Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Die Schere im Kopf & im WWW

2005-09-22

Durch einen Hinweis auf den GoldSeiten habe ich das Saar-Echo entdeckt, eine aussergewöhnliche Onlinezeitung. Dort finden sich eine Menge Artikel zu Themen, die in anderen Medien nur knapp gestreift oder gänzlich totgeschwiegen werden.
Besonders bedenklich finde ich die Praktiken der grossen Suchmaschinenbetreiber Google & Yahoo, die in einem Artikel beschrieben sind. Um sich davor zu schützen, dass die Suchmaschinenbetreiber ein Nutzerprofil erstellen, gibt es zum einen die Möglichkeit, Scroogle zu nutzen. Das ist ein Anonymisierungs-Proxy für Suchmaschinen, der die Anfragen an Google oder Yahoo weiterleitet, so dass für diese nicht mehr nachvollziehbar ist, wer die Anfrage gestellt hat. Scroogle ist ein Projekt von Google Watch, wo es auch noch mehr Hintergrundinformationen dazu gibt.

Eine andere Möglichkeit ist, die Annahme von Cookies der Suchmaschinen zu verweigern. Im Mozilla Firefox nehmt Ihr diese Einstellung an folgender Stelle vor:
Google-Cookies im Firefox blocken (aufs Bild klicken, um die volle Auflösung zu bekommen)

Technisch besonders interessant sind Peer-to-Peer-Suchmaschinen wie YaCy. Da wird's dann für die Geheimdienste schon schwierig, Anfragen nachzuvollziehen. more

Kurztrip ins Schwabeländle

2005-09-21

Seit Montag Abend bin ich bei meinem alten Freund Carsten Unger in Ludwigsburg zu Besuch, der hier an der Filmakademie studiert. Er bereitet gerade als Regisseur seinen Diplomfilm vor.

Gestern habe ich mir in Ettlingen bei Comfort Schuh ein Paar richtig gute Schuhe für den Winter gekauft, das war noch ein sehr verspätetes Geburtstagsgeschenk meiner Eltern. Auf dem Rückweg habe ich in Karlsruhe Station gemacht & bin den Nachmittag über durch die Stadt geschlendert.
Das Schloss wirkt echt beeindruckend, wenn mensch von Marktplatz her kommt:
Fächer des Karlsruher Schlosses

Blick aus dem sehr geräumigen Schlosspark:
Karlsruher Schloss vom Park aus

Überhaupt wirkt Karlsruhe auf mich sehr weitläufig, überhaupt nicht gedrängt. & reich ist die Stadt auch, da hat's eine Edelboutique nach der anderen, Juweliere, einen Laden mit Meißner Porzellan usw. usf.

Die Pyramide auf dem Marktplatz wollte ich eigentlich auch fotografieren, da standen aber lauter Marktstände im Weg. Naja, das Wikipedia-Foto ist eh grösser.

Am Abend bin ich dann in Ludwigsburg auf das verhüllte Schiller-Denkmal gestossen:
Schiller by Night
Der Schiller hat hier nämlich seine Jugend verbracht.

In Ludwigsburg hat's auch ein Schloss, das zwar grösser ist als das in Karlsruhe (es ist das grösste Barockschloss Deutschlands), aber dadurch dass es abgeschlossen für sich in einem Park steht, wirkt es nicht so als Machtzentrum:
Residenzschloss Ludwigsburg
Ausserdem kostet der Schlosspark Eintritt, das war mir zu blöd.

Auf dem Weg dahin habe ich einen coolen begrünten Würfel entdeckt:
Grüner Würfel in LuBu

Im Gespräch mit Carsten bin ich wieder auf meine Forschungsfrage in Sachen Entscheidungsfindung per Konsens gekommen. Er ist nämlich - obwohl früher überzeugter Anarchist - kein Freund von Konsensentscheidungen mehr. Jedenfalls meint er, dass Basisdemokratie beim Filmemachen nicht praktikabel ist. Da kommt es darauf an, dass der Regisseur mit seiner Entscheidung eine klare Richtung vorgibt. Wollte er alle daran beteiligen, dann wäre das Ergebnis sehr verwässert.
Beim Trampen fiel es mir übrigens auch schwer, einem meiner Fahrer im Gespräch den Unterschied zwischen Kompromiss & Konsens klar zu machen. Diese Grenze ist eben tatsächlich fliessend. Aber ab welchem Punkt beginnt die strukturelle Gewalt, ab wann gibt eine Partei nicht mehr aus freien Stücken ihre Position zugunsten einer anderen auf, sondern gibt nach, weil sie in der Minderheit & damit in der schwächeren Position ist? Wo verläuft die Grenze zwischen Freiwilligkeit & Zwang?
Fragen über Fragen... more

Rettet das Friedensdorf San José de Apartado in Kolumbien!

2005-09-20

Zwar ist mir der Aufruf, das Friedensdorf San José de Apartado in Kolumbien zu unterstützen, schon mehrmals ins Email-Postfach geflattert, aber erst seit Sonntag fühle ich mich mit den Menschen dort verbunden. Uwe Haspel vom LebensGut hat eine Woche lang die Fasten-Mahnwache vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin weitergeführt. Diese Aktion hat Öff!Öff! von den Schenkern initiiert.

Worum es geht?

In San José de Apartado leben ca. 1350 Männer, Frauen & Kinder. Die Friedensgemeinde wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, ihr Recht durchzusetzen, nicht in Kolumbiens Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. Sie besitzen keine Waffen, übermitteln keine Informationen an Kriegsparteien & weigern sich, in irgendeiner Weise am Bürgerkrieg teilzuhaben. Seitdem hat dies zu Tötungen & "Verschwindenlassen" von bisher 164 Mitgliedern der Gemeinde geführt, verübt von den verschiedenen Seiten der in den Krieg verwickelten Organisationen.
Am 21. Februar diesen Jahres wurden wieder acht Mitglieder der Gemeinde ermordet, darunter ihr Sprecher Luis Eduardo Guerra, dessen erst 17-jährige Frau & sein 11-jähriger Sohn. Auch zwei Kinder im Alter von 2 & 6 Jahren waren unter den Opfern.

Seit Juni 2005 hat das kolumbianische Militär begonnen, eine Nachricht an verschiedene internationale Organisationen und Botschaften zu versenden, in der diesen untersagt wird, die Menschen von San José in irgendeiner Form zu unterstützen. Der fingierte Grund: "Terrorismus"!
Diese Nachricht kommt einem Todesurteil für alle Bewohner der Gemeinde gleich. Denn wer als Terrorist gebrandmarkt ist, ist vogelfrei.

Auch wenn's für viele, die das hier lesen, zu knapp sein wird:
Am morgigen Mittwoch gibt's einen Aktionstag vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin! more

Lernwerkstatt Philosophie in Pommritz

2005-09-19

Am Samstag war in Pommritz Dorffest, & im Rahmen dieses Festes gab es auch eine Führung durch die Lernwerkstatt Philosophie. Da sind zu ganz vielen Philosophen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert (das 20. ist noch in Arbeit) Modelle ausgestellt. An den meisten kann mensch herumspielen, es bewegt sich vieles, & auf die Art wird ein zentrales Konzept des jeweiligen Philosophen begreifbar gemacht.
Zuerst mal ein Überblick über die Lernwerkstatt:
Überblick der Ausstellung
(viele Modelle sind in Bautzen & anderswo in Museen ausgestellt, o dass hier nur ein Teil der Ausstellung zu bewundern ist)

Hier seht Ihr Uli im Gewand eines Renaissance-Gelehrten, wie er gerade die Ideen von Thales, dem ersten europäischen Philosophen, erläutert. Uli ist wahrhaftig ein Gelehrter, der in der Welt der Ideen lebt. Deshalb kann er supergut erklären, worum es den einzelnen Philosophen ging.
Uli erklärt Thales

Nun noch ein paar Modelle zu den Philosophen, die mich selber am meisten interessieren:

Platon
Platon, oben das Höhlengleichnis, in der Mitte Bilder zu seinem Konzept des idealen Staates & unten die fünf Platonischen Körper

Zenonsches Paradoxon
Mein Lieblingsparadoxon der Philosophie, zu dem ich sogar mal eine Kurzgeschichte geschrieben habe, ist das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte von Zenon von Elea

Dantes Göttliche Komödie
Dante Alighieri war zwar in erster Linie Dichter, dennoch befindet sich ein Modell von Himmel und Hölle nach seiner Göttlichen Komödie in der Ausstellung

kabbalistischer Lebensbaum
Die Kabbala ist die mystische Tradition im Judentum. Als Bild dafür wurden die 10 Sephiroth in Form des Lebensbaumes gewählt

Keplersches Modell des Sonnensystems
Johannes Kepler hat in einem Modell die Bahnen der damals bekannten fünf Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn) mit der Oberfläche der fünf platonischen Körper in Beziehung gesetzt

Thomas Hobbes: Leviathan
Thomas Hobbes war einer der Vordenker des staatlichen Gewaltmonopols, das die Schenker wie erwähnt ablehnen. Im Bild wird schön deutlich, wie der absolute Herrscher die anderen Menschen davon abhält, aufeinander loszugehen, weil er bewaffnet über ihren Köpfen thront.

Die Leibnizschen Monaden
Hier wird das Konzept der Monaden des Gottfried Wilhelm Leibniz veranschaulicht

Zur Illustration des kartesischen Raumes gibt es ein Spiegelkabinett, in dem die Unendlichkeit sichtbar wird:
Spiegelkabinett

& zum Abschluss noch ein Insider:
Möbiusband
"Seltsam erscheint mir das Möbiusband, denn es hat keinen Anfang und kein Ende. Seltsam erscheint mir das Möbiusband, denn es hat keinen Anfang und kein Ende. Seltsam erscheint mir das Möbiusband, denn es hat..."
Liebe Grüsse an Lemming, & bei der Gelegenheit noch mal Danke fürs Fotos hosten! more

Das Amt des Narren als Korrektiv innerhalb von Gemeinschaften aller Art

2005-09-18

Beim Nachdenken über die Frage: Wie können Menschen in Gemeinschaft einander darin unterstützen, nicht in ihrem persönlichen Wachstum stehen zu bleiben? fielen mir die Hofnarren des Mittelalters ein. Sie genossen Narrenfreiheit & durften alles ungestraft aussprechen & gegen jegliche Tabus verstossen. Denn sie waren ja Narren & wurden – offiziell jedenfalls – nicht ernst genommen.
Damit übernahmen die Narren eine wichtige Funktion: Sie hielten den Menschen den Spiegel vor, zeigten die Schwachstellen Einzelner & der ganzen Gesellschaft auf. Das auf eine Weise, die niemandem direkt weh tat.
Eine solche Funktion übernimmt in Gemeinschaften z.T. die Supervision, wie sie in Jahnishausen & in der Kulturfabrik Mittelherwigsdorf regelmässig genutzt wird. Mir schwebt jedoch die Rolle des Gemeinschafts-Narren als feste Einrichtung vor, jeweils einen Monat lang übernimmt ein Mitglied der Gemeinschaft diese Funktion, dann meldet sich jemand anderes. Alle paar Monate kann & sollte eine aussenstehende Person als Narr der Gemeinschaft den Spiegel vorhalten. Meist sollte es jedoch ein Gemeinschaftsmitglied sein, weil diese die Schattenseiten der Gemeinschaft & ihrer BewohnerInnen oft besser kennen als Fremde. Andererseits ist ein Blick von ganz aussen auch nötig, weil jedes System einen blinden Fleck hat, den es selbst nicht wahrnimmt. Bei Gemeinschaften wechselt dieser blinde Fleck natürlich ständig.

Ob es nun die Figur des Narren ist oder eine gleichwertige Einrichtung, ich denke, jede Gruppe von Menschen braucht etwas in der Art, wenn sie sich nicht in ihren Rollen & Selbstbildern bequem einrichten will. Das Forum allein reicht nach meiner Einschätzung dafür nicht aus. Auch eine Gemeinschaft, die regelmässig Forum macht & deren Mitglieder sich auf diese Weise füreinander transparent machen, kann in Routine verfallen. Forumsauftritte können zu Selbstinszenierungen verkommen, wenn das alle so machen & sich damit zufrieden geben. Natürlich ist es einfacher & mit viel weniger Aufwand verbunden, die Inszenierungen der anderen für bare Münze zu nehmen. Wer dort nachhakt, öffnet gelegentlich die Büchse der Pandora.

Menschen in Gemeinschaft, die die Büchse der Pandora öffnen wollen & keine Angst vor gruppendynamischen Prozessen wie auch vor den Abgründen der eigenen Seele haben, können die Einrichtung des Gemeinschafts-Narren gut gebrauchen. Dabei kann der Narr genausogut auch kritisieren, dass sich die Gemeinschaft gerade in gruppendynamischen Prozessen verzettelt. Die Aufgabe des Narren ist, den advocatus diaboli zu spielen, den permanenten Gegenspieler, "die Kraft, die stets verneint" wie es Goethe seinem Mephistopheles in den Mund legt. Dazu muss der Narr in erster Linie mutig sein. Wenn die Rolle in der Gemeinschaft klar akzeptiert ist, fällt das wegen der Narrenfreiheit leichter.
Wir können dabei an ein sehr altes kulturelles Muster anknüpfen. Berühmte Narren wie Till Eulenspiegel geniessen heute – mit genügend zeitlichem Abstand – einen guten Ruf als Menschen, die die Torheiten ihrer Zeit durchschaut & öffentlich dargestellt haben. Denn die eigentlichen Narren sind diejenigen, die vom Hofnarren durch den Kakao gezogen werden.

Obwohl ich die ganze Zeit von "dem Narren" geschrieben habe, kann natürlich eine Närrin genau so gut diese Aufgabe übernehmen.

Als Anregung zähle ich einige mythologische Narrengestalten auf: im Indianischen ist Coyote der Trickster, in der nordischen Sagenwelt ist es Loki, in der Faust-Sage Mephisto. Der Wikipedia-Artikel verweist auf eine ganze Liste.

Nachtrag vom 22.05.2017: Siehe den Artikel Über Narren, Alleskönner, Mütter und Reviertiere von Klaus Eidenschink.

Im Mittelalter durfte der Narr am Hofe des Königs demselben Wahrheiten sagen, die anderen Personen auszusprechen den Kopf gekostet hätte. Diese Rolle war institutionalisiert, weil man um die Abschottungsmechanismen wußte, die den König von der Wirklichkeit im Volk zu isolieren drohten. more

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