Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Eine Woche auf Burg Lutter

2005-10-16

Nachdem ich nun seit einer Woche auf Burg Lutter bin (es gab hier übrigens eine historische Schlacht im Dreissigjährigen Krieg), zeige ich nun endlich auch mal ein paar Fotos.
Übrigens ist Burg Lutter die erste Gemeinschaft, die nicht im eurotopia steht, dafür aber in den Bunten Seiten.

Einer der ersten Anblicke, wenn mensch auf die Burg kommt, ist dieses Viech:
Schrott-Dino

Hier ein Blick von Süden auf den Turm:
Turmhaus

So sieht's im Hof aus:
25 Jahre Lutter-Gruppe

& damit niemand übersieht, dass das hier eine anarchistische Kommune ist:
A

Einer der tierischen Bewohner ist Wanda das Hängebauchschwein:
Wanda im Misthaufen

Doch es gibt nicht nur lebende Tiere hier:
Rattenmumie

Zum Schluss noch ein Blick auf Dorf & Burg von der nächsten Anhöhe aus:
Burg Lutter von Ostlutter aus gesehen

Was habe ich in der Zwischenzeit hier gemacht? Ne ganze Menge: Holz im Wald aufgeladen, Rüben geerntet, den Hühnerstall ausgemistet, beim Brot backen & in der Mosterei geholfen. & so viel gelesen & nachgedacht wie schon lange nicht mehr. Die bisherigen Ergebnisse könnt Ihr in den letzten Beiträgen nachlesen, & es kommen bestimmt noch mehr.

Das Leben als Gast in einer anarchistischen Gemeinschaft fand ich bisher ziemlich unspektakulär. Selbstbestimmt leben scheint mir echt zu liegen. ^^

Zur Illustration was hier vor allem im Sommer so alles abgehen kann: Das Anarchistische Sommercamp fand hier statt, die Tour von Revolte Springen ist auf der Burg gestartet, & das Rougue Steady Orchestra hat hier angefangen & ein Album aufgenommen.

Übrigens waren 2001 die EcoNomads auch hier. more

Die Geschichte des Staates als Herrschaftsgeschichte

2005-10-14

Schon wieder ein Verstoss gegen meine selbst auferlegten drei Tage Wartezeit:
Durch Zufall stiess ich bei meinen Streifzügen durch die Weiten des Web auf Franz Oppenheimer. Der hat hammermässig plausibel & detailliert beschrieben, wie der Staat entstanden ist: indem nomadisierende Hirtenvölker sesshafte Ackerbauern unterwarfen. Das geschah an vielen Stellen dieses Planeten & zu vielen verschiedenen Zeiten, jedoch ist der Staat "seiner Entstehung nach ganz und seinem Wesen nach auf seinen ersten Daseinsstufen fast ganz eine gesellschaftliche Einrichtung, die von einer siegreichen Menschengruppe einer besiegten Menschengruppe aufgezwungen wurde mit dem einzigen Zwecke, die Herrschaft der ersten über die letzte zu regeln und gegen innere Aufstände und äußere Angriffe zu sichern. Und die Herrschaft hatte keinerlei andere Endabsicht als die ökonomische Ausbeutung der Besiegten durch die Sieger. Kein primitiver »Staat« der Weltgeschichte ist anders entstanden."
Seine Schrift Der Staat ist zwar im Jahre 1909 entstanden aber dennoch von erstaunlicher Aktualität. Dass darin die Rede von "Negern" & "Primitiven" ist, erklärt sich aus der Entstehungszeit des Textes, womit ich diese Formulierungen nicht gutheissen will.

In genau die gleiche Kerbe haut Paul C. Martin (kurz PCM), mein Lieblings-Ökonom, der sich in mehreren Aufsätzen mit der Frage, wie das Geld & der Zins ursprünglich entstanden sind, beschäftigt:

& seine Machttheorie des Geldes in einer Reihe von Diskussionsbeiträgen im Gelben Forum weiter ausarbeitet.

Oppenheimer beschreibt dabei zusätzlich – wenn auch manchmal idealisierend – den Vorgang des "nation building" vom allerersten Anfang an sehr zutreffend. Die grosse Herausforderung besteht dabei ja darin, dass die Beherrschten sich in ihrer Rolle einrichten & dem eigenen Staat loyal werden, obwohl dieser sie doch ökonomisch ausbeutet (durch Steuern). Um dieses Resultat zu erreichen, muss die herrschende Klasse sich für ihre Untertanen "nützlich machen". Das tut sie, indem sie Schutz vor äusseren Feinden bietet.
Bekannt dürfte dieses Modell vor allem aus dem mittelalterlichen Feudalismus sein. Dieser ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Mein hauptsächlicher Kritikpunkt ist, dass Oppenheimer Reichtum & Herrschaft nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Mittel um soziales Prestige zu erlangen. Darin ist er wohl zu sehr Soziologe. Warum sollte Herrschaft über andere kein hinreichendes Ziel für einen Menschen sein?

Das letzte, spekulative Kapitel "Die Tendenz der staatlichen Entwicklung" ist hochgradig naiv & erweist sich im Nachhinein als Griff ins Klo: Oppenheimers Behauptung, die Entwicklung der Staaten gehe hin zu einer klassenlosen & friedlichen Gesellschaft, in der die "reine Wirtschaft" (worunter er nur äquivalenten Tausch versteht), wird durch den Ersten Weltkrieg nur wenige Jahre nach Erscheinen seines Aufsatzes gründlich widerlegt. Seine Theorie, die Ausbeutung im Kapitalismus sei ausschliesslich durch das Grossgrundeigentum bedingt, hat sich klar als falsch erwiesen. Übrigens auch die Behauptung, das Grossgrundeigentum würde sich auflösen. Land ist heute als landwirtschaftliche Nutzfläche nicht mehr sonderlich rentabel, als Standort für Industrie & Handel dafür um so mehr. Jeder grosse Konzern hat heute, neben der Hausbank, eine Immobilienabteilung.
Zwar bestimmt "die Wirtschaft" heute immer stärker über unser Leben, während die staatliche Herrschaft zurückgeht, das bedeutet aber noch lange nicht das Verschwinden des "politischen Mittels", wie Oppenheimer es nennt. Wirtschaftsunternehmen beherrschen uns – zwar auf andere Weise als Staaten, doch sie tun es ebenfalls. Umberto Eco sieht im Zusammenhang mit der konzerngesteuerten Globalisierung einen neuen Feudalismus heraufdämmern. Ich muss dabei auch immer an die Zukunftsvision des Cyberpunk-Rollenspiels Shadowrun denken.
Für die Kritik an der Vorstellung einer "reinen Wirtschaft", eines "freien Marktes", in dem Macht & Herrschaft keine Rolle spielen, empfehle ich die Analysen von PCM. Um die Einhaltung von Verträgen wirkungsvoll durchsetzen zu können, braucht's eine Herrschaftsstruktur die mit Gewalt droht & diese im Ernstfall auch einsetzt – kurz, einen Staat.

Wer da was gegen hat, muss konsequenterweise so leben wie die Schenker.

Glauben versus Vertrauen

2005-10-13

Im abschliessenden Kapitel des "sockenfressenden Monsters in der Waschmaschine" schreibt Christoph Bördlein einige bemerkenswerte Sätze:

Ein Ergebnis der bisherigen Forschungen zur Frage nach der Entstehung und Aufrechterhaltung paranormaler Überzeugungen ist, dass die Gläubigen im Schnitt ein höher ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle haben. In diesem Zusammenhang sind auch Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz interessant. So bezeichnet man das Ausmass, in dem jemand unklare und vieldeutige Situationen ertragen kann. Die Ambiguitätstoleranz ist ebenfalls von Individuum zu Individuum verschieden: Die Anhänger paranormaler Überzeugungen haben tendenziell eine geringere Ambiguitätstoleranz als der Rest der Bevölkerung, Skeptiker eingeschlossen. Man könnte dies so interpretieren, dass sie sich eher als andere auf etwas festlegen müssen.
Viele paranormale Überzeugungen erfüllen den Zweck, ihren Anhängern wenn nicht Kontrolle, so doch wenigstens die Illusion von Kontrolle zu geben. Wenn ich weiss, dass "Fische" heute besonders vorsichtig sein müssen, kann ich mich auf eventuelle Missgeschicke einstellen. Auch die Fehler anderer sind leicht erklärt: "Der Mann ist Widder, die sind halt so bockig." Wer sowas wirklich glaubt, muss sich keine Gedanken über die möglichen wahren Ursachen des Verhaltens anderer machen [& sieht auch keinen Anlass sie nach Gründen zu fragen, Iromeister]. Auch besteht nicht die Gefahr, dass man eventuell bei sich selbst nach Fehlern suchen sollte.
Parawissenschaften haben fast immer eindeutige Antworten: Unbekannte Flugobjekte sind die Raumfahrzeuge Ausserirdischer. Wenn in einem Haus Gegenstände ohne erkennbaren Grund durch die Luft fliegen, dann war es ein Poltergeist. Sie liefern Erklärungen, wo Wissenschaftler zunächst schweigen und auf eine langwierige Untersuchung verweisen müssen, bei der am Ende auch kein hundertprozentig sicheres Ergebnis herauskommt. Für viele Menschen scheint das inakzeptabel. Sie möchten Sicherheit, nicht ein vages "vielleicht".
Skeptiker sein, heisst Unsicherheit ertragen können. Dadurch unterscheidet er sich auch vom Dogmatiker: Der nämlich glaubt zu wissen, dass das alles Quatsch ist und zwar ohne sich damit auseinanderzusetzen. Der Skeptiker hat niht immer gleich die Auflösung des Rätsels bei der Hand, er muss suchen und prüfen. Und selbst dann ist die Lösung nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Skeptiker vermag dann nur die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wirklich etwas Paranormales vorgefallen ist, besser einzuschätzen. Solange der Fall nicht untersucht ist, fällt er kein Urteil.

Sokrates war vielleicht der erste Skeptiker nach diesem Verständnis, denn er ging bei seinen philosophischen Untersuchungen immer davon aus: "Ich weiss, dass ich nichts weiss." Skeptiker stellen sich absichtlich dumm, damit sie sich nicht selber täuschen & meinen, sie wüssten die Antwort schon bevor sie den Sachverhalt geprüft haben.

Diese letzten Absätze aus dem Buch werfen ein neues Licht auf eine Frage, die sich mir derweil auch noch gestellt hatte: Wie hängen Glauben & Zweifeln einerseits mit Vertrauen & Misstrauen andererseits zusammen? Es stellt sich heraus, dass Glauben gerade von mangelndem Vertrauen bzw. Misstrauen zeugt, während Vertrauen den Zweifel aushält & sich dessen ungeachtet geborgen weiss. Wem es an Vertrauen fehlt, die/der versucht alles zu kontrollieren & eindeutig zu machen.
Die spannende Frage dabei: Lassen sich die Ambiguitätstoleranz & das Aushalten von Unbestimmtheit trainieren? Es sind dies beides nämlich extrem wichtige Voraussetzungen für eine wahrhaft freiheitlich-demokratische Gesellschaft.

Übrigens machen auch Wissenschaftler eine ganze Menge Fehler, weil sie als Menschen nun mal unvollkommen sind: Most scientific papers are probably wrong. Deshalb spielt das Peer-Review so eine grosse Rolle in der wissenschaftlichen Methode.
Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich als guten Einstieg in die Problematik die sci.skeptic FAQ.

Ich erwähne noch mal speziell das Tarot-Kartenlegen, weil das bei meinen FreundInnen einigermassen verbreitet ist. Erklären lässt sich die Wirkung durch den Barnum-Effekt. Weil die Botschaften des Tarot, wie im übrigen auch der Astrologie & eigentlich aller Arten von Hellseherei sehr allgemein gehalten sind, lassen sie sich leicht auf einen selbst beziehen. more

Die Gefahren des Poststrukturalismus in der Linken

2005-10-13

Christoph Bördlein hat mich in seinem Buch auf die Sokal-Affäre aufmerksam gemacht. Der (politisch linke) Physiker Alan Sokal hat 1996 einen Nonsens-Artikel in der Zeitschrift Social Text veröffentlicht, ohne dass die Herausgeber dies vorher bemerkt haben. Es genügte also offensichtlich, sich in der Ausdrucksweise an die oftmals völlig sinnentleerten (& dabei höllisch kompliziert zu lesenden!) Texte des PoststrukturalistInnen anzupassen, damit der Artikel als "wissenschaftlich" durchgeht.

Auf seiner Webseite hat Alan Sokal den Originalartikel sowie viele andere Kommentare von verschiedenen Seiten gesammelt. Besonders empfehle ich das Nachwort zu lesen, weil er darin erläutert, warum das poststrukturalistische Denken im Endeffekt systemstützend & damit reaktionär wirkt. Da diese weit verbreitete akademische Richtung einen erkenntnistheoretischen Relativismus vertritt, nimmt sie sich selbst (& ihren Anhängern!) die Möglichkeit kritisch zu hinterfragen. Wo es nur noch subjektive Wahrheiten gibt, kann ich den Wahrheitsgehalt von Aussagen nicht mehr kritisieren. Eine solche Haltung ist natürlich sehr bequem: Ich brauche nicht mehr mit Argumenten begründen was ich denke, sondern das ist halt meine persönliche Meinung & damit basta. Darauf kann ich mich prima ausruhen.

In der Politik heisst das jedoch, dass ich meine Interessen nicht mehr argumentativ durchsetzen kann. Ausserdem kann das Ergebnis jeder politischen Analyse einfach als nicht zutreffend abgelehnt werden. Recht hat letztlich wieder, wer die Macht hat. Aus diesem Grund war & ist das skeptische Denken, das von einer intersubjektiv gültigen Wirklichkeit ausgeht, anhand derer sich Aussagen überprüfen lassen, eine starke & wichtige Waffe jeder emanzipatorischen Bewegung. Von daher halte ich es für einen fatalen Fehler der Linken, dass sie dem poststrukturalistischen Relativismus aufgesessen ist. Das bedeutendste Werk dieser Richtung ist sicherlich Empire von Hardt & Negri.

Übrigens trifft diese Kritik den Radikalen Konstruktivismus, der ebenfalls in akademischen Kreisen & auch ausserhalb davon "in" ist.
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Wer nicht fragt bleibt dumm

2005-10-11

Die ersten Tage in der anarchistischen Kommune Burg Lutter bei Goslar am Rande des Harz haben mich viel zum Nachdenken gebracht. Auf Wunsch einiger BewohnerInnen werde ich über die Gemeinschaft selber nicht so ausführlich berichten. Momentan dominieren die aufgeworfenen Fragen eh bei mir.

Skeptizismus

Ich bin hier stark mit skeptischem Hinterfragen von Glaubenssystemen aller Art konfrontiert. Seit ein paar Tagen lese ich in dem Buch "Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine" von Christoph Bördlein aus dem Alibri-Verlag. Diese Überlegungen knüpfen an meinen Eintrag Wissenschaft & Effektive Mikroorganismen an. Ein Zitat aus dem Buch:

Glauben heisst Für-wahr-halten in Abwesenheit von stützender Evidenz.

Der Autor publiziert übrigens regelmässig im Skeptiker.



Kritisiert wird u.a. auch das Weltbild des ZEGG. Einerseits wegen der spirituellen Weltsicht (Stichwort "Feldbildung"), zum anderen weil das ZEGG nicht-heterosexuelle Geschlechterverhältnisse komplett ausblendet - von Transgendern mal ganz abgesehen. Wer sich als emanzipatorisches Projekt versteht, muss sich die eigenen Ausgrenzungsmechanismen bewusst machen, um nicht im Endeffekt reaktionär zu werden. Dabei ist die Kenntnis des confirmation bias (Bestätigungstendenz) sehr nützlich. Was wir denken (können), bestimmt unsere Wirklichkeit. Vieles erscheint zunächst einmal undenkbar & oft brauchen wir einen kognitiven Schock damit das Undenkbare denkbar wird. So ein Schock stellt sich z.B. ein, wenn ich feststelle dass ich mich geirrt habe. Das ist niemandem angenehm, aber es bewahrt vor intellektueller Überheblichkeit & Vor-Urteilen. Womit wir wieder bei den Lektionen in Demut wären.

Die Kritik trifft natürlich viele (Gemeinschafts-) Projekte, nicht nur das ZEGG.

Mir ist bei der Beschäftigung mit diesem Thema mein alter Artikel Denken und sich Empören in der BüSo-Parteizeitung eingefallen. Bei der BüSo war ich mal ein Jahr Mitglied; ein dunkles Kapitel meines Lebens... Was ich damals geschrieben habe, kann ich nach wie vor unterschreiben, wenn ich auch manches inzwischen anders formulieren würde.

Anarchismus & die Macht des Systems

Anarchie auf Burg Lutter heisst für die BewohnerInnen selbstbestimmt leben. Es gibt nur ganz wenige selbst auferlegte Regeln. Das finde ich interessant, weil für mich Anarchie gar nicht "möglichst wenige Regeln" bedeutet, sondern "nur (gemeinsam) selbst aufgestellte Regeln". Aber in einer so kleinen Gemeinschaft braucht es einfach wenige Regeln.

Das setzt natürlich voraus, dass die Einzelnen eigenverantwortlich handeln - was in unserer Gesellschaft trotz der Rhetorik aus CDU & FDP nicht erwünscht ist & dem entsprechend den Menschen von klein auf abgewöhnt wird. Die Schule leistet da ganze Arbeit. In diesem Zusammenhang verweise ich beispielsweise auf die Schulverbesserer aus Berlin.



An mir selber bemerkte ich mit Schrecken, wie mich z.B. meine Süssigkeitensucht an das kapitalistische System bindet. Als ich im Supermarkt an den Regalen vorbeilief, gab mir die Tatsache dass ich mir jederzeit was dort kaufen kann ein Gefühl von Sicherheit. Natürlich ist diese Sicherheit von zwei Seiten bedroht: mensch könnte mir den Geldhahn zudrehen, oder das Angebot könnte verknappt werden. Das machen ja z.B. die Energiekonzerne seit der Liberalisierung des Strommarktes, oder auch die Bahn seit sie ne Aktiengesellschaft ist.



Aus anarchistischer Perspektive kann Selbstversorgung in beliebig grossem Rahmen geschehen. Die Hauptsache dabei ist, dass das Leben & speziell das Wirtschaften herrschaftsfrei selbst organisiert wird. Es gibt viele bisher noch sehr kleine & nicht koordinierte Projekte dieser Art. Das wirkt anfangs oft sogar systemstabilisierend, siehe z.B. Selbsthilfe von Arbeitslosen. So etwas spart dem Staat Kosten. Wird aber erst mal eine bestimmte Grössenordnung erreicht, dann entstehen "Parallelstrukturen", die dem Staat ein Dorn im Auge sind. Den Grosskonzernen übrigens auch. Denn wer solcherart selbst organisiert lebt, kauft keine Produkte der Konzerne. Insofern kann auch der Tag der Regionen als Beginn einer subversiven Bewegung gesehen werden. & das ist gut so! Zumal sich solche Bewegungen explizit nicht als gegen den Staat gerichtet sehen (Stichwort Agenda 21), sondern das Zusammenleben der Menschen im jeweiligen Staat umgestalten wollen.
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