Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Ein Krieger 'muss' glauben

2018-11-1

An diesem Satz von Don Juan Matus, ein Krieger muss glauben, hatte ich seinerzeit länger zu knabbern. Er stammt aus dem 4. Band der Castaneda-Reihe, Der Ring der Kraft. Als ich das Buch das erste Mal las, hatte ich den Wert des Zweifelns und kritisch Hinterfragens gerade noch mal für mich bekräftigt. Es war die Zeit, als ich mich sehr radikal von allen christlichen und überhaupt religiösen Überzeugungen löste. Und da kommt nun dieser Don Juan mit so einem Satz.

Dabei erschliesst sich der Sinn bei genauerem Hinsehen aus dem Zusammenhang:

Ein Krieger muß beweglich sein und sich harmonisch mit der ihn umgebenden Welt verändern, sei es die Welt der Vernunft oder die Welt des Willens.

Der gefährlichste Moment dieser Veränderung tritt immer dann ein, wenn der Krieger feststellt, daß die Welt weder das eine noch das andere ist. Ich mußte lernen, daß die einzige Möglichkeit, diesen entscheidenden Wechsel zu überstehen, darin besteht, daß man bei seinen Handlungen so tut, als glaubte man. Mit anderen Worten, das Geheimnis eines Kriegers ist, daß er glaubt, ohne zu glauben. Aber natürlich kann der Krieger nicht einfach sagen, er glaubt, und es damit bewenden lassen. Das wäre zu leicht. Einfach glauben, das würde ihn von der Verpflichtung entbinden, seine Situation zu überprüfen. Immer wenn ein Krieger sich darauf einlassen muß, zu glauben, dann tut er es als freie Entscheidung, als Ausdruck seiner innersten Wahl. Ein Krieger glaubt nicht, ein Krieger muß glauben.

Es geht also gar nicht darum, irgendwelche Glaubensinhalte unbesehen für bare Münze zu nehmen, es geht nicht um Glaubenssysteme. Sondern es geht darum, wenn ich handle, an meine eigenen Handlungen zu glauben. Tue ich das nämlich nicht, dann haben meine Handlungen keine Kraft, da ich selber an ihnen zweifle. Ich fahre sozusagen mit angezogener Handbremse.

Im dritten Band Reise nach Ixtlan klingt das schon mal an:

»Ist all das wirklich wahr, Don Juan?«
»Würde ich auf deine Frage mit ja oder nein antworten, so wäre das Tun. Aber da du das Nicht-tun lernen sollst, muß ich dir sagen, daß es in Wirklichkeit ganz gleichgültig ist, ob es wahr ist oder nicht. Genau das ist ja der Vorsprung, den ein Krieger gegenüber, dem Durchschnittsmenschen hat. Ein Durchschnittsmensch sorgt sich darum, ob die Dinge wahr oder falsch sind, ein Krieger aber tut das nicht. Ein Durchschnittsmensch verhält sich in einer bestimmten Weise zu Dingen, von denen er weiß, daß sie wahr sind, und in einer anderen Weise zu Dingen, von denen er weiß, daß sie nicht wahr sind. Wenn die Dinge als wahr gelten, dann handelt er und glaubt an das, was er tut. Aber wenn die Dinge als unwahr gelten, dann macht er sich nicht die Mühe, zu handeln, oder er glaubt nicht an das, was er tut. Ein Krieger hingegen handelt in beiden Fällen. Wenn die Dinge als wahr gelten, dann handelt er, um zu tun. Wenn die Dinge als unwahr gelten, dann handelt er trotzdem, um nicht-zu-tun.«

Die Unterscheidung zwischen Tun und Nicht-tun ist dabei noch mal ein Thema für sich. An dieser Stelle geht es mir darum, deutlich zu machen, dass meine eigenen Taten nur dann Kraft haben, wenn ich selbst an sie glaube. Bei diesem Glauben handelt es sich um einen Akt des Willens. Mit blindem Glauben, dem ungeprüften Akzeptieren einer Behauptung, hat das nichts zu tun.

Ich kann an dieser Stelle noch mal die Sätze von Pete Carroll wiederholen:

Der Zauberer tut auf dieser Ebene der Illusion das, was er will, er weiß, daß nichts wichtiger ist als irgendetwas anderes und daß alles, was er tun kann, lediglich eine Geste ist. Deshalb steht es ihm frei, alles so zu tun, als sei es ihm wichtig.

Und wie Don Juan es schon im ersten Band Die Lehren des Don Juan so schön formuliert:

Alle Wege sind gleich: sie führen nirgendwo hin. Es gibt Wege, die durch den Busch führen oder in den Busch. Ich kann sagen, daß ich in meinem eigenen Leben langen, langen Wegen gefolgt bin, aber ich bin nirgendwo.

Hinter allen Erscheinungen steht die grenzenlose Freiheit des Einen Bewusstseins, das sich höchstens selbst einschränken kann – und das auch in großem Stil tut. Aber da müssen wir ja nicht mitmachen. ;-)

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