Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.
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Die Westerplatte in Leipzig

2014-09-1

Nein, ich bin nicht völlig übergeschnappt, ich weiss schon, dass die Westerplatte ursprünglich eine Halbinsel bei Danzig ist.
Doch auch in Leipzig gibt es die "Wester Platte", es handelt sich dabei um ein Gericht aus "Hering, Salz-Dill-Gurken und Brot".

selbstverständlich unpolitisch, leicht bekömmlich mit etwas schwarzem Humor

Das Ganze serviert im Poniatowski, dem ersten und einzigen polnischen Restaurant Leipzigs, das im übrigen gerade meine neue Stammkneipe geworden ist.
Zur Feier des Tages bin ich heute im Polska-T-Shirt durch Leipzig gefahren (dafür wäre ich vor 75 Jahren als Kollaborateur erschossen worden), um dann eben im Poniatowski eine Wester Platte zu genießen. Wirklich lecker!
Timo im Polska-T-Shirt im Poniatowski vor der Wester Platte
Es mag makaber erscheinen, das gebe ich zu. Andererseits finde ich es wirklich einen Grund zu feiern, dass ich heute maximal schräg angeguckt und eben nicht erschossen werde, und statt mit der Wehrmacht dort einzufallen bei den polnischen Nachbarn im Restaurant in Leipzig essen gehen kann.

Auf die deutsch-polnische Nachbarschaft! Na zdrowie!

Übrigens ist ein weiterer Hinweis auf den polnischen Humor, dass sie ihr Restaurant in Leipzig ausgerechnet nach Józef Poniatowski benennen, der bei der Völkerschlacht in Leipzig auf Napoleons Seite kämpfend in der Weißen Elster ertrunken ist...

3 Responses to Die Westerplatte in Leipzig

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3 Comments

  • Mein lieber Sohn, Deine polnischen Freunde haben mein Eigentum gestohlen und mich aus meiner Heimat Ostpreußen auf brutalste Weise vertrieben. Ich war ein siebenjähriger Nazi. Polen hat fast ein Drittel deutschen Staatsgebietes okkupiert und die deutsche Bevölkerung aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Es war die größte Vertreibung in der Geschichte der Menschheit. Von Deinen polnischen Freunden hast Du sicher gelernt, daß Polen nur seine "urpolnischen Gebiete" zurückgewonnen hat. Das war polnisches Staatsziel noch bevor es einen Hitler gab. Das werden Dir Deine polnischen Freunde natürlich nicht gesagt haben.

    #1359 | Comment by Horst Ollech am Jan 27, 2015 05:35am
  • Sehr geehrter Herr Horst Ollech,

    es war schlecklich, was Sie als 7-jaehriges Kind erlebt haben. Dass aber Polen dafuer schuldig sind, finde ich eine grosse Vereinfachung. Die meisten Polen, die, wie Sie schreiben, "Ihr Eigentum gestollen haben", brauchten Ihr Eigentum gar nicht, weil sie den eigenen in heutigen West-Weissrussland und West-Ukraine hatten. Aufgrund der Vertraege der Allieirten haben sie aber eigene Haeuser, Landhaeuser und Land verloren und danach noch haeufig in den sovjetischen Arbeits/Vernichtungslager in Sibirien gelitten haben.
    Mein Vater war 5 Jahre alt, als sich fuer ihn im 1940 das glueckliche Kindheit mit der Deportation aus damaligen Ostgebiete Polens nach Sibirien beendet hat. Im Gulag in der naehe von Archangielsk hat er die Mutter verloren und das Rest der Familie nur mit groessten Muehe geschaft hat, zurueck nach Polen zu kommen. Die Heimat war aber inzwischen weg, die Grenzen Polens wurden vorschoben und von ihm wurde, nach Ihren Woerten, ein Dieb Ihres Eigentums gemacht.
    Wegen der Geschichte meiner Familie kann ich Ihr Leiden nachvollziehen. Ich hoffe sehr, dass Sie auch mal imstande sein werden, die Augen breiter zu oeffnen, damit die naechste Generationen, die Ihres Sohnes, nicht mit schweren Erbe der Verbitterheit und Hass sich auseinandersetzen muessten.

    Mit besten Gruessen,

    Slawomira Walczewska

    #1360 | Comment by Slawomira Walczewska am Jan 27, 2015 05:55pm
  • Lieber Horst, wie Du in einer Mail selber schreibst, "Es geht nicht um die Vergangenheit, nicht um Vergangenheitsbewältigung. Es geht um die Zukunft, um unsere Zukunft." Das gilt nicht nur für unsere Familie, sondern auch für die Familie der Menschheit. Wir können das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen und die unzähligen Kriege und Vertreibungen rückgängig machen. Das tut schweineweh. Und doch, wenn wir friedlich zusammenleben wollen, können wir unsere Feindschaft nicht länger aufrechterhalten, sondern müssen versuchen, miteinander klarzukommen. Wir können die Kriege nicht ungeschehen machen; wir können damit aufhören Krieg zu führen. Dazu gehört, dass jeder erst mal den eigenen Schmerz anerkennt und fühlt, und dann im nächsten Schritt auch den Schmerz der anderen anerkennt und mit-fühlt. Ich weiss, wie schwer das ist. Doch ich sehe keine andere Möglichkeit, wenn es jemals anders werden soll.
    Genau so wenig, wie alle Deutschen Nazis sind, hassen alle Polen die Deutschen. Ein Mann aus Polen hat während Worldwork seinen Traum erzählt "that at some point we would all sit together and mourn". Das ist auch mein Traum. Dass wir gemeinsam die Schmerzen betrauern, die wir und unsere Vorfahren sich gegenseitig zugefügt haben.
    Als Kind und als Jugendlicher habe ich mich die ganzen Jahre über nicht wirklich daheim gefühlt. Im Laufe der Zeit habe ich daraus für mich den Schluss gezogen, den ganzen Planeten Erde zu meiner Heimat zu erklären. Nur durch diese gigantische Erweiterung war es mir möglich, mich daheim zu fühlen. Und dafür geht das jetzt überall auf diesem Planeten. Und deshalb ist es mir wichtiger als alles andere, dass wir Menschen lernen & üben, partnerschaftlich und sogar freundschaftlich miteinander auszukommen. Wir haben uns schon so viel Schmerz gegenseitig und auch uns selbst zugefügt, dass es für viele Generationen im Voraus reicht.


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