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Monogamie, Lohnarbeit und Schulpflicht auf den Komposthaufen der Geschichte
Zum Geburtstag hatte ich das Büchlein Lob der offenen Beziehung von Oliver Schott geschenkt bekommen. Nun war es so weit, ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Es war in dem Sinne nichts Neues für mich, als ich schon immer davon ausgegangen war, dass man natürlich mehr als einen Menschen (gleichzeitig) lieben kann. Oliver Schott führt einem auf 100 Seiten A6 allerdings sehr drastisch vor Augen, wie unsinnig die Argumente für Monogamie allesamt sind.
In der Jungle World gab es im Jahr 2007 einen umfangreichen Diskurs zum Thema, den ich bisher noch nicht gelesen habe:
- Dem Leben Schönes schenken
- Die Beziehungsweise
- Effizienz macht hässlich
- Monogamie ist keine Lösung
- Dialektik der Treue
- Experimental Sex
- Liebe ohne Staat und Herrschaft
Was hat das Ganze nun aber mit Lohnarbeit und Schulpflicht zu tun? Ganz einfach: Die Monogamie als exklusive Zweierbeziehung gibt es zwar schon sehr lange, in der besonderen Form der Liebesehe bzw. dem romantischen Liebesideal allerdings erst seit etwa 200 Jahren. Nun ist das aber genau auch die Zeit, in der das heutige Lohnarbeitssystem entstand. Und im Zuge dessen kam das heutige Schulsystem mit der allgemeinen Schulpflicht auf.
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Der Zins ist nicht das Problem, sondern seine Garantie
Gefährliches Halbwissen Teil 3: Nachdem die Frage nach der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken sowie der Geldschöpfung aus dem Nichts nun geklärt sind, blieb natürlich noch die Frage nach dem Zins, Zinseszins und dem damit verbundenen exponentiellen Wachstum übrig. Das ist keine theoretische Frage, denn exponentielles Wachstum lässt sich an vielen Stellen in unserer Wirtschaft empirisch beobachten. Das wäre zum einen die Entwicklung der Bankbilanzen, der Staatsverschuldung in Deutschland oder auch der Aktienmärkte am Beispiel des S&P 500 seit 1950. An letzterem sehen wir auch gut, dass die Crashs von 2000 und 2007 dem exponentiellen Wachstum einen erheblichen Dämpfer verpasst haben (1987 muss man da schon fast mit der Lupe suchen). Die Staatsverschuldung ist dafür jeweils kurz nach dem Crash sprunghaft angestiegen.
Das gefährliche Halbwissen, das ich hier und anderswo bisher verbreitet hatte, bezieht sich in diesem Fall auf die Behauptung (die übrigens vor allem auch Paul C. Martin (PCM) in die Welt gesetzt hat!), das Geld für den vom Schuldner zu leistenden Zins sei im Gesamtsystem nie vorhanden. Diesen Zahn haben mir nun die Geldsystempiraten in ihrem Grillfest zum Thema Zinskritik gezogen. Die knapp 2 1/2 Stunden Mumble-Mitschnitt sind ein Dokument von beeindruckend ernsthaftiger Auseinandersetzung um der Sache willen:
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Geldschöpfung aus dem Nichts - eine Luftnummer?
Gefährliches Halbwissen Teil 2 – nachdem ich dank Renée Menéndez das Konzept des Vollgeldes als Murks erkannt habe, geht es nun dem Fiat Money an den Kragen – der Vorstellung, Banken könnten Geld beliebig aus dem Nichts schöpfen. Zunächst haben wir bei Renée Menéndez gelernt, dass private Geschäftsbanken ohnehin kein Geld im Sinne von Zentralbankgeld erzeugen können, sondern lediglich Geldforderungen.
Ganz wichtig ist, bei allen Überlegungen über das Geldsystem zwischen Geldvermögen einerseits und Zahlungsmitteln andererseits zu unterscheiden. Ich zitiere von pinkepinke.net:
Bei Transaktionen, die das Geldvermögen verändern, handelt es sich entweder um Einnahmen oder um Ausgaben. Sie sind terminologisch scharf von Zahlungs-Ein-/-Ausgängen zu trennen. Nur bei Barkauf (Barverkauf) fallen zufällig Ausgaben und Zahlungsausgang (Einnahmen und Zahlungseingang) zusammen.
Und weiter:
Bei der Geldschöpfung (Zahlungsmittelerzeugung) wird also von der Bank immer ein Kreditverhältnis dokumentiert, zusätzlich von ihr mit Eigenkapital besichert und abgewickelt.
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Vollgeld ist voll daneben
In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit dem beschäftigt, was Renée Menéndez in seinem Blog soffisticated über Wirtschaft im Allgemeinen und Geld im Speziellen schreibt. Das ist eine ganze Menge Stoff und außerdem auf hohem (Abstraktions-) Niveau geschrieben, weshalb ich gar nicht den Versuch wage, meine Erkenntnisse in wenige Worte zu fassen. Lest euch lieber selbst ein, das bildet! :)
Jedenfalls hat mich die Lektüre davon überzeugt, dass ich mit dem Vollgeld-Konzept von Joseph Huber hier gefährliches Halbwissen verbreitet habe. Das hat nun ein Ende.
Den Ausschlag hat der Beitrag über Vollgeldspielereien gegeben, wobei die Diskussion in den Kommentaren den Umfang des Artikels um ein Vielfaches übersteigt. Überhaupt habe ich selten ein Blog mit so geistreichen Kommentaren gesehen.
Für den grundsätzlichen Einstieg in Menéndez’ Argumentation eignet sich die dreiteilige Artikelreihe “Logische Typenlehre und die Ökonomie” (Teil 1, Teil 2 und Teil 3).
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Otto Scharmer, die Bewusstseinskrise und die Kinder
Im aktuellen Bankspiegel der GLS-Bank ist ein Beitrag von Otto Scharmer drin, wo er sehr komprimiert die Herausforderungen unserer Zeit beschreibt (auf 2 Seiten!). Er war anlässlich der GABV-Versammlung in Berlin. Er spricht davon, dass die gesellschaftliche Entwicklung bis heute von einem Bewusstsein geprägt ist, in dessen Zentrum das jeweilige Ego steht. Selbst die bisher neueste Stufe, die er Stakeholder-Bewusstsein nennt, hat noch nicht das Ganze im Blick, sondern versucht nur die vielen einzelnen Egos unter einen Hut zu bekommen. Was es jedoch heute dringend braucht, nennt er Öko-System-Bewusstsein. Das heißt, “dass ich nicht nur meinen eigenen Wohlstand und meine Lebensqualität maximiere, sondern auch diejenige aller meiner Partner und Mitgestalter”.
Basierend auf unserer Arbeit mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und anderen gesellschaftlichen Gruppen sehen wir die größte Herausforderung für einen solchen Schritt in eine schöpferische Öko–System–Ökonomie in der Frage, wie wir den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren helfen können, ihr Ego–System–Bewusstsein loszulassen. Dabei hilft es, sich in die Perspektive des Anderen zu begeben. Wie das geht? In unserer Arbeit haben wir gelernt, dass dazu ein Prozess erforderlich ist, der die Öffnung des Verstandes, des Herzens und des Willens ermöglicht: gemeinsame Wahrnehmung und Willensbildung. Warum geschieht dies so selten? Weil der schwerste Schritt das Loslassen ist. Es bedeutet, eine Schwelle zu überschreiten, eine Welt loszulassen und eine andere Welt kommen zu lassen, von der wir gar nicht wissen, ob sie überhaupt existiert.
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Franz Hörmann und das Plussummenspiel im Informationsgeld
Ich habe noch nie jemanden so unterschätzt wie Franz Hörmann.
Als ich das erste Mal vor ein paar Jahren ein Interview mit ihm las, hatte ich ihn als sehr fundiert argumentierenden Kritiker unseres aktuellen Geldsystems abgespeichert und war auch schon tief berührt davon, wie er – ganz im Sinne der Tiefen Demokratie – auch die Eliten mit ins Boot nehmen wollte auf dem Weg in eine neue Gesellschaft.Wie umfassend dieser Mensch denkt, und wie geschmeidig die vielen Aspekte bei ihm ineinander greifen, wird mir jetzt gerade erst klar. Aber fangen wir von vorne an.
Vorweg eine kleine “Warnung”: Hörmanns Gedanken bewegen sich auf einer höheren Ebene als die, auf der wir uns üblicherweise aufhalten. Er stellt ein komplett anderes Paradigma vor. Sogar ich, der ich immer begeistert auf neuartige Vorstellungen aufspringe, konnte mich erst nach & nach in sein Konzept eindenken.
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Ego, Schuld und Eigentum: Die Illusion des Getrenntseins
Da ich in den letzten Wochen sehr viel Käptn Peng gehört habe, hat das so seine Spuren bei mir hinterlassen ;-)
Ich werde mich daher hier mit dem auseinander setzen, was eigentlich letzten Endes hinter Konzepten von Eigentum und Schuldverhältnissen steckt. Es ist jeweils das Ego, das Ich, welches Käptn Peng so genial als das Prisma bezeichnet, welches das Licht bricht und deshalb selber nicht leuchtet.
du glaubst wirklich, du bist ein abgetrenntes Wesen
vom Kosmos, vom Urgrund, von mir und vom Leben?
Eigenständig, unabhängig, mit eigenen Gedanken?
Du spinnst, wenn du nicht fühlst: du bist Teil eines GanzenDa liegt der Hund begraben. Eigentum ist nur denkbar, wenn ich mich als abgetrennt vom Ganzen, von “den anderen” begreife. “Meins” und “Deins” sind Folgen von “Ich” und “Du”. Das sind alles wichtige Ent-Wicklungen, denn Spielen geht nur unter Vielen.
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Zwangsweise umverteilen? Nein Danke!
Ich bin entschieden gegen Umverteilen jeglicher Art, sofern das nicht alle Beteiligten freiwillig tun. Daher will ich einerseits das Geldsystem ändern, das eine Umverteilung von unten nach oben fest eingebaut hat, andererseits halte ich überhaupt nichts von den immer lauter werdenden Rufen nach “Umfairteilen”, wie es jetzt auf Neudeutsch heißt. Denn das sind faktische Rufe nach dem Staat, dieser möge sein Gewaltmonopol in Stellung bringen, um den bösen “Steuersündern” die hinterzogenen Steuern wieder abzuknöpfen - wenn’s sein muss, hinter vorgehaltener Waffe (siehe auch meinen Beitrag zu Steuern, Zinsen und Herrschaft). Besonders absurd wird es, wenn das so genannte Anarchisten fordern, am besten noch, die “Steuersünder” in den Knast zu bringen, sie auf jeden Fall zu bestrafen.
Noch mal: Ein Großteil dieser in Sicherheit gebrachten Vermögen sind ihrerseits durch zwangsweise, systemimmanente Umverteilung zustande gekommen, die ich als solche verurteile.
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Die Fliegenden Untertassen
Wo wir gerade bei Tracks sind, die jeden Morgen im Radio zum Aufstehen laufen sollten, da haben Die Fliegenden Untertassen auch einige beizusteuern.
Ihr neuester heißt “Nie wieder am Ziel vorbei”:
Mein Lieblingslied vom ersten Album TRUST ist “Mein Tag”:
Und das bisher schönste Video gehört zum Lied “Sodom und Gomorrha”:
Da die Untertassen ihre Lieder online verschenken, seid ihr alle herzlich eingeladen für sie zu spenden.
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Käptn Peng und die Tentakel von Delphi
Für diese Zeilen aber auch sowieso gebührt Käptn Peng die Goldene Rap-Medaille:
Kannst du das Wunder denn nicht sehen?
Das entsteht und vergeht und nie stoppt sich zu drehen
um dabei Licht zu emittieren und in sich selbst einzugehen?
– “Licht, welches Licht?”
Erzähl mir nicht, du siehst das Licht nicht!
“Nee!” – Alles um dich rum glüht, nur dein Ich nicht
denn dein Ich ist das Prisma, durch das sich das Licht bricht
es bündelt, selektiert und stellt sich dar wie deine Ich-Sicht
doch in Wirklichkeit ist dein Ich viel umfassender
ein Teil des Teils, der Anfangs alles war
und wieder sein wird, wenn du dein Ich verschmelzen lässt
mit allem um dich rum, in dir drin, und dem ganzen Rest
Licht mit Dunkel, die Null mit der Eins
das Bewusstsein mit dem Körper und das alles mit dem Keins
und so vereinst du den Schein mit dem Sein
demontierst dein altes Heim um dein Wesen zu befreien
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