Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Wer Wirtschaftswachstum will, braucht in aller Regel Schuldenwachstum

2015-02-12

Heute mal wieder ein Beitrag der Kategorie "saldenmechanische Binsenweisheiten": Es klagen ja (fast) alle über die bösen, ausufernden "Schuldenberge". Gleichzeitig wünschen sich die meisten dieser gleichen Leute Wirtschaftswachstum. Es soll uns und unseren Kindern ja später mal besser gehen als heute. In aller Regel umfasst dieses "besser gehen" auch größere Privatvermögen ("Ersparnisse"). Und da liegt nun der Hund begraben: Da die Schulden der einen Marktteilnehmer in einer Volkswirtschaft genau den Vermögen der anderen entsprechen (oder in der Sprache des Rechnungswesen die Summe der Verbindlichkeiten der Summe der Forderungen, was wiederum Bestandteile der jeweiligen Geldvermögen sind), müssen zwangsläufig bei irgendwem zusätzliche Schulden auflaufen, wenn mein Vermögen wachsen soll.
Die einzige Art, Wirtschaftswachstum zu erzeugen ohne zusätzliche Neuverschuldung, sind Lohn- und Gehaltserhöhungen genau entsprechend des Produktivitätszuwachses, die vollständig verkonsumiert werden (sollte ich eine andere Möglichkeit übersehen haben, dann meldet euch, ich weiss im Moment von keiner). Das könnte man dann "rein reales Wirtschaftswachstum" nennen.

Update: Da war ich doch regelrecht mit Blindheit geschlagen & musste erst in einem Kommentar darauf hingewiesen werden, dass ja auch die Lohn- & Gehaltserhöhungen vorfinanziert werden müssen. Produkte und Dienstleistungen sind nun mal kein Geld. Damit kann ich also konstatieren:

Es gibt kein Wirtschaftswachstum ohne Schuldenwachstum.

Die Überschrift lasse ich aus Verlinkungsgründen wie sie ist, obwohl das "in aller Regel" nicht nur überflüssig, sondern sogar falsch ist. (Ende Update)

Heiner Flassbeck schreibt über die Ignoranz solcher saldenmechanischen Binsenweisheiten unter der treffenden Überschrift Das kollektive Leugnen der Deutschen oder die Angst vor der Wahrheit und bezieht sich damit auf den mal wieder rekordmäßigen deutschen Leistungsbilanzüberschuss. Wir sind nur deshalb "Exportweltmeister", weil Länder wie Portugal oder Griechenland so massiv (v. a. bei uns) verschuldet sind. Wobei "uns" sich hier vor allem auf deutsche Banken bezieht. Damit beschäftigt sich z.B. der Film Wer rettet wen?.

2 Responses to Wer Wirtschaftswachstum will, braucht in aller Regel Schuldenwachstum

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2 Comments

  • Wovon sollen die Unternehmen denn die höheren Löhne bezahlen? Durch Entsparen ihrer Geldvermögen? Wäre eine Möglichkeit, aber was, wenn die abgebaut bzw. gar nicht erst vorhanden sind?
    Dann kann es höhere Löhne nur über mehr neue Kredite = Netto-Neuverschuldung geben - diesmal der Unternehmer. Da will Flassbeck ja wieder hin. Nur investiert wird nicht bei unterausgelasteten Kapazitäten und nicht spürbar anziehender Nachfrage. Tja, Schuldenbremse sei Dank "darf" auch der Staat nicht mehr in die Bresche springen, egal was kommt. Nur ob es überhaupt sinnvoll ist, noch mehr zu produzieren, die Frage stellen sich noch viel zu wenige. Hauptsache es entstehen Arbeitsplätze... Alles andere wird gnadenlos untergeordnet. Nachhaltigkeit? Pff, nach mir die Sintflut!

  • Das ist allerdings ein Punkt. Mithin ist Schuldenwachstum sogar doch zwingend notwendig für Wirtschaftswachstum.


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