Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Gruss an alle Globetrotter und Tramper

2005-11-23

Mein Gruss ist ein wörtliches Zitat von der Autobahnraststätte Michendorf südlich von Berlin an der A10:

Gruss an alle Globetrotter und Tramper. Viel Glück auf euren Reisen.

Danke an den unbekannten Schreiber dieses Grusses! & Gruss zurück!

Ich bin supergut durchgekommen gestern, in knapp fünf Stunden von Berlin - Raststätte Grunewald bis nach Bremen - Strassenbahnhaltestelle Sebaldsbrück.



Übrigens habe ich für Bremen das erste Mal so richtig das Schlafbuch

der ErdenbürgerInnen
genutzt & bin in einer netten coolen WG untergekommen.
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Gesellschaft mit beschränkter Haftung?!?

2005-11-23

Bindungs-Angsthase

Dieses Werbeplakat in Berlin hat mich doch ganz schön schockiert. Eine Gesellschaft, die solche Werbung macht, steht kurz vor ihrer Selbstauflösung bzw. befindet sich schon mitten darin.

Dabei fiel mir wieder ein, was der Unternehmensberater Ulrich Golüke im brand eins-Artikel über die kurzfristige Gesellschaft sagte (siehe Studiert Chemie!).



Sicher ist diese Werbung ironisch gemeint. Aber sie erhebt doch "Schluss machen, wann immer man will" zu einem erstrebenswerten Ziel.

Wie soll da ein Gesellschaftsvertrag zustande kommen & auch noch eingehalten werden?
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Und Bahro wirkt doch als Ökofaschist!

2005-11-22

Vielleicht hatte er das selber gar nicht kapiert, denn mein Eindruck nach dem Videomitschnitt auf dem Symposium war "der ist viel zu nett, um Faschist zu sein".

Lese ich seine Aussagen, so komme ich nicht umhin, diese als faschistoid zu klassifizieren. Ich beziehe mich dabei vor allem auf Zitate aus dem Buch Die Götter des New Age.



Dabei bin ich mir bewusst, dass der Autor Peter Kratz, wenn er vom "wissenschaftlichen Sozialismus" redet, ebenso einer Ideologie anhängt wie jene die er kritisiert. & gerade die Mehrheitsentscheidungen, die er durch das organizistische Denken des New Age gefährdet sieht, halte ich für zutiefst undemokratisch. Es handelt sich dabei schlicht um die Diktatur der Mehrheit, was mit "Herrschaft des Volkes" so viel zu tun hat wie Ballermann 6 mit spanischer Kultur. Siehe auch die "Diktatur des Proletariats" im ehemaligen Ostblock. Übrigens war das de facto eine Diktatur der Parteiführung & somit auch wieder eine Form der Klassenherrschaft.

& wer die gewaltsame Christianisierung der Kelten & Germanen als Schutzbehauptung von "Alt- und Neofaschisten" abtut, rechtfertigt damit religiösen Imperialismus übelster Art. Das wundert mich ganz besonders, als Peter Kratz doch vermutlich Karlheinz Deschner mit seiner Kirchenkritik voll unterstützt - wie es sich für "gute Linke" gehört. Bei ihm lässt sich all dies nachlesen, was die christlichen Missionare damals - & zwar durchaus auch im Gefolge Karls des Grossen - trieben. Wer nicht glauben wollte, musste dran glauben. So lief das damals. Insofern ist mir völlig unverständlich, wie emanzipatorische Linke diese Tatsachen nicht wahrhaben wollen.



Dennoch trifft Kratz' New Age- & vor allem Bahro-Kritik voll ins Schwarze. Ich betone noch einmal, dass ich nicht die Person Rudolf Bahro für einen Faschisten halte - deshalb habe ich hier getitelt "Bahro wirkte als Ökofaschist". Seine Aussagen in Büchern & Interviews zielen für mich klar auf eine autoritäre, antidemokratische Gesellschaftordnung. Wer diese als Ökofaschismus bezeichnet, weicht damit den Begriff des Faschismus auf & sollte sich dessen bewusst sein. Denn Peter Kratz betont ja selber, dass das New Age gerade keine Gewalt(herrschaft) propagiert, sondern im Sinne von Michel Foucault ohne direkte Gewalt durch Disziplinierung wirken will. Gewaltherrschaft halte ich jedoch für ein konstituierendes Merkmal des (historischen) Faschismus.



Der Text Politische Ökologie von einem Seminar an der Uni Münster nennt Herbert Gruhl als weiteren Denker mit ökofaschistoider Tendenz.





Auf einer Tagung "Politik & Spiritualität" im Frühjahr hat Julio Lambing fünf "Fallstricke der Eso-Szene", wie ich es nannte, vorgestellt:

  1. Die Wahrheit
  2. Trennung Geist (pneuma / lat. spiritus) - Körper (soma) - Seele (psyche) & daraus Überbetonung des Geistigen (Spiritualität)
  3. Evolutionäres Denken
  4. Apokalyptisches Weltbild
  5. den letzten Punkt hab ich vergessen

Lambing hat einen umfangreichen Artikel beim Rabenclan geschrieben, in dem er speziell auf die Neuheiden eingeht: Antidemokratische Strömungen im naturreligiösen Umfeld.



Ich gehe hier noch einmal auf die einzelnen Punkte ein:

Die Wahrheit™ meint so viel wie, dass jemand für sich beansprucht, die Wahrheit zu kennen, & an dieser Wahrheit ist dann auch nicht zu rütteln. Vernünftiges Denken, gar kritisches Hinterfragen wird als "verkopft" abgelehnt.

Der Begriff "Spiritualität" meint ausschliesslich das Geistige, eben Spirituelle. Indigene Kulturen kennen eine solche Trennung, wie sie zuerst die antiken Griechen vornahmen, überhaupt nicht. Ganzheitliches Denken stellt dem gegenüber nur eine Krücke dar, den Versuch, wieder zu verbinden was zuvor erst künstlich getrennt wurde.

Der Vorwurf des Evolutionären Denkens richtet sich nicht gegen die Evolutionstheorie im Gefolge Charles Darwins, sondern gegen die Annahme einer zielgerichteten Evolution sowohl der Natur als auch der menschlichen Kultur. Damit trifft er neben anderen übrigens auch den Historischen Materialismus von Marx & Engels - jedenfalls sofern sie als Automatismus der menschlichen Geschichte verstanden wird. Gefährlich wird dieses Denken nämlich dann, wenn eine bestimmte evolutionäre Richtung als die "richtige" & "natürliche" behauptet wird. JedeR, die/der von dieser angenommenen Evolutionsrichtung abweicht, kann dann als potentiell gefährlich & "unnatürlich" abgestempelt & zwangweise gleichgeschaltet werden. Die Wurzelrassenlehre von Helena Blavatsky, welche von einer vorgegebenen Abfolge immer "besserer" "Menschenrassen" ausgeht, diente den Nazis als mythisch-ideologische Rechtfertigung ihrer Pogrome.

Ein apokalyptisches Weltbild zeichnet sich dadurch aus, dass von einem baldigen Untergang der menschlichen Zivilisation (wenn nicht sogar dem Ende allen Lebens auf der Erde) ausgegangen wird, falls nicht umgehend drastische Massnahmen "das Ruder noch herumreissen". Das hat Martin Marheinecke in seinem Rabenclan-Artikel ausführlich geschildert, so dass ich nur die fatale Wirkung kurz schildere: Ähnlich wie beim evolutionären Denken, nur noch viel drastischer, führt dieses Weltbild dazu, Andersdenkende zu unterdrücken. Denn wenn es nur eine mögliche Rettung der Menschheit gibt, dann sind alle, die diese vermeintliche Rettung ablehnen, Feinde der Menschheit.
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Rudolf-Bahro-Symposium II

2005-11-19

Zu Beginn ein persönlicher Einschub: Qualitatives Wachstum braucht erheblich langfristigere Vorfinanzierung als quantitatives Wachstum, weil dafür geforscht werden muss! Siehe dazu auch den Beitrag zu Michael Braungart.



Vom Homo consumens zum Homo integralis



Burkhard Bierhoff beschäftigte sich in seinem Vortrag viel mit den Ersatzbefriedigungen unserer kapitalistischen Gesellschaft. Er hielt dem die Freiwillige Einfachheit entgegen, was Bahro als "kontraktive Lebensweise" bezeichnete. So nach dem Motto "weniger ist manchmal mehr" ;-)

Mir gefällt dieser Ansatz allerdings deshalb nicht, weil er mit den Worten Michael Braungarts öko-effizient ist anstatt öko-effektiv. Das alles sind Negativforderungen, es geht darum "falsches" Verhalten zu minimieren.

Durch Verzicht komme ich nicht zur Fülle!


Im Gefolge Bahros wird hier plumpe "Grenzen des Wachstums"-Propaganda betrieben & ein Malthus-Revival gefeiert. Bierhoff kritisierte das Buch The Ultimate Resource des Ökonomen Julian Lincoln Simon, der darin die Behauptung einer festen Obergrenze der menschlichen Bevölkerung auf der Erde widerlegt. Zwar habe ich das Buch selber nicht gelesen, stimme jedoch mit der Argumentation überein. Schliesslich ist der menschliche Geist in der Lage, immer effektivere Technologien (materieller wie immaterieller Art) zu ersinnen, die die vorhandenen Ressourcen oftmals um Grössenordnungen besser ausnutzen als bisher. Vor Entdeckung der Kernspaltung waren die Uranvorkommen in der Erde nur nutzloses Metall; jetzt sind sie Energieträger. Genauso war es mit dem Erdöl.

Entscheidend ist nicht, dass bestimmte Rohstoffe auf der Erde vorhanden sind, sondern wie intelligent wir diese nutzen.



Welches Wachstum brauchen wir?



Dieter Steiner, emeritierter Professor für Quantitative Geographie & Humanökologie an der ETH Zürich, spricht in Analogie zur Ökologie von einer "seelisch-geistigen Nahrungskette". Beim einzelnen Menschen lehnt er diese an die Maslowsche Bedürfnispyramide an.

In beiden Fällen beschreibt die Nahrungskette, wie ein Lebewesen bzw. ein Bedürfnis in einen grösseren Rahmen eingebunden ist. Die Jäger sind von ihrer Beute abhängig, so wie - laut Maslow - ein höherwertiges Bedürfnis erst auftritt, wenn die grundlegenderen Bedürfnisse befriedigt sind.



Im Bereich des Sozialen baut Steiner eine "Nahrungskette" von

  1. Ökologie
  2. Kultur im engeren Sinn
  3. Gesellschaft im engeren Sinn
  4. Wirtschaft

Sein Modell stellt - wie die Viergliederung - die heute bestehenden Verhältnisse "vom Kopf auf die Füsse". Die Wirtschaft steht in der Nahrungskette ganz unten, sie hat den Menschen zu dienen & nicht umgekehrt.



Steiner machte eine interessante Anmerkung zur Vernunft: dem Wortsinn nach ist Vernunft nämlich das was vernommen wird! Wer vernünftig denkt & handelt, tut das floglich nicht aktiv, sondern indem er die Weisheit des Alls vernimmt.



Er erwähnte dann Wolfgang Harich, einen weiteren DDR-Dissidenten, der den Wachstumszwang in Ost & West kritisierte. Er schrieb ein Buch Kommunismus ohne Wachstum, in dem er einen nicht-wachstumsorientierten Kommunismus als einzige Möglichkeit zum Überleben der Menschheit darstellt.



Die vergessene Seite des Menschen



Hartmut Frank hielt einen Spontanvortrag, weil er für einen verhinderten Referenten eingesprungen war.

Ich gab seinem Vortrag den Titel Die Spaltung in & um uns.

Einleitend beurteilte er die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre als bisher nur Anpassungen patriarchaler Strukturen, in denen wir immer noch stecken.

Er bezog sich stark auf C.G. Jung, der die Spaltung in Ego & Selbst für die Ursache dafür hielt, dass sich nichts grundlegend in unserer Kultur ändert. Frank folgt Jung darin, den Zugang über das Erotische, tiefgründig-Seelenhafte zu suchen.

Was die Menschen heute brauchen, bezeichnet er als Öffnung zur starken Liebe.

Zum Abschluss seines Vortrags sagte er, dass wir versuchen, durch materiellen Konsum ein religiöses Bedürfnis zu sättigen.



Die emotionale Matrix : Bahros Ideen für eine transdisziplinäre Sozialökologie



Maik Hosang stellte in seinem Vortrag die Ideen vor, die er mit zwei weiteren Autoren im Buch Die emotionale Matrix ausführt. In diesem Zusammenhang weise ich gezielt noch einmal auf den oekom Verlag hin, der eine Menge interessanter Bücher veröffentlicht, so auch das von Maik.

Analog zu der Trichotomie Phänotyp - Umwelt - Genotyp (chemobiotische Matrix), die in der Biologie eine biologische Art kennzeichnet, analysiert Maik Hosang Gesellschaftsformen im Spannungsverhältnis Kulturtyp - Umwelt - Emotyp (biokulturelle Matrix). Der Emotyp bzw. die biokulturelle Matrix stellt dabei

die "Tiefenstruktur" einer Gesellschaft dar, das was in der Gesellschaft nicht bewusst reflektiert wird & dennoch oder gerade durch ihre Entwicklung steuert.

Die biokulturelle Matrix wird gebildet von sieben so genannten Existenzialen, die aufeinander aufbauen:

  1. Physis
  2. Sexus
  3. Macht
  4. Liebe
  5. Sprache
  6. Erkenntnis
  7. Sinn

Im Zentrum steht für Maik Hosang dabei die Liebe. Sie stellt auch in der

Abfolge der Existenziale den grössten qualitativen Sprung dar; wer liebt, orientiert sich an den Bedürfnissen bzw. Interessen anderer.



Podiumsgespräch



Aus dem Podiumsgespräch halte ich nur die Erkenntnis des Dutch Research Institute for Transition für erwähnenswert, dass kulturelle Veränderung immer an den Rändern geschieht, nicht im Zentrum einer Kultur!





Ganz zum Schluss zeigte Andreas Peglau noch einen Videomitschnitt einer Diskussionsveranstaltung mit Rudolf Bahro, Hans-Joachim Maaz und Bernd Senf aus dem Jahr 1992. Mein Eindruck von Bahro aus diesen Videoaufnahmen ist der eines freundlichen, sehr belesenen Denkers, der gern viel redet. ^^
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Rudolf-Bahro-Symposium I

2005-11-18

Ich bin schon wieder in Berlin, & zwar auch schon wieder zu einer Tagung. Dieses Wochenende findet an der Humboldt-Universität ein Rudolf-Bahro-Symposium statt. Darauf wurde ich im LebensGut Pommritz aufmerksam, das ja auf Initiative von Bahro gegründet wurde & auf seinen Ideen fusst.

Laut Maik Hosang, der den ersten Teil der Veranstaltung moderierte, hat Bahro frühe Ideen von Karl Marx weitergedacht. Dessen Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844 werde ich bei Gelegenheit noch einmal lesen, da steckt nämlich einiges an Weisheit drin.

Das zentrale Stichwort des Symposiums, das auch Bahros Denken bestimmte, lautet Integration.

Übrigens: Der ursprünglich geplante Vortrag von Michael Jäger fiel zwar aus, er hat jedoch in der Wochenzeitung Freitag einen Artikel geschrieben: Reise nach innen.
Ich kommentiere im Folgenden nur die Vorträge, die ich besonders interessant fand.

Drei Stationen in Bahros Leben

  • 1968: Bereits 1967 schrieb Bahro einen Brief an Walter Ulbricht, dem er vorschlug, den ArbeiterInnen legislative Macht zu geben. Als Vorbild diente ihm dafür die Arbeiterselbstverwaltung in Titos Jugoslawien. Natürlich wurde sein Vorschlag nicht in die Tat umgesetzt. Als Reaktion auf den Prager Frühling begann er, Die Alternative zu schreiben. Eine erste Fassung des Buches stellte er 1973 fertig & verteilte sieben Exemplare an RegimekritikerInnen. Wegen der Arbeit am Buch musste Bahro seine Familie stark vernachlässigen.
  • 1977: Die Alternative erscheint. Das Buch stellt eine Absage an das Fortschritts- & Wachstumsmodell dar, welches in Ost und West vorherrschte. Kaum war das Buch in der BRD erschienen, da wurde Bahro auch schon verhaftet. 1979 kam er durch eine Amnestie frei & wurde in die BRD abgeschoben. Dort war er einer der Gründer der Grünen Partei. 1984 richtete er schwere Vorwürfe von "Machtwahn" an die Grüne Parteiführung. 1985 trat er schliesslich aus der Partei wieder aus.
  • 1989: Auf dem Sonderparteitag der SED, welcher zugleich der Gründungsparteitag der PDS war, hielt Bahro eine Rede. Allerdings bekam er darauf wenig Resonanz. In der Folge beschäftigte er sich mit der Frage nach den Kräften der Selbszerstörung (unserer Gesellschaft wie auch der Einzelnen).

Neurobiologische Argumente für eine liebevolle Beziehungskultur

Den Vortrag von Gerald Hüther fand ich von allen am spannendsten. Hüther ist Hirnforscher & referierte die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung. Vom etwa 100 Jahre alten Glauben des Determinismus hat die moderne Forschung kaum noch etwas übrig gelassen. Er führt das Humangenomprojekt (die "Entschlüsselung des menschlichen Genoms") als grösstmögliche Enttäuschung für Deterministen an. Denn der genetische Code ist zwar nun entschlüsselt, wie darin aber die Erbinformationen tatsächlich gespeichert, übertragen & in biologische Substanz umgesetzt werden ist noch weitgehend unverstanden.
Hüthers Erkenntnnis daraus: Der Mensch ist ein hochgradig komplexes System. Da gibt es keine einfachen, festen Programme.
Der neurobiologische Fachbegriff dazu ist Nutzungsabhängige Plastizität.

Was hat das nun mit liebevollen Beziehungen zu tun? Nun, ein Beispiel: deutsche Eltern reden heutzutage durchschnittlich nur noch acht Minuten am Tag mit ihren Kindern!!!!
& wenn das Gehirn so wenige sprachliche Anregungen bekommt, entwickelt es nur rudimentäre Sprachfähigkeiten.

Es geht also darum, dass wir Verantwortung für unser Gehirn übernehmen, wie Hüther es ausdrückt.
Erfahrungen strukturieren das Gehirn, am wichtigsten sind Beziehungserfahrungen!

Als nächstes beschrieb Hüther das Prinzip, nach dem sich unser Gehirn entwickelt: Aus einem Überangebot - sowohl an Zellen wie auch an Synapsen - wird nicht Benutztes mit der Zeit wieder aussortiert. Dieser Vorgang nennt sich 'pruning'.
Die Natur wendet also das Prinzip der Fülle an, & zwar in ganz vielen Bereichen, nicht bloss bei der Gehirnentwicklung.

Aus all dem ergibt sich:
Wir Menschen sind zum allergrössten Teil Kulturwesen, nur noch ganz wenig Naturwesen!

Das Phänomen der Spiegelneuronen erklärt unser Lernen durch Imitation: Beim Beobachten von Verhalten wird das gleiche neuronale Muster aktiviert wie wenn ich mich selber so verhalte. Dies wurde erstmals entdeckt bei Bananen schälenden Schimpansen.

Ungewöhnliche Ereignisse reizen das Limbische System, & das führt zu emotionaler Erregung. In diesem Zustand verankern sich Eindrücke besonders stark. Mir fiel dazu ein, dass beim NLP auch mit Ankern gearbeitet wird.
Die stärksten Reize sind dabei Beziehungserfahrungen.

Für mich ergibt sich daraus ganz speziell die Schlussfolgerung: Aufwachsen & Leben in Gemeinschaft fördert die Gehirnentwicklung! Da kann mensch nämlich sehr vielfältige Beziehungserfahrungen machen.

Nun klärte Gerald Hüther auf, was es mit den immer wieder beobachteten Unterschieden zwischen Männer- & Frauengehirnen auf sich hat: Diese Unterschiede entstehen durch unterschiedliche Sozialisation!
Anders als oft behauptet belegen diese neurologischen Untersuchungen also gerade nicht angeborene Unterschiede zwischen Männern & Frauen!

Übrigens erklärt sich durch solche neurobiologischen Vorgänge auch die Bestätigungstendenz.

Der nächste zentrale Punkt in Hüthers Vortrag war die Angst - die fördert nämlich starre Gehirnstrukturen. Verbreitete Strategien gegen Angst sind Macht & Reichtum/sozialer Status sowie Ablenkung (Fernsehen, Essen, aber auch Hungern). Es gibt natürlich noch viele weitere Strategien, aber alle zielen darauf ab, die Angst zu überspielen.
Nun kommt endlich der Bezug zu Bahro, denn der sagte: Angst ist besiegbar durch Vertrauen. Das lässt sich sogar tomografisch nachweisen!
Kreativität ist nur ohne Angst & Druck möglich. Deshalb kommen Wissenschaftlern & Künstlern die kreativsten Einfälle oft kurz nach dem Aufwachen, wenn das Gehirn noch unbelastet von den Anforderungen des Tages ist.

Als Fazit formulierte Hüther:

Alles was die Beziehungsfähigkeit fördert, ist gut für das Gehirn & für die Gesellschaft!

Gerechtigkeit oder Barbarei

Michael Brie von der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschäftigte sich mit Bahros Verständnis von Kommunismus.
Übrigens tauchte der Begriff "Kommunist" das erste Mal auf als Kritik an den Hutterern!

Bahros Kommunismus hatte recht wenig mit dem klassischen Verständnis davon zu tun:

  • Das Mensch-Natur-Verhältnis war ihm wichtiger als das Verhältnis von Mensch zu Mensch. Damit kann allerdings die Ausbeutung der einen Menschen durch die anderen legitimiert werden, wenn es "die Natur" erfordert.
  • Selbstversorgung in kleinen Gemeinschaften (er nannte sie "weltliche Klöster"). Damit knüpfte er an die Vorstellung vom "Urkommunismus" an. Das LebensGut Pommritz ist ein Modellprojekt, das diese Idee in die Praxis umsetzen soll.
  • Errichtung einer absoluten Autorität ("unsichtbare Kirche")

Bahro orientiert sich an Ferdinand Tönnies' Unterscheidung von Gemeinschaft (Unterordnung der Einzelnen) einerseits, Gesellschaft (andere Menschen als Mittel für eigene Interessen nutzen) andererseits.
Bei ihm verbindet sich das auf eigenwillige Art & Weise: JedeR schliesst einen individuellen "Vertrag mit Gott", anders als die Gesellschaft, in der Menschen miteinander Verträge abschliessen. Bahro schwebte eine persönliche & kollektive Reifung zu bewusster frei gewählter Gemeinschaft vor. Dazu gibt es übrigens einen Text der Rosa-Luxemburg-Stiftung: Gleicher als andere. Eine Grundlegung der freien Kooperation.

Rudolf Bahro hatte ein widersprüchliches Verhältnis zur Demokratie. Einerseits hielt er die Tyrannis (unter bestimmten Umständen) für notwendig, andererseits strebte er einen freiheitlichen Kommunismus als Ideal an.

Integration durch Differenzierung

Johannes Heinrichs hatte nach Bahros Tod bis zu dessen Schliessung den Lehrstuhl für Sozialökologie an der Humboldt-Universität inne.
In seinem Vortrag behandelte er das Prinzip der Evolution: Integration duch Differenzierung. Im Fall der biologischen Evolution sind es Zellen, die zunehmend differenzierte Funktionen wahrnehmen & in einem Gesamtorganismus integriert werden. Integration & Differenzierung entwickeln sich in der Evolution in einem dialektischen Verhältnis.
Die Persönlichkeitsentwicklung gliedert Heinrichs in vier Reflexionsstufen des menschlichen Bewusstseins. Aus den Reflexionsbeziehungen der verschiedenen Stufen geht bei ihm das Soziale hervor, das ebenfalls in vier Stufen gegliedert ist:

  1. Werte-/Legitimationssystem: metakommunikatives Handeln
  2. Kulturelles System: kommunikatives Handeln
  3. Pollitisches System: strategisches Handeln
  4. Wirtschaftssystem: sachbezogenes Handeln

In dieser Aufzählung ist die Rangfolge der vier Systeme schon enthalten; an oberster Stelle stehen die Werte, ganz unten befindet sich die Wirtschaft.
Damit adressiert die Heinrichssche Viergliederung die beiden Hauptprobleme der heutigen Politik: einerseits die strukturelle Unsachlichkeit auf Grund des Parteiensystems, andererseits die Dominanz der Wirtschaft in allen Gebieten.

Mir fiel zur Integration durch Differenzierung ein, dass das ja die Methode zur Reduktion von Komplexität ist. Niklas Luhmann lässt grüssen.

Rudolf Bahro lehnte Heinrichs' Ansatz ab, er bezeichnete das Prinzip der Reflexion als "krankmachend". Heinrichs zitierte ihn weiterhin:

Die Struktur der Moderne ist eine prinzipiell ahumane Veranstaltung.

Darin zeigt sich beispielhaft Bahros Ablehung der modernen Gessellschaft, die er als Megamaschine bezeichnet.

Rudolf Bahro – ein Mystiker?

Friedrich Sixel knüpfte hier gleich an & stellte fest, dass in Rudolf Bahro die Natur als das alles Vereinende auftritt. Damit vertritt Bahro eine monistische Auffassung. Darin liegt die Gefahr, mit "Natur" ungerechte Zuschreibungen zu legitimieren. Denn was Natur ist, definieren immer Menschen in einer bestimmten Kultur.
Bahro spricht viel von der inneren Natur & erklärt auch was er darunter versteht: die eigenen Sinne.
Sixel führt nun Goethes Farbenlehre als Illustration für diesen Denkansatz an. Goethe verstand sie als Gegenentwurf zu Newtons mechanistischer Farbenlehre. Bahro teilt Goethes erlebenden Wissenschaftsbegriff, der den Menshcen mit seinem Verstand als Naturwesen begreift. Das unterschlägt allerdings, dass der Verstand sich irren kann, auch wenn er noch so naturgegeben ist. Die Natur kann sich eben auch irren & tut das immer wieder!
Goethe verwendet den wertenden Code wahr/falsch für wissenschaftliche Unterscheidungen.
Newton hingegen setzt auf den wertfreien Code zutreffend/unzutreffend. Damit klammert er den forschenden, experimentelle Ergebnisse wahrnehmenden Menschen aus.

Nun verstieg sich Sixel zu der Behauptung "Beim hypothetisierenden Denken nimmt der Mensch Schaden". Da frage ich mich doch, woher nimmt er dann noch die Legitimation, Wissenschaft zu betreiben. Denn auch Goethe hat ja Hypothesen aufgestellt, um zu seiner Farbenlehre zu kommen.

Bahro geht aus von der "seienden Natur" (ein phänomenologischer Ansatz also).
Dem halte ich entgegen: Wir sehen nur, was wir glauben - Denken geht dem Wahrnehmen voraus!
Ich oute mich also hiermit als radikaler Konstruktivist.

Podiumsdiskussion

Von der Podiumsdiskussion nur wenige Fragmente.
Bahro verstand sich nicht als Aussteiger, er konzentrierte sich aufs radikale Denken.

Gerald Hüther nannte zwei ganz tiefe Grunderfahrungen aus der Kindheit:

  • dass ich über mich selbst hinauswachsen kann
  • dass ich verbunden bin

Daran erinnert mensch sich oft erst in Krisen wieder. more

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