Iromeisters Abenteuerreise

Von einem, der auszog, Vertrauen zu üben

Das Gesetz des Karma ist aufgehoben. Alle Wesen sind frei.

Kinosaal streichen und Forum

2005-08-26

Der Tag begann mit einem Blick aus dem Fenster, wo sich mir das wunderschöne Wetter offenbarte:
Morgendlicher Blick aus dem Fenster

Heute wie die letzten Tage habe ich viel im Kinosaal gestrichen:
Iromeister beim Streichen

Dabei hatte ich bis heute Nachmittag das Gefühl noch nicht richtig hier angekommen zu sein. Ich fühlte mich eher wie ein "Gastarbeiter". Heute war ich im Forum (schon wieder eine ZEGG-inspirierte Gemeinschaft...) & hab da genau das Thema reingebracht: Wie beheimate ich mich als Nomade da wo ich grad bin? & das tat richtig gut. Nach meinem Auftritt bin ich angekommen, fühlte mich gleich viel wohler.

Weil mir grad nix sinnvolles Eigenes mehr zu schreiben einfällt hier ein Spruch aus dem Talmud:

Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden Deine Worte.

Achte auf Deine Worte,
denn sie werden Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter,
denn er wird Dein Schicksal! more

Erster Arbeitstag in der Kulturfabrik Mittelherwigsdorf

2005-08-23

Heute hab ich den grössten Teil des Tages in der Kulturfabrik Mittelherwigsdorf gearbeitet. Bin noch gar nicht dazu gekommen, die Leute über die Gemeinschaft auszufragen sondern direkt mit Wände streichen & Kinositze renovieren eingestiegen:

beim Kinositze Leimen



Immerhin habe ich erfahren, dass das Gebäude Anfang des 20. Jahrhunderts entstand (Baugenehmigung von 1906) & zuerst eine Nudelfabrik war. Bevor die Gemeinschaft hier eingezogen ist, war eine Möbelfabrik hier drin, deshalb steht unten auch noch ein grosses Fass Knochenleim rum, den wir zum Leimen der Kinositze verwendet haben.



Zum Abschluss für heute noch die Ansicht von der Strasse aus:

Kulturfabrik von der Strasse aus



sowie vom Hof betrachtet:

Kulturfabrik vom Hof aus
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Mein neuer Tramprekord

2005-08-22

In nicht mal neun Stunden bin ich heute von Bielefeld (Rasthof Herford) bis nach Mittelherwigsdorf (bei Zittau) getrampt. Erst stand ich ne Stunde in Herford & dachte mir 'na das kann ja was werden...'
Dann bin ich in 2 Stationen in schneller Folge die A2 runter bis zum Rasthof Börde kurz vor Magdeburg & dort bis Dresden mitgenommen worden. Am Rasthof "Dresdner Tor" war grad ein Gewitter durchgezogen & die ersten Leute die ich ansprach (mit Kennzeichen ZI) haben mich bis Eibau mitgenommen. Von da bin ich die letzten Kilometer mit einer Frau mitgekommen, die die Kulturfabrik sogar kennt. Sie hat mich direkt hingebracht.
Pünktlich zum Abendessen kam ich an & schlug mir erst mal den Bauch voll. Jetzt tippe ich in einem Zimmer nur für mich diesen Text & werd mich gleich ins Bett hauen.

Übrigens, vor der Abfahrt habe ich mal mein Reisegepäck fotografiert:mein Reisegepäck
Das ist mein kompletter mobiler Haushalt, + das was ich am Leib trage! Schon ne radikale Reduktion im Vergleich zu meinem Kram als ich noch sesshaft war.

Die Macht von Glaubenssätzen

Beim Trampen hab ich die letzten Male so ein saumässiges Glück gehabt, dass ich es kaum fassen konnte. Vor allem das an mich ranlassen, dass die Göttin so gut zu mir ist. Dass ich tatsächlich auf der ganzen Erde daheim bin & nicht bloss an einem eng umrissenen Ort. Hab heute im Auto nach Dresden (bei einem älteren türkischen Mann, der dort seine Frau vom Flughafen abholte) gemerkt, wie angespannt ich immer noch bin. Ich versuche das Glück festzuhalten, das mir geschieht. Obwohl ich ja weiss dass es nicht geht.

Da steckt wohl ein uralter Glaubenssatz von mir dahinter, den Filter in ihrem Lied The Best Things so überaus treffend formulieren:

You know the best things in life aren't for me

You know the best things in life aren't for free

Als ich das Lied das erste Mal hörte, war ich zutiefst schockiert, weil ich mich so vollkommen darin wiederfand. Offenbar habe ich tief verinnerlicht, dass ich kein Recht habe auf die wirklich guten Sachen, wenn sie mir einfach so zufallen. & die wirklich wirklich guten Sachen fallen einem zu, da kannste nichts für tun. Wie in der Visa-Werbung: das Beste ist unbezahlbar - "für alles andere gibt es Visa."

Osho fordert Desire the Unattainable. Begehre das Unerreichbare - wow! Für mich heisst das: Begehre das was du dich nie getraut hast zu begehren. Invite the best things into your life!!!

Das war jetzt bei weitem der persönlichste & ehrlichste Beitrag in meinem Blog. Aber ich bin ja ausgezogen um Vertrauen zu lernen. more

Zwischenstopp in Bielefeld

2005-08-21

Nach dem Jahnishausener Sommercamp bin ich letzten Sonntag nach Bielefeld getrampt, weil ich hier noch einige Dinge zu regeln hatte. Z.B. habe ich das Guthaben meiner Stadtwerke-Schlussrechnung einkassiert, mein Ausbildungszeugnis noch mal persönlich abgeholt (auf dem Postweg war's verknickt worden) & bei der Gelegenheit meine ehemaligen KollegInnen besucht.

In erster Linie habe ich mein Notebook abgeholt & dafür das Zelt eingelagert. Fortan werde ich dank des eigenen Rechners öfter bloggen können. & kann dabei noch Musik hören :-D

Weiterhin hab ich einen Teil meines Sperrmülls zur Recyclingbörse gebracht.



Das wichtigste materielle Ergebnis meines Bielefeldaufenthalts ist mein neuer Rollkoffer:

selbst zusammengebauter Rollkoffer

Kostenpunkt inklusive Schrauben, Muttern & Unterlegscheiben ausm Baumarkt: 7,31 EUR!

Übrigens ist das das erste Foto mit meiner eigenen Digicam!!! Jetzt bin ich top ausgerüstet als HiTec-Gemeinschaftsreisender.



Die letzten beiden Tage hab ich hauptsächlich am Notebook gebastelt. Skype läuft jetzt, ich hab meine diversen Mailkonten, RSS-Feeds & den Usenet-Account bei news.individual.de im Thunderbird eingerichtet u.ä.
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Wir biegen den Regenbogen

2005-08-15

In einer Woche Sommercamp ist ne Menge passiert, in der Gruppe der Gäste, in der Gemeinschaft Jahnishausen & auch in mir. Als ein grosses Thema hat sich Kinder & Eltern in der Gemeinschaft herauskristallisiert. Da schwelt wohl schon seit etwa einem Jahr schon ein Konflikt zwischen den Eltern, vor allem den Müttern, & der Gemeinschaft. Einerseits fühlen sich die Eltern nicht genügend unterstützt von der Gemeinschaft, andererseits ist noch überhaupt nicht geklärt, wie weit sich die Gemeinschaft in das Verhältnis zwischen Kindern & Eltern einmischen darf/soll. Als einer der nächsten wichtigen Punkte steht demnach an, dass die Gemeinschaft Jahnishausen ein pädagogisches Konzept entwickelt.

Neben solchen ernsten Themen hat das vormittägliche Arbeiten Spass gemacht & teilweise ungeahnte Kräfte & Talente geweckt (z.B. beim Abtragen eines Schutthaufens). Als Beispiel ein Foto von mir beim Gemüse Schnippeln in der Küche:
in der Küche in Jahnishausen

Bei einer Fragestunde habe ich mir noch einiges notiert, das ich im Folgenden hier mitteile:
Ein Grundstein der Gemeinschaft war eine Seminarreihe "Magie des Alters" von Frieda Radford & Birkhilde Nicolai. Die TeilnehmerInnen dieser Seminare trafen sich anschliessend auf eigene Faust & tun dies heute noch 4-5mal im Jahr. Die Genossenschaft (& damit die Gemeinschaft) wurde 2001 von sieben Frauen zwischen (damals) 52 & 67 Jahren gegründet, die allesamt Altersmagierinnen sind.
Es gibt ungefähr alle zwei Monate Supervision durch eine Psychologin, um einen regelmässigen Blick von aussen auf die Gemeinschaft zu bekommen.

Finanziert werden die Restaurierungsarbeiten durch Einlagen der GenossInnen, Eigenleistungen, Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie der GLS Gemeinschaftsbank & auch durch Zuschüsse. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf ca. 1,5 Mio. EUR.
Wer in die Gemeinschaft einsteigen will, muss einen Pflichtanteil an der Genossenschaft in Höhe von 7750 EUR erwerben. Die BewohnerInnen zahlen Miete & Essenskosten, ein eigenes Einkommen ist also bisher noch zwingend erforderlich. In voll ausgebautem Zustand sollen in Jahnishausen bis zu 100 Menschen leben, dann wird die Genossenschaft voraussichtlich auch einige Arbeitsplätze bieten. Bis dahin ist aber noch verdammt viel zu tun!
Der Alltag besteht dem entsprechend aus viel Arbeit. Einmal die Woche gibt es ein Orga-Treffen, zu dem möglichst alle Gemeinschaftsmitglieder kommen sollen. Ebenfalls einmal die Woche ist Forum (das hat Jahnishausen vom ZEGG übernommen), ebenfalls verbindlich Restaurierungsarbeiten durch Einlagen für alle. Anders als im ZEGG ist es hier so geregelt, dass jedeR sich die Forumsleitung selber aussucht.

Das leitet auch schon über zum restlichen Verlauf des Sommercamps. Da haben wir nämlich an einem Nachmittag Forum gemacht. Einen Ausflug in einen benachbarten Schlosspark gab's ebenfalls.
Mein stärkster Moment war der rituelle Redekreis nach Manitonquat. Dabei sitzen alle im Kreis, & alle verpflichten sich bis zum Ende zu bleiben. Es darf auch niemand mittendrin dazukommen. Ein Redestein oder -stab wird im Kreis weitergegeben, & wer den Stein (in unserem Fall war es einer) hat, hat die volle Aufmerksamkeit der Runde. Diese Person kann dann sprechen was ihr gerade am Herzen liegt, oder auch den Stein einfach weitergeben. Wichtig ist, dass alle anderen zuhören & niemand dazwischenredet. Es ist kein Gespräch zwischen den Anwesenden, sondern Mitteilen & Zuhören. Alles was gesagt wird bleibt im Kreis, d.h. nachher wird nicht über das Gesagte geredet oder gar etwas weiter erzählt.
Mich hat es sehr berührt, wie verbunden wir einander waren & wie viel Vertrauen durch den rituellen Rahmen entstand. Die Menschen haben sehr Intimes mitgeteilt, ich auch.
An diesem Abend war für mich besonders stark die Qualität dieses Ortes & der Gemeinschaft spürbar, eine ruhige, warme Herzenskraft. Im Vergleich zum ZEGG kam mir das Bild vom Feuer - kein Wunder, wir sassen beim Redekreis ums Feuer: Während hier eine starke Glut glüht, brennt im ZEGG eine helle Flamme.

Sehr ergiebig für mich war ein von mir einberufenes "philosophisches Café" zu meiner Forschungsfrage, also welche Werte hinter Konsensentscheidungen stehen. Da waren nämlich zwei dabei, die die 68er-Bewegung damals mit kritischem Abstand beobachtet haben. Vor allem Freimut konnte auch von seinen Trainings & Aktionen der Gewaltfreien Bewegung gegen die nukleare Rüstung berichten. Ausserdem war er 1966/67 im Kibbuz in Israel & hat dort den Sechstagekrieg vor Ort mitbekommen. Zudem ist er bei den Quäkern, die nach seiner Aussage ein wesentlicher Impulsgeber dafür waren, dass bei gewaltfreien Aktionen immer im Konsens entschieden wird.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich in einer Woche sehr viel gelernt, viele spannende Menschen getroffen - & vielleicht sogar schon mein Quartier für den Winter gefunden habe. more

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