Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Signal, die PIN und die Cloud – weniger ist manchmal mehr

2020-07-14

Hmpf. Da hatte ich mich doch vor kurzem erst so gefreut, dass meine Gemeinschaft von WhatsApp zu Signal gewechselt ist. Und jetzt kommt wenige Wochen später diese Geschichte mit der Zwangs-PIN und der Speicherung von Nutzerinnendaten in der Cloud.

Wenn du, wie ich, verstehen willst, was da technisch genau eigentlich los ist, ist der Artikel von Matthew Green die Quelle der Wahl. Für alle anderen erläutere ich es mal ganz einfach runtergebrochen:

Signal hatte (bisher zumindest) das Grundprinzip, dass die Firma, die das System betreibt, möglichst gar keinen Zugriff auf irgendwelche Nutzerinnendaten hat, die darüber ausgetauscht werden. Das ist an sich eine sehr lobenswerte Philosophie.
In der Zwischenzeit hat sich der Messenger allerdings bei vielen Nutzerinnen verbreitet, was dazu führt, dass diese Features wollen, die sie von anderen Messengern kennen. Wobei die Features oft Rückschritte bei der Sicherheit bedeuten; es gibt immer einen Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit.
Wer beim Lesen meines Blogs aufgepasst hat, weiss, dass ich bei neuen Features seeehr skeptisch bin, denn Komplexität ist der Feind. Und genau mit diesem Feind hat sich Signal jetzt angelegt. Ich hoffe inständig, dass es sich deshalb nicht zu einem weiteren Clusterfuck entwickelt.

Eben wegen des Zielkonflikts zwischen Sicherheit (der Philosophie von Signal) und Bequemlichkeit (den gewünschten neuen Features) mussten die Signal-Entwicklerinnen sich ein hochkomplexes System ausdenken, wie auch weiterhin die Signal-Betreiberinnen keinen Zugriff auf die inzwischen auf ihren Systemen doch gespeicherten Daten bekommen. Und dieses System basiert ausgerechnet auf Software Guard Extensions (Intel SGX). Das sind Befehlssatzerweiterungen (=mehr Komplexität), und zwar ausgerechnet von Intel – dem Prozessorhersteller, dem Apple gerade den Rücken kehrt. Und zwar, wie frau hört, weil Intel die Qualitätskontrolle zu nachhaltig verkackt hat. Und zwar insbesondere bei der Skylake-Architektur, derjenigen, mit der SGX eingeführt wurde.
Was soll da schon schiefgehen?!

Im Signal-Forum gibt es zur neuen PIN einen Thread mit aktuell (13.07.) 661 Beiträgen; dort wird also auch heiss diskutiert, ob das so eine kluge Idee war.

Mir erscheint diese Entwicklung als ein weiteres Argument für dezentrale Strukturen wie in diesem Fall XMPP (Jabber) + OMEMO. Darüber hatte ich mich im Beitrag Der Messenger-Salat ja schon ausgelassen, und ich fange gerade wieder an, ernsthafter über Conversations als Messenger für Android nachzudenken. Dazu stellt sich mir aufs Neue die Frage, welchen Client ich dafür unter Linux nehme; es gibt ja insgesamt eine ganze Menge OMEMO-fähiger Messenger. Nur mein bisheriger Lieblings-Messenger Pidgin gibt in dieser Hinsicht eine sehr traurige Figur ab. Auch meine praktischen Erfahrungen waren bisher überaus durchwachsen; ich habe es faktisch nicht zum Laufen gekriegt.

Jedenfalls haben sich Moxie Marlinspike (Seitenhieb: in der deutschsprachigen Wikipedia gibt es keinen Artikel über ihn; er ist offensichtlich nicht relevant…) & Co. möglicherweise einfach zu viel vorgenommen, eine sichere Messenger-Infrastruktur für zig Millionen Nutzerinnen zentral zu verwalten. Die Planwirtschaft im real existierenden Sozialismus war ja auch nicht gerade eine Erfolgsstory…

Nachtrag vom 08.08.: Es war echt eine super Idee, die Sicherheit privater Schlüssel SGX-Enklaven anzuvertrauen!!1!
Foreshadow returns to the foreground: Secrets-spilling speculative-execution Intel flaw lives on, say boffins:

Foreshadow – an L1 Terminal Fault (L1TF) bug in Intel parlance – involves abusing the processor's speculative execution to discern private data in an Intel SGX enclave's L1 data cache via a side channel. It relies on manipulating how information is prefetched – collected before it's needed – from the cache. This anticipatory data gathering doesn't take place in the way computer scientists had thought.

Wie gesagt, was soll da schon schiefgehen… more

Bhakdis Corona-Faktencheck

2020-07-4

Im aktuellen Buch Corona Fehlalarm? von Sucharit Bhakdi und seiner Frau habe ich einige aufschlussreiche Informationen gefunden, die ein ganz anderes Licht auf die Corona-"Pandemie" werfen. Im gleichen Verlag erschien im Jahr 2016 von den gleichen Autorinnen das Buch Schreckgespenst Infektionen. Mythen, Wahn und Wirklichkeit.

Wie schon an anderer Stelle im Blog erwähnt, halte ich Bhakdi für eine vertrauenswürdige Quelle in der Angelegenheit.

Vorneweg, wer lieber Videos schaut statt zu lesen, findet eine ganze Reihe davon in Bhakdis YouTube-Kanal.

Ich greife nur die Punkte heraus, die für mich selber besonders signifikant und neu sind. Das fängt an mit Belgien, wo ich mich schon länger gewundert hatte, warum ausgerechnet dort die Fallzahlen so hoch sind, und warum frau nirgends etwas darüber liest und hört. Nun, des Rätsels Lösung ist erschreckend einfach:

In Belgien erscheinen nicht nur jene Toten in der Statistik, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Sondern auch all jene, bei denen nur ein Verdacht besteht, es könnte einen Zusammenhang mit dem Virus geben.

Kannste dir nicht ausdenken so was!

Nächster Punkt aus dem Buch, was die Panikmache angeht:

Herr Drosten verbreitete sehr früh, dass asymptomatische Personen sehr ansteckend sein könnten. Die zentrale Studie, auf die er sich bezog (mit ihm als Co-Autor), berichtete, dass die chinesische Geschäftsfrau, die bei ihrem Besuch in Bayern Mitarbeiter eines Autozulieferers infiziert hatte, selbst keine Symptome hatte. Die Veröffentlichung halt weltweit für Aufsehen gesorgt und gleichzeitig zu einer großen Verunsicherung geführt. Ein Virus, das von Menschen verbreitet wird, die keine Symptome haben, lässt sich nur sehr schwer kontrollieren. Diese Furcht stellte eine treibende Kraft hinter vielen Extremmaßnahmen dar, die kurze Zeit später verhängt wurden – vom Besuchsverbot von Krankenhauspatienten bis hin zur Maskenpflicht.

Praktisch unbekannt geblieben ist dabei die Tatsache, dass der in dieser Schlüsselarbeit publizierte Befund sich als absolut unzutreffend herausgestellt hat. Im Nachhinein ergaben Recherchen, dass die Chinesin während ihres Aufenthaltes in Deutschland unter starken Beschwerden gelitten hat, diese waren jedoch nicht offensichtlich, weil sie schmerz- und fiebersenkende Mittel eingenommen hatte.

Was ist nun aber mit den in vielen Ländern offensichtlich überlasteten Gesundheitssystemen? Nun, diese Überlastung ist nicht Corona-spezifisch:

Als im Winter 2017/2018 eine wirklich schwere Grippe-Epidemie durch die Welt zog, kam es auch in den USA zu einer Überlastung der Krankenhäuser, zum Aufbau von Triage-Zelten, Operationen wurden abgesagt, Patienten abgewiesen. Alabama erklärte den Ausnahmezustand. Aber es hat keinen interessiert.

In Spanien kaum anders. Die Grippewelle 2017/2018 führte in ganz Spanien zum Kollaps der Krankenhäuser.

In Italien kaum anders. In Mailand und anderen Städten ging auf den Intensivstationen gar nichts mehr. Am Gesundheitssystem wird in Italien seit Jahren gespart, die Anzahl an Intensivbetten ist sehr viel geringer als in anderen Ländern Europas.

Das hatte ja auch die Anstalt letztens.

"Nicht schlimmer als eine Grippe" heisst also angesichts des Zustands der Gesundheitssysteme bei weitem nicht "harmlos".

Was hat es nun mit den schockierenden Bildern der Särge aus Bergamo auf sich, die vom Militär abtransportiert wurden? Dazu sagt der Vorsitzende des bayerischen Bestatterverbandes und Vizevorsitzende des deutschen Dachverbands, Ralf Michal, folgendes:

In Italien ist eine Feuerbestattung eher selten. Deshalb "waren die italienischen Bestatter überfordert, als im Zuge der Corona-Pandemie der Staat die Feuerbestattung anordnete", analysiert Michal. Dafür waren die Bestatter nicht vorbereitet. Es fehlten Krematorien und die komplette Infrastruktur. "Deshalb musste das Militär helfen. So lassen sich die Aufnahmen aus Bergamo erklären, die zeigen, wie Armeelaster Särge mit Corona-Verstorbenen abtransportieren helfen". In Deutschland hat die Urnenbestattung längst Tradition. "Bilder wie aus Italien wird es bei uns nicht geben", sagt der Fachmann.

Die Autorinnen verweisen im Buch mehrfach auf die Corona-Initiative Deutscher Mittelstand (Achtung, Link zu einem Google-Dokument!), die eine ganze Menge von Daten rund um Corona und die Folgen dort gesammelt und aufbereitet hat. Wie gesagt, klickt auf eigene Gefahr auf diesen Link, dort trackt euch Google.

Im Buch ist mir nun auch deutlicher geworden, was künstliche invasive Beatmung konkret bedeutet:

Invasive Beatmung bedeutet, dass der Patient in ein künstliches Koma gelegt wird, er ist nicht mehr ansprechbar, braucht eine Komplettversorgung auf der Intensivstation. Die Beatmungsmaschine drückt den Sauerstoff über einen Schlauch mit Überdruck in die Lunge. Über den Schlauch verschaffen sich nicht selten Bakterien Zutritt – und führen früher oder später zur tödlichen Lungenentzündung. Der Mediziner spricht von Krankenhausinfektionen. Das Risiko dafür steigt mit jedem Tag. Deshalb lernt der Mediziner auch, dass eine Beatmung zwar so lange wie nötig, aber immer nur so kurz wie möglich angewandt werden sollte.

Der Lungenfacharzt Thomas Voshaar findet drum auch: Es wird zu häufig intubiert und invasiv beatmet.

Bhakdi zitiert Scott Atlas von der Universität Stanford, der sich für die Strategie der Herdenimmunität ausspricht:

In fact, infected people without severe illness are the immediately available vehicle for establishing widespread immunity. By transmitting the virus to others in the low-risk group who then generate antibodies, they block the network of pathways toward the most vulnerable people, ultimately ending the threat. Extending whole-population isolation would directly prevent that widespread immunity from developing.

Spannend fand ich noch den Hinweis auf Empfehlungen der WHO zu Maßnahmen bei Grippe-Epidemien von Oktober 2019, Non-pharmaceutical public health measures for mitigating the risk and impact of epidemic and pandemic influenza, in denen sie den meisten Maßnahmen (die jetzt in der Corona-"Pandemie" umgesetzt wurden) schwache bis gar keine Evidenz bescheinigen.

Warum eine Impfung gegen Coronaviren (im Allgemeinen, nicht nur gegen SARS-CoV-2) medizinisch nicht sinnvoll ist, erklärt Dave Brych in einem seiner Videos, das im Wesentlichen auf dem Buch "Corona Fehlalarm?" basiert. Dazu müsst ihr wissen, dass Bhakdi durchaus kein pauschaler Impfgegner ist. In seinem ersten Buch Schreckgespenst Infektionen differenziert er, welche Impfungen er für wirksam hält und welche für medizinischen Unfug.

Oh, zum Ende des Buches hin gibt es noch ein interessantes Detail: Kein Geringerer als Christian Drosten hat im Dezember 2009 "vor einer Unterschätzung des Risikos der Schweinegrippe gewarnt" – als diese schon längst wieder am Abebben war. Wir erinnern uns, die Schweinegrippe war ein hoffnungslos aufgeblasenes Gefährdungsszenario, an dem vor allem einzelne Pharmakonzerne verdient haben.

Ach ja, weil's so schön ist, verlinke ich an dieser Stelle den "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"-Tweet des Bundesgesundheitsministeriums.

Auch interessant: Noch am 30. Januar hat der Bayerische Rundfunk diejenigen, die Corona für gefährlich halten, als Verschwörungstheoretiker und Populisten bezeichnet! So schnell kann sich der Wind drehen…

Der Virologe Pablo Goldschmidt sagt in einem Interview mit der argentinischen Zeitschrift Infobae:

Wir sind alle eingesperrt. In Nizza gibt es Drohnen, die den Menschen von der Luft aus Bußgelder aufbrummen. Wie weit ist es mit dieser Überwachung gekommen. Man muss jetzt Hannah Arendt lesen und sehr genau die damaligen Ursprüngen des Totalitarismus anschauen. Wenn man der Bevölkerung Angst macht, kann man alles mit ihr machen.

Übrigens hängt in Berlin an etlichen Stellen ein Plakat für die aktuelle Hannah-Arendt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum mit dem Spruch "Niemand hat das Recht zu gehorchen".

So weit zum Buch. Abschließend bette ich noch das Video der "Pressekonferenz" (die sich allerdings durch einen eklatanten Mangel an Presse auszeichnet) zur Gründung der Stiftung Corona-Ausschuss ein, die die Folgen des Lockdown auswerten will:

Bhakdi wird mit vielen anderen an diesem außerparlamentarischen Untersuchungsausschuss beteiligt sein.

Nachtrag vom 11.07.: Hier die nächste "Presse"konferenz vom Corona-Untersuchungsausschuss ohne anwesende Presse:

Etwas verwirrend finde ich, dass es neben der Stiftung noch eine weitere Seite Außerparlamentarischer Corona Untersuchungsausschuss gibt, die aber offenbar zum gleichen Ausschuss gehört.
Ah, noch verwirrender – das sind zwei unterschiedliche Ausschüsse unter dem gleichen Namen…

Von heute an benutze ich die weibliche Form

2020-06-13

Dieser Artikel in der Republik über gendergerechte Sprache hat mich dazu inspiriert, fortan hier im Blog & anderswo die weibliche Form zu benutzen, das generische Femininum.

Der Grund, warum ich nicht die politisch noch korrektere Form à la "Agent:innen" benutze, ist, dass ich das vor allem als bewusstseinserweiternde Übung für mich selbst mache. Und wenn ich mich als "Agentin Timo" bezeichne, hat das eine stärkere Wirkung auf mich. "Agent:innen" sind in meiner Vorstellung eher geschlechtslos als dass sie unterschiedliche Geschlechter haben.

Ihr seid damit automatisch & zwangsläufig auch Versuchskaninchen…

Umfangreiches Forschungs­material für mehrere Sprachen – auch für das Deutsche – und mit verschiedenen Methoden zeigt aber konsistent: Wir Menschen denken seltener an Frauen, wenn wir generisch maskuline Formen hören. Bei Lesern, Patienten, Wissenschaftlern denken wir zunächst an Männer.

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Deshalb:

Nennt die Sprache Frauen mit, nehmen wir sie mental mit wahr. Auch der Bund hält in einem Leitfaden zum Sprachgebrauch fest: «Mit geschlechter­gerechten Formulierungen werden Frauen […] sprachlich sichtbar, sie treten in Erscheinung und rücken ins Bewusstsein. […] Denn Sprache und gesellschaftliche Wirklich­keit sind nicht voneinander zu trennen.»

Wenn ich fortan z.B. von Marktteilnehmerinnen schreibe, sind Männer natürlich mit gemeint. ;-)

Und ich werde statt "man" nun auch konsequent "frau" schreiben, auch wenn das manchen albern erscheinen mag. Lest den Republik-Artikel & ggf. auch die darin verlinkten Studien; danach sprechen wir uns wieder.

Nachtrag vom 11.07.: Ich betone noch mal ausdrücklich, dass ich mich hier nicht als "Sprachpolizei" betätige und das von allen anderen Menschen auch so verlangen würde. Ebenso werde ich niemand zensieren, die in Kommentaren die generisch männliche Form benutzt. Es geht mir darum, in erster Linie für mich selbst und in zweiter Linie für euch Leserinnen das Bewusstsein zu schärfen.

Und das finde ich ebenso wichtig, wie praktisch die gesellschaftlichen Umstände so zu gestalten, dass alle Geschlechter sich im Sinne von Art. 1 und 2 GG frei entfalten können.

Sein und Bewusstsein greifen nämlich ineinander, was sich sehr deutlich in Personalabteilungen zeigt: Etliche Studien haben nachgewiesen, dass Personalerinnen, selbst wenn Diversität offizielle Firmenpolitik ist und die Leute diese Werte bewusst auch teilen, oft unbewusst sich dann doch für die Bewerberinnen mit deutsch (oder englisch oder wo die Studie halt durchgeführt wurde) klingendem Namen entscheiden. Und so hat dann das (Un-) Bewusstsein von Menschen ganz handfeste Folgen für andere Menschen.

Meine Gemeinschaft wechselt von WhatsApp zu Signal

2020-06-7

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Meine Gemeinschaft ist jetzt tatsächlich mit der internen Kommunikation von WhatsApp zu Signal gewechselt!

Signal-Logo

Mein erster Versuch mit Wire war ja kläglich gescheitert, dann war WhatsApp der Anlass, mir ein Smartphone schenken zu lassen ;-).

Dann hatte ich einen erneuten Versuch mit Nextcloud Talk gestartet, der allerdings auch im Sande verlief, vor allem weil Nextcloud Talk bei All-Inkl wohl eher suboptimal ist.

Den Ausschlag für den Wechsel haben übrigens die externen Masseur:innen gegeben, mit denen unser Massageteam eine Signal-Gruppe eingerichtet hat.

Mit dem Wechsel zu Signal ist nun mein persönlicher Messenger-Salat ein kleines aber wesentliches Stück ausgedünnt. Tschakka!

Vorher habe ich natürlich noch meinen WhatsApp-Chatverlauf gesichert, denn was man hat, das hat man.
Stellt sich raus, was man hat, das hat man noch lange nicht – es gibt nämlich seitens Facebook/WhatsApp keine Möglichkeit, den gesamten Chatverlauf in einem für Menschen lesbaren Format herunterzuladen. Die Account-Info habe ich auch angefordert, aber:

Bitte beachte, dass der Bericht keine deiner Nachrichten enthält.

Das bringt mich in dieser Hinsicht also nicht weiter. Nach einer längeren Odyssee über den WhatsApp Viewer und den dort verlinkten Forenthread sowie den wiederum darin verlinkten Forenthread zum Extrahieren des WhatsApp-Backups aus dem Google Drive bin ich nun endlich beim WhatsApp Parser Toolset gelandet, mit dem mir zumindest der Download des Backups aus dem Google Drive gelungen ist.

Damit habe ich zwar schon mal alle Mediendateien versammelt, der eigentliche Chatverlauf ist allerdings verschlüsselt und nützt mir so noch nichts. Deshalb bin ich im Zuge dessen so tief wie noch nie in mein Android-Smartphone eingetaucht – per USB Debug Mode. Das nötige Tool findet sich im oben verlinkten ersten Forenthread nebst Anleitung es zu benutzen.

Leider tut das in meinem Fall nicht so wie es soll, weil ich WhatsApp Business statt des normalen WhatsApp benutze.

Unfassbar, wie schwer dieser Scheissverein von Facebook es einem macht, die eigenen Daten aus WhatsApp rauszukriegen. Die meisten Leute hätten schon nach der Account-Info aufgegeben.

Übrigens, diese "Account-Info" ist ein Witz, das sind mit Sicherheit nicht alle personenbezogenen Daten, die die von mir gespeichert haben. Mal sehen, vielleicht wende ich in diesem Fall das erste Mal den freundlichen Folterfragebogen der c't an. Stellt sich nur die Frage, wo schicke ich ihn hin? Laut Impressum ist die WhatsApp Ireland Limited in Dublin zuständig. Der Mutterkonzern Facebook sitzt in Europa ebenfalls in Dublin. Nun, schaun mer mal.

Hier hat jemand seine diversen Selbstauskunft-Versuche bei verschiedenen Unternehmen und Institutionen dokumentiert; für mich besonders interessant ist natürlich sein Tagebuch der WhatsApp-Selbstauskunft. Es ist ein harter Kampf…

Nachtrag: WhatsApp ist damit ein Beispiel dafür, dass man Kryptographie auch dafür missbrauchen kann, Nutzern ihre eigenen Daten vorzuenthalten. Signal geht den entgegengesetzten Weg.

Nachtrag vom 13.07.2020: Anlässlich der Entscheidung von Signal, Kontaktdaten nun doch auf ihren Servern zu speichern, geht eine große Erschütterung durch die Security-Community. Was genau dahinter steckt, erläutert Matthew Green in seinem Beitrag A few thoughts about Signal’s Secure Value Recovery.
Das hat mich jetzt dazu gebracht, einen eigenen Beitrag über Signal, die PIN und die Cloud zu verfassen.

Es gibt kein bedingungsloses Grundeinkommen

2020-05-18

Beim Foucault-Lesen (siehe auch Gouvernementalität in der Corona-Pandemie) wurde mir klar, dass ich hier im Blog, was das "Bedingungslose Grundeinkommen" angeht, echt lange um den heißen Brei herum geschrieben habe.

Foucault bringt das Dilemma des Liberalismus so auf den Punkt:

Die neue Regierungskunst stellt sich also als Manager der Freiheit dar, und zwar nicht im Sinne des Imperativs: "Sei frei", was den unmittelbaren Widerspruch zur Folge hätte, die dieser Imperativ in sich trägt. Es ist nicht das "Sei frei", was der Liberalismus formuliert, sondern einfach Folgendes: "Ich werde dir die Möglichkeit zur Freiheit bereitstellen. Ich werde es so einrichten, dass du frei bist, frei zu sein." Wenn dieser Liberalismus nicht sosehr der Imperativ der Freiheit, sondern die Einrichtung und Organisation der Bedingungen ist, unter denen man frei sein kann, dann wird im selben Zug im Zentrum dieser liberalen Praxis ein problematisches, ständig wechselndes Verhältnis zwischen der Produktion der Freiheit und dem hergestellt, was, indem es sie herstellt, sie auch zu begrenzen und zu zerstören droht. […] Mit einer Hand muss die Freiheit hergestellt werden, aber dieselbe Handlung impliziert, dass man mit der anderen Einschränkungen, Zwänge, auf Drohungen gestützte Verpflichtungen usw. einführt.

Das ist genau das Dilemma, welches auch das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) mit sich bringt. Das Netzwerk Grundeinkommen definiert ein BGE so:

  • Existenz sichernd und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichend,
  • auf das ein individueller Rechtsanspruch besteht,
  • ohne Bedürftigkeitsprüfung
  • ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen

Wir "zivilisierten" Menschen wachsen so selbstverständlich in Staaten auf, dass wir die Existenz eines solchen Staates kaum wahrnehmen, so wie ein Fisch im Meer das Meer kaum wahrnimmt und daher einfach als gegeben voraussetzt. Dadurch übersehen wir in dieser Definition leicht den Knackpunkt ein individueller Rechtsanspruch. Denn wer kann diesen Rechtsanspruch garantieren? Natürlich nur der Staat (oder eine äquivalente gesellschaftliche Einrichtung). Das ist also in jedem Fall eine Bedingung, damit das Ganze funktionieren kann, und – schwups – ist es eben nicht mehr bedingungslos.

Kommen wir da vielleicht durch das in meinem Blog schon mehrfach erwähnte Freiwillige Bedingungslose Grundeinkommen (FBGE) raus? Nein, denn auch dabei ist das Wort "bedingungslos" fehl am Platz.
Wie funktioniert so ein FBGE? Eine Gruppe von Menschen tut sich zusammen und schmeisst freiwillig Geld in einen gemeinsamen Topf, aus dem dann das FBGE ausgezahlt wird. Die Bedingung dafür ist natürlich, dass alle Beteiligten auch genügend Geld haben (und weiterhin bereit sind!), um den Topf damit immer wieder zu füllen.

Halten wir also fest:
Es gibt kein bedingungsloses Grundeinkommen. Grundeinkommen ist möglich, aber immer unter irgendwelchen Bedingungen.

Jetzt ist es raus. Übrigens ist auch das von mir immer wieder als Alternative gepriesene Gemeinschaffen eine Sache von Bedingungen, denn dabei geht es ja darum, dass eine Gruppe von Menschen sich zusammentut, um einen Ort oder irgendwelche Sachen zu pflegnutzen, und diese Gruppe von Menschen vereinbart dafür Regeln untereinander, an die sich dann alle halten sollen. Auch da haben wir also immer irgendwelche Bedingungen.

Ich schließe mit dem hier im Blog schon mal zitierten Zen-Spruch

Alles hängt von Bedingungen ab,
und keine Selbstheit wohnt den Dingen inne.

So ist das nun mal in dieser Welt der Erscheinungen. Ohne Bedingungen ginge hier schliesslich alles drunter & drüber. ;-)

Schenken

Spenden

Suchen

Archiv

Browse Archives