da jemand nicht nachgedacht hat, was der Begriff für mich bedeutet. Für mich ist er definitiv mit AfD, mit Rechten konnotiert. Am liebsten wäre mir, das Wort würde verschwinden.

Das ist eine Haltung, die viele Linke vertreten, am extremsten wohl die Antideutschen (wobei sich darüber streiten lässt, ob das überhaupt noch Linke sind). Was bewirkt diese Haltung?

Diese Linken überlassen damit den Rechten komplett das Feld, wenn es um das Thema Heimat geht.

Das liegt mir bekanntlich sehr am Herzen, siehe Meine Wurzeln im Osten oder auch In europäischen Traditionen leben. Und auch alle anderen Menschen, denen ihre Heimat wichtig ist, werden sich von solchen Aussagen abgestoßen fühlen. Diskursive Hegemonie lässt sich auf so eine Art wahrhaftig nicht erreichen.

Eine solche Haltung bedeutet auch, dass es OK ist, wenn Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, denn Heimat gehört schliesslich abgeschafft. Wird irgendwo ein Staudamm gebaut, dem Dutzende Dörfer weichen müssen, dann ist das ein zivilisatorischer Fortschritt. Auch der Braunkohletagebau darf gerne Dörfer plattmachen und die dort lebenden Menschen zwangsumsiedeln, denn das treibt ihnen ihr vorsintflutliches, reaktionäres und rechtes Heimatgefühl aus.

Oh, ich werde gerade sehr sarkastisch. Menschen werden dadurch traumatisiert, wenn ihnen die Heimat weggenommen wird.

Jedenfalls bewirkt diese Haltung neben der völligen Kapitulation gegenüber den Rechten im Heimat-Diskurs ausserdem noch, dass Linke mit einer solchen Haltung auch den globalisierten Kapitalismus befördern. Denn der braucht genau das: heimatlose, entwurzelte Arbeitskräfte, die flexibel rund um den Globus eingesetzt werden können, wie es dem Kapital beliebt.

Wie das jetzt damit zusammengeht, dass auf der anderen Seite das sesshaft werden möglicherweise der bisher größte Fehler der Menschheit war, darüber bin ich mir noch nicht klar.

Jedenfalls kann meines Erachtens nach die Lösung nicht sein, Heimat abzuschaffen, sondern sie immer mehr auszuweiten. Ich z.B. empfinde die ganze Erde als meine Heimat.

Die Oya hatte das Thema schon mal unter der Überschrift "Nach Hause kommen" in Ausgabe 45. Damals hat sie sich noch nicht getraut, das Wort "Heimat" auf den Titel zu bringen. Ich wünsche mir von Herzen eine Oya-Ausgabe mit dem Titel und dem Thema Heimat – damit wir uns unsere Heimat nicht von den Rechten und dem Kapital wegnehmen lassen!

Echte Anarchisten essen kaum Getreide

2019-04-24

Wieder mal so eine seltsame Überschrift. Was hat das eine mit dem anderen zu tun, fragt ihr euch jetzt vielleicht. Nun, eine ganze Menge – und darüber kann meines Wissens keiner besser Auskunft geben als James C. Scott.

Der macht gerade in Oya-Kreisen die Runde, im Beitrag Zukunft säen, Lebendigkeit ernten aus Ausgabe 50 wurde ich so richtig auf ihn aufmerksam. Dieser Ausschnitt aus dem Artikel fasst gut zusammen, worum es geht – und erklärt den Zusammenhang von Getreide und Anarchismus:

Der Autor fragt darin, warum die frühen Kulturen um 3000 vor unserer Zeitrechnung, die im Mittelmeerraum die ersten großen Städte errichtet haben, ausgerechnet Getreide zum Grundnahrungsmittel erkoren hatten. Getreide beansprucht den Boden stark, ist krankheitsanfällig und macht im Anbau wie in der Verarbeitung viel Mühe. Obendrein sind Getreidebrei oder Brot weder sonderlich gesund noch verträglich. Getreide war aber wie geschaffen für Steuereintreiber, zeigt James Scott. Da es, anders als zum Beispiel die ebenfalls dauerhaft lagerbaren Hülsenfrüchte, nur einmal im Jahr geerntet wird, konnten sich die Mächtigen ein genaues Bild über den Jahresertrag verschaffen und ihren Anteil fordern. Sie brauchten es als Lohn für die Bau­arbeiter, die in den frühen Städten wie Uruk Prunkbauten errichten mussten. Staaten, die auf Getreide basierten, entstanden dort, wo Menschen wegen ungünstiger klimatischer Entwicklungen Mangel litten und Feldbau mit Bewässerunggssystemen betrieben, analysiert Scott. Das erforderte einen hohen Organisationsaufwand und begünstigte damit das Entstehen von Machtstrukturen. Die Mächtigen diktierten schließlich, was auf den Feldern zu passieren hatte, und machten Bäuerinnen und Bauern zu Untertanen. Freiwillig hätten diese die Plackerei des Kornanbauens im großen Stil wohl nicht auf sich genommen.
Aber, und das ist der springende Punkt, eine große Getreide-Stadt wie Uruk mit 50 000 Einwohnern entstand nicht zeitgleich mit der Erfindung gärtnerischer und landwirtschaftlicher Techniken, sondern erst 4000 Jahre später. In diesem enormen Zeitraum – doppelt so lange wie die Epoche seit dem Beginn unserer Zeitrechnung – hatte Getreide nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Meist wurden aus Körnerbrei vor allem berauschende Getränke hergestellt! Dass die Menschheit lernte, Pflanzen zu kultivieren, hatte nicht zur Folge, dass von ­einem Tag auf den anderen Siedlungen zwischen ­Getreidefeldern entstanden. Über Jahrtausende hinweg kombinierten die Menschen gelegentliches Jagen und Sammeln mit Viehzucht und dem Anlegen von Gärten, in denen hier und dort auch mal ein Streifen Einkorn oder Emmer wuchs, erklärt James Scott. Sie seien weitgehend gesund, satt und selbstbestimmt gewesen – eine Inspiration für enkeltaugliche Lebensweisen?

Sein Buch Against the Grain. A Deep History of the Earliest States habe ich zum Geburtstag bekommen und noch gar nicht angefangen zu lesen.
Als Appetitanreger habe ich mir nämlich erst mal seinen Vortrag Four Domestications: Fire, Plants, Animals, and . . . Us zu Gemüte geführt, von dem es eine Variation auch auf YouTube anzuschauen gibt: The Domestication of Fire, Animals, Grains and.......Us @ School of Culture and Society, Aarhus University. Dort findet ihr auch einen weiteren Vortrag zum Thema von ihm, How Grains Domesticated Us.
Bei Soundcloud gibt es eine Podcast-Folge mit Scott, The Origin of Early Civilization.

Wenn du lieber auf deutsch liest, kann ich dir das Interview "Den Barbaren ging es besser" in der Zeit empfehlen. Und auch eine deutsche Übersetzung des Buches ist bei Suhrkamp in Arbeit: Die Mühlen der Zivilisation - Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten.

Meine erste Begegnung mit Scott hatte ich übrigens schon in Das Ende der Megamaschine, wo Fabian Scheidler ausgiebig aus seinem Buch Seeing Like A State zitiert. Das gibt es als PDF im Netz.

Die ganze Oya Ausgabe 51 "Garten Erde" ist stark von seinen Forschungsergebnissen geprägt, auch der Aufruf, Esskastanien zu pflanzen, rührt daher.

So, nach den ganzen Links jetzt aber mal mehr zum Inhalt: Ihr erinnert euch bestimmt noch an die Ernährungspyramide, die ihr im Schulunterricht präsentiert bekommen habt, oder? Da ist immer ganz unten, als Basis, mit dem mengenmäßig größten empfohlenen Anteil an der gesamten Ernährung, Getreide und Getreideprodukte aufgeführt. Dabei handelt es sich um lupenreine Herrschaftspropaganda! Wie schon die Schöpfungsgeschichte der Bibel erzählt:

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist.

Bevor wir Menschen sesshaft wurden, war unser Leben nicht so anstrengend. Das hat schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts Marshall Sahlins unter dem Titel Original affluent society herausgearbeitet. Und vor allem waren die Menschen frei, keinen Herrschern unterworfen, die Tribut oder Steuern von ihnen einforderten (siehe auch Steuern und Zinsen sind die Folgen von Herrschaft).
Apropos Tribut – war euch klar, dass über Jahrtausende hinweg auch "Barbaren" von Staaten Tribut kassiert haben? Mir nicht, und für diese Erkenntnis danke ich James C. Scott ganz herzlich.

Überhaupt ist mir noch mal deutlicher geworden, dass es echt gute Gründe dafür gibt, warum Steuerdelikte durch die Bank in allen Ländern als Kavaliersdelikte gelten und man sich regelrecht ein Spiel daraus macht, möglichst wenig bis keine Steuern zu zahlen. Solche Spiele haben die Menschen schon vor Tausenden von Jahren mit den allerersten Staaten gespielt, und die Staaten haben es nicht besser verdient. Dabei musste ich auch wieder an das denken, was Bundesrichter Thomas Fischer über Raubritter als Staatsgründer geschrieben hat.

Ein anderer wesentlicher Punkt, den Scott immer wieder betont, ist, dass Staaten sich selbst als alternativlos präsentieren. Alles was in der Geschichte geschehen ist, wird als "historischer Fortschritt" hingestellt. Das ist das, was Charles Eisenstein in seinem Buch "Ökonomie der Verbundenheit" die Geschichte vom Aufstieg der Menschheit nennt (siehe auch sein Buch The Ascent of Humanity).
Ich musste dabei auch daran denken, dass ich ein gutes halbes Jahr in meiner Jugend so exzessiv Sid Meier's Civilization gespielt habe, dass kaum Platz für etwas anderes blieb. In diesem Spiel und seinen Nachfolgern geht es darum, so schnell wie möglich die "Fortschrittsleiter" zu erklimmen, und natürlich zählt staatliche Herrschaft auch darin uneingeschränkt als Fortschritt. Die Ernährung wurde interessanterweise in den ersten Spielversionen komplett ausgeklammert (bis auf Bewässerungssysteme als Fortschritt).

Es kommt immer darauf an, wer die Geschichte schreibt. Das fasst Scott in seinem Vortrag treffend zusammen:

The history of the peasantry is written by the townsman
The history of the nomads is written by the settled
The history of hunter-gatherers is written by the farmers
The history of nonstate peoples is written by the court scribes
All may be found in the archives cataloged under “Barbarian Histories”

Das Ganze wirft noch mal ein anderes Licht auf die integrale Theorie. Inzwischen frage ich mich, ob diese nicht letzten Endes doch nur ein Versuch ist, sich 5-7000 Jahre Herrschaft schönzureden? Nach "Against the Grain" werde ich noch mal Halbzeit der Evolution durchgehen & sehen, was davon übrig bleibt…

Immerhin hat Jared Diamond im Jahr 1987 die Sesshaftigkeit als The Worst Mistake in the History of the Human Race bezeichnet (inzwischen hat er seine Meinung diesbezüglich allerdings geändert, d.h. sich der Herrschaftspropaganda angepasst).

Scott ist wiederum stark von Pierre Clastres geprägt, mit dem es sich wohl auch näher zu befassen lohnt.

Zum Schluss noch mal was zum Domestizieren. Da geht die herrschende (sic!) Geschichte ja dahin, dass wir Menschen nach und nach immer mehr Pflanzen und Tiere domestiziert haben. Scott betont nun, dass die Domestizierung jedes Mal in beide Richtungen ging – denn wir Menschen haben uns auch immer stärker von den von uns domestizierten Lebewesen abhängig gemacht und deren Lebensrhythmen unterworfen:

We think of ourselves, Homo sapiens, as the agent in this narrative; we domesticated the potato, maize, rice, bananas. But if we squint at the matter from a slightly different angle, it is we who have become domesticated. Michael Pollan puts it roughly this way in his sudden aperçu while gardening. As he is weeding and hoeing around his tomato plants, it dawns on him that he has become the slave of the tomato. Here he is on his hands and knees, day after day, weeding, fertilizing, protecting, and in general reshaping the immediate environment to the utopian expectation of his tomato plants. Who is doing whose bidding becomes almost a problem in metaphysics.
It is useful, I think, to appreciate in a larger sense how the domestication of plants—as farming—enmeshed us in an elaborate annual set of routines that organized our work life, our settlement patterns, our social structure, and our ritual life. From field clearing and preparation (by fire, plow, ard, harrow) to sowing, cultivation, and weeding to constant vigilance as the field ripens, the crop organizes much of our timetable. The harvest itself sets in train another sequence of routines: in the case of cereal crops, cutting, bundling, threshing, gleaning, separation of straw, raking, winnowing, sieving, drying, sorting—most of which has historically been coded as women’s work. Then, the daily preparation of grains for consumption—pounding, grinding, fire making, cooking, or baking throughout the year—sets the tempo of the domus.

Scott geht so weit zu sagen, dass das die Grundlage des Prozesses der Zivilisation bildet:

These meticulous, demanding, interlocked, mandatory annual and daily routines, I would argue, belong at the very center of a comprehensive account of “the civilizing process.” They strap us to a minutely choreographed routine of dance steps; they shape our physical bodies; they shape the architecture of the domus; they insist, as it were, on certain patterns of cooperation and coordination. Once Homo sapiens takes that fateful step into agriculture, he enters an austere monastery whose taskmaster consists mostly of the demanding genetic clockwork of the plant itself. Norbert Elias writes convincingly of the growing chains of dependency among ever-denser population that made for the mutual accommodation and restraint he terms “the civilizing process.” Literally thousands of years before the changes Elias describes, however, man was already disciplined and subordinated by the metronome of his own crops.

Bleibt mir zum Schluss nur zu sagen, besorgt euch das Buch von Scott, entweder direkt auf englisch, oder ihr bestellt die deutsche Übersetzung vor. Und wenn ihr Das Ende der Megamaschine noch nicht kennt, dann wird's aber Zeit! Ach ja, wenn ihr die Möglichkeit zum Esskastanien pflanzen habt, dann tut's! Subsistenz ist keine rückschrittliche, sondern eine besonders freie Art zu leben.

P.S.: Bier ist erlaubt! ;-)

Kognitive Dissonanz

2019-04-22

Das hier war letzten Sommer in Ramallah. In der Westbank.

Das erste DJ-Set, das mich zu Tränen gerührt hat.

Auch hier seht ihr palästinensische Terroristen bei der Arbeit:

Hier auch:

Die Doku dazu:

Was ich da sehe: Ihr kriegt uns nicht klein. Weil wir alle Menschen sind. Salām!

Nein, ich habe mir keine Uploadfilter zum Geburtstag gewünscht #NieMehrCDU

2019-04-15

Das Gegenteil ist der Fall. Bleibt mir also heute nur noch daran zu erinnern: #NieMehrCDU.
Und danke Julia Reda, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat!

Erstaunliches Detail am Rande: Bernd Lucke (Ex-AfD) hat im EU-Parlament gegen die Reform gestimmt. Das geht aus der Liste von Pledge 2019 hervor.

Und wie gesagt, #NieMehrCDU. Denkt bei der Europawahl am 26. Mai daran.

Nachtrag: Lucke empfehle ich bei der Wahl explizit nicht, denn seine "Liberal-Konservativen" sind noch viel mehr eine Partei der Besserverdienenden als die AfD.

Nachtrag vom 18.04.: Über die Urheberrechtsreform mit ihren Uploadfiltern hinaus könnt ihr die Positionen der Parteien im Digital-O-Mat zur Europawahl 2019 anhand des tatsächlichen Abstimmungsverhaltens überprüfen.

Nachtrag vom 24.04.: Im Sinne der besseren Lesbarkeit habe ich wieder auf die hellgraue Hintergrundfarbe umgestellt. Außerdem will ich kein falsches politisches Farbsignal für die Europawahl setzen. ;-) #NieMehrCDU

Firefox Quantum mit 1 Jahr und fast 5 Monaten Verspätung

2019-04-5

Liebe LeserInnen, ich traue mich ja kaum es zuzugeben: Ich habe heute mit sage und schreibe 1 Jahr und fast 5 Monaten Verspätung Firefox Quantum auf meinem Rechner installiert (um genau zu sein die ESR-Version 60.6.1, die ist nämlich bei Gentoo als stabil gekennzeichnet). Bis dahin hatte ich noch Version 56 drauf, diese allerdings nur noch für bestimmte Zwecke, vor allem größere Downloads (s.u.), benutzt und ansonsten hauptsächlich Chromium. Dabei gibt es Firefox Quantum seit 14. November 2017 mit der Version 57.

Der Hauptgrund, warum ich so lange noch bei der alten Version geblieben war, war die Erweiterung DownThemAll!, die wie so viele andere nicht mit Quantum funktioniert. Heise fasst es so zusammen:

Firefox-Nutzer, die viele Erweiterungen installiert haben, könnten eine böse Überraschung erleben: Ab sofort sind nur noch Add-ons erlaubt, welche die mit Version 54 eingeführten WebExtension-APIs nutzen. Sie unterstützen die Multi-Prozess-Architektur des Browsers, was das Arbeitstempo beschleunigt. Die veralteten XPCOM- und XUL-Schnittstellen werden nicht mehr unterstützt, weshalb ältere Erweiterungen nicht mehr funktionieren. Davon betroffen ist etwa das populäre Add-on NoScript, das noch nicht mit Quantum kompatibel ist. Entwickler können das Aussehen des Browsers nicht mehr so stark verändern wie vorher. WebExtensions vereinfacht dafür die Entwicklung von Browser-übergreifenden Erweiterungen.

Damit hat Mozilla für weitreichende Verärgerung bei den Erweiterungs-Entwicklern gesorgt, DownThemAll ist dafür exemplarisch, siehe Re: DownThemAll and WebExtensions [… or why why I am done with mozilla]. NoScript funktioniert übrigens längst mit Firefox Quantum.

Diese Situation war mir die ganze Zeit über sehr unangenehm, denn selbstverständlich ist Firefox 56 heutzutage randvoll mit kritischen Sicherheitslücken. Das letzte (Sicherheits-) Update dafür wurde am 26. Oktober 2017 veröffentlicht. Was das heisst, könnt ihr euch denken.

DownThemAll war dabei nur die wichtigste Erweiterung, die mich vom Update abgehalten hatte. Und wie vermutet sind ein paar davon dem Update jetzt auch zum Opfer gefallen, weil es weder eine aktuelle Version für Firefox Quantum noch eine brauchbare Alternative gibt:

  • DisableBackspaceNavigation wurde offensichtlich nicht für Quantum angepasst, die Backspace-Taste hat auch in Version 60.6.1 die Funktion, eine Seite zurück zu gehen, was nach wie vor blöd ist
  • Die Entwicklung des DNSSEC/TLSA Validator wurde komplett eingestellt; der HTTPS+ Checker bildet dessen Funktionalität nur ungenügend ab
  • DownThemAll! siehe oben
  • Perspectives wurde ebenfalls nicht auf Firefox Quantum angepasst
  • QuickJava zum selektiven An- und Ausschalten von Bildern, CSS, JavaScript, Flash, Java und Silverlight wird ebenfalls nicht für Firefox Quantum weiterentwickelt; ich habe es mehr schlecht als recht durch den HTML Content Blocker ersetzt
  • Das Seitwert Firefox Plugin tut ebenfalls nicht mit Quantum
  • Ein weiterer Verlust ist Status-4-Evar; auch mit unterschiedlichen Anleitungen für die userChrome.css (siehe auch www.userChrome.org) ist es mir nicht gelungen, eine vernünftige Statuszeile mit den Symbolen der Erweiterungen einzurichten

Für die folgenden Erweiterungen habe ich brauchbare Alternativen gefunden:

Den Ausschlag für den Wechsel hat übrigens gegeben, dass sich die Benutzung von KGet als externem Download-Manager mit Firefox als fast so komfortabel wie DownThemAll! erwiesen hat. Alternativ probiere ich vielleicht auch mal Persepolis aus; ich plane nämlich schon länger aus Gründen, mich von KDE zu verabschieden und zu LXDE zu wechseln.

Im Zuge meiner Recherchen für diesen Beitrag habe ich eine umfangreiche Liste von Legacy Firefox extensions gefunden, wo z.B. die Consciousness Bell noch zu finden ist.

Nachtrag vom 25.04.: Derweil findet sich bei Fefe ein episch zu nennender Firefox-Rant (Hintergrund 2 Tage vorher).

Nachtrag vom 26.04.: Und Hyperlink Auditing (HTML "ping") soll in Zukunft im Firefox standardmäßig angeschaltet sein. Anders als die heise-Überschrift suggeriert, unterstützt Firefox dieses HTML-Attribut schon seit 2006, es war nur bisher standardmäßig ausgeschaltet.

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