Schlagwort: Wirtschaften

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    Das Hamsterrad steht still


    Gestern erst ist der (bevorstehende) Shutdown überhaupt in meinem Körper angekommen. Mein Nervensystem hat sich total runtergefahren, weil es gemerkt hat, dass das Hamsterrad endlich still steht.

    Damit bin ich nun voll angekommen, sogar mehr noch als nach 10 Tagen Vipassana.
    Und es brauchte dazu gar keine rigorose Praxis des Meditierens. Es genügte einfach das Bewusstsein, dass, was immer ich heute zu tun habe, ich auch morgen oder in zwei Wochen noch tun kann. Wir haben unser Institut erst mal für 2 Wochen geschlossen.

    Es gibt nichts Dringendes zu tun. Seit gestern bin ich überhaupt nicht mehr besorgt, weder wegen des Virus noch wegen unserer Demokratie. Die Megamaschine wird bald stillstehen. Die lang ersehnte Verschnaufpause ist da.

    Gestern habe ich auch mein erstes Meme erzeugt, das diesen Sachverhalt auf den Punkt bringt: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will


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    Kredite im Shutdown? Super Idee!!1!


    Momentan werden ja billionenweise Kredite über die Banken an die Unternehmen durchgereicht. Vom IWF bis zur Bundesregierung machen das mehr oder weniger alle gerade.

    Um zu erkennen, dass das eine bescheuerte Idee ist, braucht man kein Ökonom zu sein, denn es führt nur dazu, dass der Verschuldungsgrad massiv steigt während gleichzeitig die Umsätze massiv einbrechen.

    Wir werden also mit einem riesig aufgeblasenen Schuldenberg aus dem Shutdown herauskommen. Vorausgesetzt die Kredite werden überhaupt angenommen.

    Da ist Helikoptergeld tatsächlich eine deutlich klügere Idee. Und an dieser Stelle verlinke ich nun auch mal die Petition „Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise“. Bei der Gelegenheit habe ich gerade erfahren, dass Tulsi Gabbard in den USA ebenfalls ein (vorübergehendes) bedingungsloses Grundeinkommen in der Coronakrise vorgeschlagen hat. Ein weiterer Pluspunkt für sie.


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    Warum unser Gehirn darauf programmiert ist, die Klimakrise zu ignorieren


    Den Titel habe ich von der ausführlichen Rezension des Buches “Don’t even think about it” von George Marshall übernommen. Es bestätigt, was mir auch schon während der Rebellionswelle im Oktober aufgefallen war: Die (Welt-) Untergangsrhetorik großer Teile der Klimaschutzbewegung, insbesondere Extinction Rebellion, greift nicht.

    Zu Beginn des Buches absolviert Marshall einen Parforceritt durch Psychologie, Risiko- und Verhaltensforschung. Konzise und gut lesbar fasst er die einschlägigen Erkenntnisse der Wissenschaft zusammen: Beispielsweise hat der Mensch im Laufe der Evolution gelernt, wirksam auf Bedrohungen zu reagieren – allerdings vor allem auf solche, die plötzlich auftreten und jetzt, die von einer Person ausgehen und aus unmoralischen Handlungen resultieren. Doch der Klimawandel passt nicht in dieses Schema, er sendet sozusagen keine Alarmsignale, zitiert Marshall etwa den Glücksforscher Daniel Gilbert: “Würde der Klimawandel durch das Abschlachten niedlicher Hundewelpen verursacht, würden Millionen von Amerikanern auf die Straße gehen.” Oder wäre ein düsterer Diktator für die Erderwärmung verantwortlich, hätte der UN-Sicherheitsrat längst drastische Maßnahmen beschlossen.


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    Klimagerechtigkeit braucht die Agrarwende


    Letztes Wochenende war ich beim Permakultur-Wintertreffen unter dem Motto “Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen”.
    Was führt mich da hin, wo ich doch bisher die Permakultur nur aus der Ferne beobachtet habe (in erster Linie durch die Rubrik in der Oya)?

    Auslöser war mein Engagement bei Extinction Rebellion (XR). Ich habe mir nämlich schon im Herbst gedacht, Mensch, XR macht doch immer halbjährlich Rebellionswellen & in der Zwischenzeit ist ganz viel Zeit zum Regenerieren, Lernen & Reflektieren. Warum dann also nicht auch gleich noch die Erde mit regenerieren und Permakultur lernen?
    Daraus erwuchs die Idee, so etwas wie einen Stipendienfonds für Permakultur-Ausbildungen ins Leben zu rufen. Dabei hatte ich im Vorfeld des Wintertreffens schon erfragt, dass das Permakultur-Institut in kleinem Rahmen schon einen Stipendienfonds hat. Außerdem gibt es eine solidarische Preisgestaltung.


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    Wann schränken wir endlich die Souveränität von Staaten und Konzernen ein?


    Angesichts von Globalisierung und zunehmend mehr internationalen Institutionen wie dem Internationalen Strafgerichtshof, der Welthandelsorganisation und überhaupt der Vereinten Nationen hört und liest man – in erster Linie, aber nicht ausschließlich aus der rechten Ecke – die Befürchtung, dass das die Souveränität der Nationalstaaten untergrabe und damit eine Gefahr für unser aller Freiheit sei.
    Die allerschlimmste Horrorvision für solche Leute ist eine Weltregierung (Stichwort NWO).

    Nun erkenne ich sehr wohl an, dass der Westfälische Friede eine große historische Errungenschaft und ein echter Fortschritt war – damals, vor 372 Jahren.

    Allerdings hat sich die menschliche Gesellschaft seither doch massiv verändert. Der Fortschritt von damals – eben die Grundlagen des souveränen Nationalstaats – stellt sich aus meiner Sicht heute als Fortschrittshemmnis dar. Damals hatten die Menschen noch nicht annähernd die Möglichkeiten wie heute, globalen Einfluss zu nehmen, und zwar nicht nur in politischem Sinne, sondern auch auf die natürlichen Gegebenheiten. Ich sage nur Klimakatastrophe. Abgase machen nicht an Landesgrenzen halt, und wenn der Amazonas-Urwald stirbt, dann merken das mittelfristig alle Lebewesen auf der Erde, nicht nur in Brasilien. Das gilt natürlich auch für Tschernobyl, Fukushima & Co.


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    Micah White ist gerade in Davos


    Micah White, einer der Gründer von Occupy Wall Street, ist einer Einladung zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gefolgt. Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt. Er schreibt im Guardian und auf der WEF-Seite sowie ausführlicher bei Medium, was ihn dazu bewegt hat:

    Über das Forum in Davos ist vor kurzem eine Dokumentation erschienen: THE FORUM – Hinter den Kulissen des World Economic Forum.

    Micah White ist eine spannende Persönlichkeit, mit der ich mich noch intensiver befassen werde. Es lohnt sich, sich auf seiner Website umzuschauen. Es gibt dort auch ein deutschsprachiges Interview mit ihm.


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    Doppeltes Theorieversagen: Purpose Economy


    Wer sich mit Wirtschaftstheorie beschäftigt, begegnet dabei früher oder später sowohl dem Marktversagen als auch dem Staatsversagen. Marktversagen bedeutet, dass entgegen dem neoliberalen Mantra, dass der Markt schon alles zum Besten regelt, der Markt das eben manchmal doch nicht tut. Staatsversagen bedeutet, dass der Staat durch sein Handeln nicht das bestmögliche Ergebnis erzielt.

    Heute ist mir (bei der Veranstaltung Unfuck the economy #3) eine weitere Form des Versagens begegnet, nämlich das Theorieversagen. Die (neo)klassische Wirtschaftstheorie behauptet bekanntlich, dass Unternehmer nur aus einem einzigen Grund ein Unternehmen gründen: nämlich um aus Geld mehr Geld zu machen. Diesen Teil der klassischen Wirtschaftstheorie unterschreibt auch die marxsche Wirtschaftstheorie.

    Nach beiden Theorien dürfte es das also gar nicht geben: Unternehmer, die das Eigentum am Unternehmen an das Unternehmen selbst übertragen und damit auf jeglichen Profit verzichten, den sie aus dem Unternehmen herausziehen könnten. Oder anders ausgedrückt: Kapitalisten, die das Eigentum an den Produktionsmitteln dem Unternehmen und damit den Menschen, die dort arbeiten, übertragen.


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    Nur Commonismus ist echte Sharing Economy


    Mich nervt die inflationäre Verwendung des Wortes “Sharing/Teilen” für alles mögliche, was nur Kapitalismus in anderem Gewand ist. Beispiel Car"sharing": Das ist in aller Regel nur ein anderer Begriff für Autovermietung.

    Denn um etwas mit anderen teilen zu können, muss es mir zuerst mal (teilweise) gehören. Wikipedia schreibt zwar “Mitglieder der Carsharing-Organisationen gehen meist eine langfristige, zum Teil kostenpflichtige Mitgliedschaft in der Organisation ein.” Diese Mitgliedschaft umfasst aber gerade nicht das Eigentum an den Fahrzeugen. Bzw. ich bin als “Mitglied” dort weder am Gewinn beteiligt, noch habe ich ein Mitspracherecht bei der Eigentümerversammlung. Das genau sind aber Kennzeichen für echte Sharing Economy oder eben Commonismus.

    Wenn das an sich sinnvolle Prinzip “Nutzen statt besitzen” nun schon als Geschäftsmodell bezeichnet wird, sollte das hellhörig machen. Denn aus der Nutzer-/Konsumentenperspektive lassen sich wunderbar die Produktionsverhältnisse ausklammern, in denen die eigentliche Herrschaft und Ausbeutung stattfindet. Eine Kreislaufwirtschaft lässt sich sowohl kapitalistisch als auch commonistisch organisieren, langfristig natürlich besser commonistisch.


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    Commons sind keine Dinge, sondern Beziehungen


    Die aktuelle Oya nehme ich zum Anlass, zwei Tags hier im Blog umzubenennen: “Commons” in Commoning und “Gemeingüter” in Gemeinschaffen. Denn, wie Matthias Fersterer in Gemeinschaffen – ein »ander Seyn« schreibt:

    Commons sind keine Dinge, sondern Beziehungen. Sie fordern uns zu prozesshaftem Denken heraus und lassen sich besser durch Verben als durch Substantive ausdrücken. Als gemeinschaffender Mensch eigne ich mich einem mehr-als-menschlichen Zusammenhang zu – sei es ein Wohnprojekt, ein Unternehmen, Acker- oder Weideland. Erst durch diese gelebte Beziehung entsteht ein Commons – in den Worten des Historikers Peter ­Line­baugh: »Es gibt keine Commons ohne Commoning«. Die je spezifischen Regeln des Pflegnutzens werden von den beteiligten »Commoners« (gemeinschaffende Menschen) auf Augenhöhe ausgehandelt. Eine übernutzte Lebens­quelle ohne klare Regeln mag alles mögliche sein, aber keine Allmende. Selbst Garret Hardin, Schöpfer des vielzitierten Mythos von der »Tragik der Allmende«, räumte dies in seinem – leider weit weniger bekannten – Nach­folgeessay »The Tragedy of the Unmanaged Commons« ein.


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    Meine erste Aktionärsversammlung


    Wer mein finanzielles Coming out regelmäßig mitverfolgt, weiss, dass ich seit diesem Jahr Aktionär bei der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg bin. Das hat mich nun gestern zu meiner ersten Hauptversammlung als Aktionär gebracht.

    Vereins- und Genossenschaftssitzungen kenne ich schon, so eine AG hat im Vergleich noch mal höhere formelle Anforderungen. So hat z.B. ein Notar das Protokoll der Versammlung geführt. Auch die Abstimmungen sind komplizierter als bei Vereinen oder Genossenschaften, weil sich die Stimmen nach den Aktienanteilen richten.

    Wir haben auf der Versammlung u.a. ein genehmigtes Kapital von 725.000 EUR beschlossen, d.h. ihr könnt auch in der nächsten Zeit Aktionär:innen werden & damit die Agrarwende in Berlin & Brandenburg selber machen. Leider finde ich gerade nirgends eine konkrete Auskunft, wieviel Geld ihr dazu mindestens investieren müsst, bei der letzten Kapitalerhöhung waren es 500 €.


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