Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Bricht die Konsensrealität auseinander?

2021-01-11

Im April letzten Jahres schrieb ich schon mal, dass in der Coronakrise die Konsensrealität gerade massiv zusammenbricht. Diesen prozessorientierten Faden nehme ich im neuen Jahr noch mal auf, weil sich in meiner Wahrnehmung die Gräben in unserer Gesellschaft weiter vertieft haben.

Diese Gräben verlaufen zwischen Gruppen von Menschen, die die Welt unterschiedlich wahrnehmen.

In meinem Beitrag Die Corona-Krise ist eine Vertrauenskrise hatte ich es so dargestellt, dass wir in unserer erdumspannenden Weltgesellschaft alle in einem sehr großen Maße einander vertrauen müssen, damit das alles funktioniert. Im Moment sieht es so aus, dass das vielleicht nicht mehr klappt. Was dann?

Um einen anderen Gedanken aus dem Beitrag Konflikte entstehen an der Grenze zwischen Konsensrealität und Traumland aufzugreifen: Das Ganze wird überhaupt nur zu einem Problem, wenn wir an einer Konsensrealität festhalten. Wenn wir also daran festhalten, uns auf eine Realität zu einigen. In einer Situation wie jetzt, wo verschiedene Seiten einander "Fake News" vorwerfen, erzeugt das eine nahezu unerträgliche Spannung.

Es wäre nun leicht, auf den Konsens zu verzichten und uns ganz ins Traumland aufzulösen – jene Sphäre, die ich schon mal als "das Land von Grinsekatzen und verrückten Hutmachern, von Ekstase, Rausch und Wahn, wo Menschen und Tiere in Zungen reden, wo nichts ist wie es scheint" bezeichnete.

Wollen wir wirklich ausschließlich da leben? Und was würde passieren wenn nicht? Würden sich mehrere voneinander getrennte Konsensrealitäten entwickeln? So was wie Paralleluniversen?

Ich schrieb auch schon

Im Grunde erzeugt also die Konsensrealität alle Konflikte, indem sie versucht, neue Inhalte aus dem Traumland in ihren bisherigen Konsens zu integrieren, oder aber diese mit Gewalt auszuschließen ("es kann nicht sein, was nicht sein darf"). Bewusstseinserweiterung geht offenbar notwendigerweise mit großen Spannungen einher.

Um mit diesen Spannungen umzugehen, empfiehlt sich immer wieder Robert Anton Wilsons Rezept zum Ausbruch aus der Filterblase. Da kommen wir wohl nicht drum herum, das gehört offenbar zum kosmischen Spiel dazu.

Und es tut gut, uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir eigentlich keine Ahnung haben was hier läuft.

Nachtrag vom 19.02.: Charles Eisenstein hat nen guten Essay dazu geschrieben, To Reason with a Madman.

Nachtrag vom 02.03.: Es gibt mindestens 2 unterschiedliche Erklärungsansätze für das, was da geschieht. Fefe macht in erster Linie die Geheimdienste mit ihren Desinformationskampagnen dafür verantwortlich. Da ist bestimmt auch was dran, allerdings bin ich vorsichtiger geworden, um nicht dem Mythos der Macht zu verfallen.
Leute wie Charles Eisenstein weisen hingegen darauf hin, dass die Geschichten, die unsere Gesellschaft(en) die letzten Jahrhunderte zusammen gehalten haben, zunehmend an Kraft verlieren, während eine neue Geschichte sich erst langsam entwickelt.
Mir ist dabei auch wichtig, geistig gesund zu bleiben. In den Worten von Robert Anton Wilson befinden wir uns in der Kapelle der Gefahren:

Bei der Erforschung okkulter Verschwörungen sieht man sich möglicherweise einem Scheideweg mythischer Proportionen gegenüber (Die Kapelle der Gefahren). Auf der anderen Seite kommst du entweder ziemlich paranoid heraus oder als Agnostiker; es gibt keinen dritten Weg. Ich kam als Agnostiker heraus. "Die Kapelle der Gefahren" lässt sich, wie auch das als mystische Wesenheit bezeichnete "Ich" nicht innerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums lokalisieren; sie ist schwerelos, geruchlos, geschmacksfrei und mit herkömmlichen Messwerkzeugen nicht auszumachen. Es ist sogar möglich, wie beim Ego, zu bestreiten, dass es so etwas überhaupt gibt. Und doch, viel eher noch als beim Ego, wenn du einmal drin bist, so scheint es keinen Ausweg mehr zu geben, bis du plötzlich entdeckst, dass es einzig durch deine Gedanken zur Existenz gebracht worden war und dass es ausserhalb derselben gar nicht vorhanden ist. Alles, was du fürchtest wartet mit gierigem Rachen in der Kapelle der Gefahren, aber wenn du dich wappnest mit dem Stab der Intuition, dem Kelch der Zuneigung, dem Schwert der Vernunft und der Münze der Tapferkeit, so findest du dort (so will es die Legende) die Medizin der Metalle, das Elixier des Lebens, den Stein der Weisen, echtes Wissen und vollkommenes Glück.

Nachtrag vom 03.03.: Wenn Kapital auf Wissenschaft trifft, wackeln die Grundfesten der Konsensrealität. Arte hat eine aufschlussreiche Doku darüber.

Wenn sich Edward Snowden und Alexei Nawalny beide gegen Zensur von Trump aussprechen, läuft etwas gewaltig schief

2021-01-10

Wir leben in interessanten Zeiten. Dabei ist das Jahr 2021 gerade mal erst 10 Tage jung.

Edward Snowden schreibt bei Twitter zur Sperrung von Donald Trumps Account bei Facebook:

Facebook officially silences the President of the United States. For better or worse, this will be remembered as a turning point in the battle for control over digital speech.

Und weiter:

I know a lot of folks in the comments read this are like "YAAAAS," which, like—I get it. But imagine for a moment a world that exists for more than the next 13 days, and this becomes a milestone that will endure.

Und Alexei Nawalny (ja, der bekannte russische Rechtspopulist) kritisiert mit den gleichen Argumenten Trumps Sperrung bei Twitter. Nawalny schreibt bei Twitter:

This precedent will be exploited by the enemies of freedom of speech around the world. In Russia as well. Every time when they need to silence someone, they will say: 'this is just common practice, even Trump got blocked on Twitter'.

Das sollte zu denken geben. Mal sehen, wie lange das 1984-Hörbuch noch bei YouTube zu hören sein wird

Wir erinnern uns, auch das Urheberrecht wird gerne als Zensur-Keule missbraucht.

Nachtrag: Fefe erkennt immerhin an diesem Punkt auch den Ernst der Lage:

Aber bedenkt mal bitte kurz, was das für ein Dammbruch ist, den die da gerade vollzogen haben. Vergleicht das mal mit der Abgeordneten-Immunität, die ja ursprünglich geschaffen wurde, damit die Regierung nicht gegen kritische Oppositionspolitiker vorgehen kann. Will sagen: Das hat ja schon einen Sinn, dass Politiker frei reden dürfen. Das ist nicht bloß ein Privileg aus Zeiten, in denen der Adel regiert hat.

Jetzt haben wir einen Präzedenzfall, dass man Politiker für ihre Äußerungen in sozialen Netzwerken dort sanktionieren lassen kann. Richter, Geschworene und Henker sind alle Big Tech.

Nachtrag vom 11.01.: Trotz Nawalnys Kommentar ist das Ganze auch für Russia Today eine Steilvorlage.

The significance of Silicon Valley’s involvement can not be overstated. Big Tech worked hand-in-glove with big government to de-person the president of the United States of America and prevent his supporters from organizing. […]

As the country’s most despicable journalists and pundits cheer for the unaccountable tech tyrants, budding dictators abroad are surely taking notes. Building relationships with the tech titans is the modern equivalent of seizing a television studio, and popular movements can be easily suppressed with their cooperation. If the world’s loudest and proudest democracy is doing it, why can’t they?

Weiterer Nachtrag vom 11.01.: Angela Merkel hat offenbar begriffen, dass es sie und ihre Regierung auch treffen könnte

„Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist von elementarer Bedeutung“, sagte Seibert weiter. Eingriffe könne es daher nur entlang der Gesetze und innerhalb des durch den Gesetzgeber definierten Rahmens geben und „nicht nach dem Beschluss der Unternehmensführung von Social-Media-Plattformen“, sagte Seibert. Deswegen sehe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) es als problematisch an, dass die Konten des US-Präsidenten dauerhaft gesperrt worden seien.

Und noch ein Nachtrag vom 11.01.: Bei neunetz.com gibt es eine differenzierte Analyse des Problems, Twitter und Trump und die Zukunft von Staatsoberhäuptern auf Netzwerken – mit dem Fazit, dass auf lange Sicht die Staaten den Plattformen Regulierungen für Accounts von Staatsoberhäuptern vorgeben werden. Interessant dabei ist diese Einschätzung:

Diese Unternehmen wollen diese Macht nicht. Sie wollen nicht ihr Staatsoberhaupt sperren. Sie wollen nicht als Kingmaker gesehen werden. In diesem Fall würde es nur harte Regulierung nach sich ziehen.

Derweil habe ich mich das erste Mal bei Breitbart umgesehen & dort einen Artikel gefunden, der eine lange Latte von offiziellen Stellungnahmen gegen die Sperrung von Trump in verschiedensten Ländern auflistet: France, Germany, Mexico, Australia Join International Outcry over Censorship of Donald Trump.

Nachtrag vom 12.01.: Der Telemedicus ordnet das Ganze als "alten Hut" ein.

“Einmalig”, ein “folgenreicher Tabubruch” und gar eine “Zeitenwende” – Kommentator*innen staunen über die Sperrung der Online-Konten von Donald Trump. Doch ist die politische Stummschaltung durch große Tech-Konzerne wirklich eine neue Entwicklung? Bereits seit Jahrzehnten ringen (auch) in Deutschland Politik und Gerichte mit der Online-Macht von Big Tech. Und die Erfahrung lehrt, dass es bisher auf drei Elemente ankam: zeitgemäße Regeln, deren konsequente Durchsetzung und – vor allem – politischen Opportunismus.

Weiterer Nachtrag vom 12.01.: Das war ganz an mir vorübergegangen – die Sperrung von Trumps Konten ist offensichtlich die Rache für seine Executive Order on Preventing Online Censorship vom 28. Mai 2020. Hier noch seine Anmerkungen dazu von damals. Ausschnitt aus der Executive Order:

In a country that has long cherished the freedom of expression, we cannot allow a limited number of online platforms to hand pick the speech that Americans may access and convey on the internet. This practice is fundamentally un-American and anti-democratic. When large, powerful social media companies censor opinions with which they disagree, they exercise a dangerous power. They cease functioning as passive bulletin boards, and ought to be viewed and treated as content creators.

Vor dem Hintergrund kann ich die Sperrungen nur als ein lautes "Ätsch!" gegenüber Trump deuten.

Die Blockchain lockt euch mit ihrem Versprechen von Anonymität in eine Falle

2021-01-6

Offenbar bin ich gerade in Debunking-Stimmung. Nach dem Thema Geldschöpfung wende ich mich als nächstes der Blockchain und den Kryptowährungen zu, die hier im Blog auch schon mehrfach Thema waren.

Liebe Libertäre und Anarchokapitalistinnen, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein: Die Blockchain- und Kryptowährungs-Industrie verarscht euch nach Strich und Faden. Sie versprechen euch nämlich, die Transaktionen in einer Blockchain seien anonym.

Grundsätzlich stimmt das zwar; in der Blockchain selber sind deine Transaktionen beispielsweise bei Bitcoin nur durch eine Bitcoin-Adresse gekennzeichnet, die z.B. so aussehen kann: 3GL1MMJvw99DbrzoPQYhu7H5Zv2S8ykvPy.
Nun kommt das große Aber: Sobald du deine Bitcoins oder sonstigen Kryptowährungen benutzt, um damit etwas zu kaufen, entsteht ein Risiko, dass deine Bitcoin-Adresse mit deiner Identität verknüpft wird. Denn was du kaufst, muss ja irgendwie zu dir kommen, nachdem deine Bitcoins zur Verkäuferin übertragen wurden.

Und jetzt kommt's: Sobald deine bisher anonyme Adresse in der Blockchain von wem auch immer deanonymisiert wurde, sind auf einen Schlag alle deine Transaktionen öffentlich. Denn genau so funktioniert ja eine Blockchain – neue Transaktionen werden an die Kette aller bisherigen Transaktionen angehängt.

Geht noch weiter: Wenn du dir nun denkst, dann achte ich eben ganz besonders gründlich darauf, dass meine Adresse nicht mit meiner Identität verknüpft wird, hast du immer noch nicht gewonnen. Denn sobald eine größere Akteurin in der Blockchain deanonymisiert wurde, kann sich alle Welt mit Big Data-Methoden auf die Blockchain stürzen und deren Transaktionen analysieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen dabei weitere Identitäten von Blockchain-Adressen zum Vorschein, und je mehr bekannt sind, um so leichter wird es, den Rest auch noch zu deanonymisieren.

Ihr könnt darauf wetten, dass NSA & Co. dafür eine eigene Abteilung haben.

Und ich erinnere noch mal an meinen Beitrag Die Blockchain als verteilter Big Brother.

Nachtrag vom 09.02.: Heute habe ich noch mal alle meine Blockchain-Kritikpunkte zusammengefasst und meine Alternative dazu genannt.

Gefährliches Halbwissen über Geld(schöpfung)

2021-01-6

Der Kommentar von Renée Menéndez zu meinem Beitrag über Giorgio Agambens Deutung des Kapitalismus als Religion hat mich nun doch dazu angeregt, mal einen Versuch zu starten, der mich schon länger umtreibt.

Es herrscht eine große Begriffsverwirrung um Geld und Geldschöpfung, ein Thema mit dem ich mich bekanntlich schon seit vielen Jahren auseinandersetze. Dabei habe ich eine Menge gelernt und auch eine Menge gefährliches Halbwissen abgelegt. Darüber gibt es zwar schon diese dreiteilige Reihe hier im Blog:

  1. Vollgeld ist voll daneben
  2. Geldschöpfung aus dem Nichts - eine Luftnummer?
  3. Der Zins ist nicht das Problem, sondern seine Garantie

Allerdings fürchte ich, dass Laien danach auch nicht unbedingt schlauer als vorher sind. Deshalb kommt hier nun der Versuch, allgemeinverständlich aufzuschreiben, was es mit den Irrungen und Wirrungen der Geldschöpfung auf sich hat.

Vorneweg: Grundkenntnisse in doppelter Buchführung sind absolut hilfreich, um Geld zu verstehen. Ich finde schon länger, dass diese als Grundrechenart in unseren Schulen vermittelt werden müsste. Im Alltag der meisten Menschen ist doppelte Buchführung sogar noch wichtiger als beispielsweise Wurzelziehen.

Die (moderne) Begriffsverwirrung geht damit los, dass routinemäßig von "Buchgeld" (oder "Giralgeld") gesprochen wird. Der Wikipedia-Artikel dazu stellt zwar schon einiges klar:

Buchgeld entsteht durch Einzahlung von Bargeld auf ein Bankkonto, hauptsächlich jedoch durch Kreditgewährung der Kreditinstitute, die dadurch Geldschöpfung betreiben. Die Kreditgewährung erfolgt im Endeffekt regelmäßig dadurch, dass eine Bank ihrem Kreditnehmer Buchgeld durch Gutschrift auf dessen Bankkonto zur Verfügung stellt.

Und nun ein wichtiger Punkt:

Buchgeld ist kein gesetzliches Zahlungsmittel und löst daher keinen Annahmezwang beim Gläubiger aus.

Das klingt zwar nach einem technischen Detail, ist aber ganz wesentlich: Buch"geld" ist nicht das gleiche wie Bargeld, das "eigentliche", das "richtige" Geld. Frau kann also sagen, was du auf deinem Girokonto hast, ist gar kein Geld, sondern eine Geldforderung an die Bank. Die Bank muss dir echtes Bargeld in Höhe deines Guthabens auszahlen, wenn du das von ihr verlangst. Das tun bloß die wenigsten, deshalb fällt das kaum auf.

Noch mal Wikipedia:

Da Buchgeld eine Forderung der Bankkunden an ihre Bank darstellt, unterliegen diese Forderungen der Insolvenzgefahr eines Kreditinstituts.

Im Klartext: Geht die Bank pleite, ist im Zweifelsfall auch dein Guthaben futsch, weil du als Kontoinhaberin Gläubigerin der Bank bist. Das ist in Deutschland und vielen anderen Ländern zwar durch die Einlagensicherung auf große Guthaben beschränkt, was an der grundsätzlichen Tatsache aber nichts ändert.

Warum ist dieser Unterschied so wichtig? Ich kann doch auch mit meinem Bankguthaben wunderbar einkaufen? Nun, in der Praxis gilt das was Wikipedia schreibt:

Ungeachtet dieser gesetzlichen, sich jedoch kaum auswirkenden Schranken wird der größte Teil der Zahlungsverpflichtungen in modernen Volkswirtschaften mit Buchgeld beglichen.

Damit das funktionieren kann, ist die Unterscheidung essenziell. Was geschieht, wenn eine Bank einen Kredit gewährt? Sie schreibt ihrer Schuldnerin einen Betrag von x € gut als Forderung gegen sich selbst, und auf der anderen Seite der Buchung schreibt sie eine Forderung gegen die Schuldnerin in Höhe des Kredits, also ebenfalls x €, hin. Wegen der doppelten Buchführung müssen diese Summen immer gleich sein (die Zinsen sind ein Extrathema, um das es hier nicht geht, um die Sache nicht noch zu verkomplizieren).

Das heisst also, die Bank schuldet dir die Summe x und im Gegenzug schuldest du ihr zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls die Summe x. Was die Bank dir schuldet, heisst Sichteinlage, weil sie es dir "auf Sicht" – das heisst wann immer du dich bei der Bank sehen lässt – aushändigen muss.
(Nachtrag vom 09.01.:) Frau muss es doch echt ganz genau nehmen mit den Formulierungen. Die Sichteinlage bezeichnet dein Guthaben bei der Bank. Das Guthaben wiederum beziffert, wie viel die Bank dir an Geld schuldet. Dieses Geld (welches eben nicht dein Guthaben ist, sondern worauf das Guthaben dir nur den Anspruch bescheinigt) kannst du jederzeit von der Bank fordern, wann immer du dich dort sehen lässt. Deshalb heisst es Sichteinlage.
Danke Herr Menéndez für den Hinweis. (Ende Nachtrag)

Die Bank kann dir aber nur etwas schulden, was sie eben nicht nach Belieben selber herstellen kann. Andernfalls würdest du wohl kaum auf ein solches Geschäft eingehen. Und dieses Etwas ist nun gerade das Zentralbankgeld, von dem Bargeld die Form ist, die du in die Hand nehmen kannst. Die andere Form sind Zentralbankguthaben der Banken. Die haben nämlich ihrerseits alle ein Konto bei der Zentralbank, denn nur auf diese Weise kommt das Geld zu ihnen.

Wollen wir bei der Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken bleiben, dann könnten wir (ganz im Sinne von Renée Menéndez) von Geld 1. und 2. Ordnung sprechen. Dabei ist Zentralbankgeld das Geld 1. Ordnung und die Guthaben bei Banken sind Geld 2. Ordnung, weil sie sich (als Forderungen und Verbindlichkeiten) auf das Geld 1. Ordnung beziehen.

Wichtig ist nun, dass die privaten Geschäftsbanken eben nicht nach Belieben Geld 1. Ordnung schöpfen können, sondern nur Geld 2. Ordnung. Und auch das können sie nicht in beliebiger Höhe, sondern dabei gibt es in einem Mindestreserve-System verschiedene Beschränkungen.

Die Zentralbanken selber allerdings können heutzutage beliebige Summen Geld 1. Ordnung aus dem Nichts schöpfen. Was das angeht, war tatsächlich der 15. August 1971 ein historischer Wendepunkt, denn an diesem Tag verkündete US-Präsident Nixon, dass die amerikanische Zentralbank fortan kein Gold mehr gegen Dollar ausgeben würde. Bis zu diesem Tag war (zumindest theoretisch) die Geldschöpfung der Zentralbanken durch ihre Goldvorräte beschränkt.

Halten wir also fest:

Geschäftsbanken können nicht aus dem Nichts Geld schöpfen, sondern sich nur Geldforderungen in ihre Bücher schreiben. Zentralbankgeld können sie sich nur entweder von der Zentralbank direkt, von anderen Banken oder in Form von Bargeldeinzahlungen von ihren Kunden leihen.
Wenn wir diese Geldforderungen benutzen, um damit Dinge zu kaufen, ist das unser Risiko.

Wobei ich an dieser Stelle hervorhebe, dass es eine erstaunliche kulturelle Leistung ist, Geldforderungen ihrerseits als Zahlungsmittel zu verwenden. So eine Abstraktion kriegen selbst unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen & Bonobos, nicht hin. :-)

Zentralbanken wiederum können sehr wohl Geld aus dem Nichts schöpfen, und zwar seit dem 15. August 1971 sogar prinzipiell in beliebiger Höhe.

Das Sich-von-anderen-Banken-Geld-leihen findet übrigens auf dem Interbankenmarkt statt. Der liegt seit 2007 ziemlich darnieder:

Vor der Krise liehen sich Banken untereinander täglich bis zu 450 Milliarden Euro, infolge der Finanzkrise ab 2007 ist dieser Interbankenhandel fast völlig zum Erliegen gekommen, weil das Vertrauen der Banken untereinander gestört wurde.

Im September 2019 gab es da noch mal massive Zuckungen. Und so kriege ich sogar noch das Tag "Vertrauen" in diesem Beitrag unter. ;-)

Wenn dir das jetzt zu viel Text war und die lieber ein Video schaust, bitteschön, hier ist noch mal das Video von den NachDenkSeiten, das ich schon im Beitrag über Geldschöpfung aus dem Nichts verlinkt hatte:

Nachtrag vom 09.01.: Renée Menéndez hat den Sachverhalt in seinem Beitrag Was ist Giralgeld? rechtlich korrekter als ich dargestellt, dafür ist es dort nicht ganz leicht nachvollziehbar. Ich habe eben versucht, auf Fremdwörter und rechtliche wie ökonomische Fachbegriffe möglichst zu verzichten.
Beim Scrollen durch die dortigen Kommentare fand ich außerdem den 8seitigen Artikel Die Verwirrungen um die vermeintliche Giralgeldschöpfung durch Geschäftsbanken von Erhard Glötzl.

Nachtrag vom 26.01.: Norbert Häring hat sich mit der Frage nach dem gesetzlichen Zahlungsmittel bis zum EuGH durchgeklagt – mit einem durchwachsenen Ergebnis.

Eisbaden rockt

2020-12-30

Eine Premiere noch im Jahr 2020: Heute morgen beim kalt Duschen fiel mir mal wieder auf, dass das erst dann richtig wirkt, wenn das Wasser echt kalt ist. Kombiniert mit dem herrlichen Sonnenschein brachte mich das auf die Idee, im Wannsee zu baden. Die ursprüngliche Inspiration dafür, wie auch für das regelmäßige kalte Duschen, kommt von Wim Hof.

Gesagt – getan. Der Rauhreif im Wald auf dem Weg zum Ufer war schon eine gute Einstimmung. Übrigens ist es im Winter gar nicht so einfach, dort am Wannsee einen Wasserzugang zu finden. Das Strandbad ist natürlich komplett geschlossen.
Nördlich von Schwanenwerder fand ich dann eine Stelle im Sonnenschein, wo auch nicht direkt Fußgänger vorbeiliefen.

Dabei habe ich einen praktischen Tipp, wenn du das Eisbaden nachahmen willst: Ich empfehle besser eine nicht so flache Stelle wie dort, wo ich heute war. Sonst bist du nämlich ewig mit den Füßen schon im kalten Wasser, bis der ganze Körper drinnen ist, & auf dem Rückweg umgekehrt. Meint Füße sind erst in der S-Bahn so richtig wieder aufgetaut.

Jedenfalls kann ich jetzt sehr gut nachempfinden, was Illian Sagenschneider über das Eisbaden schreibt:

Ich werde nie vergessen, wie ich dann wieder am Ufer stand, mein Körper anfing, regelrecht zu glühen, und mein Gehirn nur so von Endorphinen überschüttet wurde… ich war so dermaßen glücklich und zufrieden… und dabei habe ich mich schlicht und ergreifend nur ein paar Minuten in kaltem Wasser aufgehalten.

Hinterher am Ufer habe ich das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht gekriegt. :-D

Auf dem Rückweg beim Fahrradfahren habe ich interessante körperliche Phänomene erlebt: In einem kurzen Energieschub bin ich auf der Straße losgeheizt & habe dabei die Mountainbiker auf dem Fahrradweg überholt. Allerdings fiel ich gleich darauf, als es steiler bergauf ging, in ein Energieloch und musste schließlich sogar absteigen und schieben. Dabei empfand ich am Körper eine Mischung aus warm und kalt, sehr abgefahren. Das hielt noch ne ganze Weile an, mein Schwächeanfall war nach einer Weile vorüber, so dass ich die nächste Steigung wie gewohnt hochgefahren bin.

Über Langzeitwirkungen kann ich jetzt logischerweise noch nicht berichten – stay tuned!

Illian Sagenschneider hat schon in früheren Beiträgen über die heilsame Wirkung von Kälte geschrieben:

Vielleicht schaue ich auch mal bei einer der regelmäßigen Gruppen in Berlin vorbei, als da wären die Icedippers und die Berliner Seehunde am Orankesee. Die haben sogar eine Hymne :-D

Nachtrag vom 09.01.2021: Heute war ich das zweite Mal Eisbaden, diesmal in der Havel. Dabei wurde ich von zwei Schwänen beobachtet, von denen einer hier im Bild zu sehen ist:
Timo von hinten bis zur Hüfte in der Havel mit Schwan im Vordergrund

Nachtrag vom 06.02.2021: Jetzt auch in meinen YouTube-Kanal.

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