Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Der Messenger-Salat

2019-07-11

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich mich von Wire wieder verabschiedet. Im dortigen Beitrag schrieb ich

Das Hauptproblem ist der Lock-In-Effekt schon vorhandener Messenger, die Leute haben einfach keinen Bock, sich noch einen fünften Messenger nur für mich zu installieren.

und das will ich in diesem Beitrag noch weiter ausführen. Inzwischen habe ich nämlich ein altes Android-Smartphone ohne SIM-Karte, damit ich meinen eigenen Zugang zur gemeinschafts-eigenen WhatsApp-Gruppe habe. Das betrachte ich natürlich nur als Übergangslösung, denn von WhatsApp will ich möglichst schnell weg.

Nun, wo ich also ein Smartphone habe, probiere ich damit auch alles Mögliche aus, was dazu geführt hat, dass ich inzwischen 8 (in Worten: acht!) verschiedene Messenger drauf habe:

  • Mit WhatsApp fing es wie gesagt an, das benutze ich über WhatsApp Business mit einer Festnetznummer, die außerhalb der Gemeinschaft niemand kennt. Es hat also keinen Zweck, mich darüber kontaktieren zu wollen. ;-)
  • Dann benutze ich im Rahmen des Wandelbündnisses auch auf dem Smartphone FairChat, einen Ableger von RocketChat. Da geht der Salat schon los, denn RocketChat ist offenbar eine komplette Eigenentwicklung und mit keinem anderen Messenger kompatibel.
  • Wie schon im Wire-Beitrag erwähnt, habe ich angefangen, die Gemeinschaft an Nextcloud Talk zu gewöhnen, was ich mir aus diesem Grund auch auf dem Smartphone installiert habe. Dabei erwies es sich, dass die Smartphone-Apps davon ohnehin besser funktionieren als der Webclient. Allerdings gilt auch hier: Nextcloud Talk basiert auf Spreed.ME, was wiederum ein anderes Protokoll nutzt, nämlich WebRTC. Der Fokus von Nextcloud Talk liegt auf Videokonferenzen, die wir in der Gemeinschaft allerdings kaum brauchen. Als vollwertiger Ersatz von WhatsApp taugt es jedenfalls derzeit nur bedingt.
  • Aus historischen Gründen benutze ich auch immer noch Skype, in erster Linie um mit meiner Freundin zu kommunizieren, außerdem nutzt es auch einer in der Gemeinschaft intensiv. Das ist natürlich eigentlich kein Zustand…
  • Dann habe ich mir gedacht, wenn ich schon ein Smartphone habe, probier ich doch auch mal Signal aus. Dieser Messenger ist vor allem unter Nerds verbreitet, & auch er hat das Problem: man kann mit dem Signal-Client nur Signal benutzen, ist also auf das dazugehörige Netzwerk festgelegt.
  • Gleiches gilt für Telegram, das ich dann im F-Droid-Store gefunden habe und einfach mal ausprobiert. Dabei habe ich erstaunlich viele Freunde & Bekannte wiedergefunden.
  • Im Rahmen des Project Janet, wie wir die Vernetzung der IT-Leute aus der Gemeinschaftsszene genannt haben, haben wir eine Jabber-/XMPP-Gruppe gegründet. Dafür habe ich mir auf dem Smartphone Conversations installiert, was ich ziemlich cool finde. Und mein sechs Jahre alter Jabber-Account kommt endlich mal zum Einsatz. Mike Kuketz ist regelrecht begeistert von Conversations. Im F-Droid-Store gibt's die aktuelle Version kostenlos, iPhone-Benutzer müssen allerdings draußen bleiben.
  • Schliesslich habe ich mir noch den Facebook Messenger installiert. Nanu, fragt ihr euch jetzt, da bin ich doch längst nicht mehr!? Stimmt, allerdings nutze ich den Diamond Lotus-Gemeinschafts-Account mit.

So sieht es also derzeit auf meinem Smartphone aus. Ein ganz schöner Salat.

Und der geht weiter auf meinem Rechner, denn natürlich hätte ich am liebsten den gleichen Messenger-Zugang am Rechner unabhängig vom Smartphone. Bei WhatsApp gibt es zwar WhatsApp Web, das funktioniert aber nur solange das Smartphone mit dem Netz verbunden ist.
Das ist bei Signal anders, der Desktop-Client funktioniert nach einmaligem Autorisieren auch, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist.
Bei Telegram kann ich sogar ein Plugin für Pidgin nutzen. Pidgin ist schon durch den Project Janet-Chat wieder zu neuem Leben erwacht, mit Telegram also erst recht. Für Signal existiert zwar ein Pidgin-/Purple-Plugin, das ist aber wohl ziemlich rudimentär, weshalb ich es gar nicht erst ausprobiert habe. Und das RocketChat-Plugin müsste ich unter Gentoo manuell bauen, worauf ich keinen Bock habe.

Übrigens habe ich mich ja nach meinem ersten Facebook-Ausstieg u.a. auch bei Friendica angemeldet, das war aber im Wesentlichen eine Totgeburt. Nix los da, oder jedenfalls ist niemand von meinen Freunden & Bekannten dort unterwegs.

Nun haben wir also den Salat. Ein großer Teil davon besteht in dem, was Mike Kuketz so zusammenfasst:

In Wirklichkeit erleben wir gerade eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur Messenger betrifft. Wir leben in einer Welt der Walled Gardens, die weiter und weiter ausgebaut werden. Hierbei übernehmen Unternehmen die Kontrolle über die Software, über den Inhalt bis hin zu den Metadaten. Kurz: Die Kontrolle über den Nutzer selbst wird angestrebt. Beispiele dafür gibt es zur Genüge: Facebook, WhatsApp und Co. Im Kern widersprechen diese Dienste dem Gedanken von einem freien und offenen Internet.

Das Hauptproblem, das neben WhatsApp und Facebook auch Signal und Telegram teilen, ist die Zentralisierung (vgl. auch meine Kritik an DNS over HTTPS):

Werfen wir doch mal einen Blick auf die marktbeherrschenden Messenger: Es gibt einen Server bzw. Server-Cluster an die sich jeder Teilnehmer anmelden muss. Letztendlich liegt die Kontrolle über den gesamten Dienst und seine zukünftige Ausrichtung allein in der Verantwortung des jeweiligen Dienstleisters. Ob zukünftig Werbung bei der Nutzung eingeblendet wird oder die Metadaten zu Marketingzwecken benutzt werden, über all das entscheidet der Anbieter selbst. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist zu viel Macht in den Händen von wenigen.

Deshalb ist Conversations ein ziemlich cooler Messenger, weil er dir nämlich die Wahl lässt, auf welchem Server du dich anmeldest oder sogar deinen eigenen betreibst. Ein beliebtes Feature von WhatsApp kann er übrigens auch: Sprachnachrichten.

Nachtrag: Thunderbird kann übrigens auch XMPP.

Nachtrag vom 07.08.: Gerade habe ich die Seite Freie Messenger entdeckt, die auch einen starken Fokus auf Jabber/XMPP hat. Und auf der offiziellen XMPP-Seite gibt es eine Liste mit XMPP-Software.

Nachtrag vom 16.08.: Einer aus der Gemeinschaft toppt meinen Salat noch, er hat sage & schreibe 13 (in Worten: DREIZEHN!!) Messenger auf seinem Smartphone, darunter auch so Zeug wie Slack und Trello.

Nachtrag vom 16.09.: Durch Extinction Rebellion ist jetzt noch ein weiterer Messenger dazu gekommen, nämlich Mattermost.

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