Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Vortrag "Liebesverträge" im Dr. Max-Otto-Bruker-Haus

2005-11-15

Ein Freund von mir, der eine Ausbildung zum Gesundheitsberater bei der Gesellschaft für Gesundheitsberatung macht, hatte mir einen Besuch im Dr. Max-Otto-Bruker-Haus in Lahnstein empfohlen. Dr. med. Max Otto Bruker, der Anfang 2001 starb, engagierte sich zeit seines Lebens für eine gesundheitliche Aufklärung jenseits von Pharmaindustrie & Apparatemedizin. Für ihn stand eine gesunde Ernährung im Mittelpunkt.
Auf der Homepage erfuhr ich, dass der Psychotherapeut Dr. phil. Mathias Jung wöchentliche Vorträge im Bruker-Haus hält. Zu einem dieser Vorträge bin ich heute einfach mal hingefahren. Das Thema hiess:

Liebesverträge in der Beziehung

Zu Beginn seines Vortrags & auch immer wieder zwischendrin betonte Mathias Jung, dass Liebe Arbeit bedeutet. Er hat auch ein Buch mit dem Titel Liebesarbeit geschrieben. Viele Paare glauben, dass Liebe irgendwie von selbst kommt. Wozu dieser Glaube führen kann, dazu zitierte er August Strindberg:

Manche Ehen sind wie Todesurteile, die auf Raten vollstreckt werden.

Weiter las er dann aus dem Brief einer Frau vor, die später zu ihm in die Therapie gekommen ist. Sie ertrug aus Angst vor dem Alleinsein, dass ihr Mann & sie nebeneinander her leben.
Dabei ist das Wichtigste in Liebesbeziehungen: Miteinander kommunizieren!

Mathias Jung sagte dazu einen Satz, der für mich deutlich macht, in welcher Tiefe Liebe tatsächlich Arbeit & miteinander Ringen bedeutet:
Ein Paar muss in der Beziehung manchmal an den Rand des Abgrunds treten.

Noch einmal zu der Frau, die nur noch mit ihrem Mann zusammen lebte, weil sie nicht allein sein wollte:
"Weil ich ohne dich leben kann, kann ich mit dir leben" - so formulierte Jung den Spruch eines reifen Paares. Denn wer mit jemand zusammenlebt, weil er/sie nicht ohne die andere Person leben kann, liebt nicht, sondern klammert sich an.

Angesichts der post-traditionellen Gesellschaft ist Partnerschaft eine Leerformel, die die Liebenden selbst auszufüllen haben. Paare müssen buchstäblich alles verhandeln, weil es keine unhinterfragt gültigen Maßstäbe mehr gibt, wie das noch bei der Generation meiner Eltern der Fall war.
In dieser Situation ist Schweigen tödlich!

& doch ist jeder letzlich im Kern für den anderen fremd. Es kann also nicht darum gehen, dass sich die PartnerInnen vollkommen verstehen.

In einem kleinen "Exkurs" stellte Mathias Jung dann eine Reihe seelischer Defizite von Männern vor, die eine Folge unserer patriarchalen Lebensumstände sind. Er bezog sich dabei auf das Buch Der verunsicherte Mann von Herb Goldberg. Männer (in patriarchalen Kulturen) halten folgendes kaum bis gar nicht aus:

  • Abhängigkeit
  • Passivität
  • um Hilfe bitten
  • Angst zugeben
  • Traurigkeit
  • Berührung
  • irrationales Verhalten

Ich erinnere in dem Zusammenhang nur an die "Weichei"- & "Warmduscher"-Welle, die vor einigen Jahren in der deutschen Männerwelt umging.

Zurück zu den Liebesbeziehungen. Ein zweiter zentraler Satz des Vortrag ist Liebe ist Reden! Auch darüber hat Mathias Jung ein Buch geschrieben: Das sprachlose Paar.
Er stellte nun das Zwiegespräch nach Michael Lukas Moeller vor, das dieser in seinem Buch Die Wahrheit beginnt zu zweit beschrieben hat.
Jung empfiehlt, sich einmal im Monat zum Zwiegespräch zu treffen, das eine Stunde dauern soll.
Vorbereitend suchen beide Partner mögliche Themen für das Gespräch aus & einigen sich auf das drängendste davon. Wichtig: Es geht dabei nie um Schuldzuweisungen!
Das Setting ist sehr wichtig für ein gutes Zwiegespräch. Es findet in einem schön gestalteten Raum statt, während des Gesprächs darf es keinerlei Störung geben, denn es handelt sich um einen heiligen Raum. Das muss vorher ganz klar sein, auch Kinder dürfen nicht stören. Bei Bedarf kann ja für die Dauer des Zwiegesprächs eine Kinderbetreuung organisiert werden.
Die Partner sitzen sich während des Zwiegesprächs ganz dicht gegenüber & halten Blickkontakt.
Vom Ablauf her ist das Gespräch in drei Abschnitte zu je 20 Minuten unterteilt. Die ersten 20 Minuten spricht eineR der Partner, der/die andere hört zu. Dann spricht die andere Person, während die erste zuhört. Die letzten 20 Minuten sind dann Dialog.
Wenn einem vor Ablauf der Zeit nichts mehr einfällt, schweigt mensch halt. Das kann ein sehr intimes Erleben sein.

Die wichtigste Regel für das Gespräch lautet: Aussagen als Ich-Botschaften formulieren!

Mathias Jung bezeichnet das Zwiegespräch als "die kleinste Selbsthilfegruppe derr Welt" ;-)

Zärtlichkeit ist wichtiger als Sexualität!

Diese Aussage passt genau zu meinem Entschluss aus der Twenzeit, mindestens bis Ende diesen Jahres die Sexualität aussen vor zu lassen & mich ganz auf zärtliche Annäherungen zu Frauen zu konzentrieren.

Der letzte Teil des Vortrags stellte schliesslich die Liebesverträge bzw. Liebesvereinbarungen vor. Geregelt werden kann & sollte alles, was das Paar betrifft. Mathias Jung betonte besonders die Geldfragen & Vereinbarungen über Sexualität. Aber auch so etwas Banales wie "wer trägt den Müll runter" ist oft Anlass für Streitigkeiten, & zwar weil es keine für beide eindeutige Regel gibt.
Jung empfiehlt, sich etwa einmal im Jahr zu einem Vereinbarungsgespräch zu treffen. Es ist auch möglich, das als Familienkonferenz oder Familienrat mit den Kindern & ggf. noch anderen Verwandten gemeinsam zu tun. Aber für das was nur zwischen den beiden Partnern geregelt werden soll, wird der Rest der Familie nicht benötigt.
Beide Partner bereiten sich gut auf das Vereinbarungsgespräch vor, indem sie ihre Verhandlungspositionen schriftlich notieren. Das sollte so konkret wie möglich geschehen, denn Aussagen wie "ich wünsche mir mehr Zärtlichkeit von Dir" sind so allgemein, dass der Partner gar nicht weiss, was von ihm denn nun erwartet wird.
Es geht ums klar benennen was ich will & was nicht!
Im Zweifelsfall einigt sich das Paar in einem Punkt lieber vorerst nicht, als dass sich eineR der beiden etwas aufdrängen lässt.

Komplimente sind ein Punkt, der selten explizit zwischen Partnern geregelt ist. Das führt dann oft dazu, dass sich beide mangels Komplimente ihres Partners vernachlässigt fühlen. Dazu kann z.B. vereinbart werden, dass der Mann sich bei seiner Frau für das Essen bedankt, das sie ihm jeden Tag kocht, & sie sich im Gegenzug bei ihm dafür bedankt, dass er das Geld ranschafft. Um mal als Beispiel die trotz Frauenemanzipation immer noch vorherrschende Konstellation zu nehmen.

Es bietet sich an, die Ergebnisse der Verhandlung schriftlich an die Wand zu hängen, so dass beide immer wieder überprüfen können, ob ihre Vereinbarungen eingehalten werden.

Wenn ich irgendwann auch mit einer Partnerin zusammen lebe, werde ich das alles mal ausprobieren.

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