Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Bei der GLS Gemeinschaftsbank in Bochum

2005-09-24

Gestern & heute waren das Einweihungsfest des neuen Gebäudes der GLS Gemeinschaftsbank in der Christstrasse in Bochum sowie die Jahresversammlung der Genossenschaft. Es geht also mal wieder um Geld bzw. die finanziellen Hebel.

Über die GLS Gemeinschaftsbank eG

Ich fange mal mit ein paar Daten aus dem Geschäftsbericht 2004 an, obwohl der erst am Samstag Vormittag vorgestellt wurde. So bekommt Ihr einen Eindruck der Tätigkeit der GLS-Bank.
Zum 31.12.2004 betrug die Bilanzsumme der Bank 497,529 Mio. EUR. Die Genossenschaft hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 13.900 Mitglieder, die Anteile in Höhe von insgesamt 12,7 Mio. EUR gezeichnet hatten. 3000 EUR davon stammen von mir ;-)
Zu den Genossenschaftsanteilen kommen noch einmal 11,2 Mio. EUR stille Beteiligungen.
Die GLS-Gruppe, d.h. Bank & Treuhand (dazu später mehr), beschäftigt z.Zt. 166 MitarbeiterInnen.
Die Bank hat 44.000 KundInnen, wobei noch mehr Leute den Bankspiegel abonniert haben. Diese auch noch als Kunden zu gewinnen, hat sich die Bank für die nächsten Jahre vorgenommen.
Im Jahr 2004 gab es ca. 17% Kreditwachstum, das gesamte Geschäftsvolumen nahm um gut 12% zu.
Kredite werden in den folgenden Bereichen vergeben:

  • Wohnprojekte (18,7%)
  • Heilpädagogik und Sozialtherapie (13,6%)
  • Regenerative Energien (12,4)
  • Freie und Alternativpädagogik (11,8%)
  • Nachhaltige Baufinanzierung (9,5%)
  • Kunst, Kultur, Bürgerengagement (7,1%)
  • Seniorenprojekte, Medizin, Therapie, Pflege (7,1%)
  • Ökologische Landwirtschaft (6,1%)
  • Gewerbliche Finanzierungen (5,6%)
  • Sonstiges (8,1%)

Bei der Kreditvergabe setzt die Bank stark auf Kleinbürgschaften (bis 3000 EUR) als Sicherheiten, weil da im Gegensatz zu Grundschulden u.ä. Menschen dahinterstecken. Auch daran wird die Besonderheit der GLS Bank deutlich, dass hier Menschen im Mittelpunkt stehen & keine abstrakten Werte.
Durch die Übernahme der Ökobank 2003, bei der die Genossenschaftsanteile nicht mit übernommen wurden, ist die Eigenkapitalquote stark gesunken. Zwar ist die Entwicklung der Genossenschaftsanteile sehr erfreulich (das Eigenkapital steigt derzeit doppelt so schnell wie das Geschäftsvolumen), dennoch ist die Ausstattung mit Eigenkapital geringer als bei anderen Genossenschaftsbanken. Also: Werdet GenossInnen der GLS!

Die GLS Treuhand e.V. (ehemals Gemeinnützige Treuhandstelle e.V.)

Der neue Name "GLS Treuhand e.V." wurde auf der Mitgliederversammlung am Samstag beschlossen, ist also noch brandneu. Die Treuhand verwaltet

  • Individuelle Schenkungen
  • Individuelle Stiftungen
  • Zukunftsstiftungen und Themenfonds
  • Testamente

Zukunftsstiftungen sind derzeit in folgenden Bereichen tätig:

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützt u.a. die Kampagne Save our Seeds, die sich für den Erhalt der Sortenvielfalt in der Landwirtschaft einsetzt. Vor allem geht es ihr darum, das Saatgut frei von gentechnischen Manipulationen zu erhalten. Zum Thema Gentechnik siehe auch der Informationsdienst Gentechnik, der von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft herausgegeben wird.
Eine Aktion der Zukunftsstiftung Bildung ist "Jedem Kind ein Instrument". In Zusammenarbeit mit Bochumer Grundschulen & der Musikschule ermöglicht die Stiftung allen SchülerInnen der 1. & 2. Klassen in Bochum, ein Musikinstrument zu erlernen.

Eine weitere unabhängige Stiftung, die aber eng mit der GLS zusammenarbeitet, ist die stiftung trias. Diese Stiftung kauft Grundstücke, um sie alternativen Wohnprojekten zur Verfügung zu stellen. Diesen wird dabei das Erbbaurecht zugesprochen.

Freitag und Samstag bei der GLS

Als ich bei der Bank ankam, war erst einmal Schlange stehen bei der Registrierung der Mitglieder angesagt. Dabei wuselten zwei rote Tanzbälle & ein Stelzenläufer zwischen den Leuten umher & sorgten für gezielte Irritation:
Rote Gestalten

Das Zitat von Wilhelm Barkhoff (dem Gründer der GLS-Bank)

Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen!

zog sich als roter Faden durch die Veranstaltungen des Wochenendes, das unter dem Motto Standort für Visionen stand. Der Satz steht übrigens auch auf dem Heft für die Kontoauszüge.
Das zusätzlich zum wesentlich grösseren neuen GLS-Gebäude im Innenhof aufgestellte Festzelt platzte dennoch aus allen Nähten:
Randvolles Festzelt

Das Gebäude hat die Bank von ThyssenKrupp gekauft & unter Leitung des Stuttgarter Architekten Lothar Bracht renovieren lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Blick auf Dach & Innenhof
Auf dem Dach ist die Photovoltaikanlage zu erkennen.

Richtig super fand ich den Kabarett-Abend am Freitag mit Winfried Zimmermann aus Stuttgart & den "Hartzinfarkt" der Kleinen Bühne Schönau.

Das Deutsche Mikrofinanz Institut (DMI)

Einer der für mich interessantesten Vorträge stellte die Arbeit des Deutschen Mikrofinanz Institut (DMI) vor. Zum Thema Mikrokredite hatte ich ja schon in Zusammenhang mit Eine Billion Dollar was geschrieben.
Eine Besonderheit des DMI im Unterschied zu Mikrofinanzierern in Dritte-Welt-Ländern ist, dass Kredite meist nicht zur Unternehmensgründung & in der Anfangsphase benötigt werden, sondern später. 90% der Unternehmensgründungen in Deutschland gehen nämlich ohne Fremdkapital über die Bühne. Deshalb ist der Schwerpunkt des DMI die Nachgründungsphase. Es werden Kredite in Aussicht gestellt, die die GründerInnen nur bei Bedarf in Anspruch nehmen. Frühzeitige Krisenintervention ist der zweite Schwerpunkt. Witzig fand ich, dass dabei von den Kreditnehmern verlangt wird, dass sie einmal im Monat eine Postkarte schicken & kurz schreiben, wie das Geschäft aus ihrer Sicht gerade läuft.
Die Kredite werden als Cash-Flow-orientierte Stufenkredite vergeben, d.h. abhängig von den tatsächlich vorhandenen finanziellen Mitteln des Unternehmens werden ansteigende Kreditsummen vergeben. Der erste Kredit darf maximal 10.000 EUR betragen, später gibt es keine Begrenzung.
Das DMI betreut selber keine Kreditnehmer, sondern arbeitet mit derzeit fünf akkreditierten Mikrofinanzierern zusammen. Interessanterweise ist einer davon die Brechmann Beteiligungs GmbH in Bielefeld. Die eigentlichen Kredite kommen derzeit noch fast ausschliesslich von der GLS-Bank.
Das Ausfallrisiko wird vollständig vom GLS Mikrofinanzfonds abgedeckt. Dieser erhält die Hälfte der Kreditzinsen als Provision & zahlt seinerseits Gratifikationen an die Mikrofinanzierer. Die wiederum beteiligen sich am Fonds.

Eine coole Idee habe ich bei der GLS in Form eines Flyers gefunden: den BaumSparVertrag. more

Meine erste Internetbekanntschaft

2005-09-23

Meine Unterkunft während der GLS-Veranstaltung war in Wuppertal bei Roman, den ich durch das ProvoWeb Forum kennen gelernt habe. Er ist überhaupt der erste Mensch, den ich zunächst online kannte & dann "in echt" besucht habe.
Als wir uns trafen, war unser gegenseitiger erster Eindruck, einen schrägen Vogel vor uns zu haben. Wir sind uns dann in den zwei Tagen (von denen ich die meiste Zeit auch noch in Bochum verbrachte) erstaunlich nahe gekommen, haben uns von unseren Familien erzählt, über Frauen geredet & dass es uns beiden schwer fällt mit ihnen in Kontakt zu kommen - Wow!
Am herausragendsten finde ich bei Roman wie er lacht. Ich habe noch nie einen Menschen so inbrünstig lachen erlebt! Er hat dabei einen ziemlich schwarzen Humor, aber nie niveaulos.
Mir gefällt an Roman, dass er direkt heraus sagt was er denkt, & nicht ständig um den heissen Brei rumredet. & was er denkt ist oftmals sehr tiefsinnig.

@Roman: Bin noch gar nicht dazu gekommen Deine Gedichte zu lesen - Asche über mein Haupt! more

Die Schere im Kopf & im WWW

2005-09-22

Durch einen Hinweis auf den GoldSeiten habe ich das Saar-Echo entdeckt, eine aussergewöhnliche Onlinezeitung. Dort finden sich eine Menge Artikel zu Themen, die in anderen Medien nur knapp gestreift oder gänzlich totgeschwiegen werden.
Besonders bedenklich finde ich die Praktiken der grossen Suchmaschinenbetreiber Google & Yahoo, die in einem Artikel beschrieben sind. Um sich davor zu schützen, dass die Suchmaschinenbetreiber ein Nutzerprofil erstellen, gibt es zum einen die Möglichkeit, Scroogle zu nutzen. Das ist ein Anonymisierungs-Proxy für Suchmaschinen, der die Anfragen an Google oder Yahoo weiterleitet, so dass für diese nicht mehr nachvollziehbar ist, wer die Anfrage gestellt hat. Scroogle ist ein Projekt von Google Watch, wo es auch noch mehr Hintergrundinformationen dazu gibt.

Eine andere Möglichkeit ist, die Annahme von Cookies der Suchmaschinen zu verweigern. Im Mozilla Firefox nehmt Ihr diese Einstellung an folgender Stelle vor:
Google-Cookies im Firefox blocken (aufs Bild klicken, um die volle Auflösung zu bekommen)

Technisch besonders interessant sind Peer-to-Peer-Suchmaschinen wie YaCy. Da wird's dann für die Geheimdienste schon schwierig, Anfragen nachzuvollziehen. more

Kurztrip ins Schwabeländle

2005-09-21

Seit Montag Abend bin ich bei meinem alten Freund Carsten Unger in Ludwigsburg zu Besuch, der hier an der Filmakademie studiert. Er bereitet gerade als Regisseur seinen Diplomfilm vor.

Gestern habe ich mir in Ettlingen bei Comfort Schuh ein Paar richtig gute Schuhe für den Winter gekauft, das war noch ein sehr verspätetes Geburtstagsgeschenk meiner Eltern. Auf dem Rückweg habe ich in Karlsruhe Station gemacht & bin den Nachmittag über durch die Stadt geschlendert.
Das Schloss wirkt echt beeindruckend, wenn mensch von Marktplatz her kommt:
Fächer des Karlsruher Schlosses

Blick aus dem sehr geräumigen Schlosspark:
Karlsruher Schloss vom Park aus

Überhaupt wirkt Karlsruhe auf mich sehr weitläufig, überhaupt nicht gedrängt. & reich ist die Stadt auch, da hat's eine Edelboutique nach der anderen, Juweliere, einen Laden mit Meißner Porzellan usw. usf.

Die Pyramide auf dem Marktplatz wollte ich eigentlich auch fotografieren, da standen aber lauter Marktstände im Weg. Naja, das Wikipedia-Foto ist eh grösser.

Am Abend bin ich dann in Ludwigsburg auf das verhüllte Schiller-Denkmal gestossen:
Schiller by Night
Der Schiller hat hier nämlich seine Jugend verbracht.

In Ludwigsburg hat's auch ein Schloss, das zwar grösser ist als das in Karlsruhe (es ist das grösste Barockschloss Deutschlands), aber dadurch dass es abgeschlossen für sich in einem Park steht, wirkt es nicht so als Machtzentrum:
Residenzschloss Ludwigsburg
Ausserdem kostet der Schlosspark Eintritt, das war mir zu blöd.

Auf dem Weg dahin habe ich einen coolen begrünten Würfel entdeckt:
Grüner Würfel in LuBu

Im Gespräch mit Carsten bin ich wieder auf meine Forschungsfrage in Sachen Entscheidungsfindung per Konsens gekommen. Er ist nämlich - obwohl früher überzeugter Anarchist - kein Freund von Konsensentscheidungen mehr. Jedenfalls meint er, dass Basisdemokratie beim Filmemachen nicht praktikabel ist. Da kommt es darauf an, dass der Regisseur mit seiner Entscheidung eine klare Richtung vorgibt. Wollte er alle daran beteiligen, dann wäre das Ergebnis sehr verwässert.
Beim Trampen fiel es mir übrigens auch schwer, einem meiner Fahrer im Gespräch den Unterschied zwischen Kompromiss & Konsens klar zu machen. Diese Grenze ist eben tatsächlich fliessend. Aber ab welchem Punkt beginnt die strukturelle Gewalt, ab wann gibt eine Partei nicht mehr aus freien Stücken ihre Position zugunsten einer anderen auf, sondern gibt nach, weil sie in der Minderheit & damit in der schwächeren Position ist? Wo verläuft die Grenze zwischen Freiwilligkeit & Zwang?
Fragen über Fragen... more

Rettet das Friedensdorf San José de Apartado in Kolumbien!

2005-09-20

Zwar ist mir der Aufruf, das Friedensdorf San José de Apartado in Kolumbien zu unterstützen, schon mehrmals ins Email-Postfach geflattert, aber erst seit Sonntag fühle ich mich mit den Menschen dort verbunden. Uwe Haspel vom LebensGut hat eine Woche lang die Fasten-Mahnwache vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin weitergeführt. Diese Aktion hat Öff!Öff! von den Schenkern initiiert.

Worum es geht?

In San José de Apartado leben ca. 1350 Männer, Frauen & Kinder. Die Friedensgemeinde wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, ihr Recht durchzusetzen, nicht in Kolumbiens Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. Sie besitzen keine Waffen, übermitteln keine Informationen an Kriegsparteien & weigern sich, in irgendeiner Weise am Bürgerkrieg teilzuhaben. Seitdem hat dies zu Tötungen & "Verschwindenlassen" von bisher 164 Mitgliedern der Gemeinde geführt, verübt von den verschiedenen Seiten der in den Krieg verwickelten Organisationen.
Am 21. Februar diesen Jahres wurden wieder acht Mitglieder der Gemeinde ermordet, darunter ihr Sprecher Luis Eduardo Guerra, dessen erst 17-jährige Frau & sein 11-jähriger Sohn. Auch zwei Kinder im Alter von 2 & 6 Jahren waren unter den Opfern.

Seit Juni 2005 hat das kolumbianische Militär begonnen, eine Nachricht an verschiedene internationale Organisationen und Botschaften zu versenden, in der diesen untersagt wird, die Menschen von San José in irgendeiner Form zu unterstützen. Der fingierte Grund: "Terrorismus"!
Diese Nachricht kommt einem Todesurteil für alle Bewohner der Gemeinde gleich. Denn wer als Terrorist gebrandmarkt ist, ist vogelfrei.

Auch wenn's für viele, die das hier lesen, zu knapp sein wird:
Am morgigen Mittwoch gibt's einen Aktionstag vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin! more

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