Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Digitale Zusammenarbeit in Corona-Zeiten

2020-04-14

In der Corona-Krise wird ja sehr viel im Homeoffice gearbeitet, auch im nichtkommerziellen Bereich. Dabei kommt es sehr darauf an, für welche technischen Plattformen wir uns entscheiden.

Ich bin bekanntlich Verfechter von FLOSS (Free/Libre/Open Source Software), und das gilt – mit Einschränkungen – auch hier.

Den Schwerpunkt lege ich auf Videokonferenzen, bei denen leider viele mangels bekannter Alternativen Zoom benutzen. Ich sage dann immer, die Argumente gegen Zoom sind das hier (die Datenschutzerklärung von Zoom Inc.). Die Rosa Luxemburg-Stiftung hat das im Artikel Und es hat Zoom gemacht: Essay anlässlich Video-Conferencing ausgeführt.
Auch Google duldet die Verwendung des Videodienstes Zoom nicht mehr auf den Arbeitsrechnern seiner Mitarbeiter. Und just heute wurden Zugangsdaten für hunderttausende Zoom-Accounts zum Kauf im Darknet entdeckt.

Argumente gegen Zoom gibt es also genug. Leider gibt es nach wie vor auch eins für Zoom: Es funktioniert derzeit tendenziell im Vergleich zu freien Videokonferenzlösungen immer noch zuverlässiger.

Jitsi-Logo
Es lohnt sich in jedem Fall, die freie Alternative Jitsi Meet auszuprobieren. Dafür hat Mike Kuketz eine Kurzanleitung veröffentlicht, in der sich auch ein paar mögliche Server befinden. Eine weitere Jitsi Meet-Instanz, die ich empfehlen kann, ist fairmeeting. Die vermutlich umfassendste Liste mit Jitsi-Instanzen findet sich bei GitHub.

Die studentische Initiative #gnuHU an der Humboldt-Uni Berlin hat eine sehr informative Seite zu Digitalen Konferenzen, auf der sie auch in Frage stellen, ob es denn immer eine Videokonferenz sein muss.

Als weitere Anlaufstellen empfehle ich den Thread Online-Kurs/Webinar/Konferenz-Systeme/Plattformen in meta-community, woran ich auch beteiligt bin, sowie den verwandten Thread Warum Zoom und nicht Jitsi Meet oder Nextcloud?, den ich dort sogar eigenhändig angezettelt habe.

Bits & Bäume hat ebenfalls eine Seite zu kollaborativen Videocall- und Schreib-Tools, auch Digitalcourage bietet euch Technik-Tipps fürs Homeoffice.
systemli.org hat ebenfalls eine Infoseite Solidarische Infrastruktur für solidarische Aktionen.

Auf Englisch hat die EFF gesammelt What You Should Know About Online Tools During the COVID-19 Crisis.

Zu guter Letzt freut sich der Kreis Digitales vom Wandelbündnis immer über Unterstützung und auch wenn er selber unterstützen kann.

Nachtrag: Die mögliche Jitsi Meet-Alternative BigBlueButton (BBB) hatte ich noch nicht erwähnt, da ich von wenig Praxiserfahrung bisher weiss. Nun lese ich allerdings gerade von einem vielversprechenden Test bei Hostsharing mit 45 Teilnehmenden.

Und natürlich darf die Free Software Foundation Europe in meiner Liste nicht fehlen.

Und soeben ist mir die Initiative Aus der Krise lernen: Digitale Zivilgesellschaft stärken! begegnet.

Übrigens: Der absolute Top-Gewinner der Coronakrise ist der 50 Jährige Gründer der Videoplattform Zoom, Eric Yuan Zheng, der sein Vermögen um 77 Prozent auf acht Milliarden US-Dollar steigerte.

Nachtrag vom 16.04.: Das IT-Kollektiv bietet BigBlueButton-Hosting ab 20 € im Monat an.
Und was die Grünen an digitaler Infrastruktur nutzen, ist auch interessant in diesem Zusammenhang.

Weiterer Nachtrag vom 16.04.: Fairkom hat einen Vergleich verschiedener Videokonferenzsysteme veröffentlicht.
Und das IT-Kollektiv plaudert in seinem Blog ebenfalls aus dem Nähkästchen.

Nachtrag vom 18.04.: Zoom ist schlicht die Hölle.

Nachtrag vom 23.04.: Fefe kommentiert das "Herumgewurschtel gerade bei Videokonferenzen":

Das ist, wie sich Digitale Souveränität anfühlt, wenn man sie nicht hat.

Nachtrag vom 27.04.: Bei all der digitalen Zusammenarbeit ist zu bedenken „Zoomen ist wie ein neuronaler Leerlauf“.

Nähe ist nicht über ein Telefonat herstellbar. Nahe sein heißt für ein Säugetier, den dreidimensionalen Körper auch dreidimensional wahrzunehmen. Dies lässt sich nur durch den Körperkontakt erfahren. Fällt der über einen längeren Zeitraum weg, ist das wie ein neuronaler Leerlauf. Um sicher zu sein, dass der andere da ist, und dass man selbst existiert, braucht man Körperinteraktion. Denn ein Bild auf dem Laptop kann ja auch eine Illusion sein. Ein Ton kann auch ein Traum sein. […]

Ein Bild genügt unseren sensorischen Bedürfnissen auf Dauer nicht. Unsere Säugetierspezies hat sich in der Evolution bislang ausschließlich in Gruppen entwickelt. Ausschließlich! Unsere Art ist elementar auf physischen Kontakt mit anderen ausgerichtet. Wir sind nicht konstruiert, um alleine zu sein oder auf Bildschirme zu schauen den ganzen Tag.

Nachtrag vom 11.05.: Durch die Bewegungsstiftung habe ich eine weitere BBB-Instanz entdeckt und erste Erfahrungen damit gemacht, conference.sixtopia.net. Die haben übrigens auch ne Jitsi Meet-Instanz.
Außerdem hat Lennart in seinem Blog ausführlich über Zoom & die Alternativen geschrieben: Was ist faul an Zoom?
Und auch der Deutschlandfunk macht Open Source-Propaganda. In dessen Beitrag habe ich noch eine BBB-Instanz entdeckt, senfcall – Gib deinen Senf dazu!.
Fairkom betreibt seit kurzem auch eine BBB-Instanz unter fairteaching.net.
Interessant finde ich den Bericht über die Einrichtung von BBB für die Schulen in Ulm.
Und Mike Kuketz hat ein paar Tipps, wie man Jitsi Meet-Server optimieren kann.

Nachtrag vom 06.06.: Mit meiner Männergruppe experimentieren wir gerade mit Mumble für reine Sprachkonferenzen, dabei hat sich der Mumble-Bereich in Natenoms Wiki als sehr hilfreich erwiesen. Was da nicht drinsteht, findet man nur noch durch direktes Lesen des Quelltextes und Mitschneiden des Netzwerktraffics mit Wireshark…

Nachtrag vom 08.07.: Chaosradio Folge 261 Videokonferenzen ohne Cloud

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