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    Schlafen gegen den Kapitalismus


    Dem (Widerstand im Lummerland) habe ich nichts hinzuzufügen:

    Der Schlaf lässt sich nicht erzwingen und hat seine eigenen Spielregeln. Er muss über uns kommen, ganz von allein und ohne Willenskraft oder Anstrengung. Je mehr wir uns anstrengen einzuschlafen, desto angespannter werden wir, und umso weniger können wir schlafen. Es ist eine Zeit der Freiheit, denn der Akt des Schlafens ist eine wirtschaftlich unproduktive Zeit. Sozusagen die letzte Bastion gegen den 24/7 Raubtierkapitalismus, denn in einer globalisierten Welt ist immer irgendwer irgendwo wach. Wer schläft, konsumiert nicht und produziert auch keinen Mehrwert. Ausgiebiges Schlafen ist von daher eine Rebellion gegen herrschende Zeitverhältnisse – gegen das Funktionieren der Welt.

    Siehe auch Das Gras wachsen hören.

    Janosch hat dazu zu bemerken:

    Müdigkeit am Morgen


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    Vertrauen üben reloaded


    Schon vor über 10 Jahren, im Mai 2006, habe ich den Untertitel dieses Blogs geändert von “Vertrauen zu lernen” in “Vertrauen zu üben”. Dabei hatte ich die ganze Zeit über geglaubt, mein Thema sei dabei nur das Vertrauen in andere Menschen. Mein Urvertrauen hatte ich für ansonsten groß gehalten.

    Nun wird mir, wie sich in den letzten Beiträgen wie z.B. den Ruf hören schon andeutete, klar, dass ich da noch eine ganz andere Dimension zu entdecken & damit zu leben habe: mich anvertrauen. Auf eine subtile Art wollte ich bis vor kurzem doch noch irgendwie die Kontrolle behalten. Ich hatte tatsächlich Angst vor den “unfassbar großen Strömen”, von denen ich in besagtem Beitrag schrieb, allerdings größtenteils unbewusst.

    Je mehr ich meine Selbstwichtigkeit verliere & mich einfach als einen Teil des Ganzen, das mich umfasst, erlebe, verschwindet diese Angst. Die hat schlicht keine Grundlage mehr. Und das ermöglicht mir mehr & mehr, mich dem großen Ganzen mit seinen unfassbar großen Strömen anzuvertrauen, mich führen zu lassen.


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    Cyberangriffe ächten - hat Russland schon 2001 in der UN gefordert


    Aktuell fordert die CDU, Cyberangriffe zu ächten. Das ist sehr interessant. Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob sich die CDU darüber im Klaren ist, dass sie dann auch den Staatstrojaner ächten müsste. Zum anderen hat Russland eine solche internationale Ächtung bereits im Jahr 2001 in der UN gefordert. Zitat aus Punkt 9:

    Any future international information security regime should provide for a harmonized ban on the collection, storage, use or dissemination of information about a person’s private life without his or her agreement and on restrictions to public access to information, except where sanctioned in law.

    Übrigens, wegen der letzten Aktion im Netz der Bundesregierung heisst es ja allenthalben wieder “Der Russe ist schuld”. Hmm, vielleicht hat sich aber auch nur irgendwer als Russe ausgegeben, z.B. nach der Anleitung im Blog von x0rz. Das mit der Cyber-Attribuierung ist halt so ne Sache


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    Die Bundeswehr an der Ostfront 2018


    Was die Springerpresse da titel, lässt mich sprachlos: Bundeswehr fehlt Winterkleidung für die Nato-Ostfront.

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    Den Ruf hören


    Wie wohl die meisten modernen Menschen habe ich mich in meinem Leben schwer getan, meinen Platz oder meine Berufung zu finden. Das Wort von der Multioptionsgesellschaft macht die Runde, die Frage “Was soll ich mal werden?” stellt sich nun schon mehreren Generationen hintereinander. Ich erinnere auch noch mal daran, wie Fabian Scheidler die traumatisierende Wirkung der Megamaschine beschreibt:

    Ist das Leben in einer intakten (nicht traumatisierten) Gemeinschaft bestimmt von wiederkehrenden Rhythmen und dem Wechsel der Generationen, in dem sich das Leben stets erneuert, so wird dieser Kreis durch traumatische Erfahrungen zerbrochen: Die Menschen sind nicht mehr in der Lage, sich als Teil eines sinnvollen und im Prinzip gutartigen überindividuellen Zusammenhangs zu sehen, sie sind dissoziiert, herausgerissen aus den Kreisläufen der Natur, der Gemeinschaft und des Kosmos. Alles, was ihnen bleibt, um der Verwüstung der Gegenwart etwas entgegenzusetzen, ist die Vision von einer Zukunft, in der alles anders wird, in der die gegenwärtige kaputte Welt durch eine ganz neue Welt ersetzt wird. Die Fixierung der westlichen Zivilisation auf die Zukunft, sei sie im Himmel oder auf Erden, hat ihren Ursprung in einer umfassenden kollektiven Traumatisierung, in der die Menschen aus allen Sinnzusammenhängen der Gegenwart herausgerissen wurden. […]


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    Die Blockchain als verteilter Big Brother


    Bisher hatte ich die Blockchain ja für einen (relativ harmlosen) Hype gehalten. Hinter der Technologie steht die libertäre/anarchokapitalistische Ideologie, worauf u.a. im Dezember Norbert Häring und am Mittwoch Michael Seemann hingewiesen haben. Deren Heilsversprechen besagt, dass mit der Blockchaintechnologie zentrale Instanzen & Hierarchien überflüssig werden und die Blockchain somit die Endlösung der Staatsfrage darstellt. Juhuu, endlich wird die libertäre Vision des Internets greifbare Wirklichkeit!!1!

    Schwenk nach China: Bei meinem ersten Kontakt mit dem dortigen Social Credit System hatte ich nur am Rande meines Bewusstseins wahrgenommen, dass dabei auch der Begriff Blockchain gefallen ist. Eben vor dem Einschlafen im Bett wurde mir nun klar: Wenn das Ziel soziale Kontrolle ist, bildet eine Blockchain das ideale Backend für ein solches System!

    Macht euch das mal klar: In einem Distributed Ledger werden alle Transaktionen für alle öffentlich sichtbar und unveränderbar hinterlegt – für alle Zeiten. Das Social Credit System dient der gezielten Verhaltenssteuerung von – zunächst – 1,4 Milliarden Menschen, und zwar ohne direkten Zwang. Wenn in einer solchen öffentlichen Datenbank all mein Verhalten für immer unveränderbar abgelegt wird, braucht es definitiv keinen direkten Zwang mehr, damit ich mich regelkonform verhalte. Eine alternative Überschrift hätte also auch Pawlow und Skinner in der Blockchain lauten können.


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    Websites verschlüsseln oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden


    Heute mal wieder ein technischer Beitrag, der sich an alle richtet, die Websites betreiben. Falls Ihr es noch nicht mitbekommen habt, ab Version 68 markiert Google Chrome alle HTTP-Websites als unsicher. So lange sollte man allerdings nicht warten, denn schon seit 2014 wirkt sich eine nur unverschlüsselt ausgelieferte Website negativ auf das Google-Ranking aus.

    Davon abgesehen fordert die EU-Datenschutz-Grundverordnung in Artikel 32 “die Pseudonymisierung und Verschlüsselung personenbezogener Daten”. Macht man sich klar (z.B. mittels Panopticlick), was so ein Browser einfach nur beim Surfen schon alles für Daten an die Server übermittelt, sind faktisch alle Daten bei einem HTTP-Aufruf personenbezogen und damit zu verschlüsseln.

    Kommerzielle TLS-Zertifikate kosten Geld, kostenlose Zertifikate bekommt ihr bei Let’s Encrypt. Mein Provider All-Inkl bietet das vollautomatisch mit wenigen Klicks einzurichten so wie viele andere auch.


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    Spiel des Lebens in China


    Vor kurzem habe ich Marc-Uwe Klings neuestes Buch QualityLand gelesen. Beim Lesen habe ich deutlich weniger gelacht als bei der Känguru-Trilogie, & zwar vor allem, weil mir das Lachen allzuoft im Halse stecken blieb. Die Aussichten von QualityLand liegen nämlich allesamt gar nicht weit weg vom heutigen Zustand. Erschreckend deutlich wird mir das am Beispiel Gamification: In QualityLand bekommen alle Menschen ein Level zugewiesen, das von ihrer Herkunft & allem was sie tun & lassen abhängt, vor allem auch davon, mit welchen anderen Menschen sie befreundet sind. Nun ist mir der taz-Artikel Im Reich der überwachten Schritte begegnet, der Chinas Social Credit System beschreibt. Das habe ich zum Anlass genommen, mir nun doch den Vortrag darüber beim 34C3 anzuschauen, und es ist echt gruselig:

    Natürlich musste ich auch gleich an den Beitrag Eine Spielshow namens Kapitalismus denken (dort findet Ihr auch die Erklärung der Überschrift “Spiel des Lebens in China”). Allerdings waren die darin beschriebenen Mittel der sozialen Kontrolle noch sehr grobschlächtig und auch nicht flächendeckend.


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    Wandle in Schönheit


    Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.

    Möge Schönheit über mir sein, so dass ich Teil des größeren Traums von Schönheit sein kann. Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.

    Möge Schönheit vor mir sein, so dass ich die Schönheit in allen Wesen, Dingen und Geschehen erkenne. Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.

    Möge Schönheit zu meiner Linken sein, so dass ich durch meine Weiblichkeit Schönheit empfangen möge. Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.

    Möge Schönheit zu meiner Rechten sein, so dass ich durch meine Männlichkeit Schönheit geben möge. Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.

    Möge Schönheit hinter mir sein, so dass die einzigen Spuren, die ich hinterlasse, Spuren der Schönheit sind. Allumfassender Geist, möge ich in Schönheit wandeln.


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    Hautgeflüster gedruckt, Facebook adé


    Vor einem knappen Jahr hatte ich mich wieder bei Facebook angemeldet, um Saranam beim Crowdfunding für sein Buch Hautgeflüster zu unterstützen. Nun ist das Buch gedruckt & der Verkauf läuft: Saranam beim Signieren

    Meine Mission bei Facebook ist daher erfüllt & ich werde mich geordnet zurückziehen. Ihr kennt das Spiel.

    Nachtrag vom 04.02.2019: A “gold standard” study finds deleting Facebook is great for your mental health.