Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Vom Misstrauen zur Verbundenheit – aber wie?

2015-08-5

Durch eine Diskussion auf Facebook ist mir bewusst geworden, dass Misstrauen ein zentraler Bestandteil der Geschichte vom eigenständigen und getrennten Selbst ist, von der Charles Eisenstein immer wieder spricht. Erzähle ich nun jemandem, der in dieser Geschichte lebt, die Geschichte vom Selbst in Verbundenheit, dann wird das das Misstrauen als erste Reaktion noch verstärken. Ich erscheine mindestens naiv, wenn ich nicht sogar heimtückisch den anderen übervorteilen will, indem ich ihn zu Großzügigkeit überrede und dann einfach abzocke.
Mein ganzes Blog handelt ja davon, dass ich ausgezogen bin, zuerst Vertrauen zu lernen und später dann zu üben. Das war ein langer weiter Weg für mich. Es wäre daher wohl wirklich naiv, von anderen zu erwarten, dass sie das mit einem Fingerschnippen schaffen.

Das Misstrauen will erst mal gewürdigt werden. Es hat einen Grund, es kann nur auf erlebten Erfahrungen beruhen. Vertrauen besteht ja gerade darin, trotz schlechter Erfahrungen zu vertrauen, dass es auch anders laufen kann. Vertrauen entsteht immer als Vertrauensvorschuss.
Frieden entsteht genauso: Ich kann einen Konflikt nur deeskalieren, indem ich zuerst mich selbst verletzlich zeige. Dann kann – vielleicht – die andere Partei ihrerseits einen Schritt auf mich zugehen.

Wichtig ist, sich bewusst zu sein über die existenzielle Bedeutung von Glaubenssystemen. Das sagt ja auch Charles Eisenstein: die Geschichte über das Selbst und über die Welt bestimmt komplett, was ich wie erlebe. Stelle ich diese Geschichte in Frage, stürzt einen das erst mal in ein schwarzes Loch.

Misstrauen zeigt eine große Not an, in der sich jemand befindet. Das Urvertrauen wurde massiv verletzt, vielleicht einmal, vielleicht viele Male, oft traumatisch. Daraus entwickeln Menschen Schutzmechanismen, weil sie davon ausgehen, dass das auch so weitergeht. Eine unter manchen Umständen durchaus berechtigte Annahme; manchmal jedoch auch nicht.
Gleichzeitig fühlt sich Misstrauen unangenehm an, auf körperlicher Ebene bedeutet es Dauerstress. Mensch erlebt es als notwendiges Übel, oder irgendwann gar nicht mehr bewusst, weil es zu einer zweiten Haut geworden ist.

Das Misstrauen will also vor möglichen schlimmen Erfahrungen schützen. Ich, der ich nun schon so lange Vertrauen übe, kann da nur immer wieder beispielhaft zeigen, dass auch schöne Erfahrungen möglich sind. Dabei werde ich immer wieder als naiv erscheinen. Und wenn ich zeige, dass vermeintlich schlimme Erfahrungen gar nicht so schlimm, sondern halt auch einfach Erfahrungen sind, erscheine ich manchen sogar als verrückt.

Misstrauen lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was ich verlieren könnte. Vertrauen hingegen fokussiert auf das, was ich gewinnen kann. Es geht also darum, das (geglaubte/erlebte) Verhältnis von Risiko zu möglichem Gewinn zu verschieben.

Der Geist des Schenkens, den Charles Eisenstein so ausführlich beschreibt, kommt misstrauischen Menschen wie eine Fata Morgana oder schlicht Verarschung vor. Kein Mensch verschenkt doch freiwillig etwas, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Mit Reden komme ich da nicht weiter, ich muss es einfach tun. Immer wieder. Irgendwann erreicht es dann vielleicht auch die Misstrauischsten.

Immerhin wirkt Vertrauen, wie auch Misstrauen, als selbsterfüllende Prophezeiung, bzw. als sich selbst verstärkender/stabilisierender Prozess. Es bahnt Erlebnisnetzwerke im Gehirn, und es fördert die Bildung von sozialen Strukturen, die ihrerseits Vertrauen fördern. Der gegenteilige Prozess ist durch Geheimdienste ja hinlänglich bekannt.

Es kommt also darauf an, welchen Wolf wir füttern:

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt.

Er sagte: "Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.

Einer ist böse.

Er ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego.

Der andere ist gut.

Er ist die Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube."

Der Enkel dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters nach, und fragte dann: "Welcher der beiden Wölfe gewinnt?"

Der alte Cherokee antwortete: "Der, den du fütterst."

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