Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Teile und Herrsche per Filterblase

2015-11-28

Vorhin habe ich mir seit langem mal wieder den Kreuzer gekauft, als Teil meines Abschieds von Leipzig.
In diesem Kreuzer gibt es einen Schwerpunkt zu Pegida, Legida & Co., darunter einen Artikel von Robert Feustel unter der Überschrift "Das Volk" in der Dauerschleife. Er schreibt über die Majority Illusion durch soziale Netzwerke, sprich die Illusion einer kleinen Randgruppe, sich für die Mehrheit der Bevölkerung zu halten. Dazu trägt maßgeblich der Mechanismus der Filterblase bei, also Algorithmen, die in sozialen Netzwerken uns Inhalte präsentieren, die denen ähneln, mit denen wir uns eh schon beschäftigen. Ich habe das an anderer Stelle schon mal als gesellschaftliche und globale Dissoziation bezeichnet.

Frank und Fefe haben sich damit zuletzt ausgiebig in Alternativlos Folge 35 befasst. Tenor: Ausgrenzen wirkt kontraproduktiv und bestätigt die Ausgegrenzten nur in ihrer Überzeugung. Die Reaktion von Michael Seemann auf den Podcast zeigt exemplarisch, wie man die Spaltung unserer Gesellschaft noch zementiert. "Kein Fußbreit den Nazis" erinnert eben immer noch fatal an "Kauft nicht bei Juden", siehe auch Ein Herz für Nazis.

Mich treibt vor allem die große Frage um, was läuft hier eigentlich? Welche Mechanismen sind hier am Werk, & wie wirken die sich aus?

Das führt mich zur Überschrift. Als Effekt des Ganzen lässt sich ja beobachten, dass gesellschaftliche Gruppen bzw. Richtungen (ich nenne sie vereinfachend "Rechte" und "Linke") sich unversöhnlich gegenüber stehen und nicht miteinander reden. Statt dessen bekämpfen diese Gruppen sich in in erster Linie gegenseitig, in zweiter Linie bekämpfen die *gida-Leute noch die Flüchtlinge, die das derzeit schwächste Glied in der Kette bilden.
Wer freut sich darüber? Richtig: das stärkste Glied in der Kette, die Reichen und Mächtigen. Die treffen sich beim Weltwirtschaftsforum (unter dem Motto "Committed to improving the state of the world" – wie und für wen sie den state of the world improven wollen, machen sie dabei unter sich aus, ungestört von den 99%), den Bilderberg-Konferenzen, der Trilateralen Kommission, der Atlantik-Brücke und ähnlich verschwiegenen Zusammenhängen. In den USA verfolgt das Project for the New American Century seine Agenda, was aktuell die DVD-Reihe A Very Heavy Agenda beleuchtet.

Wenn jetzt also "Linke" den Nazis keinen Fußbreit Platz gewähren wollen und "Rechte" Brandsätze in Büros der Linken werfen, sind da größtenteils Menschen am Werk, die gerade so über die Runden kommen. Unter den Rechten wie auch unter den Linken finden sich einige wenige Reiche & Mächtige, denen dieses Spiel im Prinzip völlig egal ist. Hauptsache der Pöbel ist mit sich beschäftigt, damit die Eliten weitermachen können wie bisher. Das gute alte Teile und Herrsche-Prinzip.

Deshalb ist es sowohl für die linken "kleinen Leute" als auch für die rechten "kleinen Leute" sehr von Vorteil, wenn sie miteinander reden. Und wenn sie dann beide mal über die Machteliten reden, die massiv Dreck am Stecken haben. Das sollte Linken wie Rechten Grund genug sein, besorgt zu sein.
Darum folge ich auf Twitter auch Quellen verschiedenster Richtung, um meine Filterblase so offen wie möglich zu halten.

Der Vorwurf an die Mainstream-Medien "Lügenpresse" ist auch nicht von der Hand zu weisen. Das hat Noam Chomsky schon vor fast 30 Jahren in seinem Propagandamodell belegt: Medien in einer kapitalistischen Gesellschaft sind interessengelenkt. Dort kam auch der Begriff "Filter" schon vor.
Dabei bräuchten wir dringend (Massen-) Medien, die keine politische Richtung ausgrenzen, die eine Plattform bilden, auf der sich die verschiedenen politischen Richtungen austauschen können.
Zugleich braucht es bei uns allen die Fähigkeit, anderen Menschen mit anderen Sichtweisen erst mal zuhören zu können. Was das angeht, ist Momo mein großes Vorbild.

Ich knüpfe hier übrigens an Georg Büchner an, der schon 1834 dazu aufrief:

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Wobei ich nicht zum Krieg aufrufe, sondern dazu, das alte Spiel nicht mehr mitzuspielen und ein neues zu beginnen. Revolutionen haben in der Geschichte letztlich immer nur eine Gruppe von Herrschern durch eine andere ersetzt. Davon will ich endlich mal wegkommen.

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