Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Holakratie - den Geist einer Organisation sich entfalten lassen

2013-04-17

Bereits Mitte März war ich in Berlin beim Einführungswochenende in Holacracy bzw. Holakratie. Seitdem war sehr viel los in meinem Leben, so dass ich erst jetzt dazu komme einen kurzen Bericht darüber zu veröffentlichen.

Schon vor dem Wochenende hatte ich vor, mich kurz über Holakratie auszulassen anhand von folgendem Zitat aus dem - übrigens sehr empfehlenswerten - Einführungstext von Brian Robertson:

Ökonomischer Profit ist einer der besten Messwerte, die jede Organisation überwachen kann, ob For-Profit oder Non-Profit. Es ist ein Maßstab dafür, ob die Organisation in der Welt mehr Wert schafft als sie konsumiert. Profit ist jedoch nur ein Messwert, kein Zweck.

Das ist natürlich Wasser auf meine Mühlen. :-)

Nun kann ich jedoch aus der eigenen, auch leiblichen Erfahrung von Holakratie berichten. Das Einführungswochenende, veranstaltet von SHIFT Consulting, hat mein bisher nur theoretisches Wissen lebendig gemacht. Ich weiß jetzt, wie sich Holakratie als "Betriebssystem einer Organisation" anfühlt. François und Andreas machen das richtig gut, und das wo es ihr erstes Seminar in dieser Form war.

Die verschiedenen Meeting-Formate habe ich als sehr effizient und gleichzeitig wertschätzend erlebt. Z.B. dass bei einer "integrativen Wahl" alle Anwesenden einen Kandidaten vorschlagen und anschließend auch begründen, warum sie diese Person als besonders geeignet für die zu wählende Rolle halten, schafft ein völlig anderes Klima als bei den uns bekannten Wahlen. Natürlich war das auf dem Seminar eine Simulation, jedenfalls gab es überhaupt keine Konkurrenz.

Die Formate von Holacracy sind darauf ausgelegt, Bewusstsein zu schaffen für das, was die Organisation selbst will und was für sie jeweils am besten ist. Die Egos der Einzelnen treten dabei zurück, sie prallen jedenfalls kaum noch aufeinander.

Bei einer Aufstellung gegen Ende des Wochenendes spürte ich mit großer Ehrfurcht, dass große Organisationen auch einen sehr großen, mächtigen und weisen Geist verkörpern.
Holakratie unterstützt die Menschen, diesen Geist der Organisation sich entfalten zu lassen.

Was mir an Holakratie auch sehr gefällt, ist, dass es - ganz ähnlich wie Arnold Mindell in der Prozessorientierten Psychologie - von Spannungen als Impulsen für evolutionäre Weiterentwicklung ausgeht. Eine Organisation besteht oberflächlich aus einem Satz von Routinen, sie prozessiert also Bekanntes. Nun tauchen aber ständig Spannungen zwischen Bekanntem und Unbekanntem auf, die sowohl von Holakratie als auch vom Mindellschen Ansatz jedoch nicht als Störungen betrachtet werden, die es zu bekämpfen gilt, sondern als Impulse für Veränderung und Wachstum.

Holakratie ist somit hervorragend geeignet, mit der Krise des Bewusstseins schöpferisch umzugehen.

Wenn du dich näher informieren willst, findest du Material auf der Webseite von SHIFT Consulting, vor allem in der Bibliothek dort. Auf Englisch gibt's noch viel mehr auf der Holacracy One-Website.

Update vom 16.03.2016: Ich habe gerade mal wieder auf die Holacracy-Seite geschaut & dabei festgestellt, dass es inzwischen einen kostenlosen Account bei Glassfrog gibt, dem Softwaretool für Holacracy.

Update vom 30.03.2016: Christiane Seuhs-Schoeller vom Zentrum für integrale Führung und von Evolution at Work, die beim damaligen Workshop als Expertin dabei war, hat schon 2012 einen Vortrag über Holacracy gehalten, den ihr euch auf YouTube anschauen könnt:

Und François, der den Workshop mit Andreas zusammen veranstaltet hatte, hat in der Gemeinschaft Tempelhof (in Schwaben, nicht in Berlin) einen Vortrag über kollektive Intelligenz gehalten. Darin geht es zwar nicht um Holacracy, aber um die Aspekte des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, die davon gerade nicht abgedeckt werden.

Nachtrag vom 15.03.2018: Durch neue praktische Erfahrungen mit Soziokratie lerne ich gerade den Ursprung der Holakratie kennen & schätzen. Mehr Infos darüber findet ihr bei Was ist Soziokratie?
Andreas Zeuch beschreibt in seinem Artikel Holacracy. Vom Scheitern eines Betriebssystems. wie die Art und Weise der Implementierung bisherige Holacracy-Projekte scheitern ließ.
Und SHIFT Consulting gibt es offensichtlich nicht mehr…

2 Responses to Holakratie - den Geist einer Organisation sich entfalten lassen

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2 Comments

  • Das angeführte Zitat "Ökonomischer Profit..." zeugt eher von einem sehr problematischen und eingeschränkten Bewusstsein.

    Grund: es legt eine positive Ontologisierung des abstrakten, kapitalistischen Wertesystems nahe.

    Dabei wird völlig verkannt, dass in einem Wirtschaftssystem die "Verwertung des Wertes" (vgl. K.Marx, R.Kurz u.a.) die Sache seiner Form gegenüber völlig gleichgültig ist. Ein Brot wird nicht gebacken, um jemanden zu ernähren, sondern um Geld mit dem Verkauf des Brotes zu verdienen. Somit ist es eine Illusion zu glauben, der Profit sei nicht der eigentliche Zweck.

    Das Zitat und sein dahinter stehendes Dogma kann somit auch nicht verstehen, warum die Höhe des Profites, den eine Organisation schafft, gar nichts über dessen Wert (oder Wertezugewinn) für eine Gesellschaft auszusagen vermag. Ein hoch profitable Unternehmen wie SHELL, Coca Cola, McDonalds, Nestle oder Monsanto kann trotzdem einen destruktiven Charakter mit seinen Produkten entfalten. Umgekehrt eine Wert verkonsumierende Organisation wie Greenpeace oder Amnesty International in seiner Wirkung essentiell für die ganze Menschheit sein.

    Die Denkweise, der das Zitat entspringt, ist systemtreu, kurzsichtig und typisch für Leute, die bürgerliche Ökonomie studiert haben oder ihr nahestehen. Nicht selten profitieren solche Leute selbst irgendwie vom System. Das schlägt aufs Hirn. Zu eigenen, wirklich kritischen Gedanken ist man dann oft nicht mehr fähig. Das Ergebnis sind meist derartige Ontologisierungen. Findet man überall in den Ideologien und Stammtischfantasien unserer Welt...

  • Lieber Holger, hast du denn den Einführungstext, aus dem das Zitat stammt, im Ganzen gelesen? Ich finde es wichtig, hier die Ebenen auseinander zu halten. Holakratie hat nicht den Anspruch, ein ganzes Wirtschaftssystem zu verändern. Es steht sozusagen senkrecht zum jeweiligen Wirtschaftssystem, weil es sich mit den Strukturen und dem Bewusstsein innerhalb von Organisationen befasst. Gerade weil es aber den Zweck einer Organisation in den Mittelpunkt stellt, stellt es klar, dass der Profit allein diesen natürlich nicht definieren kann und auch nicht den Nutzen für die Gesellschaft.
    Deine Aussage, dass "die Höhe des Profites, den eine Organisation schafft, gar nichts über dessen Wert (oder Wertezugewinn) für eine Gesellschaft auszusagen vermag", zeugt für mich wiederum von einem sehr problematischen und eingeschränkten Bewusstsein.

    Ich habe in deinen bisherigen Kommentaren übrigens noch nichts gefunden, was über Kritik hinausgeht. Wo soll denn deiner Meinung nach die Reise hingehen, und auf welchem Wege?


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