Digital Independence Day mit Hindernissen

Am gestrigen Digital Independence Day ist Ella mit meiner Unterstützung von Windows 10 auf Linux Mint Cinnamon Edition umgestiegen.

Das habe ich länger vorbereitet, und als es dann ernst wurde, stieß ich auf ein paar Hindernisse beim Umzug. Das erste davon war der Signal Desktop-Client. Der speichert den Chatverlauf, und den wollte ich gerne von Windows auf Linux mit übertragen. Im ersten Anlauf brach der Signal Desktop-Client beim Start aber mit einer Fehlermeldung ab.

Allerdings ließ sich das leicht beheben mit Hilfe der Signal Backup Tools. Mit der Option --showdesktopkey lässt sich der Desktop-Key extrahieren, den man am neuen Speicherort (in meinem Fall unter Linux) in die config.json einträgt, dann funktioniert es anstandslos.

Einen härteren Brocken hat mir Lennart Poettering beschert, systemd macht nämlich auch DNS-Caching, und natürlich, wie sollte es anders sein, das macht es anders als alle anderen…

Hintergrund des Problems ist, dass in unserem LAN unser NAS als DHCP-Server an die Client 2 DNS-Server ausgibt. Dabei dient das NAS selber als primärer DNS-Server und die Fritz!Box als Fallback. Im DHCP-Server werden die DNS-Server auch direkt als “primärer DNS” und “sekundärer DNS” bezeichnet.
Diverse Nicht-systemd-Linux-Systeme sowie alle anderen Betriebssysteme verwenden das auch genau so, weshalb es da bisher nie Probleme gegeben hatte. Nur Herr Poettering kocht mal wieder sein eigenes Süppchen. Ich bin der Problematik im Fedora-Forum auf die Spur gekommen, wo jemand treffend kommentiert:

Traditionally the primary DNS server is always used. The secondary DNS server is not used unless the primary is nto available (is the behavior specified by a RFC?)

But there’s no telling what Systemd does. Poettering makes some shit up as he goes.

Und ja, es steht tatsächlich im RFC 2132:

Servers SHOULD be listed in order of preference.

Das zeigt übrigens mal wieder, dass SHOULD in RFCs ein Scheiß ist, denn Poettering kann sich rausreden und sagen “der RFC empfiehlt ja nur, es so zu machen, ich habe mich halt anders entschieden”… 😡

Wobei RFC 2119 da enge Grenzen setzt:

This word, or the adjective “RECOMMENDED”, mean that there may exist valid reasons in particular circumstances to ignore a particular item, but the full implications must be understood and carefully weighed before choosing a different course.

Jede Wette, dass Herr Poettering sich keinerlei Mühe gemacht hat, valid reasons zu finden, warum er das anders als alle anderen implementiert hat. Da zitiere ich mal Fefes Kommentar zu Poetterings Wechsel zu Microsoft:

Mister “ich bin so genial, ich scheiße einmal auf alle etablierten Standards und erfinde alles neu”? Bei Microsoft? Chef’s Kiss!

Angesichts solcher Auswüchse wie systemd-resolved müsste ich meinen Beitrag Ein Daemon, sie alle zu knechten: systemd eigentlich umbenennen. Es ist längst nicht mehr nur ein Daemon, sondern zu einer ganzen Schar von Nazgûl angewachsen…