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    Jedes Wachstum endet spätestens mit dem Tod


    Die Degrowth-Konferenz mit ihren Tausenden Teilnehmern und Hunderten von Veranstaltungen hatte einen blinden Fleck: Die Tatsache, die sich in der Überschrift findet. Dabei ist der Zusammenhang doch so nahe liegend. Jedes Lebewesen wächst über einen gewissen Zeitraum und stirbt irgendwann. Dann, spätestens, ist es vorbei mit dem Wachsen, dann kommt der Zerfall.
    Solange selbst wir Degrowth-Aktivisten diese unerbittliche Tatsache ausblenden, werden wir keine umfassenden Lösungen finden, wie wir ohne Wachstum wirtschaften können.

    Auf diesen Zusammenhang bin ich erst beim Lesen der oya-Ausgabe endlich leben gekommen.

    Im Rahmen des Heftes wurde dieses Gespräch aufgenommen:

    Damit schließen sich diese Überlegungen direkt an den Beitrag über Makellosigkeit an. Die Grundvoraussetzung für makelloses Handeln ist, den Tod als unabänderliche Tatsache anzuerkennen und sogar als Ratgeber für sich anzunehmen. Dazu noch mal ein Zitat von Don Juan Matus aus Reise nach Ixtlan:


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    Trauma: Der Motor des Kapitalismus?


    Samstag vor einer Woche war ich mal wieder als Stellvertreter beim Aufstellungstag bei Katharina Burmeister. Dabei ergab es sich, dass ich in einer Traumaaufstellung der Überlebens-Anteil war und spürte, wie anstrengend diese Rolle ist. Man muss ständig wachsam sein und steht eigentlich dauernd unter Strom. Bei einer zweiten Trauma-Aufstellung berichtete die Stellvertreterin des Überlebensanteils auch, dass sie es sehr genoss, sich endlich mal ausruhen zu können.

    Da machte es in der Pause Klick bei mir. Der Überlebens-Anteil tut, wie sein Name schon sagt, alles für das Überleben des Menschen, dessen Teil er ist. Zu der Zeit, als die Person ihr Trauma erlebt hat, war das auch sehr sinnvoll. Nur richtet sich der Überlebensanteil eben dauerhaft als der Herr im Hause ein und tut weiter alles fürs Überleben, selbst wenn das längst wieder gesichert ist.


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    Makellosigkeit: Es geht jetzt um Kontrolle


    Bereits am 6. August schrieb ich auf Facebook diesen Eintrag, den ich hiermit aus den Klauen des sozialen Netzwerks befreie, das sich ja im Wesentlichen als Datensenke (d.h. als informationstechnisches Schwarzes Loch) herausgestellt hat (oder habt ihr schon mal einen Facebook-Post, einen Tweet oder einen Google+-Post als Suchergebnis geliefert bekommen?):

    Grundsatzentscheidung nach einem feuchtfröhlichen Abend mit Kommilitonen zuerst im Kickers in & anschließend im StuK (Leipziger Studentenkeller e.V.):
    Ab sofort werde ich in jeder Lebenslage in der Lage sein, eine F-16 oder MiG-29 sicher zu landen. Dazu kommt es vor allem & allein darauf an, jederzeit einen klaren Geist zu haben.
    Nachdem ich 36 Jahre lang Loslassen gelernt & geübt habe, geht es für den Rest dieser Inkarnation - man höre & staune! - um Kontrolle.
    Komasaufen & Co. ist damit nicht mehr; vielleicht irgendwann in einer späteren Inkarnation.
    Bewusstsein verpflichtet!


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    Der Kapitalismus ist ein Hamsterrad, das sich als Karriereleiter tarnt


    Mit diesem Satz ist alles Wesentliche über den Kapitalismus gesagt. Sowohl die “kleinen Leute” als auch die so genannten Superreichen stecken in diesem Hamsterrad – sofern diese ihre Energie dafür verausgaben, ihren Reichtum zu bewahren und zu vermehren (den sie selbst in einem Dutzend Leben nicht verkonsumieren könnten).

    Eine der wirksamsten Maßnahmen, um den Kapitalismus zu überwinden, ist daher die groß angelegte kollektive Karriereverweigerung. Käptn Peng macht es vor:

    Und nachdem ich mir inzwischen den Film Frohes Schaffen angesehen habe, kann ich ihn nun uneingeschränkt empfehlen. Dazu passt das Manifest gegen die Arbeit der Gruppe Krisis.

    Es lohnt sich, immer mal wieder (sich selbst und anderen) die Frage zu stellen Wohin rennen wir eigentlich?, wie das Peter Kafka tut. Und Hartmut Rosa empfiehlt: Rasten statt Rasen.


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    Kriegsenkel


    Schon wieder fließen Tränen. Ich habe gerade die Doku Wir Kriegskinder - Wie die Angst in uns weiter lebt entdeckt:

    Vor drei Wochen war ich in Polen unterwegs, dabei auch in der Heimat meiner Eltern, in Ostpreußen. Die Familie meiner Mutter stammt aus der Gegend von Goldap, was sehr nahe an der russischen Grenze liegt.
    Als ich dort abends im Hotel im Bett lag, überkam mich auf einmal körperliche Angst mit dem Gedanken “Die Russen kommen!” Das hatte ich bisher immer eher scherzhaft verwendet, so wie im Werner-Film. Seit jenem Abend ist mir klar, dass das durchaus nicht nur witzig ist.


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    Bedingungsloses Grundeinkommen ist Geld fürs Nichts-Tun-Müssen


    Die Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen ist ganz schön anstrengend. Immer wieder kommen die gleichen Kommentare dazu:

    Total Idiotisch, Geld fürs Nichtstun….. jeder Cent muss verdient werden, Geld wächst nicht an Bäumen. Das heißt nichts anderes als ich ich lass mir meinen Lebensunterhalt von Anderen verdienen. Und wenn das Jeder kriegt und keiner mehr Lust aufs Arbeiten hat…. Wer backt dann die Brötchen, pflegt die Kranken etc? Wer verdient denn dann das “bedingungslose Grundeinkommen”?

    (Kommentar zu Schon 12.000 wollen’s machen, einem Artikel über Michael Bohmeyers Aktion Mein Grundeinkommen).

    Die Überschrift “Monatlich 1.000 Euro fürs Nixtun” trägt allerdings ihr Teil dazu bei.

    Ich stelle daher noch einmal für alle klar:

    Das Bedingslose Grundeinkommen ist kein “Geld fürs Nichtstun”. Sondern es ist Geld dafür, dass niemand etwas bestimmtes tun muss.


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    Die Welt klingt und singt


    Weil beim Lesen dieses Textes völlig unerwartet Ströme von Tränen geflossen sind, lege ich ihn euch hiermit ans Herz zu lesen: Gemeinschaftsbildende Musiktherapie. Ganz besonders berührt haben mich diese Zeilen aus dem Rigveda:

    Aksara-Brahman, Brahma im formlosen Bereich der reinen Gedanken, zeigte sich zum ersten Mal als goldener Embryo des Tons. Es war ein Laut, der durch das Nichts hinausschwang und auf sich selbst zurückkehrte. Als sich die Tonwellen kreuzten, entstanden Wasser und Wind, die miteinander spielend den nebelartigen Leib der Welt zu weben begannen.

    Wie Christine Simon dazu schreibt: “Wie endlos weit ist unsere heutige Welt davon entfernt, einfach Resonanz zu sein auf das Wunder des Anfangs.”

    Deshalb ist das heute ein kurzer Artikel, damit wir alle mehr Zeit zum Schweigen, Lauschen und Staunen haben.


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    Die Westerplatte in Leipzig


    Nein, ich bin nicht völlig übergeschnappt, ich weiss schon, dass die Westerplatte ursprünglich eine Halbinsel bei Danzig ist. Doch auch in Leipzig gibt es die “Wester Platte”, es handelt sich dabei um ein Gericht aus “Hering, Salz-Dill-Gurken und Brot”.

    selbstverständlich unpolitisch, leicht bekömmlich mit etwas schwarzem Humor

    Das Ganze serviert im Poniatowski, dem ersten und einzigen polnischen Restaurant Leipzigs, das im übrigen gerade meine neue Stammkneipe geworden ist. Zur Feier des Tages bin ich heute im Polska-T-Shirt durch Leipzig gefahren (dafür wäre ich vor 75 Jahren als Kollaborateur erschossen worden), um dann eben im Poniatowski eine Wester Platte zu genießen. Wirklich lecker! Timo im Polska-T-Shirt im Poniatowski vor der Wester Platte

    Es mag makaber erscheinen, das gebe ich zu. Andererseits finde ich es wirklich einen Grund zu feiern, dass ich heute maximal schräg angeguckt und eben nicht erschossen werde, und statt mit der Wehrmacht dort einzufallen bei den polnischen Nachbarn im Restaurant in Leipzig essen gehen kann.


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    Fear - very basic to understand


    Dieses Video ist ja so genial, das könnte ich den ganzen Tag auf Repeat gucken:

    Update: Nach diesem Prinzip lassen sich Traumata auflösen: Tension and Trauma Releasing Exercises.

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    Innerer Anarchismus


    Erst seit dem letzten Jahr bin ich dahinter gekommen, dass Anarchismus nur funktionieren kann, wenn mensch nicht nur äußere Herrschaft ablehnt, sondern auch innere Herrschaft. Salopp formuliert:
    EineE AnarchistIn beherrscht sich nicht selbst und lässt sich auch nicht von sich selbst beherrschen.

    Dieser Beitrag schließt somit direkt an den über das Gehorchen an & führt ihn weiter.

    Das Ganze ist ein paradoxes Unterfangen, denn in einer Beherrschergesellschaft lernen wir alle als Kinder, sowohl anderen Menschen zu gehorchen & je nach sozialer Rolle auch andere Menschen zu beherrschen, als auch uns selbst zu beherrschen und uns von unseren (übernommenen) Glaubenssätzen beherrschen zu lassen. Wie lernen wir das? Durch langjähriges Training, ständiges Wiederholen, wodurch sich Gewohnheiten einschleifen.

    Solche Gewohnheiten lassen sich nun nicht einfach durch ein Fingerschnippen auflösen, sondern auch zur Selbstbefreiung braucht es Disziplin. Nur sollten wir es damit nicht übertreiben, denn andernfalls schleifen sich nur wieder neue Gewohnheiten ein. Das Ziel ist es, sich von immer mehr Gewohnheiten zu befreien, um letztlich in jedem Augenblick die freie Wahl zu haben, zu tun & zu lassen was wir wollen.


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