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    Wahrer Reichtum


    Im 14. Kapitel von Charles Eisensteins Buch Sacred Economics findet sich ein Satz, den ich zu meinem Lebensmotto machen könnte:

    Zeit ist Leben. Wahrhaft reich zu sein heißt, über unsere Zeit selbst verfügen zu können.

    Unter der Überschrift Die soziale Dividende führt er darin aus, dass neben einem System von fließendem Geld (siehe dazu auch Lust auf neues Geld) auch ein bedingungsloses Grundeinkommen not-wendig und gerade in dieser Kombination besonders wirkungsvoll ist, denn:

    Die Internalisierung von Kosten lenkt den Geldfluss und den Fokus unserer Aktivitäten um, weg vom Konsum und hin zum Heiligen. Das Negativzinsgeld bewirkt, dass Investitionen ohne den Anspruch getätigt werden, dass am Ende mehr Geld herauskommen soll als hineingeflossen ist. Das beendet den Ausverkauf der Zukunft. Diese Maßnahmen allein werden aber nicht genügen, denn ein Teil der Arbeit an der Heilung der Welt ist grundsätzlich unökonomisch.


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    Das Land, wo Milch und Honig fließt


    Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

    (Mark Twain)

    Beim Blick auf das, was gerade in Gaza geschieht, könnte man auf die Idee kommen, dass sich Geschichte manchmal doch wiederholt. Ich zitiere aus 4. Mose 13 (Luther-Übersetzung):

    Und der HERR redet mit Mose und sprach: Sende Männer aus, die das Land Kanaan erkunden, das ich den Kindern Israel geben will, aus jeglichem Stamm ihrer Väter einen vornehmen Mann. Mose, der sandte sie aus der Wüste Pharan nach dem Wort des HERRN, die alle vornehme Männer waren unter den Kindern Israel. […]
    Und sie kehrten um, als sie das Land erkundet hatten, nach vierzig Tagen, gingen hin und kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel in die Wüste Pharan gen Kades und sagten ihnen wieder und der ganzen Gemeinde, wie es stände, und ließen sie die Früchte des Landes sehen. Und erzählten ihnen und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, dahin ihr uns sandtet, darin Milch und Honig fließt, und dies ist seine Frucht; (2. Mose 3.8) (2. Mose 3.17) nur, daß starkes Volk darin wohnt und sehr große und feste Städte sind; und wir sahen auch Enaks Kinder daselbst. So wohnen die Amalekiter im Lande gegen Mittag, die Hethiter und Jebusiter und Amoriter wohnen auf dem Gebirge, die Kanaaniter aber wohnen am Meer und um den Jordan.
    Kaleb aber stillte das Volk gegen Mose und sprach: Laßt uns hinaufziehen und das Land einnehmen; denn wir können es überwältigen.


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    Scared Sacred - Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten


    Jetzt wo sich zumindest gefühlt global alles immer mehr zuspitzt, binde ich hier den Film Scared Sacred von Velcrow Ripper ein. Darin geht er gezielt an Orte des Grauens und entdeckt dort überall zugleich Zeichen der Hoffnung:

    Scared Sacred by Velcrow Ripper, National Film Board of Canada

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    Beware the beast man


    Beware the beast man, for he is the devil’s pawn. Alone among God’s primates, he kills for sport, or lust or greed. Yes, he will murder his brother to possess his brother’s land. Let him not breed in great numbers, for he will make a desert of his home and yours. Shun him. Drive him back into his jungle lair: For he is the harbinger of death.

    (From Planet of the Apes)
    He is talking about US, homo sapiens sapiens. And what he says feels so painfully true (except that chimpanzees also kill for sport, or lust or greed. Bonobos don’t. They prefer fucking for peace.).


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    Ein Herz für Nazis


    Diesen Aufkleber von der DGB-Jugend kann ich nicht unkommentiert stehen lassen:

    Braune Flaschen gehören in den Müll

    Er steht exemplarisch für viele Äußerungen aus der mehr oder weniger linken Szene, die auch viele gute Ideen & Impulse hat. Dieser hier aber geht mal gar nicht.

    Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: “Braune Flaschen” meint natürlich (Neo-) Nazis, also Menschen mit einer bestimmten Ideologie. Jenseits aller Ideologie sind sie aber Menschen wie du und ich.

    Etwas anders, allgemeiner formuliert, sagt dieser Aufkleber also: Eine bestimmte Sorte von Menschen gehört in den Müll.

    So, und nun spulen wir mal 70 Jahre in der Geschichte zurück.
    Was grinst uns da im Spiegel an?

    Eben. Solche Äußerungen sind menschenverachtend und vertiefen nur die Gräben zwischen den Menschen.


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    Wir sind alle ver-rückt


    Ich komme noch mal auf die Animation von 5.000 Jahren europäischer Geschichte zurück, die ich an meinen Beitrag zu Worldwork in Warschau gehängt hatte:

    Meine gesamte Familie stammt aus Ostpreußen. Von dort mussten sie im bzw. nach dem 2. Weltkrieg fliehen, in unserem Fall nach Westfalen. In anderen Worten sind sie von Ostpreußen nach Westfalen ver-rückt geworden.

    Der Blick in die Jahrtausende zurück zeigt, dass bestimmt jeder einzelne momentan lebende Mensch irgendwo in seiner Ahnenreihe Menschen hat, die ver-rückt wurden. Das wirkt im gesamten Feld der Menschheit.

    Kein Wunder, dass alles so verrückt erscheint, was die Menschen (einander und der Erde an-) tun, egal wohin du schaust. Wir sind ver-rückt. Und das lässt sich auch nicht mehr rück-gängig machen. Uns bleibt nur übrig, damit umzugehen. Den Schmerz zu fühlen, den Wahnsinn zu erleben und möglichst nicht auszuagieren. Und uns immer wieder daran zu erinnern, dass das Ganze hier ein kosmischer Witz ist mit manchmal tiefschwarzem Humor. Und dass die Erde, auf der wir hin- und her ver-rückt wurden und werden, uns alle miteinander trägt. Und dass wir alle die selbe Luft atmen und die gleiche DNA miteinander teilen, mit höchst individuellen kleinen Abweichungen.


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    Mami, das ist für dich


    Ich werde dich immer lieben. Und du bist jetzt wieder frei, zu sein was immer du willst. Viel Glück und viel Segen auf deiner Reise ins Unbekannte!

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    Postwachstum - es ist Zeit, er-wachsen zu werden


    Schon wieder hat mich Charles Eisenstein auf einen Zusammenhang gebracht, der, wenn er denn dann mal dasteht, eigentlich nahe liegt. Er betrachtet nämlich die Menschheit als ein organisches Ganzes. Aus dieser Sichtweise sind wir gerade am Ende der Pubertät angekommen, die Menschheit ist noch jugendlich & gerade dabei, er-wachsen zu werden:

    Bis jetzt waren wir Menschen wie Kinder in der Beziehung zur Erde. Es begann im Schoß der Erde, als wir in unserer Jäger- und Sammlerexistenz nicht zwischen Mensch und Natur unterschieden, sondern in sie eingebettet waren. Ein Neugeborenes kann kaum zwischen sich und der Welt unterscheiden. Es braucht Zeit, um eine Identität und ein Selbstgefühl zu entwickeln und zu lernen, dass die Welt kein Körperteil von ihm ist. So war das auch für die Menschheit. Während der Jäger und Sammler keine Vorstellung von einer getrennten “Natur” hatte, die sich vom “Menschlichen” unterschied, lernten die Menschen, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, die Natur als eine getrennte Kategorie zu begreifen – hing doch ihr Wohlergehen davon ab, dass sie die Natur zum Objekt machten und manipulierten. In den agrarischen Zivilisationen, während ihrer „Kindheit“, entwickelte die Menschheit eine eigenständige Identität und wurde groß. Unser pubertärer Wachstumsschub erfolgte im Industriezeitalter. Und auf geistiger Ebene erreichten wir durch die objektivierende Wissenschaft einen Zustand der äußersten Getrenntheit, entwickelten ein voll ausgeprägtes Selbstgefühl mit der Hyperrationalität des Teenagers. Dieser schließt die letzte Phase der kognitiven Entwicklung ab, das formal-operationale Denken, das ihn dazu befähigt, abstrakte Inhalte zu verarbeiten – wie auch die Menschheit, als sie in das Zeitalter der Wissenschaft eintrat. Aber wie das äußerste Yang die Geburt des Yin beinhaltet, so trägt das äußerste Stadium der Getrenntheit in sich schon den Samen für das, was als nächstes kommt: die Wiedervereinigung.


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    Geld abschaffen in weite Ferne verschoben


    Charles Eisenstein hat mich davon überzeugt, dass wir die Abschaffung des Geldes nicht überstürzen sollten:

    Im Kindesalter der Menschheit war ein Geldsystem, das Wachstum verlangte und unser unersättliches Nehmen von der Erde vorantrieb, vielleicht angebracht. Es war ein integraler Bestandteil der Geschichte vom Aufstieg. Heute wird es rasch obsolet. Es verträgt sich nicht mit unserer erwachsenen Liebe, mit einer ko-kreativen Partnerschaft und mit dem Reifungsschritt, der mit dem Erwachsenwerden kommt und uns in den Rang der Gebenden versetzt. Das ist der tiefere Grund, warum keine finanzielle oder wirtschaftliche Reform jemals funktionieren kann, die nicht auch eine neue Art von Geld umfasst. Das neue Geld muss eine neue Geschichte manifestieren, eine, in der die Natur nicht nur Mutter, sondern auch Geliebte ist. Wir werden lange Zeit immer noch Geld brauchen, weil wir auf magische Symbole angewiesen sind, um unsere **Geschichte der Menschheit **Wirklichkeit werden zu lassen. Symbole sind unsere kreative Vorlage, die wir auf unsere materielle Welt anwenden. Die Grundeigenschaften von Geld werden sich nicht ändern: Es wird weiterhin aus magischen physischen oder elektronischen Talismanen bestehen, über die wir Rollen zuschreiben, Absichten fokussieren und unser menschliches Tun koordinieren.


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    Die Neoklassik basiert auf einer Tautologie und ist damit unwissenschaftlich


    Erst beim Lesen von Bernd Senfs Buch Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise wurde mir so richtig klar, worin der Pferdefuß der Neoklassischen Wirtschaftstheorie liegt. Eines der Axiome des Vollkommenen Marktes besagt, dass die Marktteilnehmer rational handeln, in der Haushaltstheorie also ihren Nutzen rational maximieren. Nun definieren die Neoklassiker nicht, was sie mit “rationalem Handeln” genau meinen, sondern erklären im Nachhinein einfach jegliches Handeln als rational, wie Bernd Senf aus einer Diskussionsveranstaltung mit Professoren berichtet (das kann ich aus eigener Vorlesungs-Erfahrung bestätigen):

    Jeder Versuch, die Abwegigkeit bestimmter Grundannahmen aufzuzeigen, wurde von ihnen abgewehrt, und sie schafften es tatsächlich, jegliche Kritik an dem in sich so elegant geschlossenen Theoriegebäude abprallen zu lassen. Jede auch noch so irrational erscheinende Entscheidung war in ihren Augen doch wieder rational, sonst hätte sich ja der einzelne Haushalt nicht dazu entschieden. Wo Argumente überhaupt keinen Sinn mehr hatten, wurden schließlich Witze erzählt, um das Unbehagen an dieser Realitätsferne auf den Punkt zu bringen, zum Beispiel: “Jemand geht über die Straße, wird überfallen, und man hält ihm die Pistole vor die Brust mit den Worten: ‘Geld her, oder ich schieße!’ Wie reagiert der Bedrohte?


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