Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Die Corona-Krise ist eine Vertrauenskrise

2020-12-10

Die Kernfrage der Lagerbildung in der Corona-Krise scheint mir letztlich die Frage zu sein, wie gefährlich SARS-CoV-2 und die davon ggf. ausgelöste Krankheit COVID-19 tatsächlich sind (wobei schon diese Formulierung Kritik von manchen Gruppen, die der Milieu-Theorie bzw. Terrain theory anhängen, hervorrufen wird). Davon hängt hauptsächlich ab, wovor jemand in erster Linie Angst hat in dieser Krise. Andere Faktoren sind die eigene wirtschaftliche Situation und auch eventuelle Vorerfahrungen mit Diktaturen (Stichwort DDR-Bürgerinnen).

Nun ist es so, dass bestimmt 99% der Bevölkerung, mich eingeschlossen, keine wirkliche Ahnung von Viren und Pandemien haben. Wir sind also darauf angewiesen, in der Regel indirekt Leuten zu vertrauen, die sich damit tatsächlich oder vermeintlich auskennen. Ich hatte an anderer Stelle schon erwähnt, dass ich zum einen über meinen dritten besten Freund und zum anderen über meine Schwester, die beide bei Sucharit Bhakdi studiert haben, dessen Einschätzung vertraue. Wäre ich mit der Cousine von Christian Drosten zusammen, wer weiss was ich dann von der ganzen Geschichte hielte.

In diesem Beitrag vertrete ich explizit nicht eine bestimmte Seite, sondern versuche von einer Metaperspektive aus zu erfassen, was eigentlich in unserer Gesellschaft gerade los ist. Den Anstoß gab Charles Eisensteins Essay From QAnon’s Dark Mirror, Hope, der auf dem früheren Essay Der Verschwörungs-Mythos aufbaut, letzteres ist eine deutsche Übersetzung.

Sein Hauptpunkt darin ist, dass (überdrehte) Verschwörungserzählungen wie QAnon deshalb so gedeihen können, weil Lügen und tatsächliche Verschwörungen unsere Wirtschaft und Politik prägen. Auch ich könnte an dieser Stelle Dutzende Beispiele aufzählen, was ich mir spare.

Eisenstein sagt nun, weil das so ist, schwindet das Vertrauen der Menschen in die große Erzählung unserer Gesellschaft, unserer Zivilisation.

Da ist einerseits was dran, andererseits kam mir beim Lesen seines neuesten Essays noch der Gedanke "wow, auch mir wird erst nach und nach bewusst, wie umfassend ich in unserer heutigen Gesellschaft vertrauen muss, um überhaupt in ihr leben zu können." Das ist ein Bewusstseinsschritt, den nach meiner Beobachtung zunehmend mehr Menschen machen. Und dieses erweiterte Bewusstsein führt dazu, dass das erlebte Vertrauen erst mal abnimmt, weil viele neue Bereiche ins Bewusstsein kommen, in denen ich noch nicht von vornherein Vertrauen entwickelt habe. Oder anders ausgedrückt, wenn mir mein Nichtwissen in einem Bereich bewusst wird, sinkt in diesem Moment erst mal mein gesamtes Vertrauen.

Dass wir in aller Regel darauf angewiesen sind, anderen zu vertrauen, weil wir gar nicht die Ressourcen zu haben es eigenhändig zu überprüfen, hatte ich hier schon im Zusammenhang mit Anonymisierungs- und Verschlüsselungssoftware beschrieben. Auch die Verfechter von Blockchain behaupten, diese würde das Vertrauen zwischen Menschen überflüssig machen; dabei berücksichtigen sie nicht, dass ja der Programmcode jeder Blockchain auch von Menschen geschrieben wurde, denen dann alle anderen vertrauen müssen. Handelt es sich dabei um Open Source-Software, dann können zwar prinzipiell alle den Code überprüfen, faktisch sind dazu aber auch nur wenige Menschen in der Lage, denen dann wiederum alle anderen vertrauen müssen.

Kurzum: Um Vertrauen zu anderen Menschen kommen wir in menschlichen Gesellschaften nicht herum. Und die Corona-Krise stellt dieses Vertrauen gerade massiv auf die Probe. Diese Herausforderung gilt es zu meistern, für jede einzelne von uns & für uns alle zusammen. Das gehört zum erwachsen werden der Menschheit, von dem auch Charles Eisenstein immer wieder schreibt.

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